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Folgen des Lockdown: Mehr häusliche Gewalt, Stress und Angst

Angst, Schlaflosigkeit, Depression und Konflikte innerhalb der Familien: Seit dem Auftreten der Corona-Pandemie in China gab es bereits erste Hinweise zu den psychosozialen Auswirkungen der Pandemie. Das können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Seelische Gesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) jetzt mit einer ersten Auswertung einer am 1. April gestarteten Umfrage belegen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen einen Anstieg von Stress, Angst, depressiven Symptomen, Schlafproblemen, Reizbarkeit und Aggression. Sorge bereitet insbesondere, dass 5 Prozent der Teilnehmenden angaben, häusliche Gewalt in den vergangenen vier Wochen erfahren zu haben. Diese kann verbaler, körperlicher oder sexueller Natur sein.

die Erstauswertung bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. bis zum 15. April 2020 und umfasst damit den Rahmen der schärfsten Lockdown-Maßnahmen in Deutschland. 3.545 Freiwillige nahmen an der Studie teil, das mittlere Alter lag bei 40 Jahren. Von den Befragten sind 83 Prozent Frauen und 15,2 Prozent Männer. Diese Umfrage ist eine der ersten und größten Umfragen zu seelischer Gesundheit in Deutschland. Die aktuelle Erhebung beinhaltet eine webbasierte systematische Erfassung des psychischen Befindens, des Stresserlebens, der Bewältigungsmechanismen und des Erlebens von unterschiedlichen Formen von Gewalt mithilfe von Selbstbeurteilungsskalen.

Die Autorinnen und Autoren der Studie appellieren, dass die seelische Gesundheit der Bevölkerung während der akuten Pandemie und auch im Nachgang fortlaufend im Blick zu behalten ist und Hilfsangebote kontinuierlich vorzuhalten oder auszubauen sind. Besonders sorgfältig sollten dabei das Erleben von häuslicher Gewalt sowie deren Risikofaktoren wie Stress, Schlafprobleme und Reizbarkeit erhoben werden. „All diese Themen sind uns nicht unbekannt. Aber die Restriktionen während der Coronavirus-Pandemie und die damit assoziierte räumliche Enge in Familien können zu einem erheblichen Aufflammen dieser Probleme führen“, erklärt Professor  Dr. Tillmann Krüger, Leiter der Studie.

Es werden zudem Langzeiteffekte durch die Corona-Pandemie auf die seelische Gesundheit erwartet. Deshalb erfolgt nun die zweite Welle der Erhebung, zu der alle Interessierten unter folgendem Link eingeladen sind: https://ww2.unipark.de/uc/MHH_Umfrage_COVID-19/

Hintergrundinformationen

Psychische Belastung, Angst und Depression

Die Mehrheit der Teilnehmenden – 60 Prozent – gab an, sehr gut oder gut mit der veränderten Situation und den entsprechenden Maßnahmen klarzukommen. 26,9 Prozent der Befragten hingegen erklärten, schlecht oder sehr schlecht mit der Situation umgehen zu können. Die befragen Frauen wiesen dabei signifikant höhere Depressions- und Angstwerte auf.

Schlafqualität, Reizbarkeit und häusliche Gewalt

45,3 Prozent der Befragten gaben an, im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie schlechter zu schlafen. Bemerkenswert ist, dass 50,9 Prozent aller Teilnehmenden ausführten, reizbarer zu sein und sich 29 Prozent als wütender und aggressiver erlebten. Diejenigen, die sich als wütender und aggressiver erlebten, richteten ihre Wut und Aggression zu 65,5 Prozent gegen andere, während 32,6 Prozent dies gegen sich selbst richteten. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Befund, dass 5 Prozent aller Teilnehmenden angaben, häusliche Gewalt auf verbaler (98, 4 Prozent), körperlicher (41, 9 Prozent) oder sexueller (30, 2 Prozent) Ebene zu erleben.

 

Presseinformation  : www.mhh.de.

 

Literatur zum Thema
Körner, Wilhelm; Deegener, Günther (Hrsg.): Erfassung von Kindeswohlgefährdung in Theorie und Praxis
Pabst, 2011, 560 Seiten, Print: ISBN 978-3-89967-669-3

 

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