Inhaltsverzeichnis
Impressum
Originalia
Christian Hertel
Die therapeutische Beziehung in der stationären Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen
Herbert Meurer & Andrea Trost
Therapeutische Haltung und Recovery in forensisch-psychiatrischen Institutionen
Felix Aßhauer
Wahrheit und Extremismus in der Konzeptualisierung (psychotherapeutischer) Beziehungen
Philipp Engel, Reinhard Pietrowsky & Tobias Teismann
Suizidales Erleben und Verhalten bei syrischen Flüchtlingen in Deutschland – eine Pilotuntersuchung
Schematherapie
Gerhard Zarbock & Jenny Hampel
Moduskarten des gesunden Erwachsenen und des cleveren Kindes Beitrag zur Fortbildung
Thomas Köhler
Biologische Grundlagen psychischer Störungen: Beitrag 19: Intelligenzminderung
Aktuelle Topics in der VT
Günter Lempa
Abstinenz in Psychiatrie und Psychotherapie
Manfred Wolfersdorf & Michael Schüler
Ethische Aspekte der Suizidalität und Suizidprävention
Angela Gosch
Gesundheit nach Migration
Mitteilungen der SGVT-SSTCC
Ankündigungen
Rezension
Interessante Neuerscheinungen
VERLAGSHINWEISE
Viele Freunde dank Facebook: meist gut für das Selbstbewusstsein und das Zugehörigkeitsgefühl
Psychoonkologie: Nützliche, hochwertige digitale Therapieangebote fehlen
Wilhelm Wundt: Physiologie und Philosophie an der Wiege der Psychologie
Grundständiges Psychotherapiestudium: Methodenreichtum und Lehrtherapie sind zentral
DIE THERAPEUTISCHE BEZIEHUNG IN DER STATIONÄREN PSYCHOTHERAPIE VON KINDERN UND JUGENDLICHEN
CHRISTIAN HERTEL
ZUSAMMENFASSUNG:
Die therapeutische Beziehung wird in der Psychotherapieforschung als allgemeiner Wirkfaktor angesehen. Der Artikel diskutiert zentrale Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im stationären Setting im Hinblick auf die therapeutische Beziehung. Die Besonderheiten des stationären Settings, entwicklungspsychologische und rechtliche Aspekte, die Arbeit mit Bezugspersonen und die Gestaltung der therapeutischen Beziehung im Kontext spezifischer Störungsbilder werden kurz dargestellt. Psychotherapeutische Techniken zur Gestaltung der Beziehung werden erläutert. Die berichteten Inhalte werden abschließend kurz diskutiert.
SCHLÜSSELWÖRTER: therapeutische Beziehung, Kinder, Jugendliche, stationäre Behandlung, Psychotherapie
THERAPEUTIC RELATIONSHIP IN IN-PATIENT PSYCHOTHERAPY OF CHILDREN AND ADOLESCENTS
ABSTRACT:
Therapeutic relationship is regarded as a “common factor” in psychotherapy research. This article discusses central aspects of psychotherapy in children and adolescents in in-patient settings with regard to therapeutic relationship. The particularities of the in-patient setting, developmental and legal issues, work with care givers and the building of a therapeutic relationship in specific disorders are reviewed briefly. Psychotherapeutic techniques used to build a therapeutic relationship are explained. The reported issues will be discussed briefly at the end of the paper.
