Allerdings spielt "die Masturbation heute eine größere Rolle als in den Jahrzehnten zuvor. Sie wird zunehmend häufiger praktiziert und hat sich von einer Ersatzbefriedigung zur eigenständigen Sexualform gewandelt, der sich Erwachsene auch unabhängig von der Häufigkeit und Güte in sexuellen Partnerschaften hinzugeben scheinen. Negative Auswirkungen der Selbstbefriedigung haben sich bis heute nicht nachweisen lassen. Eher im Gegenteil: Menschen scheinen mit ihrer partnerschaftlich ausgeübten Sexualität umso zufriedener zu sein, je häufiger sie zuvor masturbiert hatten. Außerdem scheint die Initiative zum Geschlechtsverkehr heute zunehmend von Frauen auszugehen," berichtet Peter Fiedler.
"Die Scheidungsrate ist kontinuierlich gestiegen. Eine Ehe ohne Kinder hält inzwischen nur noch sechs bis acht Jahre. Auch der Anteil der Spätscheidungen ist deutlich angewachsen. Zur Trennung kommt es häufig dann, wenn die Kinder erwachsen werden und das Elternhaus verlassen. Ohne Erziehungsaufgabe wissen viele Paare offensichtlich nur wenig mit sich anzufangen."
Demgegenüber wächst die Minderheit polyamorer Frauen und Männer: Sie unterhalten - offen und konsensuell - intime Beziehungen gleichzeitig zu mehreren PartnerInnen. Die Psychotherapeutin Natascha Ditha Berger berichtet in Verhaltenstherapie&Verhaltensmedizin: "Der Wechsel von Monogamie zur konsensuellen Nichtmonogamie ist kein Allheilmittel oder Indiz für dysfunktionale Beziehungen, sondern eine Verlagerung der Herausforderungen. Wo Monogamie Sicherheit durch Exklusivität verspricht (und oft nicht hält), fordert konsensuelle Nichtmonogamie durch Kommunikation, Transparenz und Emotionsregulation heraus. Und darin liegt auch das Potenzial persönlicher Kompetenzerweiterung ..."
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