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Psychological Test and Assessment Modeling

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Published under Creative Commons: CC-BY-NC Licence


2025-1 (193)

Inhaltsverzeichnis

 

Katharina Hametner, Markus Wrbouschek, Jana Brandl & Konrad Lachmayer
Editorial


Ivo Ponocny
Die Abwehr von Normen zur Nachhaltigkeit durch Gegennormen und Meta-Normen.
Ein Plädoyer für einen hierarchisch strukturierten Zugang zu Klimaeinstellungen und -kommunikation 


Katharina Hametner, Markus Wrbouschek & Franziska von Zieglauer
Zum Zusammenspiel von Mobilitätsorientierungen und (nicht-)nachhaltigen Normsetzungen. Mobilitätspraxis zwischen Automobil-Arrangement und Nachhaltigkeits-Appell 


Tim Schmidt, Moritz Krebs, Timur Rader, Liesa Schamel, Birgit Schulz & Jörg Zirfas
Der Kampf um die Lebensgrundlagen. Bildung als solidarischer Prozess 


Charlie Kaufhold
Autoritarismus und Geschlecht. Eine tiefenhermeneutische Perspektive auf die psychosoziale Diskrepanz zwischen demokratischen Normen und autoritären Wünschen im Zusammenhang mit dem Klimawandel 


Lukas Meisner
Kapital und Psyche in der Polykrise: Vom kontemplativen Fatalismus zum überkompensatorischen Über-Es 


Autor:innen dieses Heftes 


Die Abbildungen in dieser Ausgabe sind von Larissa Struzyna


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(1), 7-31.
DOI: 10.2440/007-0033
P&G 1/25 7


Ivo Ponocny
Die Abwehr von Normen zur Nachhaltigkeit durch Gegennormen und Meta-Normen.
Ein Plädoyer für einen hierarchisch strukturierten Zugang zu Klimaeinstellungen und -kommunikation


Trotz allgegenwärtiger Aufklärung und laufender Appelle für eine Verhaltensänderung zu mehr nachhaltiger Entwicklung steht die Bevölkerung nicht ausreichend hinter konsequenten Klimaschutzmaßnahmen, was bedeutet, dass die durchaus vorhandenen gesellschaftlichen Normen ihre Wirksamkeit nicht entfalten können. Es wird vorgeschlagen, dieses Phänomen der Norm-Abwehr auf drei Ebenen zu betrachten: (1) der Ebene der Fakten und Normen, (2) der Ebene von Metafakten und Gegennormen, welche die Normen auf erster Ebene außer Kraft setzen, und (3) der Ebene der Meta-Normen, auf welcher zwischen Normen und Gegennormen entschieden wird. Die Verdrängung einer Norm von einer höheren Ebene aus bedeutet, dass es eben nicht zu einer sachlichen Auseinandersetzung bzw. Abwägung kommt und diese dadurch umgangen wird. Der Artikel plädiert dafür, diese verschiedenen Ebenen und die entsprechenden Mechanismen in der Klimakommunikation gezielt anzusprechen, um einem unsachlichen Aushebeln von Nachhaltigkeitsnormen entgegenzutreten.


Schlagwörter: soziale Normen, Heuristiken, Nachhaltigkeit, Umwelteinstellungen


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(1), 33-63.
DOI: 10.2440/007-0034
P&G 1/25 33


Katharina Hametner, Markus Wrbouschek & Franziska von Zieglauer
Zum Zusammenspiel von Mobilitätsorientierungen und (nicht-)nachhaltigen Normsetzungen.
Mobilitätspraxis zwischen Automobil-Arrangement und Nachhaltigkeits-Appell


Menschen sehen sich in ihrem Alltag zunehmend mit normativen Zuschreibungen von Verantwortlichkeit und Erwartungen konfrontiert, ihre Gewohnheiten zu verändern und nachhaltig(er) zu leben. In unserem Beitrag untersuchen wir die alltäglich erfahrene und im Vollzug des eigenen Lebens zu bewältigende Spannung zwischen (exterioren), normativen Erwartungen und habitualisierten Handlungsorientierungen anhand der Mobilitätspraktiken von in Wien lebenden, jüngeren Erwachsenen. Wir arbeiten dabei heraus, wie angesichts der Hegemonialität automobiler Infrastrukturbedingungen (normative) Fremdzuschreibungen im Modus eines zweckrational überformten Legitimationsdiskurses verarbeitet werden. Gleichzeitig rekonstruieren wir zwei handlungsleitende Mobilitätsorientierungen und diskutieren anhand eines Fallvergleichs das ambivalente Verhältnis habitueller Mobilitäspraktiken und reflexiver Bearbeitungsformen.


Schlagwörter: Praxis, Mobilität, Nachhaltigkeit, Transformation, Dokumentarische Methode


Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(1), 65-90.
DOI: 10.2440/007-0035
P&G 1/25 65


Tim Schmidt, Moritz Krebs, Timur Rader, Liesa Schamel, Birgit Schulz & Jörg Zirfas
Der Kampf um die Lebensgrundlagen.
Bildung als solidarischer Prozess


Der vorliegende Beitrag versucht aus der Perspektive einer anthropologischen Bildungsforschung aufzuzeigen, wie Menschen sich im Kontext von Katastrophen bzw. im Kampf um Lebensgrundlagen ökologisch und sozial bilden können, welche Inhalte sie dabei fokussieren, wie die jeweiligen Bildungsprozesse verlaufen und welche Ziele verfolgt werden. Grundlage ist ein im Dezember 2021 von Studierenden der Universität zu Köln durchgeführtes narratives Interview, in dem eine junge Frau von der Bedrohung ihres Heimatortes im rheinischen Braunkohlereviert berichtet. Dabei schildert sie, wie es ihr und ihrer Familie durch die Zusammenarbeit mit anderen Aktivist:innen möglich wurde, sich gegen den RWE-Konzern zu behaupten und wie sich im Zuge dessen Formen solidarischer Beziehungen ausbilden konnten.


