Inhaltsverzeichnis
Editorial
Wolfgang Mastnak
Polyästhetik und Gesundheit oder: Sinn aus den Sinnen entbinden
Michaela Schwarzbauer
Polyästhetische Therapie „revisited“
Wolfgang Mastnak
Neuro-Polyaisthesis – Ein Essay
Wolfgang Mastnak
Elementare Medizin? Gesundheitsaspekte musikalisch-tänzerischer Bildungsprozesse
Anna Maria Kalcher
Elementare Musikpädagogik und Musiktherapie: Betrachtungen aus chinesischer Sichtweise
Yanfang Chen
Musikinterventionen bei moderater Migrationsproblematik. Musich: multimodale chinesische Musikpädagogik in München
Lixi Wang & Wolfgang Mastnak
BildlICH. So fühle ich. Fotografie als kreative Ausdrucksmöglichkeit bei depressiven Jugendlichen im klinischen Setting
Sabine Schwarz
Meaning-oriented music therapy improves psychological distress in gastric cancer patients: A mixed methods pilot study
Qi Mao, Wolfgang Mastnak, Ying Pang, Yi He, Zhongge Su, Ting Zhou, Ruiyuan Guan & Lili Tang
Kultursensibles Songswriting in der Psycho-Onkologie
Qi Mao, Wolfgang Mastnak, Ruiyuan Guan
Der Einsatz von Gesangstherapie im Rahmen der Selbsthilfe bei chronischen Migräne- und Kopfschmerzpatienten
Melanie C. Schnirpel
Autogenes Training mit kreativen Interventionen: Entwicklung eines sozialrechtlich anerkannten Präventionsangebots
Maria Büter, Alena Leukhardt & Georg Franzen
Musik und Genetik
Laura W. Wesseldijk, Fredrik Ullén & Miriam A. Mosing
Laudatio Gunther Klosinski
Karl Hörmann
dgkt-Ausschreibung 2026
Rezension
Kurt Greiner
Lehrbuch Experimentelle Psychotherapiewissenschaft
Veranstaltungshinweis
Nachrichten
Musikalisch aktive Menschen haben ein leicht erhöhtes genetisches Risiko für bestimmte psychische Erkrankungen
Musiktherapie lindert bei Demenzkranken möglicherweise depressive Symptome
Editorial
Wolfgang Mastnak
Polyästhetik und Gesundheit oder: Sinn aus den Sinnen entbinden
Eine Annäherung an Wolfgang Roschers Gedanken
Michaela Schwarzbauer
Zusammenfassung
Aus der Perspektive der Musikpädagogik beschäftigt sich Michaela Schwarzbauer mit der Frage, inwiefern in Wolfgang Roschers Ansatz Polyästhetischer Erziehung Ansprüche an „Gesundheit“ oder ein „gesundes Leben“ Bedeutung entfalten können. Der Beitrag versteht sich als Annäherung an Roschers Gedankenwelt. Dieser publizierte ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als einer der zentralen Protagonisten in der deutschen Musikpädagogik richtungsweisende Beiträge nicht nur im Bereich musikalischen Lehrens und Lernens, sondern insbesondere in kulturphilosophischer Hinsicht. Bei genauer Durchsicht seiner Schriften fällt ins Auge, dass er den Begriff „gesund“ mit großer Vorsicht gebraucht, um nicht den Gefahren normierender Ansprüche an „das gesunde Leben“, „den gesunden Menschen“ zu erliegen.
Zum Schlüsselwort in Roschers Denken wird der Begriff „integer“ im Sinn eines Unbeschadet-, Unversehrt-, Ungeschwächt-Seins des Einzelnen. Schwarzbauer versucht Konsequenzen, die sich daraus für dessen Leben ergeben, zu erhellen. Ins Zentrum rückt der mit allen Sinnen wahrnehmende Mensch, der es zulässt, dass das mit den Sinnen Erfahrene unter die Haut geht, der durchaus auch den Schmerz erträgt, im Wissen darum, dass aus diesen Erfahrungen Sinn im Akt eines verantwortungsvollen Reflektierens entbunden werden kann. Sinnfindung und Sinngebung implizieren eine Gestaltung des eigenen Lebens im kritischen Abwägen von Einflüssen, die von außen an den Einzelnen herangetragen werden, in teilweise manipulativer Weise dessen Eigen-Sinn gefährden; fordern aber auch die Bereitschaft, Verantwortung für eine integre Welt zu übernehmen, in der die Handlungsfähigkeit und das Mitspracherecht möglichst vieler gewahrt bleiben. Mit letzterem Anspruch sind Mühe, Arbeit, Entbehrung verbunden – Aspekte, die Versprechungen eines „käuflichen Wellbeings“ möglicherweise sperrig entgegenstehen. Als Reflexionsfolie für die Überlegungen dieses Beitrags dient Peter Härtlings Hölderlin-Biographie. Das Schicksal Hölderlins rückt in diesem Kontext nicht zufällig an einigen Stellen in den Vordergrund. Roscher greift in seinen Schriften, aber auch seinen Kompositionen und Improvisationen mehrmals Worte des Dichters, dessen Leben ohne Zweifel herkömmlichen Vorstellungen von körperlicher und geistiger Gesundheit widersprechen muss, auf. Härtlings Darstellung versteht sich als Versuch einer Annäherung an eine Künstlerpersönlichkeit, die in ihrer Empfindsamkeit vordergründig betrachtet an den Anforderungen des Lebens scheitert. Im hier vorgelegten Beitrag schwingt zumindest unterschwellig stets die Frage mit, inwiefern in der Lesart des Literaten des 20. Jahrhunderts Hölderlins Leben mit dem Attribut „integer“ belegt werden kann.
