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Eine wertschätzende Beziehung ist entscheidend für eine Borderline-Therapie

Im Zuge der sogenannten „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie haben sich die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) als wirksam und gut einsetzbar etabliert - auch bzw. vor allem in der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Welche therapeutische Grundhaltung beide Therapierichtungen vertreten, berichtet Prof. Dr. Thorsten Kienast (Universität Hamburg) in seinem Beitrag des Sammelbandes „Varianten psychotherapeutischer Beziehung“ (hrsg. von Peter Fiedler).

Impulsivität, Gefühlsstürme, Selbstverletzungen: Das sind nur drei der typischen Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Etwa drei Prozent der Bevölkerung sind betroffen. „Borderliner“ gelten als „schwere Fälle“ innerhalb einer Psychotherapie, für die meisten ist sie der einzige Ausweg.

Zentral für beide Therapierichtungen ist eine vorgegebene therapeutische Haltung und demzufolge auch eine bestimmte Therapiebeziehung, die sich aus der Haltung entwickelt. So unterschiedlich DBT und ACT auch wirken, in beiden Verfahren bietet die achtungsvolle Beziehung den Schlüssel zum Erfolg.

In der DBT werden acht Grundannahmen vorgelegt, die die therapeutische Haltung prägen:

  1. Die Patienten geben sich Mühe.
  2. Die Patienten wollen sich verändern.
  3. Die Patienten müssen sich stärker anstrengen und härter arbeiten, um sich zu verändern.
  4. Die Patienten haben ihre Schwierigkeiten nicht alle selbst verursacht, aber sie müssen sie selbst lösen.
  5. Das Leben suizidaler Patienten ist so, wie es gegenwärtig gelebt wird, nicht auszuhalten.
  6. Die Patienten müssen neues Verhalten in allen relevanten Lebensbereichen erlernen.
  7. Die Patienten können in der Therapie nicht versagen.
  8. Therapeuten brauchen Unterstützung.

Um diese annehmende und akzeptierende Haltung umzusetzen, helfen dem DBT-Therapeuten bestimmte Gesprächsstrategien, z.B. zielorientiertes Paraphrasieren, die Validierung der Lebensgeschichte oder auch die Selbstoffenbarung des Behandlers.

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) gibt keine vergleichbar konkreten Handlungsanweisungen wie die DBT. Doch auch sie formuliert acht Grundsätze zur therapeutischen Haltung, die trotz einer eher metakognitiven Ebene im Grundsatz zu einer ähnlich annehmenden Wertschätzung führen wie in der DBT, etwa: Kommunikation auf Augenhöhe, Eingehen auf Erfahrungen des Patienten oder Vermeidung von Druck auf den Patienten.

Thorsten Kienast ist überzeugt, dass die therapeutischen Haltungen der beiden wirksamen verhaltenstherapeutischen Verfahren DBT und ACT einen nicht unerheblichen Teil ihrer Wirksamkeit ausmachen und in großen Teilen auch auf andere Therapieverfahren übertragbar sind.

Die von Peter Fiedler herausgegebene Neuerscheinung bietet vertiefte Einblicke in die unterschiedlichen therapeutischen Beziehungsgestaltungen verschiedenster Behandlungsrichtungen. So unterschiedlich die Varianten sind, so präzis wird deutlich: Ohne eine vertrauensvolle, akzeptierende Beziehung kann die Behandlung nicht gelingen.

 

 

Literatur

Thorsten Kienast (2018). ACT und DBT: Die therapeutische Beziehung bei Patienten
mit Borderline-Syndrom.

In:  Peter Fiedler (Hsrg.), Varianten psychotherapeutischer Beziehung
      Transdiagnostische Befunde, Konzepte, Perspektiven (S. 231–250).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




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