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Musik-, Tanz- und Kunsttherapie

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2019-2

Inhaltsverzeichnis

All you can dance? Rezeptionsästhetische Untersuchungen zum Tanz in der Printwerbung
Laura Bettag

Wenn Bilder erzählen – über figurale Symbolisierung in Lebensbildern
Ruth Hampe

Das fragile Experiment der Inklusion.
Über den Film Sounds Connect the World (2015)
Hans J. Wulff

Das gespaltene Selbst im Bild
Barbara Laimböck

Der Körper – vom Leben gezeichnet.
Visuelle Resonanzen und ihre somatisch-semantischen Muster
Sabine Mertens

Poesie – Lyrik – Rap – oder: Wozu Lyrik heute?
Marc Neufeld

Einfluss von Musik auf Blutdruck und Herzfrequenz.
Spielen Geschlecht und Alter dabei eine Rolle?
Hans-Joachim Trappe

Song steps. Partial recovery of a patient with global and later Broca’s aphasia, monitored through a musical measurement tool
Zsófia Fekete, Zoltán Dénes & Mariann Pintér

AUS DER PRAXIS
Der Krebs und die Künste. Kunst- und tanztherapeutische Begleitung von Frauen mit Mammakarzinom und gynäkologischen Tumoren im Brustzentrum der Kreisklinik Ebersberg
Gaby Müller & Andrea Baumgartner

TAGUNGSBERICHT
Creative Interactions – Dynamic Processes in Group Activities
Wolfgang Mastnak

Die Zeit im Design ton-psychologisch fundierter Musikimprovisation
Karl Hörmann

LAUDATIO
Walter Piel
Yolanda Bertolaso


Rezensionen

Karl-Heinz Menzen: Drei auf einer Bank. Ein Neurologe, ein Kunst- und ein Quantentheoretiker im Gespräch über Funktion und Wirkung der Bilder und über ein Fach, das Neuro-Ästhetik heißt

Flora von Spreti, Philipp Martius et al. (Hrsg.): KunstTherapie. Wirkung – Handwerk – Praxis

Silvia Krumm, Reinhold Kilian & Heiko Löwenstein (Hrsg.): Qualitative Forschung in der Sozialpsychiatrie. Eine Einführung in Methodik und Praxis

Erwin-Josef Speckmann: Das Gehirn meiner Kunst. Kreativität und das selbstbewußte Gehirn und Das Kunst-Ding. Braucht Kunst einen dinglichen Ausdruck? Ein Vorwort aus Hirnforschung und künstlerischer Praxis
 


All you can dance?
Rezeptionsästhetische Untersuchungen zum Tanz in der Printwerbung

Laura Bettag

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht das Aufkommen von Tanzabbildungen in deutschsprachigen Werbemedien – vorrangig in von 1998 bis 2018 erschienenen Printmedien. Welche Rezeptionsästhetiken von Tanz seitens der Werbewirtschaft hinsichtlich ihrer kommerziellen Verwertbarkeit aufgegriffen werden, zeigt eine qualitative Inhaltsanalyse von rund 250 Anzeigen. Das Spektrum der Tanzstile wird zunehmend erweitert, wobei Gruppentanzformationen die Ausnahme bilden. Es dominiert die Verwendung stark regelbasierter Tanztechniken (vor allem des klassischen Balletts), die entweder außergewöhnlich professionell oder amateurhaft bis nicht mehr beherrscht werden müssen. Auffallend sind kontrastierende Paare (z.B. Ballerina und Hip-Hopper), wobei weder männliche Tanzschüler noch übergewichtige oder ältere Frauen als Tanzende dargestellt werden. Ebenso bleiben nichtheteronormativer Gesellschaftstanz sowie partizipative und inklusive Tanzerfahrungen ausgespart. Die Annahme kann bestätigt werden, dass die bildrhetorische Aufbereitung von Tanz in der Werbekommunikation sexistische, klassistische, nationalistische sowie rassistische Komponenten enthält. Die vorhandenen Stereotype werden aber so modifiziert transportiert, dass eine öffentliche Kritik an einer solchen Instrumentalisierung des Tanzes erst 2016 aufkam. Vereinzelt eröffneten Choreografen bzw. Performer wie Stephan Thoss oder Martin Stiefermann eine konsumkritische Perspektive auf die Spannungsverhältnisse zwischen künstlerischen Produktionsbedingungen und der kommerziellen Verwertung des Tanzes. Trotz der bestehenden Limitierungen und Ambivalenzen wird deutlich, dass auch ein massenmedial ausgerichteter Tanz für „alle“ aus den Nachwirkungen tanzutopischer Gehalte schöpft. Durch die zunehmende Verpflichtung von Tanzschaffenden bei der Gestaltung von TV-Werbespots steigt zwar die bewegungskünstlerische Kompetenz, jedoch suggeriert diese Verpflichtung von Tanz-schaffenden bei der Gestaltung der Werbekommunikation in unzutreffender Weise, dass Tanz für jeden und jederzeit zur Verfügung steht oder im Sinne passiven Konsums verfügbar gemacht werden kann.

