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Wirtschaftspsychologie

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2005-3

Editorial
H. A. Mieg

Die Form der Zeit: Elemente einer Wirtschaftspsychologie der Zeit
H. A. Mieg
Zusammenfassung | Abstract

Das Zeiterleben von Dienstleistungskunden: Probleme des Wartens
F. W. Nerdinger
Zusammenfassung | Abstract

Zeitliche Aspekte des Projektmanagements: die Bedeutung von Phasen, Laufzeiten, Impulsen, Ups and Downs
M. Wastian, M. Schneider
Zusammenfassung | Abstract

Gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung durch Kurzpausensysteme: ein Ansatz an der Schnittstelle von Verhaltens- und Verhältnisprävention
A. Hüttges, A. Müller, P. Richter
Zusammenfassung | Abstract

Anforderungen an eine zielbezogene Selbststeuerung im Rahmen hochflexibler Arbeitszeitmodelle
S. Hollmann, U. Hellert, K.-H. Schmidt
Zusammenfassung | Abstract

Zeitstrategien - über den erfolgreichen Umgang mit der Ressource Zeit
C. Dethloff, A. Heitkamp
Zusammenfassung | Abstract

Kontrollieren oder gelassen bleiben? Zur Bedeutung temporaler Orientierungen bei der Entstehung und Bewältigung von Zeitdruck und Stress
O. Morgenroth, K. Losleben
Zusammenfassung | Abstract

Zeitfunktionäre und Zeitjongleure - Eine zeitbezogene Typisierung und ihre Implikationen für die Arbeitswelt
R. Hansmann, P. Kilchling
Zusammenfassung | Abstract

Jetzt, gleich oder später? Zum Einfluss des Zeitverlaufs persuasiver Kommunikation auf Informationsverarbeitung und Urteilsbildung
H.-P. Erb, M. Büscher
Zusammenfassung | Abstract

Die Funktion von Zielen als individuelle und kollektive Zeitgeber im Alltag
K. J. Jonas, K.-A. Woltin
Zusammenfassung | Abstract

Intertemporale Wahl: die Präferenz für Verbesserung bei der Rückzahlung von Schulden
M. Hassenzahl
Zusammenfassung | Abstract

Erfahrungsbericht: der Faktor Zeit in der "vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat"
J. Hoffmann

"Kreativität trägt die Gene der Langsamkeit"
Interview mit Daniel Goeudevert


Addendum

Mehrwertsteuererhöhung: Eine wirtschaftspsychologische Analyse ihrer Wirkung
E. H. Witte, N. van Quaquebeke, Ch. Mölders
Zusammenfassung | Abstract

 


Die Form der Zeit: Elemente einer Wirtschaftspsychologie der Zeit
Harald A. Mieg

Ausgehend von der Arbeit Jaques' (1982) werden Elemente für eine Wirtschaftspsychologie der Zeit vorgestellt. Demnach sollten wir mindestens sechs Funktionen und fünf Dimensionen von Zeit unterscheiden. Die Funktionen der Zeit sind: Kalkulation, Koordination, Kompensation, Konkurrenz, Kreation und Konsum. Der Koordinationsfunktion von Zeit kommt heute die größte Bedeutung zu (z.B. Projektmanagement, Arbeitszeitmodelle). Die Dimensionen der Zeit sind: Zeiterleben (subjektiv vs. objektiv), Zeitperspektive (gestern, heute vs. morgen), Zeitlogik (Chronos vs. Kairos), Zeitgestalt (linear vs. zyklisch) und Zeitmaß (Kontinuum vs. Quanten). Die Funktionen und Dimensionen werden anhand der anderen Beiträge dieses Themenheftes "Faktor Zeit" erläutert. Im zweiten Teil meines Beitrages führe ich Jaques' (1976) wirtschaftspsychologische Theorie der Zeit ein, welche die Fragen von betrieblicher Führung, individueller Kompetenzentwicklung und Unternehmenswachstum zusammenführt.

