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Die Menschen werden immer älter – und das Risiko einer epidemischen Katastrophe steigt

„Demografische Prozesse beeinflussen das Krankheitsgeschehen - und umgekehrt.“ Die Wechselwirkungen von Gesundheit, Krankheit und Bevölkerungsentwicklung beschreibt Enno Nowossadeck (Robert Koch Institut) in seinem Beitrag zum Sammelband „Wandel der Gesundheits- und Krankheitsvorstellungen“ (hrsg. von E. Brähler, H.-W. Hoefert und D. Klotter).

Ein Blick in die Historie: Der Pestausbruch im 14. Jahrhundert löschte ein Drittel der europäischen Bevölkerung aus; die „Spanischen Grippe“ forderte am Anfang des 20. Jahrhunderts mehr Todesopfer als der 1. Weltkrieg.

 

Durch bessere Hygiene und verbesserte Trinkwasser- und Abwasserversorgung begann im 19. Jahrhundert die Lebenserwartung zu steigen. Die Menschen starben nunmehr seltener an Infektionskrankheiten – und lebten länger.

Die demografische Entwicklung zeigte Folgen für das Krankheitsgeschehen: Chronische Krankheiten, die in der Regel erst im höheren Lebensalter auftreten, wurden häufiger – zusätzlich stellen heute neurodegenerative Leiden (z.B. Demenz) Forschung und Gesundheitsversorgung vor neue Herausforderungen.

Zuletzt hat sich das Krankheitsspektrum erneut verändert: Vor allem ischämische Herzkrankheiten, Schlaganfälle und einige Krebserkrankungen wurden behandelbar und enden meist erst verzögert tödlich; die Lebenserwartung ist allein durch diese Entwicklung weiter messbar gestiegen. Die andere Seite der „Medaille“ der verzögerten Sterblichkeit wird am Beispiel der Herzkrankheiten deutlich: Die Krankenhauszahlen zur Behandlung der Herzinsuffizienz steigen deutlich, in vielen Ländern der westlichen Welt verbreitet sich die Herzinsuffizienz immer stärker – die Folgen sind hohe Belastungen für die Menschen selbst sowie für das Gesundheitssystem.

Nowossadek warnt davor, das Risiko epidemischer Katastrophen zu unterschätzen: Allein in Deutschland starben im Winter 2012/2013 etwa 25.000 Menschen an einer normalen Influenza. Ausbrüche übertragbarer Krankheiten auch „am anderen Ende der Welt“ können in Europa Katastrophen auslösen. „Hatte sich der ´schwarze Tod´ im 14. Jahrhundert mit bis zu fünf Kilometern pro Tag ausgebreitet, können Krankheitserreger heute in wenigen Stunden andere Kontinente erreichen




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