Schlüsselwörter: integer, Sinn, Mündigkeit, Arbeit
Polyaesthetics and health or: Releasing meaning from the senses
An approach to Wolfgang Roscher’s thoughts
Abstract
From the perspective of music education, Michaela Schwarzbauer deals with the question of the extent to which ideals such as ‘health’ or a ‘healthy life’ are of relevance in Wolfgang Roscher’s approach to polyaesthetic education. The article is intended as an approach to Roscher’s world of thought. As one of the central protagonists of German music education from the 1970s onwards, Roscher published pioneering contributions not only in the field of musical teaching and learning, but especially in terms of cultural philosophy. A close examination of his writings reveals that he uses the term ‘healthy’ with great caution so as not to succumb to the dangers of standardized promises of a healthy life.
The keyword in Roscher’s thinking is the term ‘integrity’, referring to the ideal of an undamaged, unharmed, unweakened individual. Schwarzbauer attempts to shed light on the consequences of replacing the term ‘healthy’ by ‘integer’: The focus shifts towards individuals who perceive with all their senses, who allow what they experience with their senses to get under their skin. They endure pain and deprivation in the knowledge that meaning or sense can be derived from these experiences in the act of responsible reflection. Finding and giving meaning implies shaping one’s own life by critically weighing up partially manipulative influences imposed upon one’s self from the outside. Peter Härtling’s biography of Hölderlin serves as a reflective foil for the considerations in this article. It is no coincidence that Hölderlin’s fate comes to the fore at several points in this context. In his writings, but also in his compositions and improvisations, Roscher repeatedly took up the words of the poet, whose life undoubtedly contradicts conventional ideas of physical and mental health. Härtling’s portrayal is an attempt at approaching an extremely sensitive artistic personality that fails to come up to the demands of life. The question whether and to which extent Hölderlin’s life can be
assigned the attribute ‘integer’ in Härtling’s understanding always resonates, at least subliminally, in the contribution presented here.
Keywords: integer, meaning, responsibility, work
Prof. i. R. Dr. Michaela Schwarzbauer
michaela.schwarzbauer@sbg.at
Polyästhetische Therapie „revisited“
Wolfgang Mastnak
Zusammenfassung
Wolfgang Roschers Polyästhetische Erziehung, Heilriten und Heilmythen der Völker, Künste integrierende neuere Therapieformen – sie alle inspirierten zur Entwicklung Polyästhetischer Therapie, die erstmals 1994 publiziert wurde. Ihr theoretischer Kern wird durch fünf Grundpfeiler gebildet, (i) den multisensorisch-multimedialen, (ii) den perspektiventheoretischen, (iii) den künstlerischen, (iv) den wertkritischen und den (v) lebensrelevanten Aspekt. Obwohl sich heute Ideen und Elemente Polyästhetischer Therapie auf internationalem Terrain in zahlreichen Therapiekonzepten widerspiegeln, verblieb sie selbst doch weitgehend im Schatten der Polyästhetischen Erziehung, die eine wesentlich stärkere Lobby hatte. Der vorliegende Artikel will die Substanz der Polyästhetischen Therapie erneut in Diskussion bringen, insbesondere ihre wissenschaftstheoretische Reflexionsbereitschaft, das philosophische und kultursensible Spannungsfeld von Gesundheit und Krankheit, sowie
das Gesamt künstlerischer, anthropologischer, psychologischer und spiritueller Verankerungen.
Schlüsselwörter: Ästhetik, Gesundheitsanthropologie, Lebensrelevanz, Perspektiventheorie, Polyaisthesis
Polyaesthetic therapy ‘revisited’
Abstract
Wolfgang Roscher’s Polyaesthetic Education, transcultural principles of healing rites and healing myths, as well as recent forms of complex arts-based therapies inspired the development of Polyaesthetic Therapy, which was first published in 1994. Its theoretical core is formed by five basic pillars, (i) the multisensory-multimedial, (ii) the perspective-theoretical, (iii) the artistic, (iv) the value-critical and (v) the life-relevant aspect. Although its ideas and elements are nowadays embodied and mirrored in various modes and concepts of arts therapies, Polyaesthetic Therapy itself remained largely in the shadow of Polyaesthetic Education, which had a much stronger lobby for promotion and dissemination. The present article intends to bring the essence of Polyaesthetic Therapy back into discussion, in particular its readiness to reflect on philosophy of science, philosophical and culturedependent views about the tension between health and illness, as well as its artistic, anthropological, psychological and spiritual anchoring to increase correspondence-theoretical corroboration.