Schlüsselwörter: Zeit, Zeitbegriff, Wirtschaftspsychologie, Management, Kairos


The Form of Time: Elements of an Economic Psychology of Time

Based on the ideas by Jaques (1982), this article presents elements of an economic psychology of time. We have to distinguish at least six functions of times as well as five dimensions. The functions are: calculation, co-ordination, compensation, competition, creation, and consumption. Today, coordination is the most important function of time (e.g. project management; work schedules). The five dimensions are: time perception (subjective vs. objective), time perspective (yesterday, today, and tomorrow), the logic of time (chronos vs. kairos), the shape of time (linear vs. cyclic), the time measure (continuous vs. quantum). The functions and dimensions of time are described by using the other articles of this thematic volume "The time factor." In the second part of my article, I introduce Jaques' (1976) theory of time that combines questions of management, developing individual competence and the growth of an enterprise.

Key words: time, concept of time, economic psychology, business management, kairos


Prof. Dr. Harald A. Mieg
Hans-Sauer-Professur für Metropolen- und Innovationsforschung
Geographisches Institut
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin
E-mail:
harald.mieg@geo.hu-berlin.de

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Das Zeiterleben von Dienstleistungskunden: Probleme des Wartens
Friedemann W. Nerdinger

Dienstleistungen sind immaterielle Güter, daher kommt dem Zeiterleben - speziell dem Warten auf die Dienstleistung - eine besondere Bedeutung zu. Darauf warten zu müssen, bis man bedient wird, ist eine kritische Phase im Prozess der Dienstleistungserstellung - in verschiedenen empirischen Untersuchungen zeigen sich deutliche negative Zusammenhänge zwischen der Wartezeit und der Kundenzufriedenheit. Die subjektiv erlebte Dauer des Wartens hängt von verschiedenen Bedingungen ab, die in diesem Beitrag anhand empirischer Studien belegt werden. Für die Praxis des Dienstleistungs-Managements folgt daraus die Empfehlung, die wartenden Kunden zu unterhalten, sie zu informieren bzw. sie zu aktivieren.

Schlüsselwörter: Dienstleistung, Warten, Kundenzufriedenheit, Aktivierung, Unsicherheit


Time Perception of Service Customers: Problems of Waiting

As services are immaterial commodities, the way customers experience the passage of time - particularly time spent waiting - is crucial to their evaluation of service encounters. Waiting to be served is a critical phase in the service delivery process, various empirical studies have shown negative correlations between waiting time and customer satisfaction. Based on empirical studies, this article will demonstrate that the subjective duration of time spent waiting to be served depends on several conditions. Following these results, service managers would be well-advised to entertain, enlighten and engage customers who are waiting to be served.

Key words: services, waiting, customer satisfaction, activation, insecurity


Prof. Dr. Friedemann W. Nerdinger
Universität Rostock
Wirtschafts- und Organisationspsychologie
Ulmenstr. 69
18051 Rostock
E-mail:
friedemann.nerdinger@uni-rostock.de

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Zeitliche Aspekte des Projektmanagements: die Bedeutung von Phasen, Laufzeiten,Impulsen, Ups und Downs
Monika Wastian, Michael Schneider

Der Faktor Zeit ist eine der wichtigsten Größen unserer Lebens- und Arbeitswelt. Er offenbart sich auch im Projektmanagement auf vielfältigste Weise. Wir berichten aus einer Untersuchung bei Experten der Wirtschaft, der Forschung und der öffentlichen Hand, in welchen Phasen Projekte meist verlaufen und worin sich die Verläufe, Rhythmen und Ereignisse erfolgreicher bzw. innovativer Projekte von denen anderer Projekte unterscheiden.

Schlüsselwörter: Zeit, Innovation, Projektmanagement, Strategie


Temporal Aspects in Project Management: The Meaning of Phases, Duration, Temporal Triggers, Ups and Downs

Time is one of the most important factors in our private and working life. Project managers experience the temporal impact in manyfold ways. We analyzed the temporal characteristics of projects in industry, research and the public sector in order to find out which phases, rhythms and trigger events are typical for most projects and how they differentiate between more or less successful projects or between innovation vs. non-innovation projects, respectively.

