Inhaltsverzeichnis
Editorial
Lutz-Peter Hiersemenzel, Markus G. Feil
Täterorientierte Sekundärprävention von Online-Sexualdelinquenz in der Schweiz
Simon Veitz & Fanny de Tribolet-Hardy
Ein Vergleich von straffälligen und nicht-straffälligen Nutzern von telefonischen Beratungsdiensten in den Niederlanden, die der Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs dienen1
Julia Wilpert & Ellen Janssen
Besitz von Material über Kindermissbrauch
Unterschiede in der sexuellen Problematik zwischen Klienten einer forensischen Ambulanz, die straffällig geworden sind, und Klienten, die sich freiwillig der Behandlung unterziehen
Marc Verheij, Wineke Smid & Edwin Wever
Nöte und Bedürfnisse von Partner:innen und Familienangehörigen pädophiler und/oder hebephiler Patienten des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“
Elisabeth Quendler-Adamo, Harald Gündel & Joachim Schreijäg
Erfahrungen von Patienten und Mitarbeitern mit dem Zimmereinschluss und Zimmerverweis: Eine qualitative Studie
Stefanie Lutz, Peggy Walde & Birgit Völlm
Abstracts der Münchner forensischen Herbsttagung 2025
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:3-4
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0048
Editorial
Lutz-Peter Hiersemenzel, Markus G. Feil
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:5-16
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0049
Täterorientierte Sekundärprävention von Online-Sexualdelinquenz in der Schweiz
Simon Veitz & Fanny de Tribolet-Hardy
Zusammenfassung
Die Online-Sexualdelinquenz, insbesondere im Bereich des Konsums, der Verbreitung und Herstellung von Child Sexual Abuse Material (CSAM), hat in den letzten Jahren zugenommen. Dieser Beitrag bietet einen Überblick über die Verbreitung und Entwicklung dieser Delinquenzformen, die diagnostischen Herausforderungen sowie den Zusammenhang mit pädophilen Präferenzen. Darüber hinaus werden täterorientierte Sekundärpräventionsmaßnahmen in der Schweiz beschrieben, die sich gezielt mit sexuellen Präferenzstörungen befassen, sowie das Vorgehen des «Best-Practice»-Modells aus Zürich im Kontext der Online-Sexualdelinquenz erörtert.
Schlüsselwörter: Pädophilie, Child Sexual Abuse Material (CSAM), Prävention, Dunkelfeld, Sexualdelinquenz, Darknet
Offender-Focused Secondary Prevention of Online Sexual Offending in Switzerland
Abstract
Online sexual offending, particularly the consumption, distribution, and production of Child Sexual Abuse Material (CSAM), has increased in recent years. This paper provides an overview of the prevalence and development of these forms of online sexual offending, the associated diagnostic challenges, and their relationship to pedophilic sexual preferences. Furthermore, it outlines offender-focused secondary prevention measures implemented in Switzerland that specifically address sexual preference disorders, and discusses the “best practice” model from Zurich within the context of online sexual offending.
Keywords: Pedophilia, Child Sexual Abuse Material (CSAM), Prevention, Dunkelfeld, Sexual Offending, Darknet
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:17-34
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0050
Ein Vergleich von straffälligen und nicht-straffälligen Nutzern von telefonischen Beratungsdiensten in den Niederlanden, die der Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs dienen
Julia Wilpert & Ellen Janssen
Zusammenfassung
Zielsetzung: Diese Studie zielte darauf ab, mehrere Merkmale von 330 straffälligen und nicht straffälligen niederländischen Personen explorativ zu vergleichen, die Rat bzw. Hilfe bei der Hotline zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch (SKM) „Stop it Now!-The Netherlands“ (SiN-NL) gesucht haben.
Design/Methodik/Ansatz: Mit einem retrospektiven Querschnittsdesign wurden die Kontaktprotokolle von SiN-NL zwischen März 2012 und Juni 2016 untersucht.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigten einige interessante Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Entgegen früheren Erkenntnissen unterschieden sich Täter und Nichttäter nicht hinsichtlich ihrer Anziehung zu Minderjährigen und insbesondere zu Jungen. Der Partnerschaftsstatus, Suizidalität und die Erwartungen an die Hotline unterschieden sich jedoch signifikant zwischen den untersuchten Stichproben. Auch die Relevanz mehrerer selbst berichteter Faktoren, die SKM fördern oder verhindern, variierte zwischen den Gruppen. Die Nichttäter-Gruppe gab häufiger Angst vor Konsequenzen und die Vermeidung von Risikosituationen als verhindernde Faktoren an, während die Täter-Gruppe häufiger angab, von professioneller Hilfe und sozialer Unterstützung zu profitieren.
Praktische Implikationen: Die Ergebnisse dieser Studie könnten in verschiedene Formen von Präventions- und Behandlungsprogrammen für hilfesuchende Personen mit ähnlichen Merkmalen einfließen. Der Zugang zu Kindern und Substanzmissbrauch sind wichtige Themen, die von den Beratenden berücksichtigt werden müssen, wenn sie das Risiko einer Straftat einschätzen. Im Gegensatz zu früheren Ergebnissen unterschied sich die sexuelle Orientierung nicht zwischen Tätern und Nichttätern und könnte somit eine weniger bedeutende Rolle spielen. Höhere Raten von Suizidalität und Hilfs- und Therapiebedarf könnten darauf hindeuten, dass Täter im Vergleich zu Nichttätern einen vorsichtigeren Ansatz und zusätzliche Betreuung benötigen.
