Inhaltsverzeichnis
Editorial: Gesundheit in der Arbeitswelt: Angewandte Gesundheitspsychologie und Betriebliche Gesundheitsförderung
Stephanie Kurzenhäuser-Carstens & Christian Dries
Mit Entgrenzung umgehen: Strategien und Maßnahmen für ein gesundheitsgerechtes Selbstmanagement
Kathrin Reinke, Katharina Schneider, Claudia Schmeink & Bernhard Schmitz
Erholung von der Arbeit durch Musizieren – Eine Untersuchung der Effekte für Wohlbefinden und Gesundheit bei Berufstätigen
Katharina Sachse & Robert Schmidt
Meaning. Health. Happiness.
Die Verbindung zwischen sinnerfüllter Arbeit, Glück und mentaler Gesundheit
Julia K. Frieß, Gabriele M. Murry
Increasing job satisfaction by considering sensory processing sensitivity in modern working environments
Jaqueline Vieregge, Christine Sutter, Sandra Sülzenbrück
Wie wirkt sich ADHS bei Führungskräften aus und welche Coping Strategien wenden diese im Führungsalltag an?
Anna-Pia Edelmann, Sara Christin Happel
Gesunde Führung zur Förderung der ganzheitlichen Gesundheit von Beschäftigten in Organisationen – eine systematische Literaturübersicht
Claudia Anna Kardys, Anna-Katharin Dommermuth
Messung und Unterstützung von Arbeitsfähigkeit und Wohlbefinden im Pflegeberuf
Entwicklung und Evaluation eines Prozesses zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement
Christian Härtwig, Anja Liebrich
Varia
Gamification als Designelement zur Unterstützung von Zielsetzung und Selbstregulation
Jenny V. Bittner, Julia Bastian
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:258-260
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0065
Gesundheit in der Arbeitswelt: Angewandte Gesundheitspsychologie und Betriebliche Gesundheitsförderung
Stephanie Kurzenhäuser-Carstens & Christian Dries
Prof. Dr. Stephanie Kurzenhäuser-Carstens
Hochschule Niederrhein
Reinarzstraße 49
47805 Krefeld
stephanie.kurzenhaeuser-carstens@hs-niederrhein.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:260-271
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0066
Mit Entgrenzung umgehen: Strategien und Maßnahmen für ein gesundheitsgerechtes Selbstmanagement
Kathrin Reinke1, Katharina Schneider1, Claudia Schmeink1 & Bernhard Schmitz2
1 Wirtschaftspsychologie, Hochschule Fresenius Wiesbaden
2 Psychologie, Technische Universität Darmstadt
Zusammenfassung
In der heutigen mobilen Arbeitswelt verschwimmen die Grenzen zwischen dem Arbeits- und Privatleben zunehmend und es entstehen neue Anforderungen an das Selbstmanagement von Beschäftigten. Dies kann zu Überforderung führen. Anhand einer Analyse von 15 Experten-Interviews sowie einer Online-Befragung mit bis zu 599 Personen wurden Strategien der Grenzgestaltung untersucht, die ein erfolgreiches Selbstmanagement für eine gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung fördern. Die Auswertung zeigt, dass Beschäftigte insbesondere zeitliche und kommunikative Strategien nutzen. Darüber hinaus wird deutlich, dass für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Strategien ebenfalls Maßnahmen auf der Team- und Führungsebene erforderlich sind. Dazu zählen z.B. eine klare Kommunikation von Erwartungen an die Erreichbarkeit sowie die gegenseitige Unterstützung im Team dabei, Grenzen einzuhalten. Maßgeblich für die Umsetzung all dieser Strategien sind jedoch entsprechende Rahmenbedingungen, wie personelle und zeitliche Ressourcen, sowie konkrete Zielvorgaben für eine gesundorientierte (Unternehmens-)Führung, die auf organisationaler Ebene geschaffen werden müssen.