Keywords: aesthetics, health anthropology, life relevance, perspective theory, polyaisthesis
Prof. Dr. Dr. Dr. Wolfgang Mastnak
Beijing Normal University
wolfgang.mastnak@hmtm.de
Neuro-Polyaisthesis – Ein Essay
Wolfgang Mastnak
Zusammenfassung
Gehen wir davon aus, dass sinnlichem Wahrnehmen und ästhetischem Erfahren Hirnprozesse zugrunde liegen, dann stellt sich unmittelbar auch die Frage nach zentralnervösen Mechanismen von
Polyaisthesis. Bei solchen Überlegungen spielt das Leib-Seele-Problem eine kritische Rolle, etwa ob biologische Dynamiken psychische Phänomene generieren oder ob diese parallelen Welten angehören, die allerdings auf irgendeine (noch) verborgene Weise miteinander verschränkt sind. Das vorliegende Essay gibt zunächst Einblicke in neurowissenschaftliche Aspekte des Konstruktivismus, wie er gerade in der deutschen Musikpädagogik diskutiert wird – konkret, welche Hirnareale in das Puzzle ganzheitlichen künstlerischen Erlebens essentiell eingreifen. Damit ist allerdings die Idee von Polyaisthesis noch nicht befriedigend behandelt und perzeptive Integrationszentren wie der insuläre Kortex oder die Assoziationsfelder des Parietallappens rücken in den Fokus. Interaktive Dynamiken spezifischer neuronaler Netzwerke werden im Zusammenhang mit (poly-)ästhetischer Bedeutung diskutiert. Roschers musikpädagogisches, ästhetisches und philosophisches Denken involviert die Annahme einer nicht-linearen Polyaisthesis, die auch nicht zwingend mit klassischer Logik kompatibel ist. Zudem finden wir das Prinzip ontologischer Verschränkungen sowie der Gleichzeitigkeit von verschiedenen Existenzialen. Das zeigt verblüffende Ähnlichkeiten mit Grundlagen der Quantenphysik wie Entanglement oder Superposition. Damit kommen im Hinblick auf Neuro-Polyaisthesis auch Quantum-Neurosciences ins Spiel, die sich hier auf neuere Theorien von Quantum-Spirit ebenso beziehen wie auf Vergleiche zwischen neuronalem Processing und Quantum Computing. Interdisziplinäre Neuro-Polyästhetik sieht einer Zukunft voller Herausforderungen entgegen.
Schlüsselwörter: komplexe Systeme, Leib-Seele-Problem, neuronale Netzwerke, Neuropsychologie, Polyästhetik, Quanten-Neurowissenschaften, Wolfgang Roscher
Neuro-polyaesthetics – an opinion essay
Abstract
The assumption that sensory perception and aesthetic experience are based on central-nervous functions gives rise to the question how neurobiology substantiates polyaesthetic phenomena. Such considerations involve the traditional mind-body dualism – by way of illustration, whether neurophysiological dynamics generate mental phenomena, or if they rather belong to parallel worlds that are profoundly interconnected, although related mechanisms are still unclear. The present opinion essay gives insights into neuroscientific perspectives of constructivism, which is an important, though diversely discussed topic in German music education: Which brain areas contribute to the puzzle that eventually shapes holistic artistic experience? While these considerations do not suffice to plausibly elucidate the nature of polyaesthethics, sensory integration areas such as the insular cortex or the parietal association cortices shed light on this very problem. Moreover, interactive dynamics between distinct neural network systems help to understand (poly-) aesthetic meaning and significance. Roscher’s music educational, aesthetic and philosophical thinking involved the (hidden) notion of non-linear polyaesthetics that differs considerably from principles of formal logic. Moreover, the rationale behind his concept of polyaesthetics relates to ontological interdependencies as well as the simultaneous existence of different phenomena and states. Similarities to basic principles of quantum physics such as entanglement or superposition are baffling and encourage further in-depth analyses. Quantum-neurosciences come into play, particularly recent approaches such as quantum spirit as Analywell as comparative studies on central-nervous information processing and quantum computing. Interdisciplinary neuro-polyaisthesis seems to be facing a challenging future.
Keywords: complexity science, mind-body problem, neural networks, neuropsychology, polyaesthetics, quantum-neurosciences, Wolfgang Roscher
Prof. Dr. Dr. Dr. Wolfgang Mastnak
Beijing Normal University
wolfgang.mastnak@hmtm.de
Elementare Medizin?
Gesundheitsaspekte musikalisch-tänzerischer Bildungsprozesse
Anna Maria Kalcher
Zusammenfassung
Gesundheitsfördernde und -erhaltende Wirkmechanismen von Musik und Tanz sind vielfältig und durch zahlreiche Studien belegt. Schwieriger scheint es, Effekte von Musik- und Tanzunterricht – insbesondere in der Langzeitperspektive – zu identifizieren, zumal didaktische Konzeptionen und gelebte Unterrichtspraxen variieren. In diesem Beitrag wird der Fokus auf die Elementare Musikund Tanzpädagogik gelegt und analysiert, welche Gesundheitsaspekte dieser kreativitäts- und beziehungsorientierte, inter- und transmediale, generationenübergreifende Ansatz beinhaltet und inwiefern er eine – hier entfaltete – Elementare Medizin – bereichern kann.
Schlüsselwörter: Musik, Tanz, Pädagogik, Orff, Gesundheit, Wohlbefinden
Elemental medicine?
Health aspects of music and dance education processes
Abstract
The health-promoting and health-preserving mechanisms of music and dance have a wide range, as proven by numerous studies. It seems more difficult to identify the effects of music and dance lessons – especially in the long-term perspective – as didactic concepts and teaching practices vary. This article focuses on elemental music and dance pedagogy and analyses the health aspects of this creativity- and relationship-oriented, inter- and trans-media, cross-generational approach and the extent to which it can enrich elemental medicine – as developed here.
