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Kreuzschifffahrt als Trink-Trainingslager auf hoher See

Die Corona-Krise versenkt wertvolle und gleichzeitig auch toxische Geschäftsfelder: Die Kreuzschifffahrt förderte nicht nur die Umweltverschmutzung, sondern mehr noch den exzessiven Alkoholkonsum. Die Animation "all you can drink" sollte Langeweile auf See verhindern. Dr. Paul Brieler und Kollegen berichten in einer Dokumentation über eines der bisher weltweit profitabelsten Geschäftsmodelle.

 

Die Manager an Bord erhielten Bonuszahlungen, die zum großen Teil an den Verkauf von Alkohol gekoppelt waren. Das permanente ´Baccardi-Feeling´ war an Bord gewollt - ´gelockerte Prosecco-Passagiere´ konsumieren noch mehr. Es gab fast keine Grenzen für den individuellen Konsum. Sicherheitsbedenken durch und für betrunkene Passagiere wurden kategorisch negiert. Besagtes  ´Bacardi-Feeling´ war auch der Grund für häufige Sexualdelikte auf Kreuzfahrtschiffen. Vorfälle wurden möglichst unter den Teppich gekehrt." Die meisten Kreuzfahrtschiffe verkehren unter der Flagge exotischer Niedrigsteuer-Länder. Derartige Staaten sind an einer Strafverfolgung nicht interessiert.

 

Die Kalkulation war trivial: billigst und unversteuert einkaufen, teuer und unversteuert verkaufen. Selbst in deutschen Hoheitsgewässern wurde dem Fiskus nichts gegönnt. Kalkulation am Beispiel einer 0,7 Liter-Flasche Jägermeister: 17 shots zu 4cl x 3,90€ = 66,30€ / +18% Zwangstrinkgeld = 78,23€. Bei einem Einkaufspreis von fünf Euro erreichte die Gewinnmarge 1500%.

 

Die Einnahmequellen und Suchtrisiken an Bord ließen sich weiter steigern: Alle Kreuzfahrtschiffe haben Spielkasinos, und die Passagiere wurden dort gezielt ans Spielen geführt. Bei Aida stand Poker bereits im Kids Club -für Passagiere im Alter zwischen 12 und 17 Jahren - auf dem Programm.

 

Zitat eines Besatzungsmitgliedes: "Kurze und besonders billige Reisen bei Aida in Nord- und Ostsee waren legendär. Die Barkeeper geierten auf Trinkgeld und animierten hemmungslos ... bis zum Komasaufen. Es wurde regelmäßig gekotzt. Wenn der Umsatz nicht stimmte, gab es Druck auf der ´Chain of Command´; denn der Bonus, insbesondere für die Capos, hing vom Verkauf ab." So opulent die Einkommen des Personals an Deck waren, so kläglich wurden Hilfsarbeitskräfte (aus Entwicklungsländern) unter Deck entlohnt - mit ein bis zwei Euro pro Stunde. 

 

Literatur zum Thema

Paul Brieler, Andreas Büttner, Klaus Püschel (Hrsg.): Alkohol, Drogen, Verkehrseignung - Kreuzschifffahrt.
Pabst, 136 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-95853-539-8,  eBook 978-3-95853-540-4

 

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