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Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin

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2025-3-4

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial

 

Teil 1: Rückblick – Standortbestimmung – Ausblick

Christine Zens & Eckhard Roediger
20 Jahre Schematherapie in Deutschland – Eine Standortbestimmung

Florian Hug
Die Rückbesinnung auf wissenschaftliche Grundlagen als Basis für die Weiterentwicklung der Schematherapie

Yvonne Reusch & Gitta Jacob
Zwischen Anspruch und Realität: Schematherapeutische Antworten auf neue gesellschaftliche Phänomene

 

Teil 2: Neue, integrative Konzepte

Claudia Stromberg
Schematherapeutische Erweiterung der Verhaltenstherapie: Dualer Behandlungsfokus mit emotionaler Regulation durch den Gesunden Erwachsenenmodus

Gisela Henn-Mertens & Gerd Zimmek
Körperorientierte Interventionen in der Schematherapie – eine Ermutigung

Eckhard Roediger
Kontextuelle Schematherapie – eine Einführung

Matias Valente
Prozessbasierte Schematherapie: Was verbindet die Evolutionstheorie, das SORC-Modell, imaginatives Überschreiben und Stühle-Übungen?

Eva Frank-Noyon & Eckhard Roediger
Schematherapie für Paare – ein Modul-basierter Ansatz

Leo Goetstouwers
Schematherapie für Paare mit Persönlichkeitsstörung.
Eine Multiple-Baseline-Einzelfallserien-Pilotstudie zur Schematherapie bei Paaren, bei denen eine oder beide Personen an einer Persönlichkeitsstörung leiden

Stefan Smesny & Matias Valente
Schematherapie in Gruppen: Ein Update

 

Teil 3: Ein Blick über den Tellerrand: Wie wird Schematherapie und ihr Platz in der Psychotherapielandschaft von außen gesehen?

Thomas Heidenreich
Schematherapie in der psychotherapeutischen Landschaft: Past, Present and Future

Charlotte Auer
Die Rolle der Schematherapie in der psychotherapeutischen Landschaft – eine persönliche Perspektive aus der DBT

Thorsten Kienast
Kontextuelle Psychotherapien. Die Schematherapie im Entwicklungsfeld wirksamer Psychotherapien

Eva-Lotta Brakemeier
Schematherapie im Spiegel von CBASP: Schnittmengen, Unterschiede und klinische Passung

Sebastian Euler
Schematherapie aus der Perspektive eines Mentalisierungsbasierten-Therapeuten (MBT)

David Weis
Entwicklungspsychologie als Ordnungsrahmen der vierten Welle der Verhaltenstherapie: Die Schematherapie als möglicher Prototyp integrativer Weiterentwicklung

Alexander Noyon
Schematherapie in der psychosozialen Versorgung – eine persönliche Perspektive

Moritz de Greck & Andreas Reif
Die Rolle der Schematherapie in der stationär-/teilstationären Versorgung

 

Epilog

Ankündigungen

Interessante Neuerscheinungen


 

Editorial
20 Jahre Schematherapie in Deutschland:
Eine Standortbestimmung und neue Entwicklungen
Eckhard Roediger

Dr. Eckhard Roed iger
Institut für Schematherapie – Frankfurt
kontakt@eroediger.de

 


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:192–202
https://doi.org/10.2440/006-0075


20 Jahre Schematherapie in Deutschland – Eine Standortbestimmung


Christine Zens1 & Eckhard Roediger2

1 Institut für Schematherapie – Hamburg
2 Institut für Schematherapie – Frankfurt


Zusammenfassung: Beginnend mit einem Rückblick auf den Beginn der Schematherapie (ST) in Deutschland beschreibt dieser Beitrag den Ausgangspunkt der ST geboren aus der Not Jeffrey Youngs, mit störungsspezifischen Konzepten einigen Menschen nicht ausreichend helfen zu können. Vor dem Hintergrund eines Schema- und Modus-basierten, biographischen Verständnisses, einer bedürfnisbefriedigenden Beziehungsgestaltung und dem Einsatz erlebnisaktivierender Techniken zur Ressourcenaktivierung können mittlerweile (fast) alle komplexeren Interaktionsprobleme erfolgreich behandelt werden. Dies führte zu einer zunehmend breiteren Akzeptanz und Anwendung der ST in fast allen Settings sowie deren Einbeziehung in Fort- und Weiterbildung. Auf Probleme durch überzogene Erwartungen sowie einen unkritischen und nicht ausreichend geschulten Einsatz wird hingewiesen.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Geschichte, zentrale Elemente, Integration, Risken


20 years of schema therapy in Germany – a settlement

Abstract: Looking back on the beginnings of schema therapy (ST) in Germany and its roots in Jeffrey Youngs struggle with difficult to treat clients this article outlines the progress that has been made by establishing a schema and mode-based understanding of biographical underpinnings combined with a need-fulfilling therapeutic relationship using experiential techniques for resource activation now enabling us to treat almost all kinds of interactional problems. This leads to a broader acceptance of ST and its use in a large variety of settings and its integration into training and continuous education. Pitfalls resulting form unrelented expectations and not skillful applications are mentioned.

Keywords: schema therapy, history, core elements, integration, pitfalls

 

Christine Zens
Institut für Schematherapie Hamburg
(IST -HH )
Harvestehuder Weg 98
D-20149 Hamburg
info@schematherapie-hamburg.de

 


 

Die Rückbesinnung auf wissenschaftliche Grundlagen als Basis für die Weiterentwicklung der Schematherapie

Florian Hug

Eigene Praxis, Zürich


Zusammenfassung: In diesem Artikel wird zunächst das Grundlagenmodell der Schematherapie mit den zentralen Interventionsmöglichkeiten erklärt und in den aktuellen Forschungskontext eingeordnet. Sodann wird ein schematherapeutischer Verlauf exemplarisch aufgezeigt, wobei insbesondere ein Beispiel einer empathischen Konfrontation transkribiert ist. Im Folgenden werden notwendige wissenschaftliche Grundlagen für Konzeption und Durchführung einer Schematherapie beschrieben. Hierzu wird ein Beispiel aufgeführt, wie Schematherapie in der Praxis von nicht hinreichend ausgebildeten Berufsleuten verfälscht und entsprechend mangelhaft angewendet wird. Im Weiteren werden verhaltenstherapeutische, horizontale und vertikale Analyse- Instrumente beschrieben, welche das schematherapeutische Verständnis verbessern. So kann mit einer Plananalyse die Funktion eines Bewältigungsmodus besser verstanden werden. Zuletzt werden die Notwendigkeit der Selbsterfahrung als Basis für non-suggestives und wissenschaftliches Vorgehen seitens der Therapierenden sowie Möglichkeiten der dimensionalen Weiterentwicklung der Schematherapie skizziert.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Grundlagen, exemplarischer Verlauf, Weiterentwicklung der Schematherapie


Returning to scientific principles as foundation for the future developments of schema therapy


Abstract: This article first explains the basic model of schema therapy with its core intervention options, embedded into the context of current research. Next, a schema therapy case example is described focussing empathic confrontation, followed by the requirements how to apply the scientific foundation of schema therapy making it safe for the clients – in contradiction to a case vignette showing the opposite. In the next step the article shows how embedding schema therapy into essential techniques of Cognitive-behavior Therapy (e.g. a ‘Plananalyse’) overcomes the risk of applying schema therapy in a simplified, superficial way but working precisely and in an individualized manner. Finally, the necessity of therapist’s self-reflection and eventually self-therapy as a basis for a non-suggestive and scientific approach will be outlined, as well as possibilities for the dimensional further development of schema therapy.