Key words: time, innovation, project management, strategies


Dipl.-Psych. Monika Wastian
PD Dr. Michael Schneider
TU München
FG Soziologie
Lothstr. 17
80335 München
E-mail:
wastian@ws.tum.de

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Gesundheitsförderliche Arbeitsgestaltung durch Kurzpausensysteme: ein Ansatz an der Schnittstelle von Verhaltens- und Verhältnisprävention
Annett Hüttges, Anja Müller, Peter Richter

Die Tätigkeit von Call Center-Agenten ist mit dem Erleben von Monotonie, psychischer Ermüdung und körperlichen Beschwerden verbunden. Hohe Fluktuationsraten und Krankenstände in Call Centern führen zu dringendem Handlungsbedarf für das Management. In einem Feldexperiment wurde untersucht, welchen Einfluss das Einführen verschiedener Kurzpausensysteme auf die psychische und physische Beanspruchung und die Leistung von Call Center-Agenten hat. Die Kurzpausensysteme unterscheiden sich darin, wie gut sie für den Abbau psychischer und physischer Fehlbeanspruchungen geeignet sind. Es können Hinweise für die Einführung und aktive Gestaltung von Kurzpausensystemen abgeleitet werden.

Schlüsselwörter: Call Center, Arbeits- und Organisationsgestaltung, Kurzpausensysteme


Workplace Health Promotion by Short Break Systems

Work of call centre agents is characterized by negative mental strain effects such as monotony and mental fatigue. Moreover, the employees report health problems. Call centre organizations are challenged by high levels of turnover and personnel absenteeism. In a field experiment effects of short break systems on mental and physical strain and performance of call centre agents were examined. Short break systems were found to vary with regards to their potentiality to reduce mental and physical strain. Practical suggestions for the implementation of short break systems in organizations are given.

Key words: call centre, organization development, short break systems


Dipl.-Psych. Annett Hüttges
Technische Universität Dresden
Fakultät Mathematik u. Naturwissenschaften
Institut III
Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie
01062 Dresden
E-mail:
huettges@psychologie.tu-dresden.de

Dipl.-Psych. Anja Müller
Technische Universität Dresden
Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für BWL, insb. Personalwirtschaft
01062 Dresden

Prof. Dr. Peter Richter
Technische Universität Dresden
Fakultät Mathematik u. Naturwissenschaften
Institut III
Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie
01062 Dresden

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Anforderungen an eine zielbezogene Selbststeuerung im Rahmen hochflexibler Arbeitszeitmodelle
Sven Hollmann, Ulrike Hellert, Klaus-Helmut Schmidt

Viele Organisationen reagieren auf veränderte Marktanforderungen u. a. mit einer Flexibilisierung der Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter. Besonders das Modell der Vertrauensarbeitszeit ist dabei stark in den Vordergrund der Diskussion gerückt. Dabei verzichtet der Betrieb vollständig auf Vorgaben bezüglich der Verteilung und der tageszeitlichen Lage der Arbeitzeit und überträgt die Arbeitszeiterfassung vollständig an die Mitarbeiter. Durch den Wegfall der Zeit als Instrument einerseits der (Selbst-)Steuerung der Mitarbeiter und andererseits der Kontrolle der Mitarbeiterleistung ergibt sich ein Bedarf nach alternativen Ansätzen. Diese alternative Steuerung kann über Ziele erfolgen. Bei der ausschließlichen Steuerung der Mitarbeiterleistung über Ziele unter Wegfall der Zeiterfassung sind allerdings eine Reihe von bedeutsamen Aspekten zu beachten, u. a. zur Vollständigkeit des Zielsystems, zur Verfügbarkeit von Informationen zum Zielerreichungsgrad und zur Unterstützung der Selbststeuerungsfähigkeit der Mitarbeiter bezüglich einer gesundheitsunschädlichen Arbeitsbelastung bzw. -menge. Die entsprechenden Anforderungen an Zielsysteme im Rahmen von Vertrauensarbeitszeitmodellen gehen dabei deutlich über die Merkmale klassischer Zielvereinbarungen hinaus. Zwei Praxisbeispiele für die Umsetzung dieser Anforderungen werden dargestellt.

Schlüsselwörter: Vertrauensarbeitszeit, Ziele, psychische Belastungen, Selbstausbeutung


Requirements of a Goal-oriented Self-management under Conditions of Highly Flexible Work Time

Many organizations respond to the changing demands of the world markets by the introduction of flexible working hours. Currently the model of "Vertrauensarbeitszeit” (trusted flexitime) receives a great deal of attention in Germany. With this model the organization dispenses with regulations of work time schedules and delegates the registration of work time to the individual employee. The loss of time as a measure for the control and self-control of the employee and the supervision of employee performance necessitates alternatives. Prominent among them is control by goal-setting. Control of the performance of employees by goal-setting instead of time requires that a number of important considerations are taken into account. Among other things, these are related to the completeness of the set of goals, the availability of feedback information with respect to the goals, and sufficient support for the self-control of the employees regarding their workload and health. The requirements for goal-setting as component of systems of trusted flexitime exceed those for more traditional systems of goal-setting. Two examples of the transformation of the requirements into organizational goal systems are described.