Keywords: music, dance, pedagogy, Orff, health, well-being
Univ.-Prof. Dr. Anna Maria Kalcher
Universität Mozarteum Salzburg
Department für Elementare Musik- und
Tanzpädagogik – Orff-Institut
Mirabellplatz 1
A-5020 Salzburg
anna_maria.kalcher@moz.ac.at
Elementare Musikpädagogik und Musiktherapie: Betrachtungen aus chinesischer Sichtweise
Yanfang Chen
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht Musikpädagogik und Musiktherapie aus der Perspektive der chinesischen Kultur und Philosophie, wobei daraus ein kultursensibles Modell eines elementaren Musikpädagogik– Therapie- ontinuums im pädagogischen Setting entwickelt wird. Ausgehend von einer hermeneutisch-vergleichenden Analyse werden zunächst die Begriffe „Elementar“ und „Musik“ im interkulturellen Spannungsfeld beleuchtet. Anschließend werden Zielsetzungen und methodische Ansätze beider Disziplinen herausgearbeitet sowie ihre Überschneidungen und pädagogisch-therapeutischen Schnittmengen dargestellt. Danach verortet sich das vorgeschlagene Modell im Kontext schulischer Bildung, um präventive und gesundheitsfördernde Funktionen von Musik systematisch zu integrieren. Damit leistet der Beitrag sowohl einen theoretischen Impuls als auch praxisrelevante Anregungen für eine kultursensible und kontextspezifische Gestaltung musikalischer Bildungs- und
Therapieangebote.
Schlüsselwörter: Elementare Musikpädagogik, Musiktherapie, chinesische Kulturphilosophie, Interkulturalität, ganzheitliche ästhetische Erfahrung, schulische Prävention
Elemental music education and music therapy from the Chinese perspective
Abstract
This article examines music education and music therapy from the perspective of Chinese cultural and philosophical traditions, proposing a culture-sensitive model of an elemental music educationtherapy continuum within the pedagogical setting. Using a hermeneutic-comparative approach, the concepts of ‘elementary’ and ‘music’ are first explored in an intercultural context. Subsequently, the objectives and methodological approaches of both disciplines are discussed, along with their intersections and pedagogical-therapeutic overlaps. The proposed model is then situated within the context of school education. It aims to systematically integrate the preventive and health-promoting functions of music. By integrating these dimensions, the article provides both a theoretical impulse and practice-oriented suggestions for a culturally sensitive and context-specific design of music educational and therapeutic approaches.
Keywords: elemental music education, music therapy, chinese cultural philosophy, interculturality, holistic aesthetic experience, school-based prevention
Yanfang Chen
Qufu Normal University
57, Jingxuan West Rd
CHN-273165 Qufu, Shandong, Jining
chenyanfang1222@hotmail.com
Musikinterventionen bei moderater Migrationsproblematik
Musich: multimodale chinesische Musikpädagogik in München
Lixi Wang & Wolfgang Mastnak
Zusammenfassung
Während Migrationsproblematik häufig mit schwerer Traumatisierung, soziokultureller Aggression und Delinquenz in Zusammenhang gebracht wird, sind moderate psychische Schwierigkeiten, die genuin mit Migration assoziiert sind, in Forschung und therapeutischer Praxis unterrepräsentiert. Der vorliegende Artikel befasst sich mit diesem Themenfeld, das auch schwierige Eltern-Kind-Beziehungen einschließt. Kulturspezifisch stehen chinesische Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Bayern im Mittelpunkt, interventionsspezifisch geht es um therapeutisch akzentuierte Musikpädagogik und deren Effizienzspektrum. Das Musich Center München ist eine chinesische Musikschule in der Bayerischen Landeshauptstadt, die sich zusätzlich zu konventionellen Musikschulagenda auch transkulturellen Begegnungen, dem Auf- und Ausbau chinesischer Kulturkompetenz und musikpädagogisch orientierter Hilfe bei entwicklungsspezifischen Problemen – vor allem im Zusammenhang mit Migration und Enkulturation – widmet. Im Zuge der Musich-Arbeit wurden komplexe Psychosyndrome verortet, die nicht primär pathologisch zu bewerten sind, sondern aus schwierigen soziokulturellen Bedingungen hervorgehen. Sie entsprechen damit keinen klassischen kinder- und jugendpsychiatrischen Diagnosen, sondern spiegeln spezifische Entwicklungsbelastungen wider. Durch qualitative Analyse wurden sechs Hauptkomponenten, die in unterschiedlichen Intensitäten und Kombinationen auftreten können, identifiziert: (i) Erfahrung sozialer Exklusion, (ii) Abdriften in digitale Spielsucht und pseudoreale Cyberwelten, (iii) soziokulturell gefärbte Defizite der Ich-Identität, (iv) komplexe Sprachstörungen, die wir als Poly-Lingual Withdrawal Syndrome bezeichnen, (v) mit dem Lebensraum assoziierte Stress-Angst-Manifestationen und (vi) typische sowie atypische Depressionsdynamiken. Wissenschaftliche Begleitung musikpädagogischer Interventionen durch Aktionsforschung führte zu sechs Kernprinzipien der Musich-Gesundheitsförderung: (a) ästhetische Selbstexploration, (b) musikalisch-symbolische Affekt-Identität, (c) künstlerisch-kreativer Ausdruck innerer Prozesse, (d) kreative Interaktion und Gruppendynamik, (e) Entdecken und Erfahren von künstlerisch-kreativem Flow und (f) multifaktorielle sowie multimodale Selbstaktualisierung. Anwendung dieser Prinzipien im musikpädagogischen Prozess führte nicht nur zu deutlicher Symptomreduktion, sondern vor allem zu Persönlichkeitsentfaltung und polykulturell kompetenter Ich-Identität.