Schlagworte: Flexible Arbeitswelt, Grenzgestaltung, Selbstmanagement, Strategien der Grenzgestaltung, Gesundheit
Dealing with blurred boundaries: Strategies and measures for healthy self-management
Abstract
In today's mobile working world, boundaries between work and private life are becoming increasingly blurred, and new demands occur for employees' self-management skills. This can lead to feelings of overload. Based on an analysis of 15 expert interviews and an online survey of up to 599 employees, strategies for boundary management were examined that may promote successful self-management for a healthy work environment. Our analyses show that employees primarily use time and communication strategies. In addition, it becomes clear that successfully implementing these strategies also requires measures at the team and supervisor level. These include, for example, clearly communicating expectations regarding availability, and mutual support within a team to set boundaries. However, the implementation of all these strategies depends on appropriate framework conditions, such as staff and time resources, as well as specific goals for health-oriented (corporate) management. These framework conditions must be created at the organizational level.
Keywords: Flexible working world, boundary management, self-management, boundary management strategies, boundary tactics, health
Prof. Dr. Kathrin Reinke
Hochschule Fresenius Wiesbaden
Fachgebiet Wirtschaftspsychologie
Moritzstraße 17a 65185 Wiesbaden
kathrin.reinke@hs-fresenius.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:272-287
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0067
Erholung von der Arbeit durch Musizieren – Eine Untersuchung der Effekte für Wohlbefinden und Gesundheit bei Berufstätigen
Katharina Sachse1 & Robert Schmidt2
1 Hochschule Schmalkalden
2 FOM Hochschule Berlin
Zusammenfassung
Musizieren hat positive Effekte auf die Psyche. Wir haben untersucht, ob Hobby-Musizieren bei Berufstätigen zu einer besseren Erholung von der Arbeit beiträgt und somit das Wohlbefinden und die Gesundheit fördert. Dazu wurden mittels Online-Befragung bei 53 Hobbymusizierenden und 39 Personen, die in ihrer Freizeit keine Musik machen, die Erholungserfahrung mit ihren Facetten mentales Abschalten, Entspannung, Mastery und Kontrolle, das subjektive Wohlbefinden und das Ausmaß gesundheitlicher Beschwerden erfasst. Die Ergebnisse deuten auf förderliche Effekte hin: Musizieren hat positive Effekte auf das Wohlbefinden, die nicht durch die Erholungserfahrung vermittelt werden. Musizierende haben ein höheres Ausmaß an Beherrschungserfahrung (Mastery) als Nicht-Musizierende, diese steht jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Wohlbefinden. Wohlbefinden kann durch mentales Abschalten und Entspannung vorhergesagt werden. Für gesundheitliche Beschwerden lassen sich keine Zusammenhänge mit dem Musizieren und den Erholungserfahrungen nachweisen, wenn Alters- und Geschlechtseffekte kontrolliert werden. Zusatzanalysen zeigen, dass die Effekte nicht auf ein höheres Ausmaß an Freizeit oder sozialer Unterstützung bei den Musizierenden zurückführbar sind. Da es sich um ein korrelatives Design handelt, sind weitere kontrollierte Untersuchungen nötig, um die Wirkmechanismen genauer zu klären. Musikangebote könnten jedoch andere Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung ergänzen und so auch Personen erreichen, die für Sportangebote nicht empfänglich sind.
Schlagworte: Musizieren, Erholungserfahrung, Mentales Abschalten, Mastery, Wohlbefinden, Gesundheit
Recovery from work by making music – A study of the effects on well-being and health among working people
Abstract
Playing music has positive effects on the mental health. We investigated whether making music as a hobby helps working people to recover better from work and thus promotes well-being and health. We conducted an online survey of 53 amateur musicians and 39 people who do not make music in their spare time to assess their recovery experience in terms of mental detachment, relaxation, mastery and control, subjective well-being and the extent of health complaints. The results indicate beneficial effects: music-making has positive effects on well-being that are not mediated by the recovery experience. Musicians have a higher level of mastery than non-musicians, but this is not related to well-being. Well-being can be predicted by mental detachment and relaxation. No correlations between health complaints and music-making or recovery experiences can be demonstrated when age and gender effects are controlled for. Additional analyses show that the effects cannot be explained by a higher degree of leisure time or social support among musicians. Since this is a correlational design, further studies are needed to clarify the mechanisms of effect more precisely. However, music programs could complement other workplace health promotion activities and thus reach people who are not interested in sports programs.
