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Wirtschaftspsychologie: Persönlichkeitsentwicklung ist für eine Führungskraft eine Zumutung

Entscheidet eine Führungskraft, hält sie es für eine Entscheidung ihres Bewusstseins. Teilt die Führungskraft die Entscheidung anderen mit, geht sie davon aus, dass die anderen ihn verstehen. Beide Annahmen sind grundsätzlich falsch. Denn verschiedenste Persönlichkeitsmerkmale, Emotionen, Gefühle sind immer, aber meist unmerklich im Spiel und instrumentalisieren das Bewusstsein. Wie kann eine Führungskraft ihr schmales Bewusstseinsfenster wenigstens eine Handbreit vergrößern? Dr. Felix Frei, Diplompsychologe und Unternehmensberater in Zürich, bietet in seiner Neuerscheinung "Denkfreiheit" das Hintergrundwissen und konkrete Denkanleitungen.

"Es geht darum, die eigenen Gefühle zu lesen. Vor einem Entscheidungsproblem kann ich mich bewusst dazu anhalten, mir Fragen zu stellen. Zum Beispiel:

  • Wie sind hier meine Interessen betroffen?
  • Was, glaube ich, bestimmt meine expliziten Motive? Erkenne ich einen Bezug zu meiner (impliziten) basalen Motivstruktur?
  • Welche ´niederen´ Motive könnten bei mir mit im Spiel sein? Wie groß ist mein narzisstischer oder egozentrischer oder machtbezogener oder aus Kränkungen resultierender Anteil?
  • Wie sieht die Sache aus, wenn ich mich in die anderen hineindenke?
  • Welche Alternativen habe ich vorschnell ausgeschlossen? Warum? Halten sie einer Überprüfung stand?
  • Was wäre, wenn ...? Habe ich gezielt nach Alternativen gesucht? Oder folge ich nur meinen bisherigen Mustern?
  • Was sind meine unausgesprochenen Prämissen? Wie sind sie begründet?
  • Was würde ich tun, wenn ich keinerlei Angst hätte?
  • Was habe ich zu gewinnen, was zu verlieren?
  • Was würde jemand tun, dessen Persönlichkeit sehr viel anders gestrickt wäre als meine?
  • Wie fühlen sich meine Antworten auf derartige Fragen an?

Die Erwartung kann natürlich nicht sein, alles und jedes einer solchen Selbstinquisitionsbatterie zu unterziehen. Wir würden handlungsunfähig. Aber dort, wo ich Anlass habe, meine Handlungsoptionen erweitern zu wollen, dort kann und muss ich mir die Zeit nehmen, mir derartige Fragen zu stellen - evtl. im kritischen Dialog mit bedeutsamen Anderen."
 
Ausführlich beschreibt Dr. Frei die Abwehrmechanismen, mit denen Menschen trickreich selbstkritischen Reflexionsfragen ausweichen und auf dem status quo beharren. Denn letztlich ist Persönlichkeitsentwicklung eine Zumutung. Sie gelingt nur unter Schmerzen und Anstrengung. "Sie ist kein Sonntagsspaziergang."
 
Die Neue Zürcher Zeitung empfiehlt das Buch uneingeschränkt: Es "basiert auf neuen theoretischen Erkenntnissen der Psychologie; dennoch bietet der Autor keine akademische Abhandlung, sondern ein Werk, das sich vor allem an den Praktiker wendet, ihn anfänglich mit ´Sie´, am Schluss gar mit ´Du´ anspricht und ihm Hinweise gibt, wie er" Selbstführung und Führung weiterentwickeln kann.


Denkfreiheit – Führungskräfte und das Bewusstseinsfenster
Frei, Felix

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