Keywords: schema therapy, scientific background, case example, developmental potential of schema therapy

lic. phil. Florian Hug
Eidg. anerkannter Psychotherapeut
Dufourstrasse 131
CH -8008 Zürich
kontakt@florianhug.ch


 

Zwischen Anspruch und Realität: Schematherapeutische Antworten auf neue gesellschaftliche Phänomene

Yvonne Reusch1 & Gitta Jacob2

1 Institut für Schematherapie – Stuttgart
2 GAIA AG, Hamburg


Zusammenfassung: Die zunehmende Psychologisierung von Lebensproblemen und der Trend zu Social-Media-Selbstdiagnosen stellen die Psychotherapie vor neue Herausforderungen. Der Artikel beleuchtet, wie die Schematherapie – insbesondere das Konzept des „Limited Reparenting“ – Gefahr läuft, passiv-vermeidende Muster und den Rückzug in eine „Opfer-Identität“ ungewollt zu verstärken. Am Fallbeispiel einer jungen Patientin werden spezifische Fallstricke wie der „jammernde Beschützer“ analysiert. Es werden konkrete Lösungswege wie empathische Konfrontation, zeitliche Begrenzung und der Fokus auf den „Gesunden Erwachsenen“ vorgestellt. Ziel ist eine therapeutische Haltung, die Frustrationstoleranz und Eigenverantwortung fördert,
statt alltägliche Belastungen zu pathologisieren.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Limited Reparenting, Social-Media-Diagnosen, Gesunder Erwachsener, Eigenverantwortung, Empathische Konfrontation


Between aspiration and reality: schematherapy responses to new social phenomena


Abstract: The increasing psychologization of life problems and the trend toward social media self-diagnosis present new challenges for psychotherapy. This article examines how schema therapy – particularly the concept of ‘limited reparenting’ – risks unintentionally reinforcing passive-avoidant patterns and a retreat into a ‘victim identity’. Using the case study of a young patient, specific pitfalls such as the ‘complaining protector’ are analyzed. Concrete solutions are presented, including empathic confrontation, time limits, and a focus on the ‘Healthy Adult’. The goal is a therapeutic stance that promotes frustration tolerance and personal responsibility instead of pathologizing everyday burdens.

Keywords: schema therapy, limited reparenting, social media diagnosis, healthy adult, personal responsibility, empathic confrontation

Yvonne Reusch
Institut für Schematherapie – Stuttgart
Bismarckstrasse 6
D-74072 Heilbronn


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:228–255
https://doi.org/10.2440/006-0078


Schematherapeutische Erweiterung der Verhaltenstherapie: Dualer Behandlungsfokus mit emotionaler Regulation durch den Gesunden Erwachsenenmodus

Claudia Stromberg

Schematherapie-Online-Akademie, GAP – Gesellschaft für Ausbildung in Psychotherapie mbH, Frankfurt am Main


Zusammenfassung: Trotz hoher Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) zeigen sich insbesondere bei komorbiden und chronifizierten Störungsbildern häufig Non-Response- Phänomene, die, so die These, durch ein niedriges Funktionsniveau der Persönlichkeit mit Defiziten in der emotionalen Regulationsfähigkeit beeinflusst werden. Ziel des Beitrags ist die Darstellung einer schematherapeutischen Erweiterung der KVT zur gezielten Verbesserung dieser Defizite. Methodik: Auf Basis empirischer Befunde zu Komorbidität, dimensionalen Diagnosesystemen (DSM-5, ICD-11) und transdiagnostischen Ansätzen wird ein duales Behandlungsmodell entwickelt. Zentrale Konzepte sind der Gesunde Erwachsenenmodus sowie die Verzahnung von SORKC- und störungsspezifischen VT-Modellen mit dem schematherapeutischen Modusmodell. Ergebnis: Die indikationsgeleitete Kombination störungsspezifischer VT-Interventionen mit schematherapeutischen Techniken ermöglicht eine gezielte Verbesserung emotionaler Regulationsfähigkeit. Auf Basis des verhaltenstherapeutisch adaptierten Modusmodells für Depression wird das störungsspezifische Vorgehen bei Imagery Rescripting und Modusdialogen auf Stühlen illustriert. Schlussfolgerung: Die schematherapeutische Erweiterung der KVT stellt ein theoretisch und klinisch anschlussfähiges Vorgehen dar, um Therapieergebnisse bei Patientinnen und Patienten mit strukturellen Defiziten zu verbessern.

Schlüsselwörter: Funktionsniveau der Persönlichkeit, Schematherapie, transdiagnostisch, Gesunder Erwachsenenmodus, Depression


Schema therapy-based extension of CBT : Dual Treatment model and Healthy Adult mode


Abstract: Despite strong evidence for cognitive behavioral therapy (CBT), treatment response is often limited in patients with comorbid or chronic mental disorders. This article aims to outline a systematic schema therapy-based extension of CBT to address deficits in emotion regulation associated with reduced personality functioning. Method: Based on empirical findings on comorbidity, dimensional diagnostic models (DSM-5, ICD-11), and transdiagnostic approaches, a dual treatment model is developed. Core concepts include the Healthy Adult mode, and the integration of the SORKC model and the schema therapy mode model. Results: Combining disorderspecific CBT interventions with schema therapy techniques allows for targeted enhancement of emotion regulation capacities. Conclusions: A schema therapy-informed extension of CBT provides a feasible and theory driven framework for improving treatment outcomes in patients with impaired emotion regulation capacities.

