Heinen belegt, dass "der derzeit vorherrschende medizinische Epilepsiebegriff nicht wissenschaftlich begründet ist, sondern dass es sich dabei im Kern um eine Ideologie handelt, die den Ärztinnen mehr oder weniger bewusst ist. Mit dieser Ideologie werden allerdings finanzielle Interessen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen durchgesetzt.
Dieser Ideologie kommt entgegen, dass bei einer wissenschaftlichen Evaluierung von Verfahren, die in Behandlungsleitlinien aufgenommen werden, derzeit rein deduktive Methoden als Goldstandard gelten. So können mit hohem finanziellem Aufwand Behandlungsverfahren eingeführt und mathematisch evaluiert werden, deren Nutzen vergleichsweise gering ist." Als Beispiel nennt Dr. Heinen den Vagusnervstimulator (VNS), der in den Behandlungsleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie empfohlen wird. Der elektrische Impulsgeber, unterhalb des Schlüsselbeins implantiert, ersetzt weder Medikamente noch liefert er verlässliche Ergebnisse.
Dr. Heinen plädiert für einen psychosomatischen Epilepsiebegriff und belegt, dass "mit verhaltensorientierten Behandlungsmöglichkeiten eine Anfallsfreiheit zwischen 10 und 35 Prozent und eine durchschnittliche Verminderung der Anfallsfrequenz von mindestens 59 Prozent erreicht werden. Dabei bleiben die positiven Effekte der Therapie, bei der die Handlungsfähigkeit der Patienten gezielt erweitert wird, nicht auf die Anfallskontrolle beschränkt ..." Das gelingt bei vergleichsweise geringen Kosten. Allerdings bleibt der Industrieprofit dabei aus.
Selbst-Handeln bei Epilepsie: Eine subjektwissenschaftliche Grundlegung einer psychosomatischen Epileptologie
Heinen, Gerd