Schlüsselwörter: China, mehrsprachige Erziehung, Migration, Musikpädagogik, Persönlichkeitsförderung, Polykulturalität
Music interventions mitigate moderate migration issues
Musich: Multimodal Chinese Music Education in Munich
Abstract
While migration issues are often seen together with severe traumatisation, sociocultural aggression and delinquency, moderate psychological difficulties that are intrinsically associated with migration are underrepresented, both in research and in therapeutic practice. With regard to Chinese children, adolescents and adults (including those with parent-child relational difficulties) in Bavaria, the present article revolves around these problems and discusses effective support provided by therapeutically focused music education. The Music Center Munich is a Chinese music school in the capital of Bavaria. In addition to usual tasks of a music school it is particularly dedicated to transcultural encounter and exchange, achievement of Chinese cultural proficiency, and music education-oriented support for developmental problems related to migration. Musich-based research identified complex psychosyndromes that are not primarily pathological but arise from difficult sociocultural conditions. These syndromes do not correspond to typical child and adolescent psychiatric diagnoses, but rather reflect diverse stressors. In this context, six components, which can occur with varying intensity and combinations, were identified: (i) experiences of social exclusion, (ii) drifting into smartphone-addiction and pseudo-real cyberworlds, (iii) socioculturally specific deficits in self-identity, (iv) a complex language disorder referred to as polylingual withdrawal syndrome, (v) specific socioculturally influenced stress and anxiety manifestations, and (vi) typical as well as atypical depressive dynamics. Scientific monitoring of music education interventions in the form of action research led to the identification of six core principles of related health promotion: (a) aesthetic self-exploration, (b) musical-symbolic affective identity, (c) artistic-creative expression of inner processes, (d) creative interactions and group dynamics, (e) discovery and experience of artistic-creative flow, and (f) multifactorial as well as multimodal self-actualisation. Application of these principles in music education processes not only led to a significant reduction in symptoms, but above all to the expansion of personality and poly-culturally competent self-identity.
Keywords: China, multilingual education, migration, music education, personality development, polyculturalism
Dr. Lixi Wang
Ruffinistraße 7
D-80637 München
wanglixi2011@hotmail.com
BildlICH. So fühle ich.
Fotografie als kreative Ausdrucksmöglichkeit bei depressiven Jugendlichen im klinischen Setting
Studie: Welche Faktoren nennen depressive Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren als relevant bei der Fotografie zur kreativen Ausdrucksmöglichkeit beim Spaziergehen im klinischen Setting?
Sabine Schwarz
Zusammenfassung
Aufgrund der bisher theoretischen Annahmen und den bereits im Vergleich dazu wenig gefundenen Studien in der Forschungslandschaft über fotografische Interventionen im klinischen Setting generell und bei Depressionen im Speziellen (Seifert, 2013, 2015, 2018), wurde im Frühjahr 2023 eine qualitative empirische Studie mit depressiven Jugendlichen in einer Kinder/Jugendpsychiatrie einer Wiener Klinik gemacht. Das Ziel der Untersuchung war die für die Jugendlichen relevanten Faktoren für eine fotografische Umsetzung im klinischen Setting zu zeigen und herauszufinden, ob auch im Zuge dessen festgestellt werden kann, dass die Fotografie als Medium eine kreative Ausdrucksmöglichkeit darstellt. Die fotografische Intervention fand mit insgesamt acht Jugendlichen bei einer Einheit zu 60 Minuten pro Woche über eine Gesamtdauer von sechs Wochen statt. Durch die jeweils anschließenden Gruppendiskussionen mit den Jugendlichen konnten mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse wichtige und für die künftigen fotografischen Interventionen im klinischen Setting relevante Aspekte genannt werden. Durch die Planung und Umsetzung der Studie zeigten sich gewisse Einschränkungen bei der Intervention. Weiters zeigte sich, dass Fotografie bei Jugendlichen ein kreatives Ausdrucksmittel und Kommunikationsmedium zwischen PatientInnen und TherapeutInnen sein kann. Weitere kontrollierte Studien in diese Richtung wären wünschenswert.
Schlüsselwörter: empirische Studie, Kunst – und Fototherapie, Depression, Kinder und Jugendliche
Visually(I). That’s how I feel. Photography as a creative means of expression for depressed adolescents in a clinical setting
Study: What factors do depressed adolescents aged 13–17 say are relevant to photography as a means of creative expression while walking in a clinical setting?
Abstract
Due to the theoretical assumptions so far and the comparatively few studies found in the research landscape about photographic interventions in clinical settings in general and for depression in particular (Seifert, 2013, 2015, 2018), a qualitative empirical study with depressed young people was carried out in spring 2023 in a child/adolescent psychiatry unit at a Vienna clinic. The aim of the study was to show the factors that are relevant for young people to implement photography in a clinical setting and to find out whether it can also be determined that photography as a medium represents a creative means of expression. The photographic intervention took place with a total of eight young people in a session of 60 minutes per week over a total period of six weeks. Through the subsequent group discussions with the young people, important aspects relevant to future photographic interventions in the clinical setting could be identified with the help of a qualitative content analysis. The planning and implementation of the study revealed certain limitations to the intervention. Furthermore, it was shown that photography can be a creative means of expression and communication medium between patients and therapists for young people. Further controlled studies in this direction would be desirable.
