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Kinder und Jugendliche: viel Zufriedenheit und wenig Bewegung

Prof. Dr. Ludwig Bilz (Foto: Christiane Starke)

Titelseite der HBSC-Gesundheitsstudie

Brandenburger Kinder und Jugendlichen haben eine hohe Lebenszufriedenheit, machen aber zu wenig Sport – diese und weitere Erkenntnisse zu Gesundheit, Sozialverhalten und Homeschooling ermittelt die HBSC-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:

1. Hohe Lebenszufriedenheit
Der überwiegende Teil der Brandenburger Kinder und Jugendlichen schätzt seine Gesundheit als ausgezeichnet oder gut ein und berichtet eine hohe Lebenszufriedenheit. Knapp ein Drittel berichtet indes von mehrmals wöchentlich auftretenden psychosomatischen Beschwerden, insbesondere Einschlafproblemen. Mädchen sind häufiger davon betroffen, während Jungen eher problematische Ausprägungen des Sozialverhaltens zeigen. Höhere Belastungswerte sind bei Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwächeren Familien und an Ober- und Förderschulen zu finden. Handlungsbedarfe werden insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit deutlich.

2. Mehr Obst- aber auch mehr Tabakkonsum als der Bundesdurchschnitt
Brandenburger Kinder und Jugendliche frühstücken regelmäßiger und essen mehr Obst als Gleichaltrige im Bundesdurchschnitt. Sie trinken zudem deutlich weniger Alkohol und rauchen viel weniger als noch vor 15 Jahren. Während an Gymnasien 0,3 Prozent angeben, täglich zu rauchen, sind es an Oberschulen 6,7 Prozent.

3. Zu wenig Sport
Nur 14,2 Prozent der Brandenburger Kinder und Jugendlichen erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 60 Minuten körperliche Aktivität am Tag. Deutlich zu wenig angesichts des Zusammenhangs zwischen körperlicher (In-)Aktivität und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, psychischen Erkrankungen sowie Einschränkungen der schulischen Leistungsfähigkeit.

4. Die Mehrzahl ist online unterwegs
Online kommunizieren zählt für die große Mehrheit der Brandenburger Kinder und Jugendlichen zur täglichen Routine und zwar in allen drei untersuchten Altersgruppen gleichermaßen. Ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit scheinen sich nur dann zu ergeben, wenn aufgrund sehr intensiver Nutzung suchtähnliche Konsummuster auftreten. Diese wurden in Brandenburg bei 6,4 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler festgestellt.

5. Familiäre Voraussetzungen für digital unterstütztes Homeschooling fallen je nach Schulform unterschiedlich gut aus
Eine aktuelle Zusatzauswertung der Daten hat gezeigt, dass in den Familien von drei Viertel der Befragten mehr als zwei Computer (einschließlich Laptops und Tablets) vorhanden sind, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den Schulformen gibt: 21,9 Prozent der Familien von Förderschulkindern besitzen keinen oder nur einen Computer, bei Familien mit Oberschul-Kindern sind es 11,5 Prozent (Gesamtschule: 2,6 Prozent, Gymnasien: 3,6 Prozent). Über einen ruhigen Arbeitsplatz zu Hause verfügt mit 95,7 Prozent die große Mehrheit der befragten Schülerinnen und Schüler, wobei es auch hier deutliche Schulformunterschiede gibt. Sind die Eltern im Home-office oder Kurzarbeit und gibt es mehrere Kinder in der Familie, verschlechtern sich die Möglichkeiten des online-gestützten Lernens wegen fehlender sächlicher Voraussetzungen. Insgesamt haben Förderschülerinnen und Förderschüler die schlechtesten Bedingungen fürs Homeschooling.

In Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV) sowie der AOK Nordost wurden unter der Projektleitung von Prof. Dr. Ludwig Bilz, Fachgebiet Pädagogische Psychologie in Gesundheitsberufen der BTU, mehr als 3.000 Brandenburger Schülerinnen und Schüler an 55 Schulen und Schulzentren für die internationale HBSC-Studie („Health Behaviour in School-aged Children“) zu folgenden Themen schriftlich befragt:

  • subjektive körperliche und psychische Gesundheit,
  • Bewegungs-, Ernährungs- und Risikoverhalten,
  • Zahnhygiene,
  • Substanzkonsum und abhängige Verhaltensweisen,
  • Familie und soziale Lage sowie Freundeskreis,
  • Schule bzw. Schulklima
  • eigene Gesundheitskompetenz,
  • Sexualverhalten und Konsum illegaler Drogen (nur 15-Jährige).


Die Autoren der Studie schlagen in ihrem Fazit einen ganzen Katalog an Maßnahmen für Verbesserungen vor, u.a. eine stärkere Bedarfsorientierung in der schulischen Gesundheitsförderung.

Hintergrund der Studie

Die HBSC-Studie ist ein internationales kooperatives Forschungsvorhaben, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit über 30 Jahren unterstützt und in mittlerweile 49 Ländern durchgeführt wird. Die Studie dient der Datengewinnung und -analyse der Gesundheit und gesundheitsbezogenen Wahrnehmungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern der 5., 7. und 9. Klassen und untersucht die personalen und sozialen Rahmenbedingungen, die eine gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen positiv oder negativ beeinflussen. Die Kooperationspartner haben sich zusammengeschlossen, damit sich Brandenburg erstmals mit einer repräsentativen Stichprobe an der HBSC-Studie beteiligt. Der Ergebnisbericht der HBSC-Studie Brandenburg ist im Verlag Pabst Science Publishers erschienen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. phil. Ludwig Bilz
Pädagogische Psychologie in Gesundheitsberufen
T +49 (0) 3573 85-720
ludwig.bilz(at)b-tu.de

Weitere Informationen:


Quelle:
https://idw-online.de/de/news747282 


Nancy John, Ludwig Bilz: Kinder- und Jugendgesundheit in Brandenburg – Ergebnisse der HBSC-Gesundheitsstudie 2018 im Auftrag der WHO
Pabst, 198 Seiten, farbig, Paperback ISBN 978-3-95853-556-5, eBook ISBN 978-3-95853-557-2
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