Keywords: level of personality functioning, schema therapy, healthy adult mode, transdiagnostic,depression

Dr. Claudia Stromberg
Psychologische Psychotherapeutin
Schematherapie-Online-Akademie
DVT -Vorstandsmitglied
Instituts- und Ambulanzleitung der
GAP – Gesellschaft für Ausbildung
in Psychotherapie mbH
D-60325 Frankfurt am Main
claudia.stromberg@t-online.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:256–270
https://doi.org/10.2440/006-0079


Körperorientierte Interventionen in der Schematherapie – eine Ermutigung

Gisela Henn-Mertens1 & Gerd Zimmek2

1 Institut für Schematherapie – Köln und Psychotherapeutische Praxis, Köln
2 Psychotherapeutische Praxis, Mönchengladbach


Zusammenfassung: Schematherapie versteht maladaptive Schemata und Modi als integrative Gedächtnisstrukturen, die emotionale, kognitive und körperliche Prozesse umfassen. In der therapeutischen Praxis wird die Körperebene jedoch bislang oft nur begrenzt genutzt. Der Artikel zeigt auf, wie körperorientierte Interventionen die Schematherapie sinnvoll ergänzen können, indem sie den Zugang zu präverbalen Erfahrungen erleichtern, Vermeidungsmodi reduzieren, emotionale Aktivierung vertiefen und Selbstregulation fördern. Auf Grundlage von Befunden der Embodiment-Forschung, der klinischen Emotionsforschung sowie trauma- und neurobiologischer Konzepte werden theoretische und empirische Grundlagen skizziert. Es wird ein modusund phasenorientierter Einsatz körperfokussierter Techniken beschrieben, der von Diagnostik und Fallkonzeption über Emotionsaktivierung und -regulation bis zur Stärkung des gesunden Erwachsenenmodus reicht. Eine Fallvignette illustriert das Vorgehen. Abschließend werden Grenzen und Voraussetzungen körperorientierter Arbeit diskutiert und ihr Einsatz als Ergänzung schematherapeutischer Interventionen gewürdigt.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Körper, Embodiment, Alba Emoting, Körperpsychotherapie


Body-oriented interventions in Schema Therapy – an encouragement


Abstract: Schema therapy understands maladaptive schemas and modes as integrative memory structures that encompass emotional, cognitive and physical processes. In therapeutic practice, however, the physical level has often been used only to a limited extent. This article shows how body-oriented interventions can usefully complement schema therapy by facilitating access to preverbal experiences, reducing avoidance modes, deepening emotional activation and promoting self-regulation. Theoretical and empirical aspects are outlined based on findings from embodiment research, clinical emotion research and trauma and neurobiological concepts. A mode- and phase-oriented use of body-focused techniques is described, ranging from diagnosis and case conceptualisation to emotional activation and regulation to strengthening the healthy adult mode. A case vignette illustrates the procedure. Finally, the limitations and prerequisites of body-oriented work are discussed and its use as a supplement to schema therapy interventions is acknowledged.

Keywords: schema therapy, body, embodiment, alba emoting, body psychotherapy

 

Gisela Henn-Mertens
Praxis für Psychotherapie
Am Malzbüchel 6–8
D-50667 Köln
info@praxis-henn-mertens.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:271–295
https://doi.org/10.2440/006-0080


Kontextuelle Schematherapie – eine Einführung

Eckhard Roediger

Institut für Schematherapie – Frankfurt


Zusammenfassung: Dieser Artikel gibt eine Einführung in eine neue Entwicklung der Schematherapie. Sie führt den ursprünglichen integrativen „Spirit“ der Schematherapie weiter, indem sie neue Entwicklungen in der Verhaltenstherapie, insbesondere die funktionalen Prozesse der Acceptance und Commitment Therapy (ACT) mit den bewährten Elementen der Schematherapie verschmilzt. Dabei werden auch die zentralen Prozesse der Schematherapie herausgearbeitet, was zu einer Verschmelzung von imaginativem Vorgehen und der Arbeit mit Stühlen zu einer einheitlichen erlebnisaktivierenden Technik führt. Damit wird auch die Unterteilung in kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Interventionen aufgelöst, da alle diese Ebenen gleichzeitig adressiert werden und zu einer einheitlichen korrigierenden emotionalen Erfahrung führen. Dabei werden durch Perspektivwechsel vorhandene Ressourcen aktiviert und für den Erwachsenenmodus zugänglich gemacht. Um die Anschlussfähigkeit des Schematherapiemodells an die sich weiter entwickelnde Psychotherapie zu erhalten, wird ein komplexitätsreduziertes, dimensionales Modell vorgestellt, das (ohne Schematherapie-spezifische Termini) mit einer deskriptiven Sprache arbeitet. Der Aufbau der Therapie basierend auf wenigen, zentralen Prozessen ermöglicht eine individuell zugeschnittene Behandlung mit definierten Elementen, die auf den aktuellen Therapieprozess angepasst werden kann.

Schlüsselwörter: kontextuelle Schematherapie, Modulsystem, schematherapeutische Prozesse, Beziehungsgestaltung, erlebnisaktivierende Techniken


Contextual schema therapy – an introduction


Abstract: This paper offers an introduction into a new development of Schema Therapy, picking up the initial integrative spirit of Schema Therapy by merging the functional processes of Acceptance and Commitment Therapy (ACT) with evidence-based elements of Schema Therapy. Core processes are defined leading to one integrative experiential technique merging imagery and working with multiple chairs into one unified intervention. This overcomes the need to distinguish between cognitive, emotional and behavioral interventions since the resulting corrective experiences address all these levels at the same time. Using perspective change strategies helps activating existing resources making them accessible for the ‘Healthy adult mode’. To keep Schema Therapy connected with the evolving stream of modern psychotherapy we use a parsimonious dimensional model avoiding Schema Therapy specific terms. Building up a treat ment rationale on a limited number of defined processes and interventions applied in a flexible way combines the safety of using evidence-based interventions with the flexibility of a tailored, individual approach.

Keywords: contextual schema therapy, module system, schema therapy processes, therapy relationship, experiential techniques

Dr. Eckhard Roed iger
Frauenlobstrasse 64
D-60487 Frankfurt am Main
kontakt@eroediger.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:296–327
https://doi.org/10.2440/006-0081

 

Prozessbasierte Schematherapie: Was verbindet die Evolutionstheorie, das SORC 1-Modell, imaginatives Überschreiben und Stühle-Übungen?

Matias Valente

Institut für Schematherapie Stuttgart


Zusammenfassung: Metanalysen zeigen, dass Psychotherapie trotz guter Wirksamkeit unter Forschungsbedingungen in der Patientenversorgung weit weniger effektiv ist, als wir denken. ICD und DSM geraten zunehmend in die Kritik und störungsspezifische Manuale sind nur für einen geringen Teil der Menschen in Praxen und Kliniken anwendbar, denn nur elf Prozent unter ihnen haben nur eine Diagnose. Wir brauchen ein neues Verständnis von Diagnostik und effizientere Behandlungen, um Menschen mit komplexen Störungen gerechter zu werden. PBT bietet ein integr tives und modernes Psychotherapie-Metamodell, das methodenunabhängig jede evidenzbasierte Intervention integrieren kann. Eine prozessbasierte Schematherapie orientiert sich an diesem Verständnis, wählt vor dem Hintergrund einer individualisierten funktionalanalytischen Prozessdiagnostik die passenden Techniken aus einem integrativen Repertoire aus und führt sie gezielt durch.