Keywords: Making Music, Recovery Experience, Mental Detachment, Mastery, Well-being, Health
Prof. Dr. Katharina Sachse
Hochschule Schmalkalden
Blechhammer 9
98574 Schmalkalden
E-Mail-Adresse: k.sachse@hs-sm.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:288-305
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0068
Meaning. Health. Happiness.
Die Verbindung zwischen sinnerfüllter Arbeit, Glück und mentaler Gesundheit
Julia K. Frieß, Gabriele M. Murry
Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden
Zusammenfassung
Erwerbsarbeit wird sowohl für Individuen als auch für Arbeitgebende zunehmend als wesentlicher Bestandteil des allgemeinen Wohlbefindens betrachtet. Daher untersucht diese Studie, wie berufliche Sinnerfüllung, mentale Gesundheit und Glück im Arbeitskontext im Zusammenhang stehen und in Verbindung mit dem organisationalen Commitment betrachtet werden. Ziel der Untersuchung ist es, den Fokus auf die Förderung der beruflichen Sinnerfüllung zu richten und die Variable eingebettet im Kontext des Wohlbefindens zu erforschen. Dabei wird insbesondere der Bezug zur Positiven Psychologie sowie zur mentalen Gesundheit beleuchtet. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird ein Mixed-Methods-Design angewandt. Mittels eines Online-Fragebogens (n = 253) wurden dazu quantitativ Daten in Form eines convenience samples erhoben, mit der Voraussetzung, dass die Teilnehmenden in einem Beschäftigungsverhältnis standen. Als qualitative Methode mit gleicher Sampling-Strategie wurde eine Tagebuchstudie (n = 34) durchgeführt, um die Variablen auf einer täglichen Basis zu erheben. Die Ergebnisse zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen allen betrachteten Variablen. Die Analyse zeigt auf, dass zwischen dem Glücksempfinden und Sinnerleben von Arbeitnehmenden ein mittlerer Effekt besteht. Außerdem wird deutlich, dass berufliche Sinnerfüllung positiv in mentaler Gesundheit gründet. Die Auswertung der Tagebuchstudie illustriert zudem die Wichtigkeit sozialer Beziehungen am Arbeitsplatz. Insgesamt wird ersichtlich, dass dem eudämonistischen Wohlbefinden mehr Bedeutung beigemessen wird als dem hedonistischen.
Schlagworte: Berufliche Sinnerfüllung, Glück, Mentale Gesundheit, Organisationales Commitment, Wohlbefinden
Meaning.Health.Happiness. The connection between meaningful work, happiness, and mental health at work
Abstract
Work is evolving for both individuals and employers over time. Therefore, this research examines how meaningful work, mental health, and happiness at work are interconnected and how these factors relate to organizational commitment. To address the research questions, a mixed-methods approach is applied. Quantitative data were collected through an online survey (n = 253). As a qualitative method, a diary study was conducted with 34 participants over a two-week period to collect variables on a daily basis and identify the circumstances that influence these variables. In general, significant relationships were found between all the variables considered. The analysis shows a moderate effect between employees' happiness and job fulfillment. Additionally, it is evident that job fulfillment positively correlates with mental health. The results further indicate that these three variables collectively explain a quarter of the variance in organizational commitment. The qualitative evaluation highlights the importance of social relationships in the workplace. Overall, it becomes evident that eudaimonic well-being is given more importance than hedonistic well-being.
