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2019-1

Felix Brauner
Emotionsdynamiken im Autoritären Syndrom – Implikationen aus einem mentalisierungstheoretischen Forschungsansatz

Markus Brunner
Trauma vs. Krypta – Unterschiedliche Verarbeitungen des Nationalsozialismus bei Überlebenden der Verfolgung und ehemaligen ›Volksgenossen‹

Christoph Türcke
Wenn das Gedächtnis zur Prothese wird

Bernd Nitzschke
Redaktionelle Vorbemerkung zum nachfolgenden Beitrag „Marco Conci interviewt Michael Ermann“

Marco Conci interviewt Michael Ermann

Alfred Springer
Psychoanalyse der Sucht

Wolfgang Bock
Hilfloser Antifaschismus heute – Anlässlich einer Biographie über den NS-Psychotherapeuten Harald Schultz-Hencke
 


Emotionsdynamiken im Autoritären Syndrom – Implikationen aus einem mentalisierungstheoretischen Forschungsansatz
Felix Brauner

Zusammenfassung

In dem Beitrag wird ein psychologischer Forschungsansatz zur Untersuchung emotionsbezogener Mechanismen in autoritären Gesellschaftsdynamiken in fünf Argumentationsschritten vorgestellt. Zunächst werden erstens die zentralen Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten zum »Autoritären Charakter« der Frankfurter Schule zusammengetragen und die Notwendigkeit ihrer konzeptuellen Neubestimmung herausgearbeitet. Hierfür werden zweitens Konzepte aus dem modern-psychoanalytischen Mentalisierungsmodell herangezogen, weil sich mit ihnen ein »freiheitlich-demokratisches Syndrom« begründen lässt. Dies wird entwickelt, indem drittens die Mentalisierungskonzepte in die politische Theorie Kants und Arendts eingebettet werden. Darauf aufbauend werden viertens mit Verweis auf die sozialpsychologische Vorurteilsforschung regressive Prozesse der Mentalisierung als »autoritäre Emotionsdynamiken« bestimmt. Solche Mentalisierungsregressionen werden fünftens auf die aktuelle gesellschaftliche Situation bezogen, indem anhand der repräsentativen Autoritarismusstudien die Bedeutung defizitärer Anerkennung (auf biographischer und politischer Ebene) für die Bildung antidemokratischer Ressentiments herausgestellt wird. Damit wird insgesamt ein mentalisierungstheoretisches Modell entworfen, mit dem sich emotionsbezogene Wurzeln des autoritären Syndroms heute freilegen lassen. 

Schlüsselwörter
Autoritarismus, Bindung, Emotionsregulation, Epistemisches Vertrauen, Mentalisierung, Rechtspopulismus


Emotion dynamics in authoritarianism syndrome – Implications from a mentalization-theoretical research approach

Abstract
In this article, a psychological approach for the research into emotionally related mechanisms in authoritarian social dynamics is introduced in five argumentation steps. First of all, the central findings from the research projects on the "authoritarian character" of the Frankfurt School are compiled and the necessity of their conceptual redefinition is demonstrated. Secondly, concepts from the modern psychoanalytical mentalization model are used for this purpose because they allow to establish a "liberal-democratic syndrome". This is being displayed, thirdly, by embedding the concepts of mentalization in the political theory of Kant and Arendt. Fourthly, with reference to socio-psychological prejudice research, regressive processes of mentalization are determined, on this basis, as "authoritarian dynamics of emotion". Fifthly, such mentalization regressions are applied to the current social situation by using representative authoritarianism studies to highlight the meaning of deficient recognition (at a biographical and political level) for the development of anti-democratic resentment. Thus, a mentalization-theoretical model will be developed which now allows to uncover emotion-related roots of the authoritarian syndrome.

Keywords
Authoritarianism, attachment, emotion regulation, epistemic trust, mentalization, right-wing populism


Felix Brauner
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (PHB) & 
Psychologischer Psychotherapeut i.A. (AP/TP)
Psychologische Hochschule Berlin
Klinische Psychologie & Psychotherapie 
(Schwerpunkt Tiefenpsychologie)
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin

 


Trauma vs. Krypta – Unterschiedliche Verarbeitungen des Nationalsozialismus bei Überlebenden der Verfolgung und ehemaligen ›Volksgenossen‹
Markus Brunner

Zusammenfassung

Gegen eine in der Literatur über die Folgewirkungen von NS, Shoah und Zweitem Weltkrieg immer wieder auftauchende Parallelisierung der psychodynamischen Prozesse in den Familien von KZ-Überlebenden einerseits und von ehemaligen TäterInnen und MitläuferInnen andererseits, wird in diesem Beitrag ein konzeptueller Rahmen vorgeschlagen, der es ermöglicht, die Prozesse voneinander zu differenzieren. Dem Verfolgungstrauma der Überlebenden wird das Konzept der Krypta entgegengesetzt, in welcher die ehemaligen ›Volksgenossen‹ lustvolle gelebte Erfahrung von Omnipotenz innerpsychisch vergräbt. Gegenüber dem Diskurs über die Kriegstraumata der durch den NS nicht verfolgten Deutschen werden zudem traumatheoretische Überlegungen stark gemacht, die den Traumaprozess als einen situierten verstehen und es ermöglicht, auch den möglichen Verzahnungen von NS-Identifizierung und Trauma nachzufolgen. 

Schlüsselwörter
KZ-Trauma, Gefühlserbschaften des Nationalsozialismus, Krypta


Trauma vs. crypt - Different processing methods of the National Socialism among persecution survivors and former 'Volksgenossen'

Abstract
On the background of a recurrent parallelization of psychodynamic processes in the families of concentration camp survivors on the one hand and of former perpetrators and followers on the other hand, as displayed in the literature on the consequences of NS, Shoah and World War II, this paper suggests a conceptual framework that will make it possible to differentiate the processes from each other. The persecution trauma of the survivors will be opposed to the concept of the crypt, in which the former 'Volksgenossen' inner-psychically bury joyful experiences of omnipotence. In contrast to the discourse on the war traumas suffered by Germans who were not persecuted by the Nazi regime, trauma-theoretical considerations are supported that conceive the trauma process as a situated one, and make it possible to also follow the possible interlinking of NS-identification and trauma.

Keywords
concentration camp trauma, emotional inheritances of National Socialism, crypt


Markus Brunner
Neustiftgasse 109/17-19
A-1070 Wien

 



Psychoanalyse – Texte zur Sozialforschung
23. Jahrgang · 2019  · Heft 1

Pabst, 2019
ISSN 1615-8393
Preis: 12,- €
 

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