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Trendstudiengang Wirtschaftspsychologie: Hohe Frauenquote, viele private Anbieter und kaum Standorte im Osten

Wirtschaftspsychologie als Alternative zum klassischen Psychologiestudium ist beliebt bei Studieninteressierten. Die allermeisten der noch vergleichsweise wenigen Angebote staatlicher Hochschulen sind zulassungsbeschränkt. Es gibt jedoch viele private Hochschulen, die das Fach anbieten und seltener Zulassungsbeschränkungen haben. Und auch regional gibt es große Unterschiede im Angebot, wie eine aktuelle Auswertung des CHE Centrum für Hochschulentwicklung zeigt.

Wirtschaftspsychologie existiert an deutschen Hochschulen erst seit 1998 als Studienangebot. Das damit vergleichsweise junge Studienfach ist u.a. für diejenigen eine interessante Alternative, denen der flächendeckende Numerus Clausus ein universitäres Psychologiestudium verwehrt. Es ist aber auch für diejenigen attraktiv, die Interesse an einem Psychologie-Studium haben und sich praxisorientiert und speziell für eine Tätigkeit in der Wirtschaft qualifizieren möchten. Spätere berufliche Einsatzgebiete für Absolventinnen und Absolventen liegen etwa im Bereich Personalentwicklung.

„Wirtschaftspsychologie ist ein typisches Beispiel für die Entwicklung des Studienangebotes in Deutschland“, erklärt Cort-Denis Hachmeister. „Es handelt sich um ein stark nachgefragtes Studienfach, das interdisziplinär zwei klassische Studienbereiche zu etwas Neuem kombiniert und dabei auch Themen aus dem Gesundheitsbereich wie Stress oder Arbeitsbelastung aufgreift“, so der Autor der Studie.

Seit Mai 2020 gehört das Fach zum Kanon der 40 Fächer in Deutschland, die im CHE Hochschulranking berücksichtigt werden. Aus diesem Grund hat das CHE die wichtigsten Rankingergebnisse und weitere Daten zur Wirtschaftspsychologie in einer Publikation zusammengestellt.

Insgesamt wird das Fach Wirtschaftspsychologie aktuell an 47 Standorten an Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften, kurz HAW, angeboten. Mit der Wirtschaftspsychologie eng verwandte Studiengänge, wie z.B. Kommunikations- oder Werbepsychologie, wurden ebenfalls einbezogen.

Die CHE Auswertung zeigt mit 63,8 Prozent einen hohen Anteil an Angeboten von privaten Hochschulen. Die meisten Studienangebote finden sich an großen Hochschulstandorten in Westdeutschland. Abgesehen von den Angeboten in Berlin sind nur zwei der 47 Studiengänge in ostdeutschen Bundesländern angesiedelt.

Wie auch im Fach Psychologie ist die Mehrzahl der rund 10.000 Studierenden der Wirtschaftspsychologie weiblich. Durchschnittlich sind im Bachelorbereich gut zwei Drittel, im Master 80 Prozent der Studierenden Frauen. Die höchste Frauenquote findet sich im Masterstudiengang Wirtschaftspsychologie an der HFT Stuttgart mit einem Anteil von 88 Prozent.

Die Ergebnisse der Fachbereichs- und Studierendenbefragung im Rahmen des CHE Hochschulrankings zeigten einen besonders hohen Kontakt zur Berufspraxis bei gleichzeitig eher durchschnittlich ausgeprägter internationaler Orientierung.

Aus Sicht der Professorinnen und Professoren stellen analytisches Denkvermögen, Interesse an Forschung und wissenschaftlichem Arbeiten sowie Kommunikationsfähigkeit die wichtigsten Voraussetzungen für ein Wirtschaftspsychologie-Studium dar. Jeweils über 60 Prozent der Befragten nannten diese drei Fähigkeiten.

An den privaten Hochschulen, bei denen Studiengebühren anfallen, sind die Studiengänge in der Regel zulassungsfrei. Die Bewerberinnen und Bewerber konkurrieren also nicht untereinander um eine begrenzte Anzahl von Plätzen. Anders ist die Situation an den gebührenfreien staatlichen Hochschulen.

Die Abfrage des CHE zeigte, dass die Studienplätze an den staatlichen Hochschulen voll ausgelastet sind und daher Zulassungsbeschränkungen haben. „Wenn man die seit Jahren hohe Nachfrage beim universitären Psychologiestudium bedenkt - und sieht - dass die Wirtschaftspsychologie-Studienangebote an den staatlichen Hochschulen voll sind, dann ist es schon erstaunlich, dass das Fach gerade einmal an 17 der rund 100 staatlichen Fachhochschulen bzw. Hochschulen für angewandte Wissenschaften angeboten wird. Die privaten Anbieter haben hier offenbar schneller auf die Nachfrage reagiert“, bilanziert CHE Geschäftsführer Frank Ziegele. „Das Fach ist aber insgesamt ein gutes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit des Hochschulsystems. Den HAWs gelingt es, akademische Fächer in praxisorientieren Studiengängen neu zu kombinieren“.

Pressemeldung: https://idw-online.de/de/news752520

 

 Literatur zum Thema

Bildat, Lothar; Warszta, Tim (Hrsg.): Psychologie im Human Resource Management
Ein Lehrbuch für Hochschule und Praxis

Pabst, 2018, 576 Seiten, ISBN 978-3-95853-233-5

 

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