Originalität/Wert: Nach unserem Kenntnisstand ist dies die erste Studie, die Selbstauskünfte von Straftätern und Nicht-Straftätern untersucht, die Rat bzw. Hilfe bei einer SKM-Präventions-Hotline suchen.
Schlüsselwörter: Risiko, Prävention, sexueller Missbrauch von Kindern, Hotline, Nichttäter, Selbstauskunft
Characteristics of offending and non-offending CSA helpline users explored
Abstract
Purpose: This study aims to exploratively compare several characteristics of 330 offending and non-offending Dutch subjects, seeking advice/help from child sexual abuse (CSA) prevention helpline Stop it Now!-The Netherlands (SiN-NL).
Design/methodology/approach: With a retrospective cross-sectional design, SiN-NL contact logs between March 2012 and June 2016 were investigated.
Findings: Results revealed a few interesting differences and similarities. Contrary to earlier findings, attraction to minors and especially boys did not distinguish offenders and non-offenders. However, intimate partner status, suicidal tendencies and expectation of the helpline differed significantly between the study samples. Also, the relevance of several self-reported CSA promoting and impeding factors varied between groups. The non-offender group more often indicated fear of consequences and avoidance of risk situations to be constraining factors, whilst the offender group more frequently suggested benefiting from professional help and social support.
Practical implications: The results of this study might inform different forms of prevention and treatment programs aimed at similar help-seeking individuals. Because of their perceived CSA promoting potential by help seekers, access to children and substance abuse are important topics to address by operators and taken into account when assessing offending risk. In contrast to earlier findings, sexual orientation did not differentiate offenders from non-offenders and might play a less significant role. Higher rates of suicidal tendencies and need for help and therapy could imply that, compared to non-offenders, offenders require a more cautious approach and additional care.
Originality/value: To our knowledge this is the first study to investigate self-reports of offending and non-offending subjects, seeking advice/help from a CSA prevention helpline.
Keywords: Risk, Prevention, Child sexual abuse, Helpline, Non-offenders, Self-reported
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:35-60
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0051
Besitz von Material über Kindermissbrauch
Unterschiede in der sexuellen Problematik zwischen Klienten einer forensischen Ambulanz, die straffällig geworden sind, und Klienten, die sich freiwillig der Behandlung unterziehen
Marc Verheij, Wineke Smid & Edwin Wever
Zusammenfassung
Mit dem Aufkommen und der Entwicklung des Internets ist Material über sexuellen Kindesmissbrauch (KMM) leichter zugänglich als je zuvor. Wie viel und wie oft diese Zugänglichkeit „genutzt“ wird, ist nicht ganz klar. Wir kennen nur die Spitze des Eisbergs, und wie groß der Anteil tatsächlich ist, ist schwer zu bestimmen. Eine vorsichtige Schätzung auf der Grundlage einer deutschen Dunkelziffererhebung legt nahe, dass etwa 2 % der befragten Männer zugeben, KMM gelegentlich gesehen zu haben. Wenn man von dieser Zahl ausgeht, müsste es sich allein in den Niederlanden, in der die vorliegende Studie durchgeführt wurde, um Zehntausende von Männern handeln.
Schlüsselwörter: Sexueller Kindesmissbrauch, Material über Kindesmissbrauch, ambulante Behandlung, sexuelle Problematik
Possession of child abuse material
Differences in sexual issues between criminal and voluntary forensic outpatient clients
Abstract
With the advent and development of the internet, child sexual abuse material (CSAM) is more accessible than ever before. How much and how often this accessibility is “used” is not entirely clear. We only see the tip of the iceberg, and it is difficult to determine how big the portion actually is. A conservative estimate based on a German dark figure survey suggests that about 2% of the men surveyed admitted to occasionally viewing child abuse material. If we take this figure as a starting point, there would have to be tens of thousands of men in the Netherlands, in which the present study was conducted, alone who have occasionally viewed child abuse material.
