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rausch · Wiener Zeitschrift für Suchttherapie

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2026-3

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial
Henning Brand

Der perfekte Spieler. Eine Collage zum Verhältnis des § 6 Abs. 1 GlüStV zum Spielerschutz in sieben Bildern
Martin Reeckmann

Spielen im Dialog – über Sozialkonzepte im Glücksspiel
Henning Brand

Von der Regulierung zur Partizipation: Ein Plädoyer für partizipativen Spielerschutz
Anke Quack & Maxi Lea Feidner

Bildstrecke: Spielsucht
Ritchy Pobaschnig

Über die (Un-)Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Glücksspielanbietern und Suchthilfe
Günther Zeltner

Zur Entwicklung eines Manuals „Balance your gambling“
Mara Weyerbrock & Wolfgang Kursawe

Spielersperre vollzogen vs. Spielersperre erwogen – eine vergleichende Analyse auf Basis von Daten des Glücksspielsurveys 2023
Jens Kalke, Sven Buth & Gerhard Meyer

Zwischen Trip und Traum: Das spielerische Erzähluniversum der Hermetischen Garage
Thomas Ballhausen

Bildstrecke: Moebius · Die hermetische Garage – Jäger und Gejagter

Sportsucht und Persönlichkeit. Eine Betrachtung über deren Beziehung im Kontext des Ausdauersports
Katja Rickhoff & Wolfgang Kursawe

Von der Theorie zur Praxis – Sozialkonzepte im Dialog. Ein Gespräch zwischen Arno Nagelschmied und Henning Brand

Meldung
Neue S3-Leitlinie stärkt Versorgung von Menschen mit Psychose und Sucht[aerzteblatt]


 

Editorial
Henning Brand

 


 

Spielen im Dialog – über Sozialkonzepte im Glücksspiel
Henning Brand

Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert Sozialkonzepte im Glücksspiel als Instrumente der Prävention und Regulierung im Spannungsfeld von individueller Autonomie, Suchtrisiken und staatlicher Fürsorgepflicht. Ausgehend von rechtlichen Rahmenbedingungen des Glücksspielstaatsvertrags und klinischen Konzepten der Glücksspielstörung (DSM‑5) wird gezeigt, dass wirksame Sozialkonzepte wesentlich auf dialogischen Prozessen beruhen. Beobachtungen, Gespräche sowie abgestufte Maßnahmen der Prävention, Frühintervention und Intervention bilden den Kern eines gelebten Sozialkonzepts. Der Beitrag ordnet Sozialkonzepte zudem in den Kontext der setting-orientierten Prävention ein und versteht Spielorte als potenziell gesundheitsfördernde Settings.

Schlüsselwörter: Glücksspiel, Sozialkonzept, Prävention, Glücksspielstörung, Dialog, Spielerschutz

Abstract
This article examines social responsibility concepts in gambling as instruments of prevention and regulation within the tension between individual autonomy, addiction risk, and the duty of care of gambling providers. Drawing on the legal framework of the German Interstate Treaty on Gambling and clinical concepts of gambling disorder (DSM‑5), it argues that effective social concepts rely fundamentally on dialogical processes. Observations, conversations, and graduated measures of prevention, early intervention, and intervention form the core of a living social concept. Furthermore, the article situates social concepts within a setting-based prevention approach, conceptualizing gambling venues as potentially health-promoting settings.

Keywords: gambling, social responsibility concept, prevention, gambling disorder, dialogue, player protection

 

Dr. Henning Brand
Diplom-Psychologe
Mitgründer der origo-Akademie Köln;
langjährige Tätigkeit an der Schnittstelle
von Suchtprävention im Glücksspiel,
Regulierung, Evaluation und angewandter
Sozialpsychologie
info@henningbrand.de

 


 

Von der Regulierung zur Partizipation: Ein Plädoyer für partizipativen Spielerschutz
Anke Quack & Maxi Lea Feidner

Zusammenfassung
Trotz zunehmender Regulierung werden die derzeit in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Spielerschutzmaßnahmen und Responsible-Gambling-Tools (RG) eher selten genutzt und von Spielteilnehmenden teilweise als wenig vertrauenswürdig wahrgenommen. Aufbauend auf Wrights Partizipationsmodell sowie dem Community-Based Participatory Research-Ansatz (CBPR) wird der Frage nachgegangen, inwiefern die aktive Einbindung von Glücksspielenden in die gemeinsame Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Spielerschutzmaßnahmen dazu beitragen kann, deren Nutzung, Glaubwürdigkeit und damit auch die Wirksamkeit zu steigern. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Paradigmenwechsel von einer überwiegend top-down-orientierten Regulierung hin zu einem gemeinschaftlich gestalteten, lebensweltorientierten Public-Health-Ansatz im Spielerschutz zielführend.