Key words: trusted flexitime, goals, mental work load, self-exploitation


Dr. Sven Hollmann
Institut für Arbeitsphysiologie
Universität Dortmund
Ardeystr. 67
44139 Dortmund
E-mail:
hollmann@ifado.de

Dr. Ulrike Hellert
Moderne Arbeitszeiten
Heiliger Weg 60
44135 Dortmund

Prof. Dr. Klaus-Helmut Schmidt
Institut für Arbeitsphysiologie
Universität Dortmund
Ardeystr. 67
44139 Dortmund

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Zeitstrategien - über den erfolgreichen Umgang mit der Ressource Zeit
Claus Dethloff, Anne Heitkamp

Für den Ge- und Verbrauch von Zeit gibt es in unserer Gesellschaft eine Vielzahl von Handlungsalternativen und Entscheidungsmöglichkeiten. Zugleich gewinnt eine effiziente und sinnvolle Aufteilung der begrenzten Zeiteinheiten auf einzelne Aktivitäten zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus rückt der eigenständige und selbstverantwortliche Umgang mit der Zeit immer stärker in den Mittelpunkt. Zur Bewältigung dieser Anforderungen und Aufgaben benötigen wir ein funktionierendes Zeitmanagement. Dabei stehen uns verschiedene Zeitstrategien zur Verfügung. In der vorliegenden, breit angelegten Repräsentativstudie (N = 2.002) wurden individuelle Ausprägungen hinsichtlich Prioritätensetzung, Multitasking, Zeitplanung, Zeitersparnis, Zeiteinteilung sowie Zeiteinschränkung untersucht. Anhand der jeweils ausgeübten Strategiekombination wurden sechs Zeitmanagement-Typen identifiziert und klassifiziert. Über soziodemografische Daten konnten die Zeitmanagement-Typen genauer beschrieben werden. Der Erfolg des gewählten Zeitmanagements offenbarte sich, indem sowohl das subjektive Wohlbefinden als auch der empfundene Zeitstress erfasst und in Beziehung zur Strategiewahl gesetzt wurden. Am wenigsten effizient verhalten sich demnach die "getriebenen Zeitmanager" sowie die "unstrukturierten Zeitmanager". Dabei zeigte sich, dass vor allem die Option des Multitaskings kaum geeignet sein dürfte, die Lebensqualität zu verbessern oder die zeitliche Überbelastung zu reduzieren.

Schlüsselwörter: Zeitmanagement, Zeitstrategie, Wohlbefinden


Time Strategies - The Successful Use of Time as Resource

In our society exists a wide variety of alternatives for the usage and the consumption of time. At the same time an efficient and reasonable distribution of the limited time on the different activities becomes increasingly important. Furthermore the individual and self dependent usage of time is more and more the focus of the interest. Accomplishing these demands and tasks we need an efficient time management. To do this, there are different time strategies available. The present representative study (N = 2002) analyses the individual characteristics concerning prioritising, multitasking, time planning, time saving, timing, and time restriction. On the basis of the used strategies six different time management types could be identified and classified. With the help of socio-demographic data the different time management types could be described more specific. The success of the chosen time management is analyzed by relating the subjective well being and the perceived time stress with the individual strategy choice. According to this the less efficient types are the "unstructured time managers” and the "impelled time managers”. It was proven that mainly the option of multitasking is barely appropriate to enhance the life quality or to reduce the temporal overload.

