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Legales Glücksspiel: Automatenindustrie ignoriert gesetzliche Vorgaben

Durch technische Tricks an Geldspielautomaten hebelt die Automatenindustrie geltende Gesetze aus. Die Folgen: Das Suchtpotenzial beim legalen Glücksspiel an Geldspielautomaten ist enorm gestiegen. Die Aufsteller profitieren mit jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich 10 Prozent.

„Die ehemals harmlosen ‚Groschengräber‘ konnten sich zu einem Glücksspiel mit einem ausgeprägten Sucht- und Gefährdungspotenzial entwickeln“, erläutert der Bremer Suchtforscher Prof. Dr. Gerhard Meyer anlässlich der Vorstellung des DHS Jahrbuchs Sucht 2019. 
 
Auf dem legalen deutschen Glücksspiel-Markt wurde 2017 durch Spieleinsätze ein Umsatz von 46,3 Mrd. Euro erzielt. Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten sind mit Abstand der größte ‚Geldbringer‘. 7,1 Mrd. Euro an Bruttospielertrag – dem Differenzbetrag aus Einsätzen und Gewinnen - erzielten die Aufsteller mit diesen Geräten. Das entspricht einem Anteil von 58% am Gesamtmarkt.
 
Die rasante Steigerung der Erträge der Automatenindustrie begann im Jahr 2006 mit der Novellierung der Spielverordnung (SpielV). „Nach einer Übergangsfrist von 4 Jahren müssen seit dem 11. November 2018 alle aufgestellten Geldspielautomaten der Sechsten Novelle der Spielverordnung aus dem Jahr 2014 entsprechen“, so der Suchtexperte. „Erste Erkenntnisse zur Umsetzung der Vorgaben durch die Automatenindustrie zeigen, dass die Gesetzgebung nach wie vor in eklatanter Weise ausgehebelt wird.“
 
Als Spielanreiz locken die Geräte weiterhin mit potenziellen Gewinnen, die einen erheblichen Vermögenswert darstellen. Das sollte eigentlich durch die Novellierung der SpielV verhindert werden. Das Glücksspiel an den Automaten ist dadurch mit einer unmittelbar stimulierenden Wirkung verbunden. Es fördert das Abtauchen aus der Alltagsrealität und die Jagd nach einem Verlustausgleich. Entsprechend hoch ist das Suchtpotenzial. 
 
In der ambulanten Suchtberatung bilden Spieler/-innen an Geldspielautomaten unter den Glücksspielenden mit Abstand die größte Gruppe. Nach wissenschaftlichen Befunden stammt der überwiegende Anteil der Bruttospielerträge von problematischen und pathologischen Spieler/-innen. 
 
„Die Umgehungen der Spielverordnung sind derart offensichtlich, dass keine Zeit zu verlieren ist. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf für den Gesetzgeber“, fordert Suchtforscher Prof. Dr. Gerhard Meyer.

 

Pressemeldung der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.)

 

Literatur:

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2019. Pabst, 264 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-483-4. eBook ISBN 978-3-95853-484-1

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