Schlüsselwörter: Community-based participatory research, Glücksspielsucht, Glücksspielsuchtprävention, Partizipation, Public Health, Spielerschutz, Verantwortungsvolles Glücksspielen

Summary
Despite increasing regulation, player protection measures and responsible gambling (RG) tools currently required by law in Germany are used only rarely and are partly perceived by gamblers as not very trustworthy. Building on Wright’s participation model and the Community-Based Participatory Research (CBPR) approach, this article examines the extent to which the active involvement of gamblers in the joint development, testing, and evaluation of player protection measures can help increase their use, credibility, and thus their effectiveness. In this context, shifting from a predominantly top-down regulatory approach toward a collaboratively developed public health approach grounded in the lived realities of players appears promising.

Keywords: community-based participatory research (CBPR), gambling disorder, gambling harm prevention, participation, public health, player protection, responsible gambling

 

Dr. Anke Quack, M.A.
Leiterin des Kompetenzzentrums Spielerschutz
& Prävention, Klinik für Psychosomatische
Medizin, Universitätsmedizin
Mainz. Arbeitsschwerpunkte:
Entwicklung und Evaluation von Spielerschutzmaßnahmen,
Prävention und
Gesundheitskommunikation
anke.quack@unimedizin-mainz.de


 

Über die (Un-)Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Glücksspielanbietern und Suchthilfe
Günther Zeltner

Zusammenfassung
Die Zusammenarbeit von Einrichtungen der Suchthilfe mit Glücksspielanbietern ist höchst umstritten. Überwiegend lehnen Suchthilfeorganisationen eine Kooperation strikt ab. Die unterschiedlichen Unternehmenskulturen und die verschiedenen Bewertungen des Glücksspiels in der Gesellschaft, die sich aus den jeweiligen Perspektiven, Interessen und Aufgaben ergeben, werden dargestellt. Diese Unterschiede zu kennen und selbstkritisch zu reflektieren, kann die Grundlage für eine verbesserte Zusammenarbeit bilden. Stichwortartig werden mögliche Kooperationsfelder aufgezeigt.

Schlüsselwörter: Glücksspielprävention, Kooperation Hilfesystem und Glücksspielanbieter, Unternehmenskultur

Summary
Cooperation between addiction support organisations and gambling providers is highly controversial. Most addiction support organisations strictly reject cooperation. The different corporate cultures and varying assessments of gambling in society, which result from the respective perspectives, interests and tasks, are presented. Being aware of these differences and reflecting on them self-critically can provide a basis for improved cooperation. Possible areas of cooperation are outlined in brief.

Keywords: gambling prevention, cooperation of gambling providers and addiction aid system, corporate culture

 

Günther Zeltner
Diplom-Psychologe, Psychologischer
Psychotherapeut, Beratung und Behandlung
von Abhängigkeitserkrankungen, Prävention
und Kooperation mit Glücksspielanbietern,
Seniorberater bei der origo GmbH, Hamburg.
guenther-zeltner@t-online.de


 

Zur Entwicklung eines Manuals
„Balance your gambling“
Mara Weyerbrock & Wolfgang Kursawe