Schlagwörter: Anthropologie, Bildung, Emotionalität, Praxis, Transformation


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(1), 91-111.
DOI: 10.2440/007-0036
P&G 1/25 91


Charlie Kaufhold
Autoritarismus und Geschlecht.
Eine tiefenhermeneutische Perspektive auf die psychosoziale Diskrepanz zwischen demokratischen Normen und autoritären Wünschen im Zusammenhang mit dem Klimawandel


Im vorliegenden Beitrag wird eine Gruppendiskussion mit Politikwissenschaftler_innen zum Klimawandel tiefenhermeneutisch untersucht. Während die Politikwissenschaftler_innen auf manifester Ebene demokratische Werte vertreten und sich für den Klimaschutz einsetzen, lassen sich auf latenter Ebene autoritäre und vergeschlechtlichte Dynamiken nachzeichnen. In Fantasien schreiben die Teilnehmer_innen der Gruppendiskussion Technologien wie erneuerbaren Energien zu, den Klimawandel aufhalten und die Natur schützen zu können. Gleichzeitig werden jedoch durch Vorstellungen einer rücksichtslosen Geschwindigkeitssteigerung die eigenen demokratischen Werte unterlaufen und die Natur zerstört. Es lässt sich die Relevanz der vergeschlechtlichten Natur-Kultur-Dichotomie in dieser autoritären Dynamik nachzeichnen.


Schlagwörter: Tiefenhermeneutik, Gruppendiskussion, Klimawandel, Autoritarismus, Geschlecht


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(1), 113-135.
DOI: 10.2440/007-0037
P&G 1/25 113


Lukas Meisner
Kapital und Psyche in der Polykrise: Vom kontemplativen Fatalismus zum überkompensatorischen Über-Es
 

»that millions of people share the same forms of mental pathology does not make these people sane.«
(Fromm, 2008, S. 15)


Die psychische Reaktion auf die Krise des ökologischen Erdsystems scheint mehrheitlich von Verleugnung (denialism) zu Defätismus (defeatism) übergegangen: Während bereits die Stichhaltigkeit und Relevanz des Problems noch bis vor wenigen Jahren breitenwirksam abgestritten wurde, gilt etwa das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels inzwischen als globalpolitisch betrachtet unwahrscheinliche und damit überholte, nicht länger realistische, beinahe utopische Option (1). Dieser Artikel möchte jenen Befund tieferlegen, indem er die psychopolitische Fundamentaldisposition von Denialism und Defeatism in der Synthese eines kontemplativen Fatalismus nachweist (2). Kontemplativen Fatalismus – als ›zuschauende‹ Ergebenheit ins Schicksal – detektierte Georg Lukács bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts im weberschen Heroismus eines neonietzscheanischen ›amor fati‹ gegenüber dem kapitalistischen ›stahlharten Gehäuse‹. In diesem Ausgeliefertsein einer vermeintlich höheren Macht gegenüber bleibt den verohnmächtigen Subjekten die überkompensatorische Option, sich mit dem anonymen Hauptaggressor – dem Kapital – anonym zu identifizieren (3). Das Ergebnis dessen ist, wie dieser Artikel weiter argumentiert, ein kapitalinduziertes Über-Es, das von der Lust auf Selbstausbeutung (inklusive Burnout) über den halbierten Hedonismus konsumistisch manipulierter Begehrnisse bis zur rechtsextremen Massenenthemmung gegen noch Schwächere – Sündenböcke – wie gegen die eigenen ökologischen Grundlagen reicht. Hinter der scheinbaren Losgelassenheit von gesellschaftlichen Normen ist jenes kapitalinduzierte Über-Es jedoch ›unbewusstes Subjekt‹, das die bürgerliche Norm der Normalisierung nur um eine kapitalistische Norm des Nihilismus ergänzt (4). Die eigentliche Befreiung vom kapitalistisch normierten Über-Es wäre damit weniger das klassische Es als ein kritisches Ich, das es nur als sozial-somatisches Individuum geben kann. Es braucht insofern gegen die kapitalistische Polykrise, zu der jene des ökologischen Erdsystems intrinsisch hinzugehört, weniger neue Normen, die das Über-Es bloß oberflächlich bzw. peripher beleitplanken, als eine neue Vermittlung zwischen Es und Über-Ich, zwischen Leib und Sozialität, die erneut Ich hieße und die ihre rationale Urteilskraft aus Bedürfnissen speiste, die nicht gegen sich selbst entfremdet wären (5).


Schlagwörter: Kapital, Psyche, Überkompensation, Fatalismus, Über-Es


 

Psychologie & Gesellschaftskritik
49. Jahrgang • 2025 • Heft 1 (193)
Pabst, 2025
ISSN 0170-0537

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