KEYWORDS: therapeutic relationship, children, adolescents, in-patient treatment, psychotherapy
DR. CHRISTIAN HERTEL
SHG-KLINIKEN FÜR KINDERUND
JUGENDPSYCHIATRIE, -PSYCHOTHERAPIE
UND -PSYCHOSOMATIK
WALDSTRASSE 40
D-66271 KLEINBLITTERSDORF
c.hertel@sb.shg-kliniken.de
THERAPEUTISCHE HALTUNG UND RECOVERY IN FORENSISCH-PSYCHIATRISCHEN INSTITUTIONEN
HERBERT MEURER & ANDREA TROST
ZUSAMMENFASSUNG:
Die besondere Situation im hochgesicherten Bereich des Maßregelvollzugs verlangt eine ungewöhnliche, herausfordernde Beziehungsarbeit der fallverantwortlichen Therapeutinnen und Therapeuten; wie eben zugleich auch des Behandlungsteams. Von allen sei die Leitlinie Achtsamkeit und Wachsamkeit geprägt und gelebt. Patienten und Klienten erblicken zunächst eine baulich-strukturelle „kalte“ Architektur, dies bedeutet umso mehr für die Behandelnden eine bejahende Grundhaltung gegenüber dem aufzunehmenden Patienten einzunehmen. Um eine gute Übereinkunft der Therapeuten wie auch Pflegenden zu entwickeln, bedarf es einer steten work-in-progress Behandlungsphilosophie. So kann exemplarisch der schematherapeutische Ansatz (empathische Konfrontation) gut verbunden werden mit dem Recovery-Modell oder Safewards-Modell der Pflegenden, um eine gemeinsame therapeutische Grundhaltung zu finden. Optimal ist es, einen Genesungsbegleiter im gemeinsamen Behandlungsprozess supervidierend zu integrieren. Die gemeinsam entwickelten und konkret konsentierten Behandlungsschritte des multiprofessionellen Behandlungsteams schließen hierin die Lücke der unterschiedlichen Haltungen von wirkmächtigen affirmativen Beziehungsansätzen.
SCHLÜSSELWÖRTER: therapeutische Haltung, Beziehungsmodelle, Recovery-Modell, Safewards-Modell, forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Schematherapie
THERAPEUTIC ATTITUDE AND RECOVERY IN FORENSIC PSYCHIATRIC INSTITUTIONS
ABSTRACT:
High security forensic psychiatric institutions require unusual therapeutic relationships. This poses a challenge not only for the responsible therapists but also for the whole clinical team. Key principles in managing therapeutic relationships should be prudence and vigilance. As patients and clients notice first the cold architecture, both physically and structurally, of the forensic psychiatric institution, the clinical team needs to assume and communicate a positive attitude. To ensure mutual understanding between and unity of purpose of medical and nursing staff the therapeutic philosophy must be constantly updated and improved. Both schema therapy (emphatic confrontation) and recovery respectively safe wards models offer suitable means for developing a holistic clinical approach. Ideally, a clinical supervision is integrated into the treatment process. Treatment steps, mutually agreed between interdisciplinary staffed clinical teams providing care, can connect different approaches to a powerful positive therapeutic attitude.
KEYWORDS: therapeutic attitude, relationship models, recovery-model. safe-wards-model, forensic psychiatry and psychotherapy, schema therapy
DR. HERBERT MEURER
FACHARZT FÜR PSYCHIATRIE
UND PSYCHOTHERAPIE
SCHWERPUNKT FACHARZT
FÜR FORENSISCHE PSYCHIATRIE
CHEFARZT FORENSISCHE PSYCHIATRIE
UND PSYCHOTHERAPIE ABTEILUNG 1
FACHBEREICHSARZT DER FORENSISCHEN
ABTEILUNGEN 1 UND 2 DER LVR KLINIK
KÖLN, AKADEMISCHES LEHRKRANKENHAUS
DER UNIVERSITÄT ZU KÖLN
PORZER RINGSTRASSE 25
D-51149 KÖLN
h.meurer@lvr.de
ANDREA TROST
PFLEGEWISSENSCHAFTLERIN ANP
LVR KLINIK KÖLN
AKADEMISCHES LEHRKRANKENHAUS
DER UNIVERSITÄT ZU KÖLN
PORZER RINGSTRASSE 25
D-51149 KÖLN
WAHRHEIT UND EXTREMISMUS IN DER KONZEPTUALISIERUNG (PSYCHOTHERAPEUTISCHER) BEZIEHUNGEN
FELIX AßHAUER
ZUSAMMENFASSUNG:
Dieser Beitrag ist eine Antwort auf die von Peter Fiedler gestellte Frage, was Praktiker zu den Ansichten und Konzepten therapeutischer Beziehungen zu sagen haben. Da der Autor als echter Praktiker kaum wissenschaftliche Literatur kennt, zitiert er aus Zeitungen, leichter englischer Belletristik und RTL-Castingshows, um polemisch für sich festzuhalten, dass die Konzepte schon irgendwie alle ihre Existenzberechtigung haben, aber dass er sich auch davor fürchtet, dass das Thema Beziehungsgestaltung demnächst als nächste Sau durchs psychotherapeutische Dorf getrieben wird.