Keywords: Child sexual abuse, child abuse material, outpatient treatment, sexual problems
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:61-82
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0052
Nöte und Bedürfnisse von Partner:innen und Familienangehörigen pädophiler und/oder hebephiler Patienten des Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“
Elisabeth Quendler-Adamo, Harald Gündel & Joachim Schreijäg
Zusammenfassung
Seit der Eröffnung des Standorts Ulm des deutschlandweiten Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ im Juli 2014 besteht auch in Süddeutschland ein therapeutisches Angebot für Menschen mit einer pädophilen und/oder hebephilen sexuellen Präferenz. Im Rahmen der therapeutischen Begleitung und Behandlung derselben fiel in therapeutischen Gesprächen mit Patienten auf, dass auch deren Angehörige durch die besonderen Umstände belastet waren. Da kein standardisiertes Angebot bestand, wurde schließlich drei Jahre nach der Eröffnung in Ulm ein Gruppenangebot für alle interessierten und über die Präferenz informierten Angehörigen eingerichtet. Trotz vermuteter Belastungen nahmen nur wenige Familienangehörige oder Partner:innen das Angebot wahr. Ab Ende 2018 sollte daher in einer ersten Untersuchung systematisch herausgearbeitet werden, welche Nöte und Bedürfnisse die bislang nicht untersuchte Personengruppe aufweist, und davon abgeleitet, wie ein Angehörigenangebot idealerweise nach den Vorstellungen derselben aussehen müsste. In der vorliegenden Arbeit werden die wichtigsten Ergebnisse dieser und einer darauffolgenden Untersuchung zusammengefasst.
Schlüsselwörter: Präventionsprojekt „Kein Täter werden“, Familienangehörige, Partner:innen, Belastung und Bedürfnisse, Angehörigenangebot
Exploring the Concerns and Support Needs of Relatives of Patients with Pedophilic and/or Hebephilic Disorders: Insights from the ‚Kein Täter werden‘ Program
Abstract
In the course of the opening of the Ulm branch of the Germany-wide prevention network “Kein Täter werden” (engl. translation: Don‘t Become a Perpetrator) in July 2014, a therapeutic service has been made available for individuals with a pedophilic and/or hebephilic sexual preference. During the therapeutic support and treatment, it became apparent in conversations with patients that their relatives were also burdened by the unique circumstances. As no standardized support offer existed, a group program was established three years after the Ulm branch opened. This program was offered to all interested relatives of patients in the project who had been informed about their preference. Despite the presumed emotional strain, very few family members or partners participated in the program. Therefore, starting at the end of 2018, a first study aimed to systematically identify the concerns and needs of this previously unexamined group has been initiated. Based on these findings, the study sought to determine what an ideal support program for relatives should look like from their perspective. This paper summarizes the key findings of that initial study and a subsequent second investigation.
Keywords: Prevention project „Kein Täter werden“, family members, partners, concerns and needs, support program for relatives
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:83-116
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0053
Erfahrungen von Patienten und Mitarbeitern mit dem Zimmereinschluss und Zimmerverweis: Eine qualitative Studie
Stefanie Lutz, Peggy Walde & Birgit Völlm
Zusammenfassung
Während der Unterbringung eines Patienten in der forensischen Psychiatrie können zur Verhinderung einer akuten Gefährdung der Zimmereinschluss (ZE) oder Zimmerverweis (ZV) vollzogen werden. Ziel dieser explorativen Studie war es, die Erfahrungen forensischer Patienten und Mitarbeiter mit dem ZE und ZV qualitativ zu untersuchen. Von Mai 2020 bis Mai 2021 nahmen 18 Patienten und 27 Mitarbeiter einer deutschen Klinik für Forensische Psychiatrie teil. Die mit halbstandardisierten episodischen Interviews erhobenen Daten wurden anhand der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Für die Patienten konnten drei Haupt- und acht Subkategorien, für die Mitarbeiter drei Haupt- und zehn Subkategorien extrahiert werden. Sowohl der ZE als auch der ZV wurden als letztes Mittel angewandt, wenn andere Maßnahmen zur Situationsbewältigung nicht ausreichten. Die Erfahrungen der Patienten und Mitarbeiter mit dem ZE und ZV waren sowohl positiv als auch negativ, wobei aufseiten der Patienten negative Erfahrungen dominierten. Die berichteten Bewertungen, Auswirkungen und gewünschten Veränderungen waren zwischen Patienten und Mitarbeitern zumeist kongruent. Grenzen der Untersuchung sowie Implikationen für die Forschung und Praxis werden diskutiert.
Schlüsselwörter: Forensische Psychiatrie, Zwang, Zimmereinschluss, Zimmerverweis, Erfahrungen
Experiences of patients and staff with separation in their room: A qualitative study
Abstract
During treatment in forensic psychiatric settings, separation in a room with and without locking can be carried out against the patient's will to prevent acute harm to the patients themselves or others. The aim of this study was to explore the experiences of patients and staff referring to separation. From May 2020 to May 2021, 18 patients and 27 employees from a German clinic for forensic psychiatry took part. The data collected using semi-standardized episodic interviews were analysed using content-structuring qualitative content analysis. Three main categories and eight subcategories were extracted for the patients, and three main categories and 10 subcategories for the staff. Both separation in one’s room with locking and without, were always used as a last resort if other measures were not sufficient to deal with the situation. Overall, the experiences of patients and staff ranged between positive and negative, with a predominance of negative experiences among patients. The evaluations, effects and desired changes reported in connection with these measures were mostly congruent between patients and staff. Limitations of the study and implications for research and practice are discussed.
Keywords: forensic psychiatry, coercion, separation, experiences
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2025.36:117-134
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0054
Abstracts der Münchner forensischen Herbsttagung 2025
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
34. Jahrgang · 2026 · Heft 1
Pabst, 2025
ISSN 0945-2540















