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Wirtschaftspsychologie: IT-Experten nur selten in normalem Arbeitsverhältnis

Zwölf oder mehr Arbeitsstunden am Bildschirm: Für Beschäftigte in IT-Startups schien es kaum einen normalen Feierabend zu geben. Inzwischen ist die IT-Hype einer gewissen Normalität gewichen. Wieweit hat sich die Lebensgestaltung der Betroffenen während der folgenden fünf Jahre geändert? Eine Arbeitsgruppe der FU Berlin untersuchte die Verläufe in einem qualitativen Forschungsprojekt und kam zu einem differenzierten Bild.

Die 52 Studienteilnehmer ließen sich anhand der Komparativen Kasuistik in sechs Gruppen gliedern:

  • Den ersten Verlaufstyp kennzeichnet "eine selbstbestimmte Dynamik mit wechselnden, reflektierten Arrangements zwischen Arbeitszentrierung und Familie." Häufig sind inzwischen Kinder geboren. Die Vereinbarung von Beruf und Familie gelingt bei diesen Frauen und Männern, weil sie mit ihren Partnern egalitäre und flexible Arrangements familialer Arbeitsteilung ausgehandelt haben, die sie kontinuierlich auf konkrete, wechselnde Anforderungen im Alltag abstimmen.
  • Den zweiten Typ charakterisieren die Untersucher mit "Dynamik hin zur Entgrenzung als Selbstverwirklichung". In dieser Gruppe befinden sich ausschließlich Gründer und Alleinselbständige, die es als bereichernd empfinden, arbeitszentriert zu leben und keine Grenzen zur Freizeit zu ziehen.
  • Der dritte Typus zeigt eine "traditionale Dynamik von Entgrenzung hin zu arbeitszentrierter Segmentation". Hier finden sich ausschließlich männliche Firmengründer, die sich bemühen, kleinere zeitliche Freiräume für die Familie zu schaffen, wobei die Partnerinnen traditional die Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen.
  • Die vierte Gruppe verwirklicht eine "Dynamik hin zu modernen Arrangements einer dauerhaften Balance zwischen Beruf und Privatleben." Mit geregelten 30 bis 40 Arbeitsstunden pro Woche sind die Betroffenen - im Gegensatz zu Gruppe 1 - zunehmend stärker bereit, berufliche Abstriche zugunsten des Privatlebens hinzunehmen.
  • Den fünften Typus kennzeichnen die Untersucher mit "offener Dynamik bei temporärer Entgrenzung". "Im Gegensatz zum zweiten Typus ist eine Entgrenzung von beruflichem und privatem Leben nicht gewollt, sondern sie wird als erzwungene Übergangsphase oder als Folge krisenhafter Einschnitte begriffen. Angestrebt wird mittel- bis langfristig ein Gleichgewicht von Berufs- und Privatleben."
  • Nur drei Studienteilnehmer waren in ein Normalarbeitsverhältnis gegangen und erreichten ein "traditionales, stabiles Gleichgewicht von Beruf und Privatleben."

Die Studienautoren belegen: "Ein komparativ-kasuistisches Vorgehen hat sich nicht nur für die Erfassung derart unterschiedlicher Formen der individuellen Lebensgestaltung, sondern auch für die Ermittlung unterschiedlicher Typen der Entwicklungsdynamik als höchst fruchtbar erwiesen."




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