SCHLÜSSELWÖRTER: therapeutische Beziehung, Manualisierung, Formalisierung
TRUTH AND EXTREMISM IN THE CONCEPTUALIZATION OF (PSYCHOTHERAPEUTIC) RELATIONSHIPS
ABSTRACT:
This article responds to Peter Fiedler’s question of what practitioners have to say about the views and concepts of therapeutic relationships. As the author, as a true practitioner, hardly knows scientific literature, he quotes from newspapers, light English fiction and RTL casting shows to polemically record that all the concepts have somehow a right to exist, but that he also fears that the subject of ‘therapeutic relationship’ could be the next psychotherapistic bandwagon to jump on.
KEYWORDS: therapeutic relationship, manualization, formalization
FELIX AßHAUER
PSYCHOLOGISCHER PSYCHOTHERAPEUT
LEITENDER PSYCHOLOGE DER ABTEILUNG
PERSÖNLICHKEITS- UND TRAUMAFOLGESTÖRUNGEN
ASKLEPIOS KLINIK NORD – OCHSENZOLL
LANGENHORNER CHAUSSEE 560
D-22419 HAMBURG
f.asshauer@asklepios.com
SUIZIDALES ERLEBEN UND VERHALTEN BEI SYRISCHEN FLÜCHTLINGEN IN DEUTSCHLAND – EINE PILOTUNTERSUCHUNG
PHILIPP ENGEL, REINHARD PIETROWSKY & TOBIAS TEISMANN
ZUSAMMENFASSUNG:
Fragestellung: Suizidales Erleben und Verhalten ist in Populationen geflohener Menschen verbreitet. Es fehlt bislang jedoch an entsprechenden Untersuchungen von syrischen Flüchtlingen in Deutschland.
Ziel der vorliegenden Pilotuntersuchung war es, eine Abschätzung der Häufigkeit suizidalen Erlebens und Verhaltens vorzunehmen und Risikofaktoren für suizidales Erleben zu bestimmen.
Methode: In einer Querschnittserhebung wurden N = 68 syrische Flüchtlinge (22.1% Frauen; Alter: 26.5 Jahre, SD = 6.5) hinsichtlich Symptombelastung, Suizidgedanken und Suizidversuchen befragt.
Ergebnisse: 17.6 Prozent der befragten Syrer berichteten gegenwärtige Suizidgedanken und 11.8 Prozent lebenszeitliche Suizidversuche. Prädiktoren suizidalen Erlebens waren der Eindruck, eine Belastung für andere zu sein (Perceived Burdensomeness) und in einer ausweglosen Situation gefangen zu sein (Defeat/Entrapment).
Schlussfolgerungen: Suizidales Erleben und Verhalten scheint bei syrischen Geflohenen verbreitet zu sein und sollte daher immer im Rahmen von Beratungs- und Therapieangeboten abgeklärt werden.
SCHLÜSSELWÖRTER: Suizidgedanken, Suizidversuche, Perceived burdensomeness, Entrapment
SUICIDE IDEATION AND SUICIDE ATTEMPTS AMONG SYRIAN REFUGEES IN GERMANY – A PRELIMINARY INVESTIGATION
ABSTRACT:
Background: Suicide ideation and suicide attempts are prevalent in refugees. However, there has been no investigation of suicide ideation/attempts in Syrian refugees in Germany.