Key words: time management, time strategy, well being


Dr. Claus Dethloff
E-mail:
claus.dethloff@uni-koeln.de

cand. rer. pol. Anne Heitkamp
E-mail:
anneheitkamp@web.de

Institut für Wirtschafts- und Sozialpsycholo

ie
Universität zu Köln
Herbert-Lewin-Str. 2
50931 Köln

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Kontrollieren oder gelassen bleiben? Zur Bedeutung temporaler Orientierungen bei der Entstehung und Bewältigung von Zeitdruck und Stress
Olaf Morgenroth, Katja Losleben

Ein unüberschaubares Angebot an Zeitmanagementmethoden verspricht, Zeitstress vorzubeugen. In der Praxis scheint der Erfolg jedoch oft auszubleiben. Eine Ursache könnte darin bestehen, dass individuelle Einstellungen gegenüber der Zeit die Entstehung und Bewältigung von Zeitstress beeinflussen. Dieser Frage wird in dem Beitrag anhand eines Vergleiches von Personen nachgegangen, deren temporale Orientierungsmuster zu den Verhaltensanforderungen von Zeitmanagementtechniken unterschiedlich kompatibel sind. Kompatibilität wurde definiert durch die Aspekte hohe Zukunftsorientiertheit, niedrige hedonistische Gegenwartsorientierung, sowie hohe Zeitdisziplin. Personen der Kompatibilitätsgruppe erlebten mehr Zeitdruck und zeigten mehr Stresssymptome, obwohl sie objektiv betrachtet nicht höher belastet waren. Situationen schnell als herausfordernd oder bedrohlich einzuschätzen, sowie die Fokussierung auf die persönliche Verantwortung für die Situationsbewältigung konnten als Ursachen für den höheren Zeitstress festgestellt werden. Im Verlauf der Untersuchung gelang es Personen der Kompatibilitätsgruppe, den Zeitdruck zu reduzieren, was sowohl auf Veränderungen bei der Stressverarbeitung als auch auf eine Reduktion der Arbeitsmenge zurückzuführen war. Die Ergebnisse legen nahe, dass Zeitmanagementtechniken selbst bei erfolgreicher Optimierung des Zeitverbrauchs nicht notwendigerweise zu einer Reduzierung des Zeitstresses beitragen, da dessen Intensität nicht unwesentlich davon abhängt, wie die Zeit subjektiv bewertet wird.

Schlüsselwörter: Zeitmanagement, Zeitorientierung, Zeitdruck, Stress, Stressbewältigung


Control or Keeping Cool? The Role of Temporal Orientations in Coping with Time Pressure and Stress

Time management techniques fail to prevent time pressure and stress quite often. The authors suggest that this might be caused by how individual temporal orientations influence our experience of time and the way of coping with time pressure. Two temporal orientations, differing according to their degree of compatibility with time management techniques are compared with respect to various aspects of stress and coping. Subjects of the high compatibility group perceived more time pressure and showed more stress symptoms than subjects of the low compatibility group, although they did not differ in workload. Differences in stress appraisals and motivation for control were identified as possible psychological causes. Only subjects of the high compatibility group were successful to prevent time pressure to some extent at a subsequent measurement. Shifts in stress appraisals and limitation of the work load are possible causes. Some implications for time management are discussed.

Key words: time management, temporal orientations, time pressure, stress, coping


Dr. Olaf Morgenroth
E-mail:
olaf.morgenroth@phil.tu-chemnitz.de

Dipl.-Psych. Katja Losleben
E-mail:
katja.losleben@phil.tu-chemnitz.de

Institut für Psychologie
Philosophische Fakultät
Technische Universität Chemnitz
Wilhelm-Raabe-Str. 43
09107 Chemnitz

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Zeitfunktionäre und Zeitjongleure - Eine zeitbezogene Typisierung und ihre Implikationen für die Arbeitswelt
Ralf Hansmann, Petra Kilchling

Auf der Grundlage von Befragungsdaten werden zwei Personentypen abgleitet, die sich hinsichtlich ihres Zeitmanagements und ihrer Auffassung von Zeit unterscheiden: Zeitjongleure und Zeitfunktionäre. Typische Zeitfunktionäre sind pünktliche Menschen mit einem linearen Verständnis von Zeit, welche die zeitliche Dauer bestimmter Aktivitäten genau nach der Uhrzeit festlegen und die lieber eine Sache nach der anderen angehen. Typische Zeitjongleure sind weniger pünktlich und erkennen stärker auch das zyklische Moment der Zeit. Sie richten sich bei der Dauer bestimmter Aktivitäten stärker am Verlauf des Geschehens aus und machen oft verschiedene Dinge quasi parallel. Diese sind somit zeitlich flexibler als die Zeitfunktionäre. Die genannten Unterschiede zwischen den beiden Zeittypen und aufgefundene Verhaltenskorrelate werden mit Bezug zur bisherigen Zeitmanagement-Forschung und ihren Implikationen für die Arbeitswelt diskutiert.