Zusammenfassung
Nur fünf bis zehn Prozent der Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten erreichen professionelle Hilfe – und nur ein Bruchteil davon ist bereit, ein abstinentes Leben zu führen (Braun, 2013; Laging, 2009). Obwohl das deutsche Suchthilfesystem viele Angebote bereithält, ist die Voraussetzung für den Zugang meist die vollständige Abstinenz. Dies schließt viele potenziell hilfesuchende Menschen mit einer Glücksspielstörung aus. Es wurde daher in der Kölner Fachstelle für Glücksspielsucht im Jahr 2018 berechtigterweise hinterfragt, ob diese einseitige Ausrichtung mit einer klientenzentrierten Haltung vereinbar ist – und ob sie nicht gerade diejenigen ausschließt, die erste Schritte zur Veränderung gehen wollen.
In dem vorliegenden Artikel wird erstmals ein Gruppenmanual zum zieloffenen Umgang mit dem Glücksspiel vorgestellt und evaluiert, welches im Rahmen einer Masterthesis eigenständig entwickelt wurde. Als theoretische Einführung werden zunächst die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten und -ziele in der Suchthilfe dargestellt. Dabei wird weniger auf bestehende abstinenzorientierte Behandlungsprogramme Bezug genommen, denn diese sind bekannt, sondern fokussierter auf nicht-abstinenzausgerichtete Angebote von stoffgebundenen und stoffungebundenen Abhängigkeiten eingegangen. Im Anschluss erfolgt eine beispielhafte Vorstellung und theoretische Erklärung zum entwickelten Gruppenmanual „Balance your gambling“. Zuletzt werden die Ergebnisse aus der qualitativen Erhebung durch Expert:inneninterviews evaluiert. Dabei werden auf der Basis einer Betrachtung der Versorgungsstruktur die Hypothese der Notwendigkeit von Reduktionsprogrammen zur verbesserten Zielgruppenerreichbarkeit im Glücksspielbereich sowie die Ergebnisse einer explorativen Expert:innenbefragung zum entwickelten Manual vorgestellt. Der Artikel schließt mit einer Diskussion der Ergebnisse und einem Fazit ab.

Schlüsselwörter: Verhaltenssucht, Glücksspielstörungen, Prävention, Kontrolliertes Spielen

Abstract
Only five to ten percent of people with problematic gambling behaviour seek professional help – and only a fraction of them is willing to lead a life of abstinence (Braun, 2013; Laging, 2009). Although the German addiction support system offers many services, complete abstinence is usually a prerequisite for access. This excludes many people with a gambling disorder who are potentially seeking help. In 2018, the Cologne Centre for Gambling Addiction rightly questioned whether this one-sided approach is compatible with a client-centred attitude – and whether it excludes precisely those who want to take the first steps towards change.
This article presents and evaluates, for the first time, a group manual for open-ended approaches to gambling, which was developed independently as part of a master’s thesis. As a theoretical introduction, the current treatment options and goals in addiction support are outlined first. The focus is less on existing abstinence-oriented treatment programmes, as these are well known, and more on non-abstinence-oriented services for substance-related and non-substance-related addictions. This is followed by an exemplary presentation and theoretical explanation of the developed group manual ‘Balance your gambling’. Finally, the results of the qualitative survey conducted through expert interviews are evaluated. Based on an analysis of the care structure, the hypothesis of the need for reduction programmes to improve target group accessibility in the gambling sector is presented, as well as the results of an exploratory expert survey on the manual developed. The article concludes with a discussion of the results and a summary.

Keywords: behavioral addiction, gambling disorders, prevention, controlled gambling

 

Mara Weyerbrock
Soziale Arbeit B.Sc., Suchttherapeutin M.Sc.,
Systemischer Coach
mara_weyerbrock@gmx.net


 

Spielersperre vollzogen vs. Spielersperre erwogen – eine vergleichende Analyse auf Basis von Daten des Glücksspielsurveys 2023
Jens Kalke, Sven Buth & Gerhard Meyer

