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Baukasten für die multimodale Therapie der Trennungsangst-Störung

Während der Corona-Krise nehmen Trennungsangst-Störungen zu - bei Kindern und Erwachsenen. Mindestens fünf Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Die Ätiopathologie, Symptomatik und Begleiterkrankungen sind äußerst unterschiedlich. Daher werden Trennungsangst-Störungen in den meisten Fällen nicht oder nur mangelhaft erkannt. Dr. Christian Fischer hat das aktuelle Wissen und Arbeitsmaterialien für Diagnostik und Behandlung zusammengestellt: "Trennungsangst bei Kindern und Erwachsenen" (neu erschienen bei Pabst Science Publishers).

Als Ursachen werden genetische Einflüsse diskutiert, Erfahrungen in der Familie, Persönlichkeitsmerkmale, Modelllernen oder Traumata; oft entsteht die Störung während der Kindheit und bleibt langfristig erhalten, oft beginnt sie jedoch erst im Erwachsenenalter.

 

Die äußerst unterschiedlichen Symptome sind meist schwer zu interpretieren: z.B. bei einer extrem strengen Mutter; sie will mit aller Macht verhindern, dass ihr Kind eigene Wege geht. Eine häufigere Interaktion beschreibt Christian Fischer: Etwa, wenn die Mutter Beschwerden ihrer Kinder - Übelkeit, Kopfschmerzen usw. - extreme Bedeutung beimisst und den Schulbesuch verhindert. Die Kinder wiederum lernen, dass sie durch Betonung solcher Symptome bei den Eltern Trennungen leicht umgehen können. Daraus kann sich ein Muster mit fatalen Wechselwirkungen ergeben und die Krankheit aufrechterhalten.

 

Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene empfiehlt Fischer in erster Linie multimodal kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramme. Die gute Wirksamkeit für Kinder ist wissenschaftlich evaluiert; für Erwachsene stehen randomisierte Studien noch aus. Vorteile der CBT sieht Fischer v.a. bei Ängsten und Befürchtungen, Vermeidungsverhalten, Rückversicherungsverhalten im Alltag, primär nicht auf Partnerschaft bezogen. Empfohlen werden Psychoedukation, Exposition in vivo und in sensu, Reaktionsmanagement, kognitive Interventionen, Entspannungsverfahren, soziales Kompetenztraining, Interventionen zentriert auf Hauptbezugspersonen.

 

Eine psychodynamische Therapie bevorzug Fischer bei frühen oder aktuellen Traumata, pathologischem Bindungsmuster, komplizierter Trauer. Mehrere Verfahren stehen zur Disposition: Psychoedukation,  Panik-fokussierte psychodynamische  Psychotherapie, Brief Empathic Psychotherapy, Affect Phobia Therapy u.a..

 

Fischer plädiert für ein eklektisches Vorgehen: Bausteine aus verschiedenen Ansätzen lassen sich kombinieren. Z.B. schließt er an ein CBT-Expositionsverfahren psychodynamische Aufarbeitungseinheiten an. Ist das Bezugssystem stark in die Problematik involviert, integriert Fischer systemische Elemente bzw. Familientherapie.

 

Christian Fischer: Trennungsangst bei Kindern und Erwachsenen.
Pabst. Paperback ISBN 978-3-95853-527-5. eBook 978-3-95853-528-2

 

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