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Klärungsorientierte Psychotherapie: Wie Klienten lernen, ihren Problemen ins Auge zu blicken

Kommt ein Klient in eine Psychotherapie, möchte er dringend seine Probleme lösen. Doch von einem gewissen Therapiestadium an, scheut er davor zurück, dem Problem tief ins Auge zu blicken. Meist unbewusst versucht der Klient dann, die Bearbeitung des Problems zu vermeiden. Lässt der Therapeut dies zu, wird er seiner Aufgabe nicht gerecht, die Behandlung misslingt. Professor Dr. Rainer Sachse und Kolleginnen (Bochum) konkretisieren, wie es gelingt, Klienten auch bei aversiven Themen in einer klärungsorientierten Reflexion zu halten. Erfahrungen und Anregungen bieten die Reader "Perspektiven Klärungsorientierter Psychotherapie", Band I. und II.

 

"Jede Klärung in der Psychotherapie führt irgendwann in den Vermeidungsbereich. Vermeidung ist ein völlig normaler Prozess bei der Klärung dysfunktionaler Schemata." V.a. bei Persönlichkeitsstörungen und psychosomatischen Erkrankungen ist das Vermeidungsverhalten häufig und nachhaltig. 

 

Wie früh ein Klient im Lauf des Klärungsprozesses vermeidet und wie stark er dies tut, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B.:

 

- Schätzt ein Klient einen Inhalt als selbstwertbedrohlich ein, vermeidet er eher stark und früh.

- Schätzt der Klient seine eigenen Ressourcen und Bewältigungsmöglichkeiten als hoch ein, vermeidet er wenig und ggfs. erst spät; in diesem Fall traut er sich eine Konfrontation mit aversiven Inhalten zu.

- Hat ein Klient hohes Zutrauen in die Fähigkeiten des Therapeuten und ist die persönliche Beziehung tragfähig, vermeidet er gleichfalls wenig und spät.

 

Das Repertoire an Vermeidungsstrategieen ist reichhaltig; etwa: Der Klient wehrt ab,

 

- sein Problem sei häufig und liege im Normbereich

- sein Problem bestehe nicht dauerhaft und sei relativ unbedeutend

- er könne das Problem nicht konkretisieren oder einschätzen

- er beantwortet Fragen, die nicht gestellt wurden

- er erklärt, das angesprochene Problemfeld sei gelöst

- er erklärt ein Problem für definitiv unlösbar und daher indiskutabel u.a.

 

Zu allen Strategieen schlagen Sachse und Kolleginnen detailliert unterschiedliche Gegenstrategieen vor. Der Klient lernt, dass die aversiven Inhalte nicht wirklich bedrohlich, sondern bearbeitbar sind - aber nur dann, wenn der Therapeut ihn nicht vermeiden lässt, sondern ihn immer wieder mit den Inhalten konfrontiert: Dosiert, aber konsequent, hält der Therapeut den Klienten im Konfliktbereich. Der Klient will ausweichen, der Therapeut führt ihn zurück. Der Therapeut steuert systematisch gegen die Vermeidung an - bis der Klient bemerkt, dass er eigentlich nicht vermeiden muss. Dabei arbeitet der Therapeut immer an der Kante des Möglichen ... 

 

Literatur

 

Rainer Sachse, Peter Schlebusch (Hrsg.) Perspektiven Klärungsorientierter Psychotherapie I., Pabst, 328 Seiten, Paperback ISBN 978-3-89967-274-9

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Rainer Sachse, Jana Fasbender, Janine Breil, Meike Sachse (Hrsg.) Perspektiven Klärungsorientierter Psychotherapie II., Pabst, 444 Seiten, Paperback ISBN 978-3-89967-672-3

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