Schlüsselwörter: Tanz in der Werbung, Wirkungsorientierung des Tanzens, Instrumentalisierung des Tanzes, gesellschaftskritischer Bühnentanz, Narzissmus im Tanz


All you can dance?
Reception-aesthetic investigations of dance in print advertising


Summary
This article examines the emergence of dance images in German-language advertising media – mainly in print media published from 1998 to 2018. A qualitative content analysis of around 250 ads shows which reception aesthetics of dance are taken up on the part of the advertising industry with regard to its commercial usability. The spectrum of dance styles is being increasingly expanded, with group dance formations being the exception. Use of strongly rule-based dance techniques (especially classical ballet) dominates that either need to be mastered extremely professionally or amateurishly up to no longer being mastered at all. Contrasting couples (e.g. ballerina and hip-hopper) are striking, where neither male dance students nor overweight or older women are represented as dancers. Likewise, not heteronormative social dancing as well as participatory and inclusive dance experiences are omitted here. The assumption can be confirmed that the pictorial rhetorical preparation of dance in advertising communications contains sexist, classical, nationalistic and racist components. However, the existing stereotypes are conveyed in such a modified way that a public critique of such an instrumentalization of dance has only emerged in 2016. Occasionally choreographers and performers like Stephan Thoss and Martin Stiefermann opened a consumer-critical perspective on the tensions between the artistic production conditions and the commercial exploitation of dance. Despite of its limitations and ambivalences, it becomes clear that even a mass media-oriented dance for ‘all’ makes use of the after-effects of dance-utopian contents. Through the increasing involvement of dance professionals, e.g. in the design of TV commercials, the movement-artistic competence is increasing, but this suggests in an inappropriate way that dance is available for everyone and at all times or can be made available in the sense of passive consumption.

Keywords: dance in advertising, impact orientation of dance, instrumentalization of the dance, society-critical stage dance, narcissism in dance


Dr. Laura Bettag
Dr. Sportwiss., dipl. Tanztherapeutin
MA Kulturmanagement
Nationaltheater Mannheim
Mozartstraße 9
D-68161 Mannheim

 


Wenn Bilder erzählen – über figurale Symbolisierung in Lebensbildern
Ruth Hampe

Zusammenfassung

Im Rahmen des Beitrages wird auf drei unterschiedliche Ausdrucksformen des Bildlichen eingegangen. Dies betrifft zum einen die Vermittlung traditioneller Musterbildungen in stammeskulturellen Gesellschaften. Zum anderen werden Formbildungen von Adolf Wölfli untersucht, der über 30 Jahre bis zu seinem Tod in der Psychiatrie gelebt und künstlerisch gearbeitet hat. Weiterhin wird auf bildliche Gestaltungsverläufe einer Klientin in der Entstehung eines Shifters als hinweisendes Zeichen Bezug genommen sowie auf ein Selbstbild einer Sozialwaisin im Kontext eines Workshops in Russland. Es geht um die psychosoziale Bedeutung des Bildlichen und ihre innerpsychische Bedeutungsgebung.