Keywords: meaningful work, happiness, mental health. organizational commitment, well-being
Julia K. Frieß, M.A.
Ostbayerische Technische Hochschule
Amberg-Weiden
Hetzenrichter Weg 15,
92637 Weiden in der Oberpfalz
juliafriess@yahoo.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:306-321
DOI: doi.org/10.2440/004-0069
Increasing job satisfaction by considering sensory processing sensitivity in modern working environments
Jaqueline Vieregge1, Christine Sutter1, Sandra Sülzenbrück²
1 Deutsche Hochschule der Polizei, Münster
2 Westfälische Hochschule, Gelsenkirchen
Abstract
Sensory processing sensitivity (SPS) is characterized by a higher sensitivity to environmental stimuli, both positive and negative. Recent studies have shown two construct facets of SPS, vantage sensitivity (represented by aesthetic sensitivity) and vulnerable sensitivity (which consists of low sensory threshold and ease of excitation) (Pluess & Belsky, 2013), Wyrsch, 2020). Since the seminal publication by Aron and Aron (1997), most empirical studies focused on SPS characteristics in general and especially on the negative consequences of SPS (Greven et al., 2019). However, only a few studies focused on SPS in the organizational context and also targeted the positive effects of SPS. Based on the Job Characteristic model by Hackman and Oldham (1976), we addressed this research gap by investigating the moderating effects of SPS on associations between the job characteristics autonomy and task variety and job satisfaction as an organizational outcome variable. We assumed a positive correlation between job characteristics and job satisfaction and a positive moderating effect of SPS. The survey study results (N = 719) confirm that SPS positively moderates the relationship between autonomy and job satisfaction. However, we also found negative relationships between vulnerable sensitivity and job satisfaction. Regarding task variety, we only found moderating effects for vantage sensitivity. Our findings demonstrate that employees' satisfaction and organizational outcomes could be optimized if modern working environments consider personality traits such as the level of SPS within the workplace.
Keywords: job satisfaction, sensory processing sensitivity, modern working environments, job characteristics, Environmental Sensitivity
Steigerung der Arbeitszufriedenheit durch die Berücksichtigung von Hochsensibilität in modernen Arbeitsumgebungen
Zusammenfassung
Sensory Processing Sensitivity (SPS; Hochsensibilität) ist durch eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Umweltreizen – sowohl positiven als auch negativen Reizen – gekennzeichnet. Aktuelle Studien identifizieren zwei Facetten des Konstrukts: Vantage-Sensitivität (repräsentiert durch ästhetische Sensitivität) und Vulnerable-Sensitivität (bestehend aus niedriger sensorischer Schwelle und leichter Erregbarkeit) (Pluess & Belsky, 2013; Wyrsch, 2020). Seit der wegweisenden Studie von Aron und Aron (1997) konzentrierte sich der Großteil der empirischen Forschung auf die allgemeinen Merkmale von Hochsensibilität, insbesondere auf die negativen Konsequenzen (Greven et al., 2019). Nur wenige Studien untersuchten die Hochsensibilität im organisatorischen Kontext und berücksichtigten dabei auch die positiven Effekte von Hochsensibilität. Basierend auf dem Job-Characteristics-Modell von Hackman und Oldham (1976) schließen wir diese Forschungslücke, indem wir moderierende Effekte der Hochsensibilität auf die Zusammenhänge zwischen den Arbeitsmerkmalen Autonomie und Aufgabenvielfalt auf die Arbeitszufriedenheit als organisationale Outcome-Variable untersuchen. Wir nehmen positive Korrelationen zwischen Arbeitsmerkmalen und der Arbeitszufriedenheit sowie einen positiven moderierenden Effekt von Hochsensibilität auf diesen Zusammenhang an. Die Ergebnisse unserer Studie (N = 719) bestätigen, dass die Hochsensibilität die Beziehung zwischen Autonomie und Arbeitszufriedenheit positiv moderiert. Gleichzeitig fanden wir jedoch auch negative Zusammenhänge zwischen vulnerabler Sensitivität und Arbeitszufriedenheit. Hinsichtlich der Aufgabenvielfalt konnten moderierende Effekte ausschließlich für die Vantage-Sensitivität festgestellt werden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und gleichzeitig die Performance des Unternehmens verbessert werden können, wenn moderne Arbeitsumgebungen Persönlichkeitseigenschaften wie Hochsensibilität im Arbeitsumfeld berücksichtigen.
