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70% der COVID-19-Patienten überleben die Beatmungs- und Intensivtherapie

In Deutschland überleben etwa 70 Prozent der COVID-19-Patienten die Behandlung in der Intensivstation, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin. Das Manual "Beatmungs- und Intensivtherapie bei COVID-19" beschreibt detailliert erfolgversprechende und möglichst schonende Arbeitsprozesse. Das Buch ist in dieser Woche bei Pabst Science Publishers als Hardcopy und als e-book erschienen.

 

Da COVID-19 das Endothel der Gefäße angreift und Thromben entstehen können, sind außer der Lunge weitere Organe gefährdet - Herz und Niere v.a.. Dies bedeutet, dass neben der Beatmung innerhalb oder außerhalb der Intensivstation weitere interdisziplinäre Behandlungen erforderlich werden.

 

Detailliert leitet das Manual die Nutzer zur nichtinvasiven und zur invasiven Beatmung an. Die Analgosedierung spielt dabei eine wichtige Rolle: "Sie soll idealerweise nicht nur Schmerzfreiheit garantieren, sondern darüber hinaus anxiolytisch wirksam sein, zur Stressreduktion beitragen, ausreichenden und erholsamen Nachtschlaf gewährleisten und eine Amnesie erzeugen. Viele therapeutische und pflegerische Maßnahmen werden durch eine ausreichende Analgosedierung überhaupt erst möglich," betonen die Autoren.

 

"Da die Kommunikationsfähigkeit vor allem von beatmeten Patienten erheblich eingeschränkt ist, kann eine ausreichende Toleranz von Tubus und Respirator oftmals nur durch sedierende Medikamente sichergestellt werden. Nicht zuletzt führen Schmerzen und Angst zur Steigerung des Sauerstoff-Bedarfs, zu erhöhter kardiozirkulatorischer Belastung und möglicherweise auch zur Suppression des Immunsystems."

 

Das Manual fordert auch, einem Delir vorzubeugen bzw. es ggfs. zu behandeln. Typische Symptome werden häufig nicht ernst genommen:

 

- Psychomotorische Störungen, d.h. hyperaktives oder hypoaktives Delir, evtl. Mischformen

- Bewusstseinsstörung mit gestörter Aufmerksamkeit oder Unfähigkeit, diese zu richten oder aufrecht zu erhalten

- Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten, Sinnestäuschungen, Halluzinationen, Desorientierung, Sprachstörungen

- Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus

- Angst, Aggression, Apathie, Euphorie, Depression

 

Einerseits empfiehlt das Manual eine medikamentöse Prophylaxe und Therapie, anderseits eine aufmerksame Pflege: "Hier stehen die Reorientierung und Angstvermeidung im Vordergrund. Neben Oberkörper-Hochlagerung und frühzeitiger Mobilisation tagsüber, besteht das Konzept darin, physiologische Schlafphasen zu fördern, indem intensivmedizinische Maßnahmen gebündelt sowie störende Lichteinflüsse und Geräusche minimiert werden."

 

Bei einer optimalen Behandlung können auch ältere COVID-Patienten überleben. Professor Dr. Stefan Kluge, Intensivmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, berichtet über eine 79jährige französische Patientin, die nach Beatmung und weiteren intensivmedizinischen Maßnahmen wieder in ihre Heimat zurückkehren konnte. "Allerdings wird die Patientin einen langen Regenerationsweg vor sich haben ..."   Dies gilt für die Mehrheit der intensivmedizinisch behandelten Patienten.

 

 

Peter Kremeier, Sven Pulletz, Christian Woll, Wolfgang Oczenski, Stephan Böhm:
Beatmungs- und Intensivtherapie bei COVID-19. Arbeitsprozesse bei Beatmungspatienten mit kritischen Keimspektren.

Pabst, 136 Seiten Großformat. Paperback ISBN 978-3-95853-597-8. eBook ISBN 978-3-95853-598-5

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