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Psychologie & Gesellschaftskritik

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2025-2 (194)

Inhaltsverzeichnis

 

Ayline Heller, Charlie Kaufhold
Editorial 


Anna Rosa Ostern
Verliebt in Autarkie. Eine massenpsychologische Betrachtung der Freiheitswünsche von Selbstversorger:innen 


Charlie Kaufhold, Delaram Habibi-Kohlen & Anja Schnurr
Autoritäre Dynamiken in Anbetracht des Klimawandels: Spaltung, Regression und eine existenzielle Bedrohung 


Moritz Meister, Markus Trimmel & Thomas Slunecko
Die eskalierende Klimakatastrophe als sozialdarwinistische Verheißung: Subjektideale des Tesla Cybertruck 


Marc Blüml & Leon Schultze
Petromaskuline Mittäterinnenschaft?
Eine tiefenhermeneutische Analyse eines Angriffs gegen eine Klimaaktivistin 


Niclas O'Donnokoé
Entweltlichte Zerstörung. Erzwungene Kompliz*innenschaft im Entfremdungszusammenhang 

 

Die Abbildungen in dieser Ausgabe sind von Ana Meritxell Joachim

 


 

Editorial

 


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(2), 147-173.
DOI: 10.2440/007-0039
P&G 2/25 147


Anna Rosa Ostern
Verliebt in Autarkie. Eine massenpsychologische Betrachtung der Freiheitswünsche von Selbstversorger:innen

In dem Beitrag werden Freiheitswünsche als Teil aktueller autoritärer Politiken in ihrer psychologischen Bedeutung diskutiert. Untersucht werden Autarkiebestrebungen von Prepper:innen, die als Teil eines Spektrums der Selbstversorgung vorgestellt werden. Selbstversorgung ist eine implizit klimawandelbezogene Praktik und reagiert auf eine im Allgemeinen als krisenhaft wahrgenommene Gesellschaft mit Praktiken der individuellen Absicherung und Abschottung. Um das autoritäre Potenzial von Selbstversorgungsstrategien aufzuzeigen, wird auf die Massenpsychologie von Sigmund Freud verwiesen. Die auftretenden Autarkiewünsche werden als Verliebtheit in die Autarkie einer Führungsfigur einer Masse analysiert und damit als ein Vorgriff auf spezifisch ausgestaltete Gemeinschaften interpretiert.


Schlagwörter: Selbstversorgung, Autarkie, Preppen, Klimawandel, Massenpsychologie


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(2), 175-198.
DOI: 10.2440/007-0040


Charlie Kaufhold, Delaram Habibi-Kohlen und Anja Schnurr
Autoritäre Dynamiken in Anbetracht des Klimawandels: Spaltung, Regression und eine existenzielle Bedrohung


Im Zentrum des Beitrags stehen die Ergebnisse einer tiefenhermeneutischen Interpretation von einem themenzentrierten Interview zum Klimawandel. Anhand des Interviews können verschiedene psychosoziale Dynamiken nachgezeichnet werden, die Merkmalen des Autoritarismus aus den Studien zum autoritären Charakter von Adorno (1995 [1950]) entsprechen. Zentral sind dabei Spaltung und Projektion. Eigene Aggressionen und Schuldgefühle werden projektiv in eine andere Gruppe – in diesem Fall: die jüngere Generation – verlagert und dort bekämpft. Die eigene Verletzlichkeit im Zusammenhang mit dem Klimawandel wird durch eine Identifizierung mit der Elterngeneration und einer damit verbundenen Idealisierung von Verzicht abgewehrt. Die Besonderheit an der vorliegenden Analyse ist, dass die Interviewte den Klimawandel ernst nimmt und sich gegen ihn engagiert. Verbunden mit den Ergebnissen ist ein Plädoyer, Dynamiken der Spaltung in verschiedenen gesellschaftlichen Spektren zu verstehen und vorzubeugen.