Zusammenfassung
Ein wesentliches Merkmal einer problematischen Teilnahme am Glücksspiel ist der Mangel an Kontrolle über das eigene Spielverhalten. Die Betroffenen sind oft nicht mehr in der Lage, selbst gesetzte Limits hinsichtlich Spielfrequenz, Spieldauer und Geldeinsatz einzuhalten. Die Spielersperre stellt für diesen Personenkreis eine wichtige Maßnahme des Spielerschutzes dar, erzwingt sie doch eine Auszeit vom Spielen und ermöglicht so eine Reflexion des eigenen Verhaltens und die Initiierung der Inanspruchnahme von Hilfeangeboten. In der vorliegenden Untersuchung wird erstmalig eine Differenzierung zwischen Personen vorgenommen, die eine Sperre in Anspruch nahmen und denjenigen, die dies in Erwägung gezogen haben. Datengrundlage ist eine querschnittliche Befragung der Bevölkerung in Deutschland zum Thema Glücksspiel (2023; N = 12 308). Danach haben sich 1.0 Prozent aller Personen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren, die in ihrem Leben Glücksspiele um Geld gespielt haben, schon einmal für die Teilnahme an einem Glücksspiel sperren lassen (SV). Weitere 1.4 Prozent zogen dies zumindest in Erwägung (SÜ). Werden die beiden Gruppen miteinander verglichen, so zeigen sich zahlreiche (statistisch bedeutsame) Unterschiede. Beispielsweise findet sich in der Gruppe SÜ ein höherer Anteil von 18- bis 39-Jährigen sowie Personen, die einen Migrationshintergrund haben. Ferner ist in dieser Gruppe die Akzeptanz der Spielersperre deutlich geringer ausgeprägt. Insgesamt deuten die Befunde der vorgenommenen deskriptiven Analysen darauf hin, dass die Möglichkeiten, Menschen, die von Glücksspielproblemen betroffen sind, zur Aktivierung einer Spielersperre zu bewegen, noch nicht ausgeschöpft sind. Dies gilt insbesondere für die Gruppe problematisch spielender jüngerer Erwachsener.

Schlüsselwörter: Glücksspiel, Spielersperre, Bevölkerungsumfrage

Summary
A key characteristic of problem gambling is a lack of control over one’s gambling behavior. Those affected are often no longer able to adhere to self-imposed limits regarding frequency, duration, and stakes. For this group, self-exclusion represents an important player protection measure. It enforces a break from gambling, thereby enabling reflection on one’s own behaviour and the initiation of help-seeking. This study is the first to differentiate between individuals who have utilized self-exclusion and those who have considered doing so. The data is based on a cross-sectional survey of the German population regarding gambling (2023; N = 12,308). According to the survey, 1.0 percent of all individuals aged 18 to 70 who have gambled for money at some point in their lives have already self-excluded. A further 1.4 percent have at least considered doing so. A comparison of the two groups reveals numerous (statistically significant) differences. For example, the group of those having considered self-exclusion includes a higher proportion of 18- to 39-year-olds and individuals with a migration background. Furthermore, acceptance of self-exclusion is significantly lower in this group. Overall, the findings of the descriptive analyses suggest that the potential for motivating people affected by gambling problems to utilize self-exclusion has not yet been fully realized. This applies particularly to the group of younger adults exhibiting problem gambling behaviour.

Keywords: gambling, self-exclusion, survey

 

Dr. Jens Kalke
Diplom-Politologe, Wissenschaftlicher
Mitarbeiter, Institut für interdisziplinäre
Sucht- und Drogenforschung (ISD) und
Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung
(ZIS, Hamburg), Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf.
j.kalke@isd-hamburg.de


 

Zwischen Trip und Traum: Das spielerische Erzähluniversum der Hermetischen Garage
Thomas Ballhausen

Zusammenfassung
In diesem Essay wird die posthum veröffentliche grafische Erzählung Die hermetische Garage – Jäger und Gejagter des französischen Künstlers Moebius (eigentlich Jean Giraud, 1938–2012) im Rahmen seines umfangreichen Werks eingebettet. Als Teil eines im besten Sinne absurden Universums, das auch ästhetische Prinzipien des Spielerischen und der Täuschung produktiv integriert, wird ein erzählerisches Angebot erfahrbar, das sich nicht zuletzt aus Prinzipien von Trip, Traum und Nonlinearität speist. Aufbauend auf diesen Überlegungen erfolgt eine Kontextualisierung eines medienübergreifend rezipierten Oeuvres unter weiterführenden Momenten der Entgrenzung, Grenzüberschreitung und der Rauscherfahrungen.

Schlüsselwörter: Trip/künstlerische Darstellung, Traum/künstlerische Darstellung, Drogen/künstlerische Darstellung, Postmoderne, Graphic Novel/Comic, Moebius (Pseudonym), Jean Giraud (1938–2012)

Summary
This essay situates the posthumously published graphic novel Le Chasseur Déprime by French artist Moebius (born Jean Giraud, 1938–2012) within the context of his extensive body of work. As part of a universe that is absurd in the best sense of the word, and which also productively integrates aesthetic principles of playfulness and deception, a narrative experience emerges that draws upon principles of tripping, dreaming and non-linearity. Based on these considerations, Moebius’s comics are discussed within the broader context of dissolution, transgression and experiences of intoxication.