Schlüsselwörter: Arbeitszufriedenheit, Hochsensibilität, moderne Arbeitsumgebungen, Arbeitsmerkmale, Umweltsensitivität
Jaqueline Vieregge (M. Sc.)
Deutsche Hochschule der Polizei
Zum Roten Berge 18-24
48165 Münster
J.Vieregge@outlook.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:322-332
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0070
Wie wirkt sich ADHS bei Führungskräften aus und welche Coping Strategien wenden diese im Führungsalltag an?
Anna-Pia Edelmann, Sara Christin Happel
Honorardozentin für die Hochschule Fresenius, Wiesbaden, im Fachbereich
Zusammenfassung
Die Forschungsarbeit untersucht die persönlichen Auswirkungen von ADHS auf Führungskräfte und deren Coping Strategien im beruflichen Alltag. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zur Unterstützung von Führungskräften mit ADHS zu entwickeln und das Verständnis von Unternehmen für diese Thematik zu verbessern. Mittels problemzentrierter Interviews mit acht betroffenen Führungskräften wurden durch eine qualitative Inhaltsanalyse Herausforderungen, Bewältigungsstrategien und positive Aspekte von ADHS analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass ADHS sowohl Herausforderungen wie Unruhe und Impulsivität als auch Stärken wie Kreativität und Hyperfokus mit sich bringt. Die Arbeit schließt mit praxisorientierten Empfehlungen zur Förderung eines unterstützenden Arbeitsumfelds für Führungskräfte mit ADHS.
Schlagworte: ADHS bei Erwachsenen, ADHS bei Führungskräften, Coping Strategien, Qualitative Interviews, Herausforderungen im Führungsalltag, Kreativität, Hyperfokus
The impact of ADHD on leaders and the coping strategies they employ in their leadership practice
Abstract
This study examines the effects of ADHD on managers and their coping strategies in everyday working life. The aim is to develop recommendations for action to support managers with ADHD and to improve companies' understanding of this topic. Problem-centered interviews with eight affected managers were analyzed using the method of qualitative content analysis to identify challenges, coping strategies and positive aspects of ADHD. The results show that ADHD brings with it challenges such as restlessness and impulsivity as well as strengths such as creativity and hyperfocus. The paper concludes with practice-oriented recommendations for promoting a supportive work environment for managers with ADHD.
Keywords: ADHD in adulthood, ADHD in managers, coping strategies, qualitative interviews, challenges in everyday management, creativity, hyperfocus
Dr. Anna-Pia Edelmann
Fachhochschule Kufstein
Fachbereich Wirtschaftspsychologie
Andreas Hofer Straße 7
A-6330 Kufstein
annapia.edelmann@lektor.fh-kufstein.ac.at
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:333-349
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0071
Gesunde Führung zur Förderung der ganzheitlichen Gesundheit von Beschäftigten in Organisationen – eine systematische Literaturübersicht
Claudia Anna Kardys1, Anna-Katharin Dommermuth2
1 Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie
2 FOM Hochschule für Oekonomie & Management
Zusammenfassung
Die dynamischen Veränderungen in der Arbeitswelt, geprägt durch beschleunigte technologische Entwicklungen, intensiven Wettbewerb und wirtschaftliche Herausforderungen wie die Corona-Pandemie, erfordern von Organisationen eine kontinuierliche Anpassung. In diesem Kontext gewinnen Führungskräfte zunehmend an Bedeutung, die durch empathisches, achtsames und wertschätzendes Verhalten ihre Mitarbeitenden unterstützen und sie in ihrer Entwicklung hin zu mehr Eigenverantwortung fördern.