Schlüsselwörter: Zeitorientierung, Persönlichkeit, Zeittypen, Pünktlichkeit, Ereignisorientierung, Flexibilität, polychron, bürokratisch


Time-functionaries and Time-jugglers - A Time Oriented Typology and the Implications for Professional Life

On the basis of a survey two time-oriented personality types were identified, which differ with respect to their time management and their view of time: Time jugglers and time functionaries. Typical time functionaries are punctual humans with a linear understanding of time, who specify the temporal duration of certain activities exactly after the time, and who prefer to be concerned with one task following the other. Typical time jugglers are less punctual and recognize more strongly the cyclic aspects of time. As compared to time functionaries they orient their time management more strongly at the process and progress of their activities and the unfolding of events. They often cope with various different tasks in parallel, and hence are temporally more flexible than the time functionaries. The differences mentioned between the two time types and the behavioral correlates found are discussed referring to past time management research and implications for the working sphere.

Key words: Time orientations, personality, punctuality, relative time, mathematical time, flexibility, polychron, time-burocracy


Dr. Ralf Hansmann
E-mail:
hansmann@env.ethz.ch

Petra Kilchling

Institut für Mensch-Umwelt-Systeme
Eidgenössische Technische Hochschule
ETH Zentrum HAD
Haldenbachstr. 44
CH 8092 Zürich
Schweiz

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Jetzt, gleich oder später? Zum Einfluss des Zeitverlaufs persuasiver Kommunikation auf Informationsverarbeitung und Urteilsbildung
Hans-Peter Erb, Miriam Büscher

Anders als in den weithin diskutierten Zwei-Prozess-Modellen der Persuasion ist dem Unimodel nach der Zeitverlauf einer Persuasionsepisode ein entscheidender Faktor, der die Wirkung persuasiver Kommunikation auf Rezipienten mitbestimmt. Wir analysieren aus der Perspektive des Unimodel Persuasionssituationen vor dem Hintergrund des Faktors Zeit. Danach berichten wir von empirischen Befunden, bei denen sich in Abhängigkeit von der Motivation und Fähigkeit der Rezipienten, sich mit der Information zum Einstellungsobjekt ausführlich zu beschäftigen, unterschiedliche Wirkungen früh und spät verarbeiteter Information auf die Einstellungsurteile ergeben. Schließlich diskutieren wir mögliche Anwendungen dieser Erkenntnisse in konkreten Situationen. Insbesondere kann überzeugende Evidenz an prominenter Stelle im Zeitverlauf starke Wirkung auf die abschließenden Urteile der Rezipienten nehmen.

Schlüsselwörter: Zeitverlauf, Persuasion, Zwei-Prozess-Modelle, Unimodel


Right Now, in a Moment, or Later On: Effects of Time Sequence on Information Processing and Judgment in Persuasion

Other than in the widely discussed dual-process models of persuasion, time sequence is a defining factor in the Unimodel of persuasion. We analyze the time sequence of persuasive settings from the perspective of the Unimodel, and report empirical findings that, depending on motivation and cognitive capacity on side of the recipients, early versus late appearing information can have different effects on attitude judgments. Finally, we discuss the utilization of such findings in applied settings. Most notably, convincing evidence in a prominent position within the time sequence can have profound effects on subsequent attitude judgments.

Key words: time sequence, persuasion, dual-process models, unimodel


PD Dr. Hans-Peter Erb
E-mail:
erb@psychologie.uni-bonn.de

Dipl.-Psych. Miriam Büscher
E-mail:
buescher@psychologie.uni-bonn.de

Abteilung Sozial- und Persönlichkeitspsychologie
Psychologisches Institut
Universität Bonn
Römerstr. 164
53117 Bonn

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Die Funktion von Zielen als individuelle und kollektive Zeitgeber im Alltag
Kai J. Jonas, Karl-Andrew Woltin