Keywords: empirical study, art and photo therapy, depression, children and adolescents
Sabine Schwarz
Diplom-Fotografin, Kusttherapeutin M.A.
FRIDOLINA Kinder & Pflegedomizil
und Tageshospiz für Erwachsene der Caritas,
Wien
info@sabine-schwarz.com
Meaning-oriented music therapy improves psychological distress in gastric cancer patients: A mixed methods pilot study
Qi Mao, Wolfgang Mastnak, Ying Pang, Yi He, Zhongge Su, Ting Zhou, Ruiyuan Guan & Lili Tang
Abstract
Background: Oncological patients are frequently faced with cancer- and treatment-related pain leading to existential frustration, experience of loneliness, and a loss of meaning in life. To tackle these issues, the present study applies Viktor Frankl’s concept of meaning fulfillment to Chinese clinical circumstances. It suggests a music therapeutic model tailored to individual socio-cultural conditions and provides a semi-standardised approach to alleviate cancer-related distress. Methods: A single-arm mixed-methods study with gastric cancer patients (n = 28) was conducted at Beijing Cancer Hospital. Anxiety, depression and quality of life states were quantitatively assessed at three time points (before, during and after intervention). Qualitative results of semi-structured interviews were processed by triangulation. Finally, the entire pool of data (raw and processed ones) was interpreted through metainferential reasoning. Results: The participants‘ anxiety and depression levels decreased significantly after intervention, and symptoms related to quality of life decreased considerably (p < 0.01) during music therapy. Quantitative results are consistent with qualitative findings, both markedly indicating symptom changes through music therapy and elucidating underlying (psychological) mechanisms. Continuous cross-case comparative analysis involving quantitative and qualitative results shows 75 percent consistency relative to patients’ assessment. Conclusions: The study suggests that meaningoriented music therapy is a feasible and culturally sensitive complementary medical intervention for holistic cancer care. While preliminary results are encouraging, limitations call for cross-cultural multi-centred studies with larger samples.
Keywords: cultural sensitivity, Chinese, music therapy, gastric cancer, distress, anxiety, depression, quality of life
Bedeutungsorientierte Musiktherapie lindert psychische Belastungen bei Magenkrebspatienten: Eine gemischt-methodische Pilotstudie
Zusammenfassung
Hintergrund: Onkologische Patienten sind häufig mit krankheits- und therapieassoziierten Schmerzen konfrontiert, die zu existenzieller Frustration, Empfindung von Verlassenheit und Verlust von Lebenssinn führen können. Um diesen Problemen zu begegnen, stützt sich die vorliegende Studie auf Viktor Frankls Konzept von Sinn- und Wertorientierung, das auf chinesische Verhältnisse umgesetzt wurde. Sie schlägt ein musiktherapeutisches Modell vor, das an individuelle soziokulturelle Bedingungen angepasst ist, und liefert einen halb-standardisierten Zugang zur Reduktion von onkologisch begründetem Stress. Methodik: Die einarmige gemischt-methodische Studie wurde mit 28 Magenkrebspatienten am Onkologischen Universitätsklinikum in Peking durchgeführt. Angst, Depression und Lebensqualität wurden quantitativ zu Beginn, während und nach Abschluss der Intervention gemessen. Qualitative Daten wurden durch halb-strukturierte Interviews gewonnen und durch Triangulierung verarbeitet. Der Datenpool aus Rohdaten und verarbeiteten Daten wurde über meta-inferentielle Abschätzung auf Konsistenz und Verträglichkeit geprüft. Ergebnisse: Die Angst - und Depressionsniveaus waren nach Abschluss der Musiktherapie signifikant niedriger. Ebenso verringerten sich während der musiktherapeutischen Intervention Symptomatiken, die sich negativ auf die Lebensqualität ausgewirkt hatten (p < 0.01). Die quantitativen Ergebnisse sind mit den qualitativen verträglich und unterstreichen gemeinsam klare Symptomveränderungen, wobei die qualitativen Daten zudem Hinweise zu den zugrundeliegenden psychischen Mechanismen liefern. Eine komparative Analyse der qualitativen and quantitativen Daten deckt sich zu 75 Prozent mit patientenseitigen Einschätzungen. Konklusion: Die Studie empfiehlt bedeutungsorientierte Musiktherapie als machbare und kultursensible komplementärmedizinische Intervention ganzheitlicher onkologischer Pflege. Trotz der positiven Ergebnisse sind zur Steigerung ihrer Robustheit weitere transkulturelle und multizentrierte Studien mit größeren Samples notwendig.