Der vorliegende Beitrag untersucht mittels einer systematischen Literaturrecherche, ob und inwieweit gesundes Führungsverhalten die ganzheitliche Gesundheit von Beschäftigten in Organisationen fördern kann. Die Analyse von 13 relevanten Studien zeigt, dass gesundheitsorientiertes Führungsverhalten, transformationale Führung und wertschätzende Kommunikation, insbesondere in Verbindung mit aktivem Zuhören, zentrale Determinanten für die Förderung von Wohlbefinden, Resilienz und Arbeitsengagement sind. Führungskräfte, die in der Lage sind, ressourcenreiche Arbeitsumgebungen zu schaffen und ihre Mitarbeitenden individuell wertzuschätzen, tragen nicht nur zur physischen und psychischen Gesundheit bei, sondern stärken auch die Motivation und Zufriedenheit ihrer Teams.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gesunde Führung weit über individuelle Führungspraktiken hinausgeht und sowohl eine selbstreflektierte Haltung der Führungskraft als auch gesundheitsförderliche Strukturen in der Organisation voraussetzt. Der Beitrag leistet einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit gesundheitsorientierter Führung und liefert praxisrelevante Ansätze, um Menschlichkeit und Gesundheit als feste Bestandteile der modernen Arbeitswelt zu etablieren.
Schlagworte: Gesunde Führung – Personalgesundheit – Beschäftigtenwohlbefinden – Führungsverhalten – Organisationspsychologie
Healthy Leadership for Promoting the Holistic Health of Employees in Organizations – A Systematic Literature Review
Abstract
The dynamic transformations in the world of work, driven by accelerated technological advancements, intense competition, and economic challenges such as the COVID-19 pandemic, require organizations to continuously adapt. In this context, leadership plays an increasingly crucial role, as leaders who demonstrate empathy, mindfulness, and appreciation can effectively support their employees and foster their development towards greater self-responsibility.
This study conducts a systematic literature review to examine whether and to what extent health-oriented leadership can promote employees' holistic health in organizations. The analysis of 13 relevant studies reveals that health-promoting leadership behaviors, transformational leadership, and appreciative communication—particularly in combination with active listening—are key determinants in fostering well-being, resilience, and work engagement. Leaders who create resource-rich work environments and value their employees on an individual level contribute not only to physical and mental health but also enhance motivation and job satisfaction within their teams.
The findings highlight that healthy leadership extends beyond individual leadership practices, requiring both a self-reflective leadership approach and health-promoting structures within the organization. This study makes a valuable contribution to the scientific discourse on health-oriented leadership and provides practical approaches to establishing humanity and well-being as integral components of the modern workplace.
Keywords: Healthy Leadership - Employee Health - Workplace Well-Being - Leadership Behavior - Organizational Psychology
Prof. Dr. Claudia Anna Kardys
Hochschule Niederrhein,
Fachbereich Oecotrophologie
Rheydter Str. 277
41065 Mönchengladbach
claudia.kardys@hs-niederrhein.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:350-364
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0072
Messung und Unterstützung von Arbeitsfähigkeit und Wohlbefinden im Pflegeberuf
Entwicklung und Evaluation eines Prozesses zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement
Christian Härtwig1, Anja Liebrich2
1 FOM Hochschule für Oekonomie und Management (Berlin), Goodwork GmbH
2 FOM Hochschule für Oekonomie und Management (Nürnberg), GAW gGmbH
Zusammenfassung
Pflegekräfte sind hohen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Um diesen zu begegnen, sollten mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) Verbesserungen im Arbeitsalltag der Pflegekräfte durch bessere Personalausstattung und bessere Arbeitsbedingungen erreicht werden. In diesem Kontext wurde erstens ein bereichsspezifisches Instrument zur Messung verschiedener Aspekte der Arbeitsfähigkeit und des Wohlbefindens entwickelt und erprobt. Dieses diente als Ausgangspunkt, um zweitens die Entwicklung und Implementierung eines Unterstützungsprozesses zur partizipativen Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen in ambulanten und stationären Altenpflegeeinrichtungen systematisch umzusetzen. Die pandemische Situation aufgrund COVID-19 führte im Pflegesektor und bei den teilnehmenden Pilotbetriebe zu einer verschärften Belastungssituation – und das Programm in eine besondere Bewährungsprobe.
