„Fast 8 Millionen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland leisten Basisarbeit. Etwa 75% von ihnen sind in Dienstleistungsberufen tätig, u.a. in Gastronomie, Pflege, Sicherheitsberufen, Verkehrs- und Logistikberufen oder Reinigung.“ Die Belastungen sind überdurchschnittlich: Etwa 20% der Betroffenen arbeiten befristet, mehr als 55% werden unterhalb der Niedriglohnschwelle bezahlt. Geringe Handlungsspielräume sowie Arbeit an Randzeiten des Tages sind typisch. Vertretung durch einen Betriebsrat ist atypisch.
„Insgesamt fehlt es an Akzeptanz und Anerkennung für Basisarbeit,“ kritisiert Eigenstetter. „Basisarbeitende müssen ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit und Ehrlichkeit mitbringen, da sie auch in sensiblen Bereichen tätig sind, etwa in Krankenhäusern oder im Sicherheitsdienst. Die Verantwortung von Reinigungskräften, Fahrpersonal im Güter- oder Personentransport oder Beschäftigten am Bau für eine sorgfältige und verlässliche Ausführung wird häufig unterschätzt.“ Basisarbeit ist in arbeitsteiligen Gesellschaften notwendig. Daher bleibt „ein Engagement für Menschen in Basisarbeit nicht nur Ausdruck sozialer Verantwortung, sondern auch unternehmerischer Klugheit. Eine Wertschätzung der Basisarbeit ist kein ´Nice to have´, sondern zentral für das Funktionieren sozialer Systeme.“
„Die Prinzipien menschengerechter Arbeit sind Schädigungslosigkeit, Ausführbarkeit, Beeinträchtigungsfreiheit, Persönlichkeitsförderlichkeit, Sozialverträglichkeit. Dazu zählen ein für ein menschenwürdiges Leben auskömmliches Einkommen, soziale Sicherheit sowie der Schutz der körperlichen und psychischen Gesundheit.“ Hier kann die Arbeitspsychologie einen wichtigen Beitrag leisten; Sie kann Risikobewertungen und Stakeholder-Dialoge über Unternehmensgrenzen hinweg unterstützen, Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung begleiten, geeignete didaktische Konzepte zur Weiterbildung entwickeln, am Aufbau einer positiven Sicherheitskultur mitwirken sowie Wirtschaftlichkeitsberechnungen unterstützen …
Die Förderung guter Arbeitsgestaltung kann einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt demokratischer Gesellschaften leisten. Arbeitsunsicherheit, Existenzängste und psychische Belastungen stehen mit negativer Emotionalität, sinkendem Vertrauen sowie einer erhöhten Offenheit für populistische und extremistische Einstellungen in Verbindung. Studien zu Klimawandel, Krisenwahrnehmung und gesellschaftlicher Polarisierung zeigen, dass soziale Unsicherheit demokratische Stabilität beeinträchtigen kann,“ betont Monika Eigenstetter.
Wirtschaftspsychologie 2026-1
Psychologie für Arbeitssicherheit und
Gesundheit – 30 Jahre Arbeitsschutzgesetz
Sabine Rehmer, Rüdiger Trimpop, Monika Eigenstetter (Hrsg.)

















