NEWSBÜCHERJOURNALEONLINE-SHOP



 

Sie befinden sich hier: JOURNALE » Psychoanalyse » Bisher erschienen » Inhalt lesen

« zurück

Psychoanalyse

» Psychoanalyse im Online-Shop...


Psychotherapie: Wie Paare zwanghafte Eifersucht überwinden

Zwanghafte Eifersucht entsteht oft vor dem Hintergrund von Ereignissen oder Kognitionen, die das Selbstwertempfinden Betroffener zu bedrohen scheinen. Professor Dr. Willi Ecker bietet in "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin" 1/2022 einen Überblick über erfolgversprechende Therapiemöglichkeiten.

 

Generell "ist Eifersucht wahrscheinlich eine evolutionär verankerte Emotion, die sich bereits bei Kleinkindern im Alter von fünf bis sechs Monaten beobachten lässt." Wird Eifersucht allerdings zwanghaft, enthält sie "in wechselnden Anteilen Wut bzw. Zorn, Angst, , Schmerz, Unsicherheit, Misstrauen, sich verraten oder verletzt fühlen, Hass, Traurigkeit und Erniedrigung. Sie evoziert körperliche, kognitive und Verhaltensreaktionen, die auf eine Abwehr der RivalInnen  abzielen" - zwanghafte Kontrollversuche inclusive.

 

Ecker empfiehlt im Kontext einer kognitiven Umstrukturierung und Psychoedukation "eine vertiefende und oft emotional aufwühlende Biografiearbeit an den lebensgeschichtlichen Hintergründen."

 

Er sieht bei Betroffenen häufig "Verlusterfahrungen in der Kindheit (z.B. Verlust eines Elternteils durch Tod oder Trennung), starke Ängste vor Verlust (wenn etwa die Eltern viel gestritten und dabei mit Trennung oder Selbstmord gedroht haben) oder Unberechenbarkeit eines Elternteils (z.B. weil dieser aufgrund von Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder Depression emotional ´abwesend´war)." Derartige Kindheitserlebnisse vermitteln häufig "die Überzeugung, dass Beziehungen ständig bedroht sind, und motivieren ein anklammerndes, besitzergreifendes, argwöhnisches Verhalten."

 

Oder: "Pauschale, in emotional sehr ´wuchtiger´ Form formulierte Abwertungen der Gesamtpersönlichkeit des Kindes prägen ein Selbstbild als nicht liebenswert, welches Zweifel daran nährt, ob man für eine andere Person attraktiv ist. Häufig sind drastische elterliche Negativbewertungen verknüpft mit Vergleichen ("Du solltest Dir ein Beispiel nehmen an ...") - kein Wunder, dass sich auch irrational eifersüchtige Menschen vergleichen mit phantasierten Rivalen und Rivalinnen, die in allen möglichen Bereichen besser sind als sie.

 

Tückisch sind auch elterliche Botschaften, die Zuwendung an Bedingungen knüpfen (´Wenn du nicht brav bist, habe ich dich nicht mehr lieb.´) Durch diese Drohung mit Liebesentzug lernt das Kind, dass es sich Zuwendung ´verdienen´ oder  ´erarbeiten´ muss, indem es sich an elterliche Erwartungen anpasst. Diese Form von Zuwendung war weit weg von ´Liebe als Geschenk´ und nährte Zweifel daran, wirklich als Gesamtperson liebenswert zu sein. Die gleiche Schlussfolgerung, nicht liebenswert zu sein, können Kinder auch dann ziehen, wenn die Eltern wenig Liebe in Form von körperlicher Zuwendung, Zärtlichkeit und emotionaler Wärme gezeigt haben. Hierin liegt eine wichtige Wurzel der späteren Kontrollillusion." Ähnlich folgenschwer und nachhaltig können demütigende Erlebnisse außerhalb der Familie wirken.    

Werden PartnerInnen von Eifersüchtigen in die biografische Aufarbeitung einbezogen, ergeben sich reichhaltige therapeutische und selbsttherapeutische Möglichkeiten   ...

Literatur zum Thema

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 2022-1
Zwangsverwandte Störungen
Gastherausgeberin: Willi Ecker

» mehr Informationen...

 

Annette Schmitt Logographie der Eifersucht:
Eine inhaltsanalytische Untersuchung von Geschichten über selbsterlebte Eifersucht

Pabst, 1996, 284 Seiten

» mehr Informationen...

 

Willi Ecker: Wege aus der Eifersuchtsfalle.
Ein Selbsthilfe- und Therapiebegleitbuch.
dgvt-Verlag

 

» Psychoanalyse im Online-Shop...





alttext    

 

Aktuell

Socials

Fachzeitschriften