Keywords: trip/artistic representation, dream/artistic representation, drugs/artistic representation, postmodernism, graphic novel/comic, Moebius (pseudonym), Jean Giraud (1938–2012)

 

Mag. DDr. Thomas Ballhausen
Autor, Kulturphilosoph, Literaturwissenschaftler.
Internationale Tätigkeit als Kurator, Vortragender
und Herausgeber. Lehrt und forscht u. a. am
Institut für Open Arts der Universität Mozarteum
Salzburg; aktueller Leiter der Interuniversitären
Einrichtung Wissenschaft & Kunst (Salzburg).
t.ballhausen@gmail.com


 

Sportsucht und Persönlichkeit
Eine Betrachtung über deren Beziehung im Kontext des Ausdauersports
Katja Rickhoff & Wolfgang Kursawe

Zusammenfassung
Sportsucht gilt als ein in vielerlei Hinsicht noch nicht hinreichend verstandenes Phänomen. Die gegenwärtige Studienlage kann, insbesondere für den deutschsprachigen Raum, als dünn und nur wenig konsistent bezeichnet werden. Vor diesem Hintergrund wurden im Rahmen einer quantitativen Onlinestudie deutschlandweit insgesamt 111 erfahrene Langstreckenläufer (Männer: 74, Frauen: 37) im Alter von 19 bis 75 Jahren (Mittelwert: 48.7 Jahre) zu ihrem Sportverhalten und ihrer Persönlichkeit befragt. Die Akquise erfolgte durch Zusendung des Teilnahmelinks via E-Mail an sportartspezifische Vereine sowie private Lauf- und Triathlontreffs, die über eine Internetpräsenz verfügten. Das Erhebungsinstrument bestand vornehmlich aus gängigen und validierten Fragebögen der aktuellen Sportpsychologie- und Persönlichkeitsforschung (EDS-21, BFI-10, PSS-K, MIPS, SSS-V). Die Datenauswertung erfolgte computergestützt mit IBM SPSS Statistics. Die Prävalenz der Sportsucht im Probandenkollektiv belief sich auf null Prozent. Allerdings wiesen 68.5 Prozent eine Sportsuchtgefährdung auf, 31.5 Prozent waren hingegen als asymptomatisch zu klassifizieren. Hinsichtlich der Beziehung zwischen Sportsucht und Persönlichkeit ist herauszustellen, dass Sportsucht(-gefährdung) in unterschiedlicher Stärke und Signifikanz mit Negativer Emotionalität, Persönlichkeitsstörungen, Perfektionismus in seiner positiven und negativen Ausprägung sowie Disinhibition-Seeking positiv korreliert. Weiterführend ließ sich die prognostische Güte dieser persönlichkeitsbedingten Prädiktoren einer Sportsucht(-gefährdung) wie folgt bestimmen: Negative Emotionalität (R² = 0.078), Persönlichkeitsstörungen (R² = 0.182), Perfektionismus (R² = 0.204) in seiner positiven (R² = 0.127) und negativen (R² = 0.243) Ausprägung sowie Disinhibition Seeking (R² = 0.043).

Schlüsselwörter: Verhaltenssucht, Sportsucht, Ausdauersport, psychische Komorbiditäten, Persönlichkeitsdimensionen, Persönlichkeitsmerkmale, Persönlichkeitsstörungen, Prädiktoren

Summary
Exercise addiction is considered a phenomenon that is still not sufficiently understood in many respects. The current state of research, especially for German-speaking countries, can be described as sparse and inconsistent. Against this background, a quantitative online study was conducted across Germany, surveying a total of 111 experienced long-distance runners (men: 74, women: 37) aged between 19 and 75 (mean age: 48.7 years) about their sporting behaviour and personality. Participants were recruited by sending the participation link via email to sports-specific clubs and private running and triathlon groups with an internet presence. The survey instrument consisted primarily of commonly used and validated questionnaires from current sports psychology and personality research (EDS-21, BFI-10, PSS-K, MIPS, SSS-V). The data were analysed using IBM SPSS Statistics software. The prevalence of exercise addiction in the test group was 0 percent. However, 68.5 percent showed a risk of exercise addiction, while 31.5 percent were classified as asymptomatic. With regard to the relationship between exercise addiction and personality, it should be noted that exercise addiction (or the risk thereof) correlates positively with negative emotionality, personality disorders, perfectionism in its positive and negative forms, and disinhibition seeking, to varying degrees and with varying significance. Furthermore, the prognostic value of these personality-related predictors of exercise addiction (risk) was determined as follows: negative emotionality (R² = 0.078), personality disorders (R² = 0.182), perfectionism (R² = 0.204) in its positive (R² = 0.127) and negative (R² = 0.243) forms, and disinhibition seeking (R² = 0.043).