Schlüsselwörter: Prozessbasierte Therapie, Schematherapie, Netzwerktheorie, idionomische


Forschung, Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Process-based schema therapy: what do evolution theory, the ABC -Modell, imagery rescripting and chair work have in common?


Abstract: Meta-analyses show that psychotherapy under naturalistic conditions is far less effective than we think, despite good efficacy under research conditions. ICD and DSM are increasingly coming under criticism and disorder-specific manuals are only applicable to a small proportion of people in practices and clinics, as only eleven percent of them have only one diagnosis. We need a new understanding of diagnostics and more efficient treatments to do justice to people with complex disorders. PBT offers an integrative and modern psychotherapy metamodel that can integrate any evidence-based intervention, regardless of method. Process-based schema therapy is based on this understanding, selects the appropriate techniques from an integrative repertoire against the background of individualized functional analytical process-based diagnostics and carries them out in a targeted manner.

Keywords: process-based therapy, schema therapy, network theory, idionomic approach, acceptance and commitment therapy

Dr. Matias Valente
Gem.-Praxis Valente & Valente
Im Loh 118
D-74523 Schwäbisch Hall
info@psychotherapiepraxis-valente.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:328–346
https://doi.org/10.2440/006-0082


Schematherapie für Paare – ein Modul-basierter Ansatz

Eva Frank-Noyon1,2 & Eckhard Roediger1

1 Institut für Schematherapie – Frankfurt
2 Praxis für Psychotherapie


Zusammenfassung: Schematherapie fokussiert vor allem auf Interaktions- bzw. Persönlichkeitsstörungen. Das heißt, implizit ist immer eine andere Person mit im Raum. Von daher liegt es nahe, diese Personen auch physisch mit in den Therapieraum einzuladen und mit beiden an den Interaktionsmustern zu arbeiten. Gelingt es, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, und beide Seiten „ziehen am gleichen Strang“, macht die Therapie deutlich schneller Fortschritte. In diesem Beitrag stellen wir ein integratives Paartherapiekonzept vor, das Bindungs- und Autonomieorientierung in Einklang bringt. Es baut auf Modulen auf, die die Therapie strukturieren und – wie bestimmte Werkzeuge – situations- und prozessadaptiert eingesetzt werden. Die Basis ist das dimensionale „Zwei-Beine“-Modell, das zu Therapiebeginn vermittelt wird. Anschließend lernt das Paar, die maladaptiven Zirkel zu erkennen und zu stoppen, mit dem Blick auf die Vision ihrer Beziehung wieder in die innere Balance zu kommen, durch bindungsförderndes Verhalten und gemeinsame Imaginationen Nähe aufzubauen und darauf aufbauend inhaltliche Probleme
in strukturierten, konstruktiven Paargesprächen zu lösen. Auf erste Forschungsergebnisse wird hingewiesen.

Schlüsselwörter: Schema-Paartherapie, gemeinsam Imaginationsübungen, Partner in die Therapie einbeziehen, Paartherapie-Modulsystem


Schema therapie for couples – a module-based approach


Abstract: The focus of Schema Therapy is on interactional problems aca personality disorders. Thus, implicitly there is always an interactional partner in the room. Why not inviting this person and working on the interaction patterns in real? Once the couples reach a shared view of the problem an pull into the same direction, progess in therapy comes much faster. This paper introduces and integrative Couples therapy model balancing attachment and autonomy. It builds up on a set of modules serving as specific tools we make use of depending on the presentation of the couples and the therapy process. It is based on the dimensional ‘two legs’-model introduced at the beginning of therapy followed by a timeout-instruction, an imagery based vision of the relationship helping to re-balance emotionally. Pro-social behavior exercises and conjoint imagerysystere-establish a sense of connections as foundation of connection dialogues for problem solving on the content level. Finally, first study results are mentioned.

Keywords: schema therapy for couples, conjoint imagery, including partners into individual therapy, couples therapy module system

Dr. Eva Frank-Noyon
Meisengasse 9
D-60313 Frankfurt am Main
eva.frank_noyon@icloud.com


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:347–361
https://doi.org/10.2440/006-0083

 

Schematherapie für Paare mit Persönlichkeitsstörung
Eine Multiple-Baseline-Einzelfallserien-Pilotstudie zur Schematherapie bei Paaren, bei denen eine oder beide Personen an einer Persönlichkeitsstörung leiden

Leo Goetstouwers

PsyQ Zaandam, Niederlande


Zusammenfassung: Diese multiple Baseline-Einzelfallserien-Pilotstudie untersuchte die Wirksamkeit einer Kombination aus schematherapeutischer Paartherapie (ST-C) und individueller Schematherapie (ST-I) bei Patienten mit einer Persönlichkeitsstörung (PS) nach DSM-5 sowie begleitenden partnerschaftlichen Beziehungsproblemen. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob die Abfolge „zuerst Schematherapie, anschließend Kommunikationstraining (KT)“ im Vergleich zur umgekehrten Reihenfolge wirksamer ist. Es wurde ein Multiple-Baseline-Einzelfallserien-Design mit zwei Behandlungsbedingungen und einer Baseline-Phase von sechs bis elf Wochen verwendet. Die Teilnehmenden wurden zufällig den Baseline-Intervallen und den beiden Behandlungsbedingungen zugeordnet. In Abhängigkeit
von der jeweiligen Bedingung begannen die Paare entweder mit einer Vorbereitungsphase, gefolgt von einer zwölfwöchigen Phase aus ST-I und ST-C sowie einer sechswöchigen Phase Kommunikationstraining (KT), oder in umgekehrter Reihenfolge. Anschließend folgte eine fünfmonatige Booster-Phase. Eine Katamnese erfolgte ein Jahr nach Therapieende. Zu den Outcome-Parametern gehörten negative Gedanken über sich selbst und über die Partnerperson, das erlebte emotionale Engagement, die subjektive Bewertung der Abstimmung im Alltag als harmonisch oder belastend sowie die Selbsteinschätzung der Schwere der Persönlichkeitsstörung. Die Analyse der Daten von zwölf Paaren ergab insgesamt große Effektstärken, insbesondere in der Bedingung „ST gefolgt von KT“. Bei den Patienten zeigten sich stärkere Effekte hinsichtlich negativer Selbstüberzeugungen, bei den Partnerinnen hinsichtlich negativer Überzeugungen über die Patienten. Große und signifikante Effektstärken fanden sich auch für die Schwere der Persönlichkeitsstörung, erfasst mittels eines Selbstbeurteilungsinstruments (ADPIV). Die Effekte blieben in der Ein-Jahres-Katamnese überwiegend stabil. Weitere Forschung mit größeren Stichproben und längeren Baseline-Phasen wird empfohlen.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Paare, Persönlichkeitsstörungen, Beziehungsprobleme, Einzelfallserien

