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Gewalt in (Ex-)Partnerschaften – wie sie mit dem Faktor „Trennung“ zusammenhängt

Häusliche Gewalt vor allem gegen Frauen ist leider kein seltenes Vorkommen. Wie die sogenannte „Intimpartnergewalt“ mit dem Faktor „Trennung“ eines Paares zusammenhängt, untersuchten Dr. Maria Isabel Fontao (Konstanz) und Prof. Dr. Thomas Ross (Reichenau). Ihre Ergebnisse sind nachzulesen im Journal „Forensische Psychiatrie und Psychotherapie“ (Ausgabe 3/18).

Die Zahlen sind erschreckend: Allein in Deutschland sind fast 114.000 Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen, darunter Körperverletzung, Stalking oder sexuelle Nötigung. Und das sind nur die gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer ist vor allem in diesem Bereich immens hoch.

In Deutschland ist das Vorkommen von Trennungen im Lebensverlauf deutlich mit Gewalt in Partnerschaften verbunden. Tatsächlich steigt das Risiko, Gewalt in Partnerschaften zu erleben, mit der Häufigkeit von Trennungen in der persönlichen Vergangenheit linear an. Frauen, die sich in erster Beziehung befinden, berichten zu 13 Prozent von Gewalt durch den Partner, bei Frauen, die sich ein- oder zweimal getrennt hatten, waren es bereits 33 Prozent. Bei weiteren Trennungen erhöhte sich die Zahl auf bis zu 64 Prozent.

Fontao und Ross stellen fest, dass ein nicht unerheblicher Teil der sog. Intimpartnergewalt in der konkreten Trennungssituation stattfindet. Gewalt und Gewaltdrohung kommen im direkten Kontext jeder zehnten Trennungs- bzw. Scheidungssituation vor.

Verschiedenen Theorien und Ansätze haben in der Vergangenheit versucht, den deutlichen Zusammenhang von Trennung und Partnergewalt zu erklären, darunter lerntheoretische Ansätze: Sie begründen die Intimpartnergewalt mit fehlgeleiteten Lernprozessen, z.B. einer Übertragung gewalttätigen Handelns von einer Generation zur nächsten. Bei gewalttätigen Übergriffen nach Trennungen werden in 72 Prozent der Fälle Kinder zu Zeugen, was für die Transmission von Partnergewalt spricht. Feministische Theorien dagegen stellen das ungleiche Machtverhältnis der Geschlechter in den Vordergrund: Männer sind in vielen Fällen innerhalb einer Beziehung „mächtiger“ und spielen diese Rolle teilweise gewalttätig aus.

Die AutorInnen machen zusätzlich auf situative Merkmale zur Erklärung des Zusammenhangs von Gewalt und Trennung aufmerksam: Die Trennungsperspektive nimmt der Täter als Provokation, als Bedrohung des Selbst und als Angriff auf die männliche Identität wahr. In der konkreten Trennungssituation kommt noch ein angegriffener psychischer und mentaler Zustand hinzu, was sich in nicht wenigen Fällen in Gewalt äußert.

Fontao und Ross geben „Hinweise für die Praxis“ für weibliche Opfer, sollte der Verdacht auf potentielle Gewaltbereitschaft in der Trennungssituation bestehen. Sie schlagen z.B. das vorherige Hinzuziehen von Vertrauenspersonen sowie die Nicht-Ankündigung der Trennung vor. Bei bereits erfolgter Gewalt raten sie dazu, sofort die Polizei zu verständigen.

 

Literatur

Maria Isabel Fontao, Thomas Ross: Gewalt gegen Frauen und Trennung: Epidemiologische Grundlagen, theoretische Modelle, Hinweise für die Praxis

 

IN: Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Ausgabe 3/2018, S. 211–225.

 

 




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