Schlüsselwörter: Musterbildungen, Kosmogonie, Identitätsbildung, Koenästhesie, Zeiterleben, Lebensentwürfe, bildliche Symbolisierung


When pictures tell – about figural symbolization in life pictures

Abstract
In the context of the presentation, we will discuss three different expressions of the pictorial. On the one hand, this concerns traditional pattern in tribal culture. On the other hand, it concerns pictorial symbolizations made by Adolf Wölfli, who lived and worked in psychiatry for more than 30 years until his death. In addition, the pictorial formations of a client in a therapeutic process in expressing a shifter is discussed and the formation of a self-image of a social orphan in the context of a workshop in Russia. It is about the psychosocial significance of the pictorial and its intrapsychic meaning.

Keywords: pattern formation, cosmogony, identity formation, coenesthesia, time experience, lifestyle, pictorial symbolization


Prof. Dr. phil. habil. em. Ruth Hampe
Studiengang Heilpädagogik
Katholische Hochschule Freiburg
mit dem Schwerpunkten Heilpädagogik, 
Rehabilitation und Kunsttherapie, 
approb. Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin (KJP)
Katathym-imaginative Psychotherapie (KIP)
Hartwigstraße 34
D-28209 Bremen

 


Das fragile Experiment der Inklusion
Über den Film Sounds Connect the World (2015)

Hans J. Wulff

Zusammenfassung

Beschreibung eines Dokumentarberichts über ein Projekt von Hamburgs „barner 16“, das versucht, behinderte Menschen in eine Formation von Jazzmusikern zu integrieren – als Tentpole des Projekts bei einer Aufführung von Profis und behinderten Musikern beim Jazzfestival „Bimbache openART“ auf El Hierro (Kanarische Inseln).

Schlüsselwörter: Musikprojekt, barner 16, Festival, Improvisation, Gesang, Film, behinderte Musiker


The fragile experiment of inclusion
About the film Sounds Connect the World (2015)


Abstract
Describing a documentary report on a project of Hamburg’s ‘barner 16’ trying to integrate handicapped people in a formation of jazz musicians – tentpoling the project in a performance of professionals and handicapped musicians at the ‘bimbache openART’ jazz festival at El Hierro (Canary Islands).

Keywords: music project, barner 16, festival, improvisation, singing, film, handicapped musicians


Dr. Hans J. Wulff
Professor a.D. für Medienwissenschaft
an der Christian-Albrechts-Universität Kiel

 


Das gespaltene Selbst im Bild
Barbara Laimböck

Zusammenfassung

Spaltung ist ein psychischer Abwehrmechanismus von unerträglichen Zuständen. Dabei wird ein frühkindlicher Zustand aktiviert, in dem das abhängige, kleine Kind das überlebenswichtige Objekt noch nicht mit guten und bösen Anteilen zugleich erleben kann. Daher spaltet es in eine extrem gute und in eine extrem böse Mutter. In Stresssituationen oder bei Persönlichkeitsstörungen bleibt die Abwehr der Spaltung über das Alter eines Kleinkinds hinaus erhalten (vgl. Ermann, 1997; Kernberg, 1988).
In Bildern und Skulpturen werden Spaltungsphänomene sichtbar. Einige der Künstler_innen, die vorgestellt werden, sind sog. „Ersatzkinder“ (z.B. Vincent van Gogh, Salvador Dali und Camille Claudel) – diese Familienkonstellation scheint Spaltungen zu begünstigen, weil das überlebende niemals an das verstorbene, idealisierte, erste Kind heranreicht. Therapeutisch nutzen wir das Kunstwerk, um Spaltungen und Verzerrungen zu erkennen und bewusst zu machen. Die Patient_innen werden angeregt, mehrdimensionale, zusammenhängende und integrierte Selbst- und Objektvorstellungen zu entwickeln. Dies gelingt vermittelt durch das Kunstwerk als Brücke zwischen Extremen und Bruchstücken. Die Schwarz-Weiß-Wahrnehmung der internalisierten Objektbeziehungen wird aufgelockert durch Grautöne und bunte Nuancen.

