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Gewalt in der Suchthilfe: rechtzeitig vorbeugen und nachhaltig deeskalieren

Gewalt nimmt seit Jahren in vielen beruflichen Bereichen zu. Jürgen Fais und Kollegen beobachten dies auch in der Suchthilfe und reflektieren in Ihrem Reader eigene Erfahrungen und Empfehlungen: Was eignet sich zur Prävention und zur Deeskalation? Gewalt sehen die Suchtexperten als "Sprache der Verzweiflung".

"Durch die unterschiedliche Substanzdosierung, die Polytoxikomanie, und die besondere Lebenssituation der Klienten lässt sich wissenschaftlich nicht exakt klären, welche Drogenart Gewalthandlungen besonders begünstigt. Erfahrungswerte im Arbeitsfeld der Suchthilfe zeigen jedoch, dass die wahllose Kombination unterschiedlicher Substanzen häufiger zu Kontrollverlust und Aggressivität führt. Kokain und Amphetaminen werden aggressionsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Hingegen wirken Barbiturate grundsätzlich beruhigend und einschläfernd; bei gewohnheitsmäßiger Intoxikation kann jedoch eine paradoxe Wirkung eintreten: Konsumenten neigen dann zu Reizbarkeit und Jähzorn. Verstärkt wird dies durch gleichzeitigen Alkoholkonsum.

 

Die psychotropen Effekte von Halluzinogenen sind psychose-ähnlich und können zu einer massiven Einschränkung der Realitäts- und Verhaltenskontrolle führen. Im Rauschzustand kann es zu wahnhaften Situationsumdeutungen und somit ggf. zu einem psychotischen Verlauf mit Angst und Agitation kommen. Ähnliche Symptome zeigen sich auch bei synthetisch hergestellten Drogen," berichtet Fais.

 

Andreas Hecht fasst in seinem Beitrag zum Reader die Empfehlungen zusammen: "Trägt man der Tatsache Rechnung, dass sich Gewalt u.a. als Ausdruck von kultureller und sozialer Verwahrlosung, Verrohung und Verarmung wiederfindet, muss man bereit sein, innerhalb niedrigschwelliger Einrichtungen eine angemessene Antwort zu geben. Diese Antwort findet sich in der Bereitstellung eines geregelten Ruhe-, Schutz- und Kulturraumes, der zugleich Lernraum ist und ein Gegenmodell zum Szenealltag bietet. Dieser Raum reguliert dysfunktionales Verhalten, erinnert an Gelerntes und sorgt bei vielen Klienten dafür, dass ihr Bedürfnis nach einem Leben mit Orientierung, geltenden Regeln und Sicherheit (wieder-)erreichbar ist. Das Gestalten des geregelten Raumes fordert ständige Anstrengungen und Reflexion. Es stellt den wirkungsvollsten Ansatz zur Prävention von Kriminalität und Gewalt dar ..."

 

Fais, Jürgen (Hrsg.): Gewalt – Sprache der Verzweiflung

Vom Umgang mit Gewalt in der Suchthilfe

Pabst, 2012, 204 Seiten

Print: 20,00 € | 978-3-89967-812-3

 

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