Schlüsselwörter: Angst, China, Depression, Kultursensibilität, Lebensqualität, Magenkrebs, Musiktherapie, Stress
Dr. Qi Mao
Peking University, School of Health Humanities,
Department of Medical Psychology
CHN-100871 Beijing
music.therapy_mao@qq.com
Kultursensibles Songwriting in der Psycho-Onkologie
Qi Mao, Wolfgang Mastnak, Ruiyuan Guan
Zusammenfassung
Songwriting hat sich als methodisch offene und flexible Methode in verschiedenen Bereichen mit musiktherapeutischer Indikation etabliert und bewährt, wobei insbesondere kultursensible Forschungen dazu noch relativ selten sind. Die vorliegende qualitative und heuristisch-phänomenologisch akzentuierte Studie wurde mit Krebspatienten in China durchgeführt. Datenanalysen legten weitere Differenzierungen anhand eines dreiarmigen Rasters zu Form, Inhalt und Effekt nahe. In allen Bereichen wurden Charakteristika chinesischer Enkulturation deutlich. Formal fanden wir teils Anlehnungen an in China bekannte Gedichte aus der Zeit der Tang-Dynastie, inhaltlich gab es neben Dialogen mit der Krebserkrankung nicht selten Bezüge zum Transformationsprinzip des Daoismus und der Fiktion von Stabilität, während in Bezug auf Effekte etwa Zen-Buddhismus-ähnliche innere Ruhe und tief empfundene Bereitschaft zum Tod in Erscheinung traten.
Schlüsselwörter: China, Kultursensitivität, Onkologie, Phänomenologie, Songwriting
Culturally sensitive songwriting in psycho-oncology
Abstract
In various fields with music therapeutic indications, songwriting has become an appreciated, methodologically open and flexible method, while particularly culturally sensitive research is relatively rare. The present qualitative study, with its heuristic-phenomenological emphasis, was conducted with cancer patients in China. Data analyses suggested further differentiation based on a three-arm grid comprising form, content and effect. Characteristics of Chinese enculturation became apparent in all areas. In terms of form, we found some similarity to poems from the Tang Dynasty that are very well known in China. Regarding the content, patients designed dialogues with cancer and referred to the principles of transformation in Daoism, as well as the awareness of stability as a fiction. Concerning effects, in several cases Zen Buddhism-like inner calmness and a deeply felt readiness for death emerged.
Keywords: China, cultural sensitivity, oncology, penomenology, songwriting
Dr. Qi Mao
Peking University, School of Health Humanities,
Department of Medical Psychology
music.therapy_mao@qq.com
Der Einsatz von Gesangstherapie im Rahmen der Selbsthilfe bei chronischen Migräne- und Kopfschmerzpatienten
Melanie C. Schnirpel
Zusammenfassung
Chronische Migräne stellt eine erhebliche Belastung sowohl für Betroffene als auch für das Gesundheitssystem dar. Da die positive Wirkung von Gesang bei Schmerzerkrankungen bereits in mehreren Studien belegt werden konnte, sollte eine im Jahr 2024 durchgeführte Forschungsarbeit untersuchen, ob Gesang auch positive Effekte auf Migränesymptome haben kann. Vierzehn weibliche Probandinnen mit chronischer Migräne nahmen an einem sechswöchigen Online-Gesangsprogramm teil. Trotz schwacher statistischer Ergebnisse zeigten qualitative Auswertungen Verbesserungen in den Bereichen Schmerzintensität, Leidensdruck, allgemeines Wohlbefinden und Körperwahrnehmung. Der Gesang wirkte entspannend und förderte die Selbstregulation, die Integration in den Alltag erwies sich jedoch als herausfordernd. Die Ergebnisse deuten auf das Potenzial von Gesang als ergänzende Selbsthilfemaßnahme hin.
Schlüsselwörter: Migräne, Kopfschmerzen, Singen, Gesangsunterricht, Gesangstherapie, Musiktherapie. Pädagogik, Online-Intervention, Schmerzmanagement, Selbstregulierung, Selbsthilfe
Singing therapy as part of self-care for patients with chronic migraine and headaches
Abstract
Chronic migraine represents a significant burden for both those affected and the healthcare system. As the positive effects of singing on pain conditions have already been demonstrated in several studies, a research project conducted in 2024 aimed to investigate whether singing could also have beneficial effects on migraine symptoms. Fourteen female participants with chronic migraine took part in a six-week online singing program. Despite weak statistical results, qualitative analyses showed improvements in pain intensity, emotional distress, general well-being, and body awareness. Singing had a relaxing effect and promoted self-regulation; however, integrating it into daily life proved to be challenging. The results suggest that singing has potential as a complementary self-help method.
Keywords: migraine, headache, singing, singing lessons, singing therapy, music therapy, pedagogy, online intervention, pain management, self-regulation, self-care
Dr. Melanie C. Schnirpel
Musiktherapeutin und Heilpraktikerin
Rosenheimer Straße 52
D-81669 München
melanie.schnirpel@gmx.de
Autogenes Training mit kreativen Interventionen: Entwicklung eines sozialrechtlich anerkannten Präventionsangebots
Maria Büter, Alena Leukhardt & Georg Franzen
Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der global zunehmenden psychosozialen Belastungen und deren dokumentierten Auswirkungen auf die psychische wie körperliche Gesundheit kommt der Entwicklung innovativer und evidenzbasierter Präventionsstrategien im Gesundheitswesen wachsende Relevanz zu. Der vorliegende Beitrag untersucht die Konzeption und Implementierung kunstbasierter Präventionsangebote (kbP), die methodisch auf Verfahren der Kunsttherapie (KT) zurückgreifen und theoretisch in der Positiven Psychotherapie (PPT) nach N. Peseschkian verankert sind. Die theoretischen Grundlagen der PPT werden im Kontext der Präventionsforschung ausführlich erörtert. Ergänzend hierzu werden erste empirische Befunde zur praktischen Umsetzung der kbP vorgestellt, in deren Rahmen die präventive Wirksamkeit von autogenem Training (AT) und kunsttherapeutischen Interventionen untersucht und vergleichend analysiert wurde. Trotz des deskriptiven Charakters der Daten lassen sich differenzierte Hypothesen ableiten: Während AT tendenziell kurzfristige Effekte aufweist, erscheint KT durch einen sukzessiven, kumulativen Wirkmechanismus besonders zur Förderung nachhaltiger Veränderungen geeignet. Die Kombination beider Ansätze wird als potenziell synergetisch im Hinblick auf die Regulation von Stress und die Förderung emotionaler Selbstverarbeitung diskutiert. Für weiterführende Forschung werden der Einsatz größerer Stichproben, längerer Erhebungszeiträume sowie validierter Messinstrumente innerhalb randomisiert-kontrollierter Studiendesigns beschrieben.