Schlüsselwörter: Ersatzkind, Deprivation, Spaltung, Kunsttherapie, Borderline, Psychodynamik, Intersubjektivität


Pictures of the splitted self

Abstract
Splitting is a mechanism of defense against unbearable conditions. The object that is important for survival cannot be experienced as good and bad at the same time. Therefore, the dependent little child splits into a good and a bad mother. In stressful situations or in personality disorders, the defense of splitting occurs even in adults.
Pictures and sculptures visualize splitting phenomena. Therapeutically we try to unhide and integrate fragments and split-off parts. Works of art by recognized artists and patients show this vividly. Some of the artists presented are a ‘substitution’ for a dead sibling, e.g. Vincent van Gogh, Salvador Dali and Camille Claudel. This family constellation seems to foster splitting because the deceased first child is so idealized that the survivor never wins. Therapeutically, we use the artwork to recognize splitting phenomena and make aware of distortions. The patients are encouraged to develop multi-dimensional, coherent and integrated conceptions of the self and the object. The work of art is a bridge between extremes and fragments. The black-and-white perception of internalized object relations is lightened by gray tones and colorful nuances.

Keywords: splitting, deprivation, borderline personality disease, expressive art therapy, substitution sibling, psychodynamic, intersubjectivity


Dr. Barbara Laimböck
Rudolfsplatz 6/6
A-1010 Wien

 


Der Körper – vom Leben gezeichnet
Visuelle Resonanzen und ihre somatisch-semantischen Muster

Sabine Mertens

Zusammenfassung

In diesem Artikel lenkt die Autorin die Aufmerksamkeit auf die hohe Bedeutung des Körpers für das menschliche Ausdrucksverhalten und die damit verbundenen Denk- und Erinnerungsvorgänge. Welche Rolle spielt der Körper als Behälter für unsere Wahrnehmung, unser Empfinden, Fühlen und Denken? Und was erzählt eine beliebige bildliche Darstellung, sei sie naturalistisch, schematisch oder abstrakt, über den psychophysischen Zustand und das dynamische Potenzial eines Zeichners?

Schlüsselwörter: visuelles Resonanz-Phänomen, Körper als Erinnerung, ikonische Codes der Lebenserfahrung, Selbstregulation


Life’s grave inscriptions in body and frame
Visual resonances und their somatic-semantic patterns


Summary
In this article the author is drawing attention to the human bodies’ high relevance for the expressional manners of people and the mental and commemorative processes pertaining to it. Which roll does the body play as a container and memory in our percerption, our senses, our feelings and thinking? And what does a random pictoral representation, be it naturalistic, schematic or abstract, tell about the psychophysical state and the dynamic potential of a drawer?

Keywords: the (visual) resonance phenomenon, body as memory, iconic codes of life experience and traumatic knowledge, self-regulation


Sabine Mertens
Institut für Personalentwicklung
Behringstraße 28a
D-22765 Hamburg

www.sabinemertens.com

 


Poesie – Lyrik – Rap – oder: Wozu Lyrik heute?
Marc Neufeld

Zusammenfassung

Der Beitrag stellt Hilde Domins Buch „Wozu Lyrik heute“ (1968) vor und fragt nach der Bedeutung von poetisch-kreativem Schreiben. Da diese Frage im Grunde zu jeder Zeit gestellt wurde und wird, z.B. im Barock wie heute, wird kurz Domins eigenes Schreiben zu ihrer Frage in Beziehung gesetzt und eingeordnet, um dann ihre Antworten zusammenfassend zitieren und sie heute als Anregung für sowohl künstlerische Textproduktion als auch poesie- und bibliotherapeutische Zusammenhänge verstehen zu können.

Schlüsselwörter: Poesie, Lyrik, Rap, Hip-Hop, Poesietherapie, Bibliotherapie, „Wozu Lyrik heute“, Hilde Domin, „Nur eine Rose als Stütze“, August Buchner, Person


Poetry – lyric – rap – or: Why poetry today?