 

Couple schema therapy for patients with a personality disorder
A multiple baseline single case series pilot study on schema therapy for couples in which one or both partners suffer from a personality disorder


Abstract: This pilot multiple baseline case series study evaluated the effectiveness of a combination  of couple schema therapy (ST-C) and individual schema therapy (ST-I) for patients with a DSM-5 personality disorder (PD) and partner relationship problems. It also aimed to give insight in the effectiveness of offering first schema therapy (ST) to treat the PD and then communication training (CT) in comparison to the other way around. A multiple baseline case series design was used with two conditions and a six-to-eleven-week baseline phase. Participants were randomly assigned to baseline and condition. Depending on the condition, patients started a preparation phase, a twelve-week phase of ST-I and ST-C and a six-week CT phase or the other way around. Next, patients entered a five-month booster phase. Finally, a one-year follow-up assessment took place. Outcome measures included negative thoughts about themselves and their partner, their experience of engagement, the amount they judged their daily coordination as smooth or difficult and the self-assessment of their personality disorder. Based on the analysis of data of the twelve patients with their partners, support was found for generally large effects, especially in the ST-CT condition. For patients, effects were stronger for negative beliefs about the self, for partners for negative beliefs about the patient. Large, significant effect sizes were found for PD severity as assessed with a self-assessment instrument of personality disorder (APD-IV). Effects were generally maintained after one year follow-up. Further research is recommended with a larger sample size and longer baselines.

Keywords: schema therapy, couples, personality disorders, relationship problems, single case series

 

Leo Goetstouwers
Ankersmidplein 2
NL -1506 CK Zaandam
l.goetstouwers@parnassia.nl


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:362–382
https://doi.org/10.2440/006-0084

 

Schematherapie in Gruppen: Ein Update

Stefan Smesny1,2 & Matias Valente3

1 Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
2 Institut für Schematherapie Jena (IST-J)
3 Institut für Schematherapie – Stuttgart

Abstrakt: Ein Weg, um mehr Patienten mit komplexen und komorbiden psychischen Problemen schneller und inhaltlich angemessen zu behandeln, führt über die Schematherapie in Gruppen in diversen, sowohl ambulanten als auch (teil)stationären und rehabilitativen Settings mit vielfältigen Zielsetzungen. Die jeweiligen Entwicklungen sind mehr als nur Adaptionen der von Joan Farrell und Ida Shaw entwickelten Gruppen-Schematherapie-Manuals (GST; Farrell, Shaw & Webber, 2009) und rekurrieren auf Kernelemente und Wirkschwerpunkte der Schematherapie und einer prozessbasierten integrativen Psychotherapie im Allgemeinen. Hierbei können Gruppensitzungen mit edukativem, achtsamkeits- und erlebnisorientiertem Fokus flexibel durchgeführt werden. Während in der ambulanten Versorgung häufig Kombinationsbehandlungen mit Gruppen- und Einzelsitzungen in der gleichen Praxis durchgeführt werden, ist GST im (teil-)stationären Setting in erster Linie eine herausfordernde und zutiefst erfüllende Teamleistung. Schema-Konzept und Modusmodell haben für die Entfaltung der Wirkfaktoren jeweils wichtige Funktionen und sollten daher bei jeder Umsetzung in Diagnostik und Therapie angemessen berücksichtigt werden. Die unterschiedlichen Konzepte und Traditionen intuitiver, zielorientierter Gruppenarbeit bereichern auch erlebnisorientierte Schematherapie-(ST)-Gruppen und tragen so zur inhaltlichen und zeitlichen Verdichtung von Gruppenschematherapien bei.

Schlüsselworte: Gruppenpsychotherapie, Schematherapie in Gruppen, (teil-)stationäre Psychotherapie, (teil-)stationäre Schematherapie, multidisizipinäre Teams


Schema therapy in groups: An update


Abstract: Schema therapy in groups is meanwhile available in various settings: outpatient, dayclinic, inpatient and rehabilitative settings with a variety of objectives. The respective developments are more than adaptations of the Group-Schema-Therapy (GST)-manual presented by Joan Farrell and Ida Shaw (Farrell, Shaw & Webber, 2009) and refer to core elements and focal points of schema therapy and process-based integrative psychotherapy in general. Group sessions with an educational, mindfulness and experience-oriented focus can be carried out flexibly. While in outpatient care, combination treatments with group and individual sessions are often carried out in the same practice, GST in a day-clinic or inpatient setting is first and foremost Bordera challenging and deeply fulfilling team effort. The schema concept and the model have important functions for the development of effectiveness factors and should therefore be taken into account appropriately in every implementation in diagnostics and therapy. The different concepts and traditions of intuitive, goal-oriented group work also enrich experience-oriented ST groups and thus contribute to the consolidation of group schema therapies in terms of content and time.

Keywords: group therapy, group schema therapy, inpatient psychotherapy, inpatient schema therapy, multidisciplinary teams

Prof. Dr. Stef an Smesny
Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
Universitätsklinikum Jena
Philosophenweg 3
D-07743 Jena
kontakt@schematherapie-jena.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:383–388
https://doi.org/10.2440/006-0085

 

Schematherapie in der psychotherapeutischen Landschaft: Past, Present and Future

Thomas Heidenreich

Hochschule Esslingen


Zusammenfassung: Der Beitrag schildert eine über 25 Jahre gehende persönliche Beziehung zur Schematherapie (ST). ST stellt in der Versorgungslandschaft eine beziehungsorientierte und transdiagnostische methodische Bereicherung in der Behandlung festgefahrener intrapsychischer und interpersonaler Muster innerhalb der anerkannten Therapieverfahren dar. Dabei ist ST anschlussfähig sowohl an verhaltenstherapeutische als auch psychodynamische Ansätze. Da die ST ihre Konstrukte als universell betrachtet, sind entsprechende Anpassungen an unterschiedliche kulturelle Kontexte bereits in Arbeit, ebenso wie die Adaptation an digitale Interventionen.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Methode, Anschlussfähigkeit, transkulturelle Psychotherapie, digitale Anwendung


Schema therapy in the field of psychotherapies: past, present and future


Abstract: This article describes a personal relationship with schema therapy (ST) spanning more  than 25 years. Within the healthcare system, ST represents a relationship-oriented and transdiagnostic methodological enrichment in the treatment of entrenched intrapsychic and interpersonal patterns within established therapeutic approaches. In this context, ST is compatible with both cognitive-behavioral and psychodynamic frameworks. As ST conceptualizes its constructs as
universal, corresponding adaptations to diverse cultural contexts are already underway, as is the adaptation to digital interventions.