Der Prozess einer erfolgreichen Zielverfolgung geht mit einem Aufmerksamkeits- und Ressourcenfokus auf Kosten alternativer Ziele einher (Shah, Friedman, & Kruglanski, 2002). Diese Ausrichtung auf ein Ziel findet sich auch im Bereich der zeitlichen Orientierung: Dominante Ziele, die in der nahen Zukunft liegen, werden für die Bestimmung des aktuellen Tages herangezogen (day retrieval Prozess; Koriat & Fischhoff, 1974). In einer Reihe von Labor- und Feldstudien konnten wir zeigen, dass (a) Ziele zu einer Aktivierung des Zielerreichungstages führen und dass (b) dieser Zielerreichungstag zur Bestimmung des aktuellen Tags in der zeitlichen Orientierung herangezogen wird. Dieser Zusammenhang ist umso stärker ausgeprägt, je relevanter das Ziel ist. Besondere Relevanz ist beispielsweise dann gegeben, wenn durch das Ziel ein sozialer Vergleich ermöglicht wird oder wenn es einen Bezug zu einer individuell bedeutsamen Gruppe besitzt. Im Arbeitskontext können diese an sich funktionale Ausrichtung auf ein Ziel und die daraus folgende zeitliche Orientierung deutliche Nachteile mit sich bringen. Der Zeitbedarf von ebenfalls bedeutsamen, jedoch schwächeren Zielen wird bei der zeitlichen Organisation deshalb vermutlich nicht berücksichtigt. Im Bereich der individuellen Planung sollte, neben der an sich positiven stark zielbezogenen Ausrichtung, auch dieser problematische Nebeneffekt reflektiert werden.

Schlüsselwörter: Zeitorientierung, Ziele, Arbeitsablauf


The Function of Goals as Individual and Collective Zeitgeber in Everyday Life

Successful goal attainment processes go along with an attention and resource focus at the expense of alternative goals (Shah, Friedman, & Kruglanski, 2002). This allocation of resources to one focal goal can also be found in time orientation: Dominant future goals are used to determine the current day (day retrieval process; Koriat & Fischhoff, 1974). In a series of laboratory and field studies we showed that (a) goals lead to an activation of the day of goal attainment and that (b) this day of goal attainment is used to determine the current day during time orientation. This relation is stronger the more relevant the goal is for the individual. Relevance is increased when by means of the goal attainment a social comparison becomes possible or when the goal is related to a group that is of importance to the individual. In the work context this usually functional goal focus and the derived time orientation can lead to some negative side effects. For example, time needed to attain other goals is not computed adequately. In the context of individual work scheduling this negative side effect should be addressed properly, given the actual positive focus on goals.

Key words: time orientation, goals, work schedule


Dr. Kai J. Jonas
Nachwuchsgruppe
"Soziale Diskriminierung”
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Jenergasse 8
07743 Jena
E-mail:
kai.jonas@uni-jena.de

Dipl.-Psych. Karl-Andrew Woltin
Internationales Graduierten Kolleg
"Conflict and Cooperation between
Groups"
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Wildstr. 1
07743 Jena

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Intertemporale Wahl: die Präferenz für Verbesserung bei der Rückzahlung von Schulden
Marc Hassenzahl

Wahlalternativen bestehen häufig aus einer Reihe unmittelbarer und zukünftiger Konsequenzen. In einem solchen Fall zeigen Personen eine so genannte Präferenz für Verbesserung: Bei der Wahl zwischen zwei Alternativen, die formal aus denselben Konsequenzen bestehen, wird die sich verbessernde Reihe bevorzugt. Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit dieser Präferenz im Rahmen der Rückzahlung von Krediten. Es zeigte sich eine deutliche Präferenz für Verbesserung bei der Rückzahlung eines zinslosen Darlehens für eine Urlaubsreise. Diese Präferenz wurde durch aversive Gefühle der Verpflichtung und Sorge motiviert. Für Teilnehmer, die bereits einen Kredit in Anspruch genommen hatten, spielte die Verpflichtungsaversion keine ausgeprägte Rolle. Dementsprechend zeigte sich auch keine klare Präferenz für Verbesserung. Implikationen der Ergebnisse für die Gestaltung und die Wahl von Rückzahlungsplänen aus einer institutionellen und individuellen Sicht werden diskutiert.