Abstract
The following article presents Hilde Domins book „Why poetry today“ (1968) and asks for the relevance of poetic-creative writing. Because this question is asked in every time, for example in Baroque as also today, Domins own writing will shortly be correlated to her question, in order to being able to summerize her answers and understand them as a support for as well artistic text production as poetry- and bibliotherapeutic contexts.

Keywords: poetry, lyric, rap, hip hop, poetrytherapy, bibliotherapy, „Why poetry today“, Hilde Domin, „Only a rose as support“, August Buchner, person


Dr. Marc Neufeld
Adlergasse 14
CH-8245 Feuerthalen

 


Einfluss von Musik auf Blutdruck und Herzfrequenz
Spielen Geschlecht und Alter dabei eine Rolle?

Hans-Joachim Trappe

Zusammenfassung

Hintergrund: Inwieweit unterschiedliche Musikstile Blutdruck (RR), Herzfrequenz (HF) bei Männern und Frauen oder bei Jüngeren und Älteren beeinflussen, ist bisher nicht bekannt.
Methoden: Insgesamt 60 Probanden, 30 Männer, 30 Frauen, 30 Probanden < 50 Jahre, 30 Probanden > 50 Jahre, hörten 25 Minuten lang verschiedene Musikwerke von Mozart, Strauss jun. und ABBA. Blutdruck, Herzfrequenz und Kortisolspiegel wurden vor und nach dem Musikhören bestimmt. Bei einer Kontrollgruppe von 60 Probanden mit identischen demografischen Daten, die keine Musik hörten, wurden die Parameter ebenfalls gemessen.
Ergebnisse: Die Musik von Mozart und Strauss jun. führte bei Männern und Frauen zu einer deutlichen Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks (Mozart: Männer RRsyst –4,5 mmHg, RRdiast –2,5 mmHg; Frauen: RRsyst –5 mmHg, RRdiast –1,5 mmHg. Strauss jun: Männer RRsyst –4,5 mmHg, RRdiast –4 mmHg; Frauen: RRsyst –2 mmHg, RRdiast 0 mmHg, während bei ABBA diese Effekte nicht zu sehen waren (Mozart: Männer RRsyst –2 mmHg, RRdiast –1 mmHg; Frauen: RRsyst 0 mmHg, RRdiast 0 mmHg). Auch die Herzfrequenz fiel unter der Musik von Mozart und Strauss jun. mehr ab (Mozart: Männer HF –5/min, Frauen: HF –2/min; Strauss jun: Männer HF –3/min; Frauen: HF –1,5/min mmHg), wohingegen der Effekt bei der Musik von ABBA nicht so ausgeprägt war (Männer HF –1/min, Frauen HF –3/min). Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen waren nicht signifikant unterschiedlich. Auch im Vergleich der Musikeffekte auf Blutdruck, Herzfrequenz und Kortisolspiegel gab es zwischen jüngeren und älteren Probanden keine signifikanten Unterschiede.
Schlussfolgerungen: Musik von Mozart und Strauss jun. führte zur Senkung von Blutdruck und Herzfrequenz, die von ABBA aber nicht. Die stärksten Effekte wurden bei der Musik von Mozart festgestellt. Signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder zwischen Jüngeren und Älteren lagen nicht vor, so dass die Effekte der Musik alters- und geschlechtsunabhängig sind.

Schlüsselwörter: Herz-Kreislauf-System, klassische Musik, Mozart, Strauss jun., ABBA, Blutdruck, Herzfrequenz, Kortisolspiegel, Geschlecht, Alter


Influence of music on blood pressure and heart rate
Are gender and age important?