Keywords: schema therapy, method, compatibility, transcultural psychotherapy, digital application

Prof. Dr. Thomas Heide nreich
Hochschule Esslingen
Fakultät Sozi ale Arbeit, Bildung
und Pflege
Flandernstrasse 101
D-73732 Esslingen am Neckar
thomas.heidenreich@hs-esslingen.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:389–394
https://doi.org/10.2440/006-0086

 

Ein Blick über den Tellerrand: Die Rolle der Schematherapie in der psychotherapeutischen Landschaft – eine persönliche Perspektive aus der DBT

Charlotte Auer

Private Praxis, Berlin

 

Zusammenfassung: Fragestellung: Wie lässt sich die Rolle der Schematherapie in der psychotherapeutischen Landschaft aus einer explizit subjektiven DBT- erspektive beschreiben? Methodik: Der Beitrag ist als persönliches Blitzlicht konzipiert und basiert auf klinischer Erfahrung, Ausbildung in beiden Verfahren sowie theoretischer Reflexion. Es handelt sich nicht um ein systematisches Review. Ergebnisse: Die Schematherapie wird als evidenzbasiertes, integratives und humanistisch geprägtes Verfahren gewürdigt, insbesondere im Hinblick auf das Modusmodell und emotionsfokussierte Interventionen. Schlussfolgerungen: Die Schematherapie nimmt eine zentrale Rolle in der Versorgung komplexer Störungsbilder ein; eine stärkere verfahrensübergreifende Zusammenarbeit erscheint sinnvoll.

Schlüsselwörter: Schematherapie, Dialektisch-Behaviorale Therapie, Persönlichkeitsstörungen, Emotionale Instabilität, Integration


A look beyond the horizon: The role of schema therapy in the psychotherapeutic landscape – A personal perspective from DBT


Abstract: Aims: To describe the role of schema therapy within the psychotherapeutic landscape from a subjective dialectical behavior therapy perspective. Method: This paper presents a reflective, experience-based commentary drawing on clinical practice and training in both therapy methods as well as theoretical considerations; it is not a systematic review. Results: Schema therapy is discussed as an evidence-based, integrative, and humanistically oriented approach, particularly valuable for its mode model and emotion-focused techniques. Conclusions: Schema therapy plays a key role in the treatment of complex mental disorders; cross-theoretical collaboration is encouraged.

Keywords: schema therapy, dialectical behavior therapy, personality disorders, emotional dysregulation, integration

 

Dr. Charlotte Auer
Charlottenburger Strasse 77
D-13086 Berlin
info@charlotteauer.com


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:395–404
https://doi.org/10.2440/006-0087

 

Kontextuelle Psychotherapien.
Die Schematherapie im Entwicklungsfeld wirksamer Psychotherapien

Thorsten Kienast

Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg
Medical School Hamburg
Charité – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Berlin

Zusammenfassung: Schematherapie ist eine integrative Methode und zeichnet sich in ihrem konzeptuellen Rahmenwerk durch eine wirksame Komposition aus Inhalten der tiefenpsychologischen, humanistischen und verhaltenstherapeutischen Therapieschulen aus. Sie hat es damit geschafft eine der fünf wirksamsten verhaltenstherapeutischen Methoden zu sein. Dennoch ist allen Methoden gemeinsam, dass eine größere Gruppe an Patient:innen in einem nicht ausreichenden Maße von Psychotherapie profitiert. Es stellt sich also allgemein die Frage nach kraftvollen neuen Innovationen in der Psychotherapieentwicklung. Eine prüfenswerte Idee ist die Einflechtung einer systematischen kontextbezogenen Perspektive über die es nahezu automatisch zu einer unmittelbaren Aktivierung von patienteneigenen Ressourcen kommt. Das klassische Fertigkeitentraining (Skillstraining) steht dann in paritätischer Position zur Wahl und nicht mehr zwingend an erster Stelle. Therapeut:innen die die Einnahme kontextbezogener Perspektiven systematisch umsetzen, können stets bei ihrem erlernten Verfahren oder Methode bleiben. Perspektivisch könnte diese neue Säule – vom Fertigkeitentraining unabhängig – dazu beitragen, dass Psychotherapie einen noch höheren Grad an patientengerichteter Individualisierung leisten kann und damit die Wirksamkeit einer Methode erhöht. Die Schematherapie birgt bereits historisch konzeptuell sehr gute Grundlagen für die Überprüfung und Entwicklung eines systematisch kontextbezogenen Arbeitens in der Psychotherapie.

Schlüsselwörter: funktioneller Kontextualismus, Bezugsrahmentheorie, individualisierte Psychotherapie, Schematherapie, symbolisches Lernen


Contextual psychotherapies – schema therapy in the field of effective psychotherapies


Abstract: Schema therapy is a method-integrative psychotherapeutic approach and characterized within its conceptual framework by an effective composition of elements from psychodynamic, humanistic and behavioral therapy traditions. Through this integration, it has established itself as one of the five most effective modern behavioral therapeutic methods. Nevertheless, all therapeutic approaches share the limitation that a substantial number of patients do not benefit sufficiently from psychotherapy. This raises the general question of the need for powerful new innovations in further development of psychotherapy. A promising idea, worth to be examined is the integration of a systematic, context related therapeutic perspective through which an immediate activation of the patient’s own functional resources for problem solving occurs almost automatically. Classical behavioral skills training would then assume an equivalent position among therapeutic options rather than necessarily occupying the primary role in therapy. Therapists who systematically adopt context-related perspectives can continue to work within their originally learned approach or method. From a future oriented perspective, this new view on therapist’s work – independent of skills training – could contribute to an even higher degree of patient centered individualization in psychotherapy and thus enhance the effectiveness of an already well-established method. Schema Therapy already provides, from a historical and conceptual point of view, a strong foundation for examining and improving systematic context related work in psychotherapy.