Das für den BGM-Prozess konzipierte Messinstrument und das Interventionsprogramm orientierten sich im Aufbau am finnischen Arbeitsfähigkeitskonzept mit dem „Haus der Arbeitsfähigkeit“ (Ilmarinen, 2006). Sie sind wie folgt konzipiert:
(1) Der Fragebogen zur Erfassung der Ist-Situation wurde in drei Erhebungswellen entwickelt und beinhaltet Skalen zur Messung der einzelnen Handlungsfelder der Arbeitsfähigkeit („Stockwerke“), die überzeugende Faktorenstrukturen und Reliabilitäten sowie sehr gute Varianzaufklärungen von bis zu R2 = .80 aufweisen. Für das bisher im deutschsprachigen Raum recht neue Konstrukt „Wohlbefinden im Beruf“ wurde eine forschungsökonomisch überzeugende psychometrische Lösung entwickelt, die in Anbetracht der aktuellen öffentlichen Debatte um „Gesundheit“, „Wertschätzung“ und „Erfüllung“ im Pflegebereich mit ihren gleichnamigen Skalen (Cronbach’s Alpha .82 - .90) eine genau passende Messmethode bietet.
(2) Das Interventionsprogramm besteht aus einer dialogorientierten Workshop-Reihe zur gezielten und priorisierten Ableitung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen für die Handlungsfelder des finnischen Arbeitsfähigkeitskonzepts. Zur Verstetigung des Prozesses über die Pilotierung hinaus wurden Schulungsprogramme für betriebsinterne MultiplikatorInnen entwickelt und durchgeführt. Die Evaluation der beteiligten Einrichtungen zeigt erfolgreiche Stabilisierungs- und Verbesserungseffekte, die auch als Schutzeffekte für die Arbeitsfähigkeit und das Wohlbefinden von Pflegekräften anzusehen sind.
Mit dem entwickelten BGM-Prozess wurde dem Bedarf der Messung der Arbeitsfähigkeit sowie die der Effekte einer Intervention auf den Erhalt oder die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit in Deutschland Rechnung getragen. Auf Grundlage der Erfahrungen aus der Pilotierung werden Erfolgsfaktoren wie z. B. die Zusammensetzung des Steuerungs- bzw. Verantwortungskreises sowie eine dialogorientierte und partizipative Unternehmenskultur berichtet.
Schlagworte: Arbeitsfähigkeit, Wohlbefinden, Pflege, Fragebogen, Intervention
Measurement and support of work ability and well-being in the nursing profession
Development and evaluation of a process for occupational health management
Abstract
Nursing staff are exposed to high levels of physical and psychological stress. In order to counter this, the Nursing Staff Strengthening Act (PpSG) was intended to achieve improvements in the day-to-day work of nursing staff through better staffing and better working conditions. In this context, firstly, an area-specific instrument for measuring various aspects of work ability and well-being was developed and tested. Secondly, this served as a starting point for the systematic development and implementation of a support process for the participatory design of healthy working conditions in outpatient and inpatient geriatric care facilities. The pandemic situation due to COVID-19 led to an intensified stress situation in the care sector and among the participating pilot companies - and put the program to a particular test.
