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2022-3 (183)

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial


Anike Krämer & Anne Rauber
Thinking medicalization – Überlegungen zu einem vielverwendeten Begriff 


Timo Beeker
Medikalisierung im psychiatrischen Versorgungsalltag 


Stephan Weihrauch & Stefan Dreßke
Therapeutisierte Angstdeutungen bei Mobilitätsprozessen von der alten indie neue Mittelschicht 


Arne Dreßler & Oliver Dimbath
Radikale Medikalisierung: P4-Medizin als gesellschaftliches Modernisierungsprogramm 


Autorinnen und Autoren dieses Heftes 


 

Editorial
Anike Krämer und Anne Rauber


 


Anike Krämer & Anne Rauber
Thinking medicalization – Überlegungen zu einem vielverwendeten Begriff

Es wird viel nachgedacht über den Begriff der Medikalisierung und doch bleibt oft unklar, was er genau beschreiben soll. Angeregt von dieser Unklarheit wird in diesem Beitragt über Medikalisierung nachgedacht und sich dem Begriff aus theoretischer wie empirischer Sicht genähert. Dabei zeigen sich verschiedene Fallstricke und Interpretationen
des Begriffs. Am empirischen Beispiel der Hormoneinnahme von Mädchen und jungen Frauen wird gezeigt, dass eine sinnverstehende Perspektive für eine Konkretisierung des Begriffs der Medikalisierung gewinnbringend sein kann.

Schlagwörter: Medikalisierung, Ambivalenz, Sinnstrukturen, Hormoneinnahme, Mädchenforschung


 


Timo Beeker
Medikalisierung im psychiatrischen Versorgungsalltag

In der Forschung zu Medikalisierung haben psychische Erkrankungen und ihre Behandlung von jeher besonderes Interesse erfahren. Die Psychiatrie stand dabei schon früh unter Verdacht, in erheblichem Maße anfällig für Medikalisierung zu sein. Angesichts steigender Prävalenzen psychischer Erkrankungen sowie einer kontinuierlichen Zunahme ambulanter und stationärer psychiatrischer Behandlungen stellt sich mit neuer Aktualität die Frage, inwiefern diese Entwicklungen Ausdruck von Medikalisierung sind. Der vorliegende Artikel untersucht im Sinne eines explorativen Vorgehens zwei klinische Fälle aus einem psychiatrischen Krankenhaus daraufhin, inwiefern in ihnen Medikalisierung von Bedeutung ist. Abschließend werden wichtige Gemeinsamkeiten beider Fälle herausgearbeitet. Die Untersuchung wird zeigen, dass Medikalisierungsprozesse und -effekte in der psychiatrischen Versorgung bereits in relativ alltäglichen Fällen präsent sind bzw. auch in solchen Fällen Grundfragen der Medikalisierung berührt werden. Der Grad an Medikalisierung einzelner Fälle ist jedoch variabel und hängt ab von konkreten Entscheidungen der beteiligten Akteur:innen, die in komplexen Aushandlungsprozessen getroffen werden.

Schlagwörter: Medikalisierung, Psychiatrisierung, psychische Erkrankungen, diagnostische Inflation, Overdiagnosis


 


Stephan Weihrauch & Stefan Dreßke
Therapeutisierte Angstdeutungen bei Mobilitätsprozessen von der alten in die neue Mittelschicht

Ausgehend von der Vorstellung, dass Medizin und der therapeutische Komplex Integrationsfunktionen bei gesellschaftlichen Spannungen und bei der Lösung sozialer Probleme erfüllen, wird untersucht, wie therapeutische Deutungsangebote von Angst von Angehörigen der alten Mittelschicht aufgenommen werden, die sich in Mobilitätsprozessen zur neuen Mittelschicht befinden. Die therapeutisch modulierte Angst wird dabei zu einem Sensorium, mit dem die Verortung im sozialen Raum sinnhaft verstehbar gemacht wird. Lebensentwürfe gestalten sich in der Vereinbarung der alten habituellen Dispositionen der ökonomischen Semantik mit dem in der Therapie neu erlernten emotionalen Stil.

Schlagwörter: Freisetzungsprozesse, Mittelschichtsdynamiken, Unsicherheit, Krankheit des Selbst, ökonomische und emotionale Semantik


 

Arne Dreßler & Oliver Dimbath
Radikale Medikalisierung: P4-Medizin als gesellschaftliches Modernisierungsprogramm

Die Digitalisierung der Medizin verspricht große Chancen. Zugleich existieren dystopische Reflexionen ihrer Umsetzung. Der Beitrag befragt den weitreichendsten Entwurf zur Digitalisierung der Medizin – die auf Prädiktion, Prävention, Personalisierung und Partizipation abzielende P4-Medizin – auf seine sozialen Folgen. Dabei führt eine Priorisierung der noch relativ unterentwickelten prozessanalytischen Perspektive in der Medikalisierungsanalyse zu einem komplexeren Bild, als es die vorherrschende Kritik erwarten dürfte. So wird zwar die Verfügung der Medizin auf alle Aspekte des menschlichen Lebens ausgedehnt, was mit einer Medikalisierung der individuellen Lebensführung, ihrer Umstellung auf medizinisches Risiko und der Abschaffung des lebensweltlichen Gesundheitsbegriffs als frei von Krankheit einhergeht. Allerdings greift die Diagnose einer totalen Medikalisierung zu kurz. Vielmehr muss sie als radikal gedacht werden, weil die P4-Medizin zugleich die institutionellen Grundlagen der Medizin verändern wird, also auch einen sozialen Prozess der Modernisierung anschiebt. Diesen ebenfalls im Kontext von Medikalisierung zu betrachten, hilft auch kritischen Perspektiven zu einer realistischen Einschätzung der Medikalisierungsaussichten.

Schlagwörter: P4-Medizin, Medikalisierung, Modernisierung, Soziale Prozesse, Digitalisierung

 


 

Autor:innen dieses Heftes

 


Psychologie & Gesellschaftskritik
46. Jahrgang • 2022 • Heft 3 (183)
Pabst, 2022
ISSN 0170-0537
Preis: 19,- €

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