Abstract
Background: The effect of different musical styles on blood pressure (BP), heart rate (HR) and cortisol levels is currently unknown and it is not clear whether significant differences between males and females or between younger or older people are present or not.
Methods: 60 subjects were randomly assigned to three groups that listened to various compositions by Mozart, Strauss jun. or ABBA for 25 minutes. There were 30 males, 30 females, 30 volunteers < 50 years and 30 volunteers > 50 years. Their blood pressure, heart rate and serum cortisol concentrations were measured before and after the listening session. The same variables were measured in a control group of 60 subjects with the same demographic structure as the music group who did not listen to music but rested in silence.
Results: Music by Mozart and Strauss jun. markedly lowered the subjects’ blood pressure both in males and in females (Mozart: males BPsyst –4,5 mmHg, BPdiast –2,5 mmHg; females: BPsyst –5 mmHg, BPdiast –1,5 mmHg. Strauss jun.: males BPsyst –4,5 mmHg, BPdiast –4 mmHg; females: BPsyst –2 mmHg, BPdiast 0 mmHg, while music by ABBA did not (Mozart: males BPsyst –2 mmHg, BPdiast –1 mmHg; females: BPsyst 0 mmHg, BPdiast 0 mmHg). Similar findings were made with respect to heart rate (Mozart: males HR –5/min, females: –2/min; Strauss jun.: males HR –3/min; females: HR –1,5/min mmHg), and ABBA (males HR –1/min, females HR –3/min). There were no significant differences between males and females and no significant differences between younger and older subjects.
Conclusions: Music by Mozart and Strauss jun. lowered the subjects’ blood pressure and heart rate, while music by ABBA did not. Mozart’s music had the strongest effect. However, we did not observe any significant differences between males and females or between younger or older subjects. Therefore, it seems that the effects of music on blood pressure and heart rate are independent on gender and age.

Keywords: classical music, Mozart, Strauss jun., ABBA, blood pressure, heart rate, cortisol level, gender, age


Univ.-Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe
Medizinische Universitätsklinik II 
(Kardiologie und Angiologie)
Ruhr-Universität Bochum 
Hölkeskampring 40
D-44625 Herne

 


Song steps
Partial recovery of a patient with global and later Broca’s aphasia, monitored through a musical measurement tool

Zsófia Fekete, Zoltán Dénes & Mariann Pintér

Abstract

Over the last 30 years, a lot of scientific work has been published on neurologic music therapy. It is evidence-based that music therapy is effective in the rehabilitation of strokes. The effect of neurologic music therapy is especially noticeable when patients suffering from aphasia sing.
In many cases sound and adequate verbal production is increased through the pitch and rhythm of well-known songs. This case report shows the development in automatic verbal production through the singing of a patient with severe global, later Broca’s aphasia. This development is visualized by a new measurement tool, which can be used with audio recordings of the music therapy sessions. The patient attended semi-structured complex music therapy sessions, where instrumental improvisation, Melodic Intonation Therapy (MIT) and simultaneous therapeutic singing with the therapist as well as live guitar accompaniment was also interwoven with a therapeutic plan.
This study focuses only on the therapeutic singing part. Every singing session was digitally recorded. The research analyses the process over one year and observes how simultaneous therapeutic singing and automatic adequate verbal text production develops. During the long process of neurorehabilitation, the patient and the family gained positive feedback through the stimulative effect of singing.

Keywords: aphasia, apraxia of speech, music therapy, singing therapy, neurorehabilitation


Song steps
Wie ein Patient mit globaler Aphasie (später Broca-Aphasie) teilweise geheilt werden konnte