The measuring instrument designed for the OHM process and the intervention program were based on the Finnish work ability concept with the “House of Work Ability” (Ilmarinen, 2006). They are designed as follows:
(1) The questionnaire for recording the current situation was developed in three survey waves and contains scales for measuring the individual fields of action of the ability to work (“floors”), which have convincing factor structures and reliabilities as well as very good variance explanations of up to R2 = .80. A psychometric solution that is convincing in terms of research economics was developed for the construct “well-being at work”, which is quite new in German-speaking countries to date, and which offers an exactly suitable measurement method in view of the current public debate on “health”, “appreciation” and “fulfillment” in the care sector with its scales of the same name (Cronbach's alpha .82 - .90).
(2) The intervention program consists of a dialogue-oriented series of workshops for the targeted and prioritized derivation and implementation of improvement measures for the fields of action of the Finnish work ability concept. Training programs for internal multipliers were developed and implemented to consolidate the process beyond the pilot phase. The evaluation of the participating facilities shows successful stabilization and improvement effects, which can also be seen as protective effects for the work ability and well-being of nursing staff.
With the OHM process developed, the need to measure the ability to work and the effects of an intervention on maintaining or restoring the ability to work in Germany was taken into account. Success factors such as the composition of the steering and responsibility group and a suitable corporate culture are reported on the basis of the experience gained from the pilot project.
Keywords: Work ability, well-being, care, questionnaire, intervention
Prof. Dr. Christian Härtwig
FOM Hochschule für Oekonomie und Management, Hochschulstudienzentrum Berlin
Bismarckstr. 107
10625 Berlin
christian.haertwig@fom.de
Goodwork GmbH, Berlin
christian.haertwig@goodwork-gmbh.de
Wirtschaftspsychologie, 2025.27:365-371
DOI: https://doi.org/10.2440/004-0073
Gamification als Designelement zur Unterstützung von Zielsetzung und Selbstregulation
Jenny V. Bittner1, Julia Bastian2
1 FOM Hochschule für Ökonomie und Management, Kassel, Deutschland
2 Johannes Kepler Universität Linz, Österreich
Zusammenfassung
Menschen streben danach, ihre Ziele zu erreichen. Hilfreich ist es dabei, wenn Technologien die Zielerreichung unterstützen können. Wir formulieren die Idee, dass es möglich ist, auf spielerische Weise auf Ziele hinzuarbeiten. Gamification, das Verwenden spieltypischer Elemente wie Punkte, Badges, Leaderboards und Level, erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Dies liegt auch an digitalen Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Anwendungsgebieten, zum Beispiel beim Thema eHealth, eLearning und bei der Arbeit. Aber auch offline wird Gamification immer öfter angewendet. Anhand spieltypischer Beispiele stellen wir dar, wie Gamification sogar bei der Verfolgung von Zielen und zur längerfristigen Selbstregulation eingesetzt werden kann. Als motivationale Aspekte, die bei gamifizierten Designs eine konkrete Rolle spielen, werden Flow und User Experience diskutiert.
Schlagworte: Gamification, Ziele, Selbstregulation, User experience, Flow
Gamification as a design element to support goal-setting and self-regulation
Abstract
People strive to achieve their goals. It would be helpful if technologies support the achievement of these goals. We formulate the idea that it is possible to work toward goals playfully. Gamification is becoming increasingly popular using typical game elements such as points, badges, leaderboards and levels. This is also due to digital applications in various fields, for example eHealth, eLearning, and work. But gamification is also increasingly being used offline. Using examples typical of games, we show how gamification can be used even for goals and longer-term self-regulation. Flow and user experience will be discussed as motivational aspects that play a concrete role in gamified designs.
Keywords: Gamification, Goals, Self-Regulation, User Experience, Flow
Dr. Jenny V. Bittner
FOM Hochschule
Garde-du-Corps-Straße 7
34117 Kassel
jenny.bittner@fom-net.de
Wirtschaftspsychologie
27. Jahrgang · Heft 3 · 2025
Pabst, 2025
ISSN 1615-7729
Wirtschaftspsychologie kann über Genios (www.genios.de) im Volltext recherchiert werden.













