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Kultursensibler Umgang mit traumatisierten Menschen in Kriegs- und Krisenregionen

Angehörige werden verschleppt oder ermordet, Waffengefechte müssen ausgetragen oder beobachtet werden, Familien werden auseinandergerissen: In Kriegs- und Krisengebieten erleben Einwohner/innen und Soldat/innen gleichermaßen täglich traumatische Situationen. Sie wirken sich in vielen Fällen auf die psychische Gesundheit aus und führen fast unweigerlich zu posttraumatischen Störungen. Deshalb sind gut ausgebildete Psychotherapeut/innen vor allem in diesen belasteten Regionen immens wichtig.

Der bekannte Psychologe und Psychotherapeut Jan Ilhan Kizilhan setzt sich direkt vor Ort dafür ein, indem er als Dekan des Instituts für Psychotherapie und Psychotraumatologie an der Universität Dohuk im Nordirak in einem Masterstudiengang die Studierenden zu Psychologischen Psychotherapeuten ausbildet. Sie können im Anschluss an ihr Studium professionelle Psychotherapie im eigenen Land anbieten.

Innerhalb dieser Ausbildung wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Arbeit mit traumatisierten Menschen gesetzt – in Ländern wie dem Irak vermutlich eines der häufigsten Störungsbilder. Gemeinsam mit Kollegen hat Kizilhan nun u.a. für diese Studierenden sowie für in Krisenregionen tätige Praktiker das Buch „Trauma Workbook for Psychotherapy Students and Practioners“ geschrieben. Neben Grundlagen zu psychotherapeutischer Beziehung und den verschiedenen Psychotherapieformen werden Therapeuten darin unterstützt, angemessene Absichten und Ziele mit traumatisierten Patienten zu erarbeiten sowie passende Interventionen und Übungen einzusetzen.

Psychotherapeuten in Kriegsgebieten brauchen neben den grundlegenden psychologischen und therapeutischen Kenntnissen vor allem ein Gespür im Umgang mit Klienten verschiedener Kulturen und Religionen. Sprachliche und kulturelle Brücken zu bauen, steht bei der Behandlung im Vordergrund – nur so können Patienten individuell erreicht und ihnen dementsprechend auch geholfen werden.

Nicht nur im Irak herrscht Krieg, nicht nur im Nahen Osten werden täglich Tausende traumatisiert. Durch Flucht und Vertreibung begegnen Therapeuten auch hierzulande verstärkt Menschen, die grausame und erschreckende Erfahrungen gemacht haben, Dinge erlebt haben, die man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünschen würde. Die kultursensible Psychotherapie wird in Zeiten wie diesen immer wichtiger – um Menschen dabei helfen zu können, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und einen positiven Blick in die Zukunft zu entwickeln

 

Literatur

 

Jan Ilhan Kiizlhan, Nadine Friedl, Florian Steger, Nina Ruegg, Pascal Zaugg, Christian Thomas Moser, Martin Hautzinger:
Trauma Workbook for Psychotherapy Student and Practitioners.
Pabst 2019, 286 Seiten, ISBN 978-3-95853-498-8, eBook ISBN 978-3-95853-499-5

 

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