Zusammenfassung
In den vergangenen 30 Jahren wurden viele wissenschaftliche Abhandlungen über Musiktherapie mit neurologischen Patienten veröffentlicht. Nachgewiesen wurde etwa die Wirksamkeit von Musiktherapie in der Schlaganfall-Rehabilitation. Der Effekt der neurologischen Musiktherapie ist allerdings besonders auffällig, wenn Aphasie-Patienten singen.
In vielen Fällen verbessert sich sowohl der Sprachklang als auch die Sprachproduktion selbst durch die Tonhöhe und den Rhythmus bekannter Lieder. Der vorliegende Fallbericht eines Patienten mit schwerer globaler Aphase (später Broca-Aphasie) zeigt die sprachlichen Fortschritte, die er durch Singen erreichen konnte. Die Entwicklung wird durch ein neues Messinstrument sichtbar gemacht – dieses wird im Zusammenhang mit Tonaufnahmen der musiktherapeutischen Sitzungen eingesetzt. Der Patient nahm an halbstrukturierten musiktherapeutischen Sitzungen teil, in denen Improvisation mit Instrumenten, die „Melodische Intonationstherapie (MIT)“, gemeinsames therapeutisches Singen sowie Gitarrenbegleitung durch den Therapeuten zum Therapieplan gehörten.
Die vorliegende Studie konzentriert sich lediglich auf das therapeutische Singen. Jede entsprechende Sitzung wurde digital aufgenommen. Über ein Jahr beobachteten wir die Entwicklung des gemeinsamen therapeutischen Singens sowie des spontanen Sprachausdrucks. Während der lang andauernden Neurorehabilitation haben wir durchgehend positive Rückmeldungen vom Patienten selbst sowie seiner Familie zum anregenden Effekt des Singens bekommen.

Schlüsselwörter: Aphasie, Sprachapraxie, Musiktherapie, Singtherapie, Neurorehabilitation


Zsófia Fekete
National Institute of Medical Rehabilitation
Szanatórium utca 19 
H-1528 Budapest
 
www.rehabint.hu

 


Der Krebs und die Künste
Kunst- und tanztherapeutische Begleitung von Frauen mit Mammakarzinom und gynäkologischen Tumoren im Brustzentrum der Kreisklinik Ebersberg

Gaby Müller & Andrea Baumgartner

Zusammenfassung

Vorgestellt wird ein kunst- und tanztherapeutisches Gruppenangebot zur Linderung seelischen Leids im Rahmen einer Krebserkrankung. In den langen Jahren unserer Erfahrung in der Begleitung onkologischer Patientinnen zeigt sich immer wieder Sprachlosigkeit ob dieses einschneidenden Lebensereignisses. Worte weichen oft Gefühlen von Ohnmacht, Angst, Hoffnungslosigkeit. Was liegt also näher, als der Sprachlosigkeit nonverbal, mit Hilfe der bildenden und darstellenden Künste, zu begegnen. In unserem Beispiel der Kunst- und Tanztherapie schaffen wir eine Basis zur prozessualen und verbalen Verarbeitung. Die gemeinsame Arbeit soll die Betroffenen dabei unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern, und Hilfe zur Bewältigung ihrer Krebskrankheit sein. Wir stellen einen Gruppenablauf vor, der sich in die drei folgenden Bereiche gliedert: „Boden“ im Sinne der eigenen Stabilität und Erdung, „Halt“, sich selbst Halt und Sicherheit geben können, an Selbstwirksamkeit gewinnen und „Aufrichten“ im Sinne von Ich-Stärkung, Selbstbewusstsein und Orientierung.

Schlüsselwörter: Brustkrebs, gynäkologische Tumore, Psychoonkologie, Krankheitsverarbeitung, Selbstwirksamkeit, Ich-Stärkung, Kunsttherapie, Tanztherapie, Methodenintegration


Cancer and art
Art and dance therapy with women with breast cancer and gynecologic tumors


Abstract
Art and dance therapy create a group model for the relief of distress according to the diagnosis of a cancer disease. Throughout many years of attending women with cancer the phenomenon of speechlessness can be seen as a reaction to this life changing experience. Words give way to a feeling of powerlessness, fear and despair. So what can be more appropriate to face this speechlessness nonverbally, using the creative and moving power of fine arts – in this example art and dance therapy – in order to build a basis for verbally dealing with the disease. The collective work intends to support patients in improving their quality of life and help to overcome their cancer disease. We introduce you to a group concept carrying the ideas of ‘ground’ understood as inner stability and gaining ground, ‘hold’ in the sense of holding oneself, give oneself assurance and experience self-efficacy and ‘raising’ in a sense of ego-consolidation, self-confidence and orientation.

