NEWSBÜCHERJOURNALEONLINE-SHOP



 

Sie befinden sich hier: JOURNALE » Psychoanalyse » Bisher erschienen » Inhalt lesen

« zurück

Psychoanalyse

» Psychoanalyse im Online-Shop...


Ignoranz führte zu den Nuklearkatastrophen Tschernobyl und Fukushima

Die Katastrophen Tschernobyl und Fukushima haben das Bild einer angeblich unkontrollierbar riskanten Nuklearenergie in Deutschland geprägt. Der "Atomausstieg" ist die Folge. Der Kernenergetiker und Sicherheitsingenieur Dr. Volker Hoensch belegt, dass die Explosionen nur durch regelwidrige Entscheidungen Verantwortlicher möglich wurden.

In Tschernobyl war ein Sicherheitsexperiment angeordnet worden: Zunächst wird das Notkühlsystem vom Primärkreis abgetrennt. Wenig später verfügt der Dispatcher (Aufsichtsperson) von Kiew aus, die Stromerzeugung des Reaktors 4 fortzuführen. Das Notkühlsystem wird nicht wieder zugeschaltet. Das Bedienungspersonal versucht weiterhin, den Reaktor in einem instabilen, unzulässig niedrigen, unklaren Leistungsbereich  zu steuern, um den geplanten Test fortführen zu können. Dabei überschreitet der Reaktor den kritischen Punkt und explodiert.

 

Hoensch testiert den Beteiligten Überheblichkeit (Ignoranz gegenüber klaren, begründeten Sicherheitsvorschriften), Geltungsstreben (erwartete Auszeichnung als Helden zum 1. Mai), Verzweiflung (Fortsetzung des Versuchs trotz Gefahrenhinweise).

 

Die Problematik in Fukushima beginnt bereits mit der Standortwahl in einem Erdbebengebiet. Zunächst war das Kraftwerk durch einen etwa 35 Meter hohen Hügel vor einem Tsunami geschützt; die Erde wurde jedoch abgetragen, um Verkehrswege zu vereinfachen. US-amerikanische Erfahrungen boten die empirisch gesicherte Empfehlung, die Reaktorsicherheit in Fukushima zu erhöhen: Doch weder ein Wasserstoffabbausystem, noch ein Inertisierungssystem wurde nachgerüstet. Selbst auf ein Entlastungsventil für den Sicherheitsbehälter wurde verzichtet. "Auch die von der Betriebsmannschaft ergriffenen Maßnahmen lassen einen deutlichen Mangel an Sicherheitsbewusstsein erkennen." Hoensch sieht eine "konsequente Umsetzung wirtschaftlicher Interessen" und eine ebenso konsequente Ignoranz gegenüber Sicherheitserfordernissen.

 

Als das Kraftwerk unter einem Erdbeben Stärke 9.0 und einem Tsunami zerbricht, verlieren die Brennstäbe ihre Kühlung, und die Wasserstoffexplosion wird unvermeidlich. "Die anschließenden Maßnahmen dienen in erster Linie der Stabilisierung der Anlage; die Sicherheit der Bevölkerung bleibt zweitrangig." Hilfsangebote aus dem Ausland werden abgewiesen.

 

In beiden Kernkraftwerken registriert Hoensch autoritäre Führungsstrukturen. Nach seiner Einschätzung ist eine qualifizierte Sicherheitskultur nur bei einer qualifiziert partizipativen Leitung möglich.

 

Volker Hoensch: Die Katastrophen von Tschernobyl, Fukushima Daiichi und der Deepwater Horizon.
Springer-Spektrum, Berlin, Heidelberg

Volker Hoensch: Entscheidungen unter Entropie - Sicherheitskultur in High Risk-Unternehmen.
Pabst, Science Publishers, Lengerich

 

» mehr Informationen...

 

» Psychoanalyse im Online-Shop...





alttext    

 

Aktuell

Socials

Fachzeitschriften