Keywords: behavioral addiction, exercise addiction, endurance sports, psychological comorbidity, personality, dimensions, personality traits, personality disorders, predictors

 

Katja Rickhoff
Diplom-Sozialpädagogin, Suchthilfe/
Suchttherapie M.Sc., Ausdauersportlerin
katja@rickhoff.de


 

Von der Theorie zur Praxis – Sozialkonzepte im Dialog
Ein Gespräch zwischen Arno Nagelschmied und Henning Brand

Zusammenfassung
Sozialkonzepte scheinen auf den ersten Blick nur ein formaler Rahmen zu sein. Der Begriff des Sozialkonzepts ist dabei in Deutschland sowie in der Schweiz stark etabliert und beschreibt, durch welche organisatorischen Maßnahmen Glücksspielanbieter der Verantwortung zum Schutz ihrer Spielgäste nachkommen. Sozialkonzepte werden erst dann wirksam, wenn sie auch gelebt werden: durch Haltung, Beobachtung und Gespräche, sowie durch die Fähigkeit von Organisationen, aus der Praxis zu lernen. Prävention ist dabei nicht nur eine Angelegenheit der beteiligten Personen im Spielbetrieb. Sie hängt ebenso an den Strukturmerkmalen des Angebots selbst – an Spielgeschwindigkeit, Nachvollziehbarkeit und Produktdesign – und daran, ob es gelingt, gesetzliche Vorgaben in reale Unterstützung zu verwandeln. Der entscheidende Entwicklungsschritt führt dabei von der Erfüllung regulatorischer Anforderungen zu einer verstehenden Akzeptanz: Erst wenn Mitarbeitende den Sinn verstehen und sich als professionelle Akteure erleben, wird aus dem Sozialkonzept eine tragfähige Praxis – und aus Prävention ein nachhaltiger Beitrag zu verantwortungsvollem Glücksspiel.

Schlüsselwörter: Sozialkonzept, Prävention, Glücksspielregulierung, Glücksspielstörung, Verantwortungsvolles Glücksspiel, Nachhaltigkeit, Praxisdialog, Wirksamkeit

Summary
At first glance, social concepts may appear to be merely a formal framework. In Germany and Switzerland, however, the term ‘social concept’ is firmly established and refers to the organisational measures through which gambling operators fulfil their responsibility to protect gambling participants. Social concepts only become effective when they are actively embedded in everyday practice: through professional attitude, observation, communication, and through organisations’ ability to learn from practical experience. Prevention is therefore not solely a matter of the individuals working within gambling venues. It is equally shaped by the structural characteristics of gambling products themselves – including game speed, transparency, and product design – as well as by the extent to which regulatory requirements can be translated into meaningful forms of support. The crucial developmental step lies in moving beyond mere regulatory compliance towards informed and reflective acceptance. Only when employees understand the underlying purpose of social concepts and perceive themselves as competent professional actors does the social concept become a sustainable practical framework – and prevention a lasting contribution to responsible gambling.

Keywords: social concepts, prevention, gambling regulation, gambling disorder, responsible gambling, sustainability, practical dialogue, effectiveness

 

Mag. Arno Nagelschmied
Managing Director für Responsible Gaming
in der Casinos Austria und Österreichische
Lotterien Gruppe. Seine Expertise basiert
nicht nur auf der Erfahrung innerhalb der
Branche, sondern auch durch seine jahrelange
internationale Tätigkeit als Berater und
Trainer für verantwortungsvolles Glücksspiel
bei Glücksspielunternehmen und Aufsichtsbehörden
arno.nagelschmied@casinos.at


 

 


 

rausch -  Wiener Zeitschrift für Suchttherapie
15. Jahrgang • 2026 • Heft 3
ISSN 2190-443X 
Pabst, 2026

 

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