Keywords: functional contextualism, relational frame theory, individualized psychotherapy,schema therapy, symbolic learning

Prof. Dr. Thorsten Kienast
Poststrasse 3
D-20354 Hamburg
email@thorsten-kienast.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:405–411
https://doi.org/10.2440/006-0088

 

Schematherapie im Spiegel von CBASP : Schnittmengen, Unterschiede und klinische Passung

Eva-Lotta Brakemeier

Universität Greifswald, Zentrum für Psychologische Psychotherapie, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie


Zusammenfassung: Die Schematherapie (ST) und das Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) gehören zu den zentralen beziehungsorientierten psychotherapeutischen Methoden zur Behandlung chronischer und komplexer psychischer Störungen. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die ST im Spiegel von CBASP und arbeitet Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Aspekte der klinischen Passung heraus. Beide Ansätze teilen ein entwicklungsbezogenes Verständnis von Psychopathologie, nutzen die therapeutische Beziehung explizit als Wirkfaktor und zielen auf korrigierende emotionale Erfahrungen ab. Während die ST primär intrapsychisch ausgerichtet ist und über Modusarbeit sowie erlebnisaktivierende Techniken auf die Veränderung maladaptiver innerer Strukturen abzielt, fokussiert CBASP stärker auf interpersonelle Kontingenzen und situatives Lernen. Diese unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen legen eine differenzielle Indikationsstellung nahe. Anhand eines Fallbeispiels werden die jeweiligen Zugänge exemplarisch illustriert. Zudem werden die Attraktivität beider Ansätze für Therapeut:innen sowie mögliche Nebenwirkungen der intensiven Beziehungsgestaltung diskutiert. Abschließend plädiert der Beitrag für eine komplementäre Perspektive jenseits von Methodenkonkurrenz und betont die Bedeutung von Passung, Wirkmechanismen und therapeutischer Selbstreflexion für die Weiterentwicklung der Psychotherapie.

Schlüsselwörter: Schematherapie, CBASP, chronische Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, therapeutische Beziehung, Wirkmechanismen, klinische Passung


Schema therapy in the context of CBASP : overlaps, differences, and clinical match


Abstract: Schema therapy (ST) and the Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) are two prominent relationship-oriented approaches for the treatment of chronic and complex mental disorders. This article examines ST in light of CBASP, highlighting their shared foundations, key differences, and implications for clinical fit. Both approaches are grounded in a developmental understanding of psychopathology, explicitly use the therapeutic relationship as a mechanism of change, and aim to provide corrective emotional experiences. While ST is primarily intrapsychic in focus, working with maladaptive schemas and modes through experiential techniques, CBASP emphasizes interpersonal contingencies and situational learning processes. These differences suggest distinct but complementary indications for clinical practice. Using a clinical case example, the paper illustrates how both approaches conceptualize and intervene. In addition, the appeal of both methods for therapists and the potential side effects of intensive relational work are discussed. The article concludes with a plea for a complementary rather than
competitive perspective, emphasizing the importance of treatment matching, mechanisms of change, and therapist self-reflection in contemporary psychotherapy.

Keywords: schema therapy, CBASP, chronic depressions, personality disorders, therapeutic relationship, mechanisms of change, treatment matching

Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier
Professur für Klinische Psychologie
und Psychotherapie
Direktorin des Zentrums
für Psychologische Psychotherapie
Universität Greifswald
Franz-Mehring-Strasse 47
D-17489 Greifswald
eva-lotta.brakemeier@uni-greifswald.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:412–416
https://doi.org/10.2440/006-0089

 

Schematherapie aus der Perspektive eines Mentalisierungsbasierten Therapeuten (MBT )

Sebastian Euler

UniversitätsSpital Zürich, Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik


Zusammenfassung: Der Beitrag kommentiert die Schematherapie aus der subjektiven Perspektive eines mentalisierungsbasierten Therapeuten und beleuchtet Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede beider Ansätze. Während beide Verfahren die therapeutische Beziehung betonen, unterscheidet sich die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) durch ihren Fokus auf Bindung und das gegenwärtige Mentalisieren und einen geringeren explizten Bezug auf biographische
Erfahrungen von der Schematherapie. Die Schematherapie bietet ein stärker strukturiertes Modell mit Schemata und Modi, das Patientinnen und Patienten helfen kann, innere Zustände zu ordnen, jedoch aus MBT-Sicht auch eine zu starke Vereinfachung komplexer Prozesse darstellen könnte. Kritisch diskutiert werden insbesondere die intensive Emotionsaktivierung und Techniken wie „limited reparenting“, die das Mentalisieren beeinträchtigen können. Abschließend wird angeregt, das Konzept des Mentalisierens in der Schematherapie stärker zu berücksichtigen, um ihre Wirksamkeit zu erhöhen.

Schlüsselwörter: Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT), Mentalisieren, therapeutische Beziehung, Wirksamkeit, Emotionsaktivierung


Schema therapy from the perspective of a Mentalization-Based Therapist (MBT )


Abstract: The paper comments on schema therapy from the subjective perspective of a mentalization- based therapist and highlights both similarities and differences between the two approaches. While both methods emphasize the therapeutic relationship, MBT differs from schema therapy through its focus on attachment and present-moment mentalizing and a less explicit reliance on biographical experiences. Schema therapy offers a more structured model with schemas and modes, which can help patients organize their internal states, but from an MBT perspective might also represent a simplification of complex processes. In particular, the text critically discusses intense emotional activation and techniques such as ‘limited reparenting‘, which may impair mentalizing. Finally, it suggests that incorporating the concept of mentalizing more strongly into schema therapy could enhance its effectiveness. 

Keywords: mentalisatin-based treatment (MBT), mentalisation, therapeutic alliance, efficacy, emotional activation

PD Dr. Sebastian Euler
Stv. Klinikdirektor, Leitender Arzt
Culmannstrasse 8
CH -8091 Zürich
sebastian.euler@usz.ch


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:417–429
https://doi.org/10.2440/006-0090

 

Entwicklungspsychologie als Ordnungsrahmen der vierten Welle der Verhaltenstherapie: Die Schematherapie als möglicher Prototyp integrativer Weiterentwicklung

David Weis

Faculty of Health Sciences and Medicine, University of Lucerne, Switzerland


Zusammenfassung: Die Verhaltenstherapie wird häufig entlang eines Wellenmodells beschrieben, das ihre historische Weiterentwicklung abbilden soll. Während die ersten drei Wellen jeweils klar definierte theoretische Schwerpunkte aufweisen, zeigt sich die aktuell diskutierte vierte Welle als konzeptuell offen und heterogen. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass das zentrale Defizit dieser Entwicklung nicht im Fehlen einzelner Perspektiven liegt, sondern im Mangel eines übergeordneten theoretischen Rahmens, der eine systematische Einordnung und Integration neuer Ansätze ermöglicht. Als möglicher Ordnungsrahmen wird ein entwicklungspsychologisches Modell vorgeschlagen, das psychotherapeutische Interventionen entlang menschlicher Entwicklungsstufen strukturiert, verstanden als verkörperte und relationale Transformationen von Selbst- und Weltbezügen. Vor diesem Hintergrund wird die Schematherapie als integrativer verhaltenstherapeutischer Ansatz diskutiert, der psychodynamische und konstruktivistische Entwicklungsannahmen durch erlebnis- und handlungsorientierte Interventionen operationalisiert. Zugleich werden erkennbare Begrenzungen in Bezug auf bestimmte Entwicklungsbereiche aufgezeigt. Anhand dieser Begrenzungen
wird dargestellt, wie bestehende Weiterentwicklungen der Schematherapie in einen umfassenderen entwicklungsbezogenen Rahmen eingeordnet werden können und in welchen Bereichen weiterer theoretischer Klärungsbedarf besteht.

