Psychisch überlastet fühlen sich in erster Linie Fachkräfte in Humandienstleistungen: Erziehung, Pflege u.ä.. Soziale Dissonanzen im Arbeitskontext stehen hier meist im Vordergrund, berichtet WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE. Ein Zuviel an Arbeit, Zeitdruck, Unterbrechungen können zusätzlich belasten - und tendenziell am ehsten Angst auslösen. Demgegenüber können Leerlauf, Unterforderung, Sinnleere und Eintönigkeit eine antriebsschwache Haltung oder depressive Reaktionen triggern; im einschlägigen öffentlichen Diskurs werden derartigeZusammenhänge vorwiegend ignoriert. Das Mantra einer generell angewachsenen Arbeitslast hält den Daten nicht stand: In Wahrheit sinkt die effektive Arbeitszeit in Deutschland kontinuierlich. (In seinem letzten Interview formulierte Wolfgang Schäuble in der WELT "die bittere Wahrheit, dass wir zu wenig arbeiten.")
Jannis Schläger und KollegInnen beschreiben in WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE die Stigmatisierung psychisch Erkrankter als wesentliche Hürde im Betrieblichen Eingliederungsmanagement: Einerseits gelten Betroffene als weniger leistungsfähig und werden u.U. "rücksichtsvoll" zurückgestellt, anderseits übernehmen sie u.U. selbst das Vorurteil und üben sich in Selbst-Diskriminierung. In einer Studie wurden "Beschäftigte mit einer diagnostizierten Depression befragt. 62,5% hatten Diskriminierungen bei der Arbeit erlebt und fast 60% hatten die Arbeitssuche wegen befürchteter Diskriminierung aufgegeben... Der Bedarf an Strategien zur Reduzierung von Stigmatisierung psychischer Beeinträchtigung ist auch heute noch hoch."
Über die spezielle Ausgabe WIRTSCHAFTSPSYCHOLOGIE hinaus haben die AutorInnen für Betriebe und Betroffene Wissenswertes zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement übersichtlich und mit open access online zusammengestellt - unter: www.bempsy.de