Objective: Therefore, the aim of the present study was to assess the frequency of suicide ideation/ attempts among Syrian refugees and to determine risk factors for suicide ideation.
Methods: In a cross-sectional survey, N = 68 Syrian refugees (22.1% women; age: 26.5 years, SD = 6.5) completed questionnaires on symptom burden, suicide ideation and suicide attempts.
Results: 17.6 percent reported current suicide ideation and 11.8 percent reported lifetime suicide attempts. Perceived burdensomeness and experiences of defeat/entrapment were predictors of suicide ideation.
Conclusions: Suicide ideation/attempts are common among Syrian refugees and must always be assessed in the context of counselling and therapy.
KEYWORDS: suicide ideation, suicide attempts, perceived burdensomeness, entrapment
PHILIPP ENGEL
ABTEILUNG FÜR KLINISCHE PSYCHOLOGIE
UND PSYCHOTHERAPIE
RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM
MASSENBERGSTRASSE 11
D-44787 BOCHUM
PROF. DR. REINHARD PIETROWSKY
HEINRICH-HEINE-UNIVERSITÄT DÜSSELDORF
KLINISCHE PSYCHOLOGIE
UNIVERSITÄTSSTRASSE 1
D-40225 DÜSSELDORF
PD DR. TOBIAS TEISMANN
ABTEILUNG FÜR KLINISCHE PSYCHOLOGIE
UND PSYCHOTHERAPIE
RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM
MASSENBERGSTRASSE 11
D-44787 BOCHUM
tobias.teismann@rub.de
MODUSKARTEN DES GESUNDEN ERWACHSENEN UND DES CLEVEREN KINDES
JENNY HAMPEL & GERHARD ZARBOCK
DIPL.-PSYCH. JENNY HAMPEL
KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUTIN
IVAH, INSTITUT FÜR VERHALTENSTHERAPIEAUSBILDUNG
HAMBURG GGMBH
HANS-HENNY-JAHNN-WEG 51
D-22085 HAMBURG
jennyhampel@ivah.hamburg
DIPL.-PSYCH. DR. GERHARD ZARBOCK
PSYCHOLOGISCHER UND KINDER- UND
JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPEUT
IVAH, INSTITUT FÜR VERHALTENSTHERAPIEAUSBILDUNG
HAMBURG GGMBH
HANS-HENNY-JAHNN-WEG 51
D-22085 HAMBURG
gzarbock@ivah.de
BEITRAG ZUR FORTBILDUNG:
BIOLOGISCHE GRUNDLAGEN PSYCHISCHER STÖRUNGEN:
BEITRAG 19:
INTELLIGENZMINDERUNG
THOMAS KÖHLER
PROF. DR. DR. THOMAS KÖHLER
UNIVERSITÄT HAMBURG
FACHBEREICH PSYCHOLOGIE
VON-MELLE-PARK 5
D-20146 HAMBURG
thomas.koehler@uni-hamburg.de
ABSTINENZ IN PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE
GÜNTER LEMPA
ZUSAMMENFASSUNG:
PsychotherapeutInnen arbeiten zunehmend häufig mit psychiatrischen PatientInnen. Damit steigen die Risiken, das Abstinenzprinzip zu verletzen. Es verlangt von beiden Seiten, einander nicht zur Befriedigung von Beziehungswünschen in Anspruch zu nehmen. Abstinenz ist ein ethisches und funktionales Grundprinzip der Psychotherapie. Extreme Affekte und Emotionen von Patienten – oft unterhalb der Bewusstseinsschwelle – können auch einen erfahrenen Therapeuten dysfunktional manipulieren. In Wahnvorstellungen können Patienten in jeder vorstellbaren Form übergriffig werden – von aggressiv bis amourös. Die Reaktionen der Therapeuten bewegen sich zwischen den Extremen einer Identifikation und Selbstaufgabe einerseits bis zu einer Verweigerung jeglicher Empathie. Wer in einem derart riskanten Milieu arbeitet, sollte fachlich gut vorbereitet sein und regelmäßig die Möglichkeit zur kollegialen Beratung bzw. Supervision erhalten.