Schlüsselwörter: Verhaltenstherapie, vierte Welle, Schematherapie, entwicklungsbezogene Integration, Identitätsentwicklung


Evolutionary psychology as a framework for the fourth wave of behaviour therapy: schema therapy as a prototype of an integrative development


Abstract: Cognitive Behavioral Therapy (CBT) is often described using a wave model that captures its historical development. While the first three waves are rather precisely characterized, the currently discussed fourth wave appears conceptually open and heterogeneous. This article Verhalargues that the central deficit of this development does not lie in the absence of specific perspectives, but rather in the lack of an overarching theoretical framework that allows for the systematic classification and integration of new approaches. As a possible organizing framework, a developmental psychological model is proposed that structures psychotherapeutic interventions along human developmental stages, understood as embodied and relational transformations of self–world relations. Within this framework, schema therapy is discussed as an integrative behavioral approach that operationalizes psychodynamic and constructivist developmental assumptions through experiential and action-oriented interventions. At the same time, recognizable limitations regarding specific developmental domains are identified. Based on these limitations, the article illustrates how existing extensions of schema therapy can be embedded within a more comprehensive developmental framework and outlines directions for further theoretical development.

Keywords: cognitive behavioral therapy, fourth wave, schema therapy, developmentally informed integration, identity development

Dr. Dr. David Weis
Alte Landstrasse 191c
CH -8800 Thalwi l
david.weis@uni-wh.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:430–437
https://doi.org/10.2440/006-0091

 

Schematherapie in der psychosozialen Versorgung – eine persönliche Perspektive

Alexander Noyon

Technische Hochschule Mannheim, Fakultät für Sozialwesen, Mannheim

 

Zusammenfassung: Der Beitrag skizziert aus einer persönlichen Perspektive die Rolle der Schematherapie in der psychosozialen Versorgung. Ausgehend von einer frühen Ernüchterung über eine als technizistisch erlebte Verhaltenstherapie und einer parallel gewonnenen existenziellen Orientierung durch Logotherapie und existenzielle Psychotherapie wird die spätere Begegnung mit der Schematherapie als integrativer Wendepunkt beschrieben. Die Schematherapie erscheint als umfassendstes Verfahren der „Dritten Welle“, weil sie ein kohärentes Modell von Entstehung, Diagnostik, Fallkonzeptualisierung und Intervention mit einer klar gestalteten Beziehungsperspektive verbindet. Hervorgehoben werden limited reparenting und Modusarbeit als Reifungs- und Nachreifungsinstrumente, die Symptomreduktion mit Persönlichkeitsentwicklung verknüpfen. Zugleich wird der integrative Charakter betont, der verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische,
gesprächspsychotherapeutische, emotionsfokussierte und gestalt-/systemische Elemente konsistent bündelt. Abschließend wi d die Bedeutung für die Versorgung diskutiert: besondere Wirksamkeit bei komplexen Störungsbildern, wachsende Anwendungen in weiterenBereichen sowie hohe Attraktivität für den therapeutischen Nachwuchs als Gegenentwurf zu reiner „Tool“-Orientierung.

Schlüsselwörter: Schematherapie, psychosoziale Versorgung, Dritte Welle der Verhaltenstherapie, Therapeutische Beziehung, Persönlichkeitsentwicklung


Schema therapy in psychosocial care – a personal perspective


Abstract: This article offers a personal perspective on the role of Schema Therapy in psychosocial care. Starting from early professional disillusionment with cognitive-behavioral therapy experienced as technically strong yet insufficiently holistic, and a parallel existential orientation shaped by logotherapy and existential psychotherapy, the author describes a later encounter with Schema Therapy as an integrative turning point. Schema Therapy is portrayed as the most comprehensive ‘third-wave’ approach because it links a coherent model of psychopathology with diagnostic reasoning, case conceptualization, a rich intervention repertoire, and an explicit relational stance. Limited reparenting and mode work are highlighted as maturation and ‘rematuration’ mechanisms that connect symptom reduction with personality development. The paper emphasizes Schema Therapy’s integrative capacity, coherently combining CBT, psychodynamic ideas, person-centered relational principles, emotion-focused work, and experiential/gestalt and systemic elements. Finally, its relevance for service delivery is discussed: strong evidence for complex and chronic presentations, expanding applications across disorders, and high attractiveness for early-career therapists as an alternative to a purely tool-based understanding of psychotherapy.

Keywords: schema therapy, psychosocial care, third wave of cognitive behavioral therapy, therapeutic relationship, personality development

Prof. Dr. Alexande r Noyon
Technische Hochschule Mannheim
Fakultät für Sozi alwesen
Paul-Wittsack-Strasse 10
D-68163 Mannheim
a.noyon@th-mannheim.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:438–443
https://doi.org/10.2440/006-0092

 

Implementation eines schematherapeutischen Spezialangebots im Alltag einer Psychiatrischen Universitätsklinik

Moritz de Greck & Andreas Reif

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Universitätsklinikum Frankfurt – Goethe Universität, Frankfurt am Main


Zusammenfassung: In der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsmedizin Frankfurt wird Schematherapie in verschiedenen Bereichen – tagesklinisch und vollstationär, im offenen und geschützten Setting – seit mehreren Jahren angewendet. Der folgende Essay geht auf Erfahrungen mit Schematherapie in unterschiedlichen psychiatrischen und psychotherapeutischen Settings ein.

Schlüsselwörter: stationär, teilstationär, Schematherapie, Teamkohäsion, Psychiatrie


Implementation of a specialized schema therapy program in the daily routine of a university psychiatric hospital


Abstract: Schema therapy has been used for several years in various settings – day clinic and inpatient, open and secure – at the Department of Psychiatry, Psychosomatics and Psychotherapy at Frankfurt University Hospital. The following essay discusses experiences with schema therapy in different psychiatric and psychotherapeutic settings.

Keywords: schematherapy, day clinic, inpatient, psychiatry, team cohesion

PD Dr. Moritz de Greck
Universitätsklinikum Frankfurt
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik
und Psychotherapie
moritz.degreck@unimedizin-ffm.de


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
2025.46:444
https://doi.org/10.2440/006-0093


Epilog

 


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
46. Jahrgang · 2025 · Heft 3-4
Pabst, 2026
ISSN 1865-9985

 

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