Schlüsselwörter: Intertemporale Wahl, Schulden, Reihenwahl, Reihenpräferenz, Affekt


Intertemporal Choice: the Preference for Improvement and the Payback of Debt

Often, choice alternatives consist of immediate and future consequences. Confronted with such sequence choices, individuals regularly reveal a preference for improvement: They prefer improving sequences to declining sequences of otherwise identical outcomes. The present study addressed the preference for improvement in the context of monetary debt. A clear preference for improvement emerged for the payback of an interest-free loan for a holiday trip. This preference was motivated by aversive feelings of indebtedness and dread. However, for participants, who already made use of a credit, debt aversion played no crucial role. A preference for improvement was existent, albeit not very distinctive. The implications for the choice and design of payback schemes are discussed.

Key words: intertemporal choice, debt, sequence choice, sequence preferences, affect


Marc Hassenzahl
Institut für Psychologie - Sozialpsychologie
und Entscheidungsforschung
Technische Universität Darmstadt
Alexanderstr. 10
64283 Darmstadt
E-mail:
hassenzahl@psychologie.tu-darmstadt.de

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Mehrwertsteuererhöhung: Eine wirtschaftspsychologische Analyse ihrer Wirkung
Erich H. Witte, Niels van Quaquebeke1, Christina Mölders

 
Mehrwertsteuererhöhungen werden in wirtschaftlichen Kreisen normalerweise als Konsumhemmer und damit als schädlich für die Binnenkonjunktur angesehen. Um diesen Sachverhalt wirtschaftspsychologisch zu betrachten, wurden zwei Studien (online, n = 929, und offline, n = 405) durchgeführt.
Es konnte nachgewiesen werden, dass eine Mehrwertsteueranhebung durch die Befragten in der Tat erst einmal als konsumeinschränkend eingeschätzt wird. Bei der nachfolgend eingesetzten experimentellen Szenariotechnik (16% vs. 19% MwSt. & unsichere vs. sichere Renten & 11% vs. 6% Arbeitslosigkeit) erga

sich jedoch, dass eine Mehrwertsteueranhebung allein den Konsum im Vergleich zur jetzigen Situation kaum beeinflussen würde. Wurde hingegen die Anhebung der MwSt. mit einer Verbesserung in den anderen experimentell manipulierten sozialpolitischen Unsicherheitsfaktoren kombiniert (gemeinsame Salienz), stellte sich ein selbst eingeschätzter Konsumzuwachs ein. Eine substantielle Moderation durch weitere Faktoren wie etwa Alter, Geschlecht, Einkommen oder Ost-West-Vergleich konnte nicht nachgewiesen werden.
Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Diskussion um eine mögliche Anhebung der Mehrwertsteuer wichtige Zusammenhänge missachtet. Durch eine Unsicherheitsreduktion in der Bevölkerung dürfte sogar eine Mehrwertsteueranhebung ein belebendes Potential für den Binnenmarkt entfalten können.

Schlüsselwörter: Mehrwertsteuer, Steuer, Konsum, Unsicherheit, Einstellung


A Rise in VAT: An Economic Psychological Analysis of its Impact

An increase in the value added tax rate is usually thought of as reducing the consumer spending thereby damaging the domestic market. To check on these assumptions we undertook two studies (online, n = 929, and offline, n = 405) based on the principles of Economic Psychology.
It is shown that an increase in VAT does indeed lead customers to think that they will consume less. However, in a subsequent experiment using scenario technique (16% vs. 19% VAT & unreliable vs. reliable pensions & 11% vs. 6% unemployment rate) we found evidence that a rise in VAT alone would not change consumer spending compared to these days’ conditions. By combining the rise with an improvement in the other experimental factors related to economic uncertainty (conjoint salience) we could even make out an increase in self-rated consumption. A substantial impact of other possible moderators (e.g. age, sex, income, East-West Germans) could not be detected.
These results indicate that the debate concerning a possible increase of VAT in Germany leaves crucial factors unaccounted for. Interestingly by reducing uncertainty in the populace an increase in VAT can even stimulate consumption in the domestic market.

Key words: VAT, value added tax, sales tax, consumption, uncertainty, attitude


Prof. Dr. Erich H. Witte
Psychologisches Institut I
Arbeitsbereich Sozialpsychologie
Universität Hamburg
Von-Melle-Park 5
D-20146 Hamburg
E-mail:
witte_e_h@uni-hamburg.de

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