SCHLÜSSELWÖRTER: Abstinenz, Psychiatrie, Übergriffe von Patienten, Manipulation, therapeutisches Fehlverhalten
ABSTINENCE IN PSYCHIATRY AND PSYCHOTHERAPY
ABSTRACT:
Psychotherapists are increasingly confronted with psychiatric patients. This increases the risk of violating the abstinence principle. Both parties are required to abstain from using each other for the satisfaction of relationship desires. Abstinence is an ethical and functional basic principle of psychotherapy. Extreme affects and emotions of patients – often below the threshold of consciousness – can dysfunctionally manipulate even an experienced therapist. In their delusional phantasies, patients can become offensive in any imaginable form – from aggressive acts to amorous behavior. The therapists‘ reactions range from the extremes of identification and self-abandonment on the one hand to a denial of any empathy on the other hand. Anyone who works in such a challenging milieu should be well prepared professionally and seek collegial consultation or supervision regularly.
KEYWORDS: abstinence, psychiatry, assaults by patients, manipulation, misconduct in therapeutic relationships
DR. GÜNTER LEMPA
MARKTSTRASSE 15
D-80802 MÜNCHEN
gulempa@aol.com
ETHISCHE ASPEKTE DER SUIZIDALITÄT UND SUIZIDPRÄVENTION
MANFRED WOLFERSDORF & MICHAEL SCHÜLER
ZUSAMMENFASSUNG:
Suizidalität resultiert in unterschiedlichem Ausmaß aus psychischen Faktoren: Psychopathologie, kognitive und affektive Phänomene, Einengung, Ambivalenz, Konflikthaftigkeit, Angewiesensein auf Beziehungen u. a. Die meisten Suizide entstehen in einer psychopathologischen Gestimmtheit, d. h. einer eingeschränkten Selbstbestimmungsfähigkeit. Der Wunsch, im Leben zu bleiben, aber nicht zu können, ist meist genauso stark wie der Wunsch, aus dem Leben zu scheiden. Damit werden Suizidprävention und Krisenintervention zur primären Kernaufgabe von Psychotherapie und Psychiatrie, Autonomie wird sekundär. Die – u. U. tendenziell paternalistische – Therapie nimmt die Todeswünsche ernst, lotet verborgene Hilferufe aus und fördert die Sinngebung des Lebens.
SCHLÜSSELWÖRTER: Suizid, Ambivalenz, Selbstbestimmungsfähigkeit, Suizidprävention
ETHICAL ASPECTS OF SUICIDAL BEHAVIOUR AND SUICIDE PREVENTION
ABSTRACT:
Suicidal tendencies result to varying degrees from psychological factors: psychopathology, cognitive and affective phenomena, restrictions, ambivalence, con ict, dependence on relationships, etc. Most suicides occur in a psychopathological mood, i.e. in a phase of limited ability to decide in a self-determined way. The wish to stay alive but without being capable to do so, is usually as strong as the wish to depart this life. Thus, suicide prevention and crisis intervention become the primary core task of psychotherapy and psychiatry whereas autonomy becomes a secondary aim. Therapy – which may tend to be paternalistic – takes the wish to die seriously, sounding out hidden cries for help and promoting the meaning of life.
