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Gesundheitszwänge: je gesünder, desto mehr Angst vor Krankheit

Das Gesundheitsparadox verschärft sich: Der Gesundheitszustand der Bevölkerung wird kontinuierlich besser, aber Krankheitsängste und Gesundheitszwänge nehmen zu. "Gesundes" Essen, der perfekte Body, Schönheitsideale, exzessiver Sport, Wellness usw. werden immer häufiger zum Zwang, der u.U. pathologische Formen annehmen und jedes Wohlbefinden verhindern kann. Im Reader "Gesundheitszwänge" liefern Experten Analysen und weiterführende Lösungskonzepte.

  

Fachleute machen in erster Linie hohe, teils unrealistische Erwartungen an das Gesundheitssystem verantwortlich - auch vor dem Hintergrund seiner hohen, fortschreitenden Kommerzialisierung. Als zentraler Faktor gilt "eine zunehmende Rigidität des Gesundheitsbegriffs, die sich in dysfunktionalen Überzeugungen - wie z.B. ´Jede körperliche Missempfindung ist Zeichen einer Erkrankung´- widerspiegelt. Als Folge eines solchen rigiden Gesundheitsbegriffs kann sich im Einzelfall beim Zusammentreffen weiterer Risikofaktoren eine chronisch erhöhte Aufmerksamkeit  auf den eigenen Körper und in der Folge eine somatoforme Störung oder Hypochondrie entwickeln," schreibt Prof. Dr. Michael Witthöft.

 

Er ergänzt: "Unabhängig von diesen psychopathologischen Extremvarianten eines überhöhten Gesundheitsfokus im Sinn einer psychischen Störung mit Krankheitswert existieren niederschwellige Gesundheitsängste mit einer Prävalenz zwischen 6% und 13% in der Allgemeinbevölkerung."

 

Witthöft sieht derartige Ängste und Zwänge auf kognitiver, affektiver und physiologischer Ebene. Er schlägt entsprechende Lösungs- bzw. Therapiemöglichkeiten vor: eine kognitive Umstrukturierung im Sinne eines sokratischen Dialogs kann den Weg zu einer realistischen Sicht bahnen. "Die affektive Komponente in Form von schwer kontrollierbaren , kreisenden Sorgenprozessen lässt sich am effektivsten mit Hilfe von expositionsbasierten Techniken behandeln. Bewährt hat sich in der Praxis die Arbeit mit Worst-Case-Szenarien." "Da Gesundheitsängste auf physiologischer Ebene mit einer gesteigerten inneren Unruhe und Anspannung einhergehen, haben sich Entspannungsverfahren als wirkungsvoll erwiesen." 

 

22 Einzelbeiträge im Sammelband stellen unterschiedlichste Formen von Gesundheitszwängen vor und zeigen für Betroffene wie für TherapeutInnen konkrete Auswege bzw. Behandlungsmöglichkeiten.

 

 




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