Schlagwörter: Tiefenhermeneutik, Psychoanalyse, Spaltung, Klimawandel, Autoritarismus

 


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(2), 199-225.
DOI: 10.2440/007-0041


Moritz Meister, Markus Trimmel und Thomas Slunecko
Die eskalierende Klimakatastrophe als sozialdarwinistische Verheißung: Subjektideale des Tesla Cybertruck


Individuelle Automobilität erscheint in der modernen Lebenswelt als alltägliche Selbstverständlichkeit. Zugleich trägt sie zentral zur Eskalation der Klimakatastrophe bei. Mit der Elektrifizierung von Autos formiert sich derzeit eine Reaktion auf diese Krise – unter konsumkapitalistischen Vorzeichen. In der vorliegenden Arbeit nehmen wir mit dem Cybertruck von Tesla ein besonders markantes Beispiel dieser Entwicklung in den Blick. Wir untersuchen die visuelle und sprachliche Inszenierung des Cybertruck auf implizite Subjektanrufungen hin. Unserer Analyse nach zeigen sich darin modern-kapitalistische Subjektideale, die tendenziell eskaliert werden, indem das Szenario einer postapokalyptischen Welt als sozialdarwinistische Verheißung dargestellt wird. Das implizierte Leitbild beruht auf einer enthemmten Naturbeherrschung, gesellschaftlichen Entsolidarisierung und traditionell-aggressiver Männlichkeit. Wir plädieren abschließend dafür, dass gegen solche imaginären Versprechen einer libertär-autoritären Weltordnung keine zynische Pseudo-Nachhaltigkeitspolitik wirksam sein kann, sondern nur solidarische und emanzipatorische Politiken, die nicht leugnen, wie tief die Einschnitte durch soziale und ökologische Krisen sind und noch sein werden.

Schlagwörter: Kulturpsychologie, Subjektivierung, Mensch-Natur-Verhältnis, Automobilität, Klimakrise


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(2), 227-252.
DOI: 10.2440/007-0042


Marc Blüml und Leon Schultze Petromaskuline Mittäterinnenschaft?
Eine tiefenhermeneutische Analyse eines Angriffs gegen eine Klimaaktivistin


Dieser Beitrag untersucht die komplexe Vergeschlechtlichung von ökologischer Zerstörung als Resultat autoritärer Dispositionen. Hierfür wird eine Videosequenz tiefenhermeneutisch interpretiert, in der eine Frau Gewalt gegen Klimaaktivist*innen ausübt. Mithilfe des Konzepts der Petromaskulinität von C. N. Daggett und der Theorie der archaischen Matrix des Ödipuskomplexes von J. Chasseguet-Smirgel wird eine psychodynamische Deutung der weiblichen Aggression vorgeschlagen. Aus der Analyse ergibt sich eine ambivalente Rolle der gewalttätigen Frau. Diese Ambivalenz besteht in der Unterstützung der petromaskulinen Ordnung, die sie unterdrückt, und der Ablehnung von Aktivismus gegen den Klimawandel.

Schlagwörter: Klimaaktivismus, Geschlecht, Autoritarismus, Petromaskulinität, Tiefenhermeneutik

 


 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 49(2), 253-278.
DOI: 10.2440/007-0043

Niclas O'Donnokoé
Entweltlichte Zerstörung.
Erzwungene Kompliz*innenschaft im Entfremdungszusammenhang


Im Beitrag wird nach dem Verhältnis von Individuen und Institutionen im Kontext ökologischer Zerstörung gefragt. Zerstörung wird dabei als Resultat entfremdeter Praxiszusammenhänge im Kontext der Externalisierungsgesellschaft verstanden. Zugleich zeigt sich – im Rückgriff auf die politische Philosophie von Cornelius Castoriadis –, wie in den Praxiszusammenhängen auch das Individuum selbst institutionalisiert wird. Die analysierte Verhärtung des Sozialen wird daraufhin mit Hannah Arendts Begriff der Welt kontrastiert, der kollektive Praxis als offenen, pluralen Bezugshorizont fasst. Entfremdung erscheint in diesem Licht als Entweltlichung, wodurch kollektive Handlungs- und Verständigungsprozesse verunmöglicht werden. Abschließend wird mit zeitdiagnostischer Intention der Begriff Weltangst entwickelt, worunter eine Angst vor dem Verlust vertrauter Ordnungen sowie vor den Zumutungen pluraler Bezogenheit verstanden wird. Zuletzt wird aufgezeigt, inwiefern Weltangst einen affektiven Resonanzboden für autoritäre Politiken bildet.

Schlagwörter: Klimakrise, Intersubjektivität, Entfremdung, Psychoanalyse, Arendt


 

 

Psychologie & Gesellschaftskritik
49. Jahrgang • 2025 • Heft 2 (194)
Pabst, 2025
ISSN 0170-0537

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