KEYWORDS: suicide, ambivalence, self-determination, suicide prevention
PROF. DR. DR. MANFRED WOLFERSDORF
BEZIRKSKRANKENHAUS BAYREUTH
KLINIK FÜR PSYCHIATRIE, PSYCHOTHERAPIE
UND PSYCHOSOMATIK
NORDRING 2
D-95445 BAYREUTH
manfred.wolfersdorf@bezirkskrankenhaus-bayreuth.de
DR. MICHAEL SCHÜLER
BEZIRKSKRANKENHAUS BAYREUTH
KLINIK FÜR PSYCHIATRIE, PSYCHOTHERAPIE
UND PSYCHOSOMATIK
NORDRING 2
D-95445 BAYREUTH
michael.schueler@bezirkskrankenhaus-bayreuth.de
GESUNDHEIT NACH MIGRATION
ANGELA GOSCH
ZUSAMMENFASSUNG:
Menschen mit Migrationshintergrund sind physisch gesünder und leben länger als die deutsche Gesamtbevölkerung. Umgekehrt ist psychische Morbidität Zugewanderter überdurchschnittlich hoch, insbesondere bei Depression, Angsterkrankungen, somatoformen Störungen und Psychosen. Bei einem osteuropäischen Hintergrund ist Substanzmissbrauch relativ häufig. Kinder und Jugendliche aus türkischen oder arabischen Familien zeigen ein vier- bis fünffaches Risiko für eine Schizophrenie bzw. eine schizotype oder wahnhafte Störung. Dennoch nehmen Migranten vergleichsweise selten psychotherapeutische Hilfe in Anspruch; die unterschiedlichen Zugangsbarrieren sind oft hoch. Es besteht eine Unterversorgung in den Bereichen Psychotherapie/Psychosomatik, Gerontopsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Rehabilitation. In psychiatrischen Institutsambulanzen, der Forensik und in Therapieeinrichtungen für Abhängigkeitserkrankungen sind Migranten überrepräsentiert.
SCHLÜSSELWÖRTER: Migration, Gesundheit, Depression, Angsterkrankungen, Substanzmissbrauch, Schizophrenie
HEALTH ISSUES AFTER MIGRATION
ZUSAMMENFASSUNG:
People with a migration background are physically healthier and live longer than the German population as a whole. In contrast, mental morbidity among immigrants is higher than average, particularly with respect to depression, anxiety disorders, somatoform disorders and psychoses. Substance abuse is relatively common in migrants from Eastern European countries. Children and adolescents from Turkish or Arab families have a four to fivefold risk of developing schizophrenia or a schizotypic or delusional disorder. Nevertheless, migrants tend to rarely seek psychotherapeutic treatment; often, the various barriers to mental health care are high. There is an underuse of health care in the areas of psychotherapy/psychosomatics, gerontological psychiatry, child and adolescent psychiatry, and rehabilitation whereas migrants are over-represented in psychiatric outpatient departments, forensic psychiatry and therapeutic facilities for addiction disorders.
KEYWORDS: migration, health, depression, anxiety disorders, substance abuse, schizophrenia
PROF. DR. ANGELA GOSCH
HOCHSCHULE MÜNCHEN
FAKULTÄT FÜR ANGEWANDTE
SOZIALWISSENSCHAFTEN
AM STADTPARK 20
D-81243 MÜNCHEN
angela.gosch@hm.edu
MITTEILUNGEN DER SCHWEIZERISCHEN GESELLSCHAFT FÜR KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE (SGVT-SSTCC)
ANKÜNDIGUNGEN
REZENSION
Geissler, J. et al. (2019).
Verhaltenstherapie bei ADHS im Jugendalter.
Ein modular aufgebautes Therapieprogramm
(Reihe: Therapeutische Praxis, Band 94).
Göttingen: Hogrefe; 94 Seiten;
Euro 39,95.
Marlies Baur
INTERESSANTE NEUERSCHEINUNGEN
Wilhelm Wundt: Physiologie und Philosophie an der Wiege der Psychologie
Grundständiges Psychotherapiestudium: Methodenreichtum und Lehrtherapie sind zentral
Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
41. Jahrgang · 2020 · Heft 2
Pabst, 2020
ISSN 1865-9985
Preis: 11,- €