Schlüsselwörter: Prävention, Gesundheitsprävention, Gesundheitsverbesserung, psychische Gesundheit, Künstlerische Therapien, Kunsttherapie, autogenes Training, Entspannung, kreative Entspannungsmethoden, Stressbewältigung, Wohlbefinden, Positive Stimmungssteigerung, Lebensqualität, Emotionsregulation, Positive Psychotherapie, Balance-Modell
Autogenic training with creative interventions: Development of a socially recognized prevention program
Abstract
Against the backdrop of globally increasing psychosocial stressors and their documented impact on both mental and physical health, the development of innovative, evidence-based prevention strategies in the healthcare sector is gaining growing importance. This article examines the conception and implementation of arts-based prevention programs (kbP), which draw methodologically on techniques from art therapy (AT) and are theoretically grounded in Positive Psychotherapy (PPT) according to N. Peseschkian. The theoretical foundations of PPT are explored in depth within the context of prevention research. In addition, initial empirical findings on the practical implementation of kbP are presented, including a comparative analysis of the preventive effectiveness of autogenic training (AT) and art therapy interventions. Despite the descriptive nature of the data, differentiated hypotheses can be derived: while AT tends to produce short-term effects, art therapy appears to promote more sustainable change through a gradual, cumulative mechanism. The combination of both approaches is discussed as potentially synergistic in enhancing stress regulation and emotional processing. Future research should employ larger sample sizes, extended observation periods, and validated measurement instruments within randomized controlled trial designs.
Keywords: prevention, health prevention, health improvement, mental health, artistic therapies, art therapy, autogenic training, relaxation, creative relaxation methods, stress management, well-being, positive mood enhancement, quality of life, emotion regulation, positive psychotherapy, balance model
Univ.-Ass. Maria Büter, MA
Klinische Kunsttherapeutin
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin
Abteilung Psychotherapiewissenschaft
Columbiadamm 10, Turm 9
D-12101 Berlin
maria.bueter@sfu-berlin.de
bertholdbuechele@web.de
Musik und Genetik
Laura W. Wesseldijk, Fredrik Ullén & Miriam A. Mosing
Zusammenfassung
Der erste Teil dieser Übersicht gibt einen kurzen historischen Überblick über die Verhaltensgenetik und darüber, wie Zwillings- und Genotypdaten genutzt werden können, um genetische Einflüsse auf individuelle Unterschiede im menschlichen Verhalten zu untersuchen. Anschließend geben wir einen Überblick über das Gebiet der Musikgenetik, von seinen Anfängen über groß angelegte Zwillingsstudien bis hin zu den ersten, kürzlich vorgestellten molekulargenetischen Untersuchungen musikbezogener Merkmale. Im zweiten Teil des Übersichtsartikels diskutieren wir die über die Schätzung der Vererblichkeit und die Gensuche hinausgehende breitere Verwendbarkeit von Zwillings- und Genotypdaten. Wir stellen vier Beispiele für Musikstudien vor, in denen genetisch informative Stichproben verwendet wurden, um Kausalitäten und Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt für musikalische Fähigkeiten zu analysieren. Insgesamt hat die Forschung auf dem Gebiet der Musikgenetik in den letzten zehn Jahren stark an Dynamik gewonnen, und ihre Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Untersuchung sowohl umweltbedingter als auch genetischer Faktoren und insbesondere ihrer Wechselwirkungen und ebnen den Weg für spannende und bereichernde Zeiten.
Schlüsselwörter: Musik, Genetik, Review, Zwillingsforschung, molekulargenetische Forschung, Gen-Umwelt-Korrelation, Gen-Umwelt-Interaktion
Music and genetics
Abstract
The first part of this review provides a brief historical background of behavior genetic research and how twin and genotype data can be utilized to study genetic influences on individual differences in human behavior. We then review the field of music genetics, from its emergence to large scale twin studies and the recent, first molecular genetic studies of music-related traits. In the second part of the review, we discuss the wider utility of twin and genotype data beyond estimating heritability and gene-finding. We present four examples of music studies that utilized genetically informative samples. Overall, research in the field of music genetics has gained much momentum over the last decade and its findings highlight the importance of studying both environmental and genetic factors and particularly their interplay, paving the way for exciting and fruitful times to come.
Keywords: music, genetics, review, twin research, molecular genetic research, gene-environment correlation, gene-environment interaction
Dr. Laura W. Wesseldijk
Department of Neuroscience,
Karolinska Institutet, Schweden
laura.wesseldijk@ki.se
Musik-, Tanz- & Kunsttherapie
35. Jahrgang · 2025 · Heft 2
Pabst, 2024 ISSN 0933-6885