Keywords: breastcancer, gynecologic tumors, psychooncology, coping with cancer, self-efficacy, ego-consolidation, art therapy, dance therapy, integration of methods


Gaby Müller
Kunsttherapeutin, Psychoonkologin
Ahornstraße 1
D-85664 Hohenlinden


Andrea Baumgartner
Tanztherapeutin BTD®
Ausbilderin/Lehrtherapeutin/Supervisorin BTD 
Heilpraktikerin (beschränkt auf Psychotherapie)
D-85567 Grafing

 


Die Zeit im Design ton-psychologisch fundierter Musikimprovisation
Karl Hörmann

Zusammenfassung

In der Darstellung der Ziele in der Psychotherapie anhand eines Koordinatensystems von x und y fehlt die Sagittale z für Zeit. Das Streifen der Geschichte von Zeittheorien mündet in der wegen der Unmöglichkeit, eine Außenperspektive einzunehmen, weiterhin geltenden Auffassung von Zeit als Aporie und ihres notwendigerweise pluralistischen Gebrauchs. Dem neuen Realismus gemäß gilt die Priorität der Subjektivität, wie sie aus naturwissenschaftlicher, philosophischer, psychologischer und psychiatrischer Sicht im Hinblick auf ihre intersubjektive Auswirkung auch bei psychischen Störungen untersucht worden ist.
Musik als Metapher für biographisch stimmiges inneres Empfinden wird unter etymologischer Herleitung von sound bzw. gesund als Erfahrungs- und Schutzraum menschlicher Gefühle und als poetischer Ausweg gegen ihren Missbrauch als Herrschaftsinstrument vorgestellt. Auch wenn musizierende Schüler signifikant bessere Noten als nichtmusizierende Mitschüler erreichen, hat sich doch eine bloß kognitive Selbstregulation als Irrtum herausgestellt, wenn sie nicht durch händisches Tun erarbeitet und emotional verankert wird. Hierzu erscheint es erforderlich, im Bewusstsein, dass das Wesentliche in der Musik nicht in den Noten steht, zwischen den oftmals sich vermischenden Polen Stimmung als Zustand und Emotion als Gefühlsspur bzw. ihrer miteinander konzertierenden und symphonischen Verflechtungen im Hinblick auf Lebensgrundstimmung, Erlebnistönung und Affekte zu unterscheiden.
Schließlich werden die im Thema versprochenen und wegen der weitgehend anders aufgebauten üblichen Klavierschulen vorausgehend begründeten Vorbereitungsmaßnahmen und hierarchisch aufeinander aufbauenden Stufen eines Lehrgangs praktikabler Klavierimprovisation vorgestellt.


Time in the design of sound-psychologically based music improvisation

Abstract
Time is first detected as a missing sagittal to the coordinate system in psychotherapy. The streak of the history theories of time leads to the continuing view of the pre-Socratics of time as aporia and its multidimensional heterogeneous perspectives, which is necessarily valid because of the impossibility of taking an external perspective to pluralistic use. According to the new realism, the priority of subjectivity, as it has recently been thoroughly examined from a scientific, philosophical, psychological and psychiatric point of view with regard to its intersubjective effect, also in detail for mental disorders has been examined.
Music as a metaphor for biographical coherent inner feeling is presented under etymological derivation of sound or healthy as a space for experience and protection of human feelings and as a poetic way out against their abuse as an instrument of domination. Even if music students achieve significantly better grades than non-musical classmates, a mere cognitive self-regulation has turned out to be a mistake if it is not worked out by handy action and is emotionally anchored. For this it seems necessary, consciously that the essentials in the music are not in the notes, between the often mixing poles mood as state and emotion as a trace of feeling or their interlinking and symphonic interdependencies in terms of the basic mood of life, the tone of experience and the affect.
Finally, the preparatory measures promised in the theme and preceded by the largely different structure of the usual piano schools and hierarchically building steps of a Course of practicable piano improvisation are presented.


Univ.-Prof. Dr. Dr. Karl Hörmann
Von-Esmarch-Straße 111
D-48149 Münster

 



Musik-, Tanz- & Kunsttherapie
29. Jahrgang · 2019 · Heft 2

Pabst, 2019
ISSN 0933-6885
Preis: 46,- €

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