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Psychologie & Gesellschaftskritik

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2022-2

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial


Nick Specht
Einführung des Spektrums instabiler Störungen: Rekonzeptualisierung der Borderline-Persönlichkeitsstörung


Reinhold Laessle
Psychobiologische Einflussfaktoren für den Schweregrad einer Depression bei Mädchen


Invited Review


Thomas Köhler
Cannabis und Cannabinoide – Neuere Erkenntnisse hinsichtlich Wirkungen und Indikationen


Timo Beeker
Medikalisierung im psychiatrischen Versorgungsalltag


Nachruf auf Prof. Dr. Ulrich Schweiger


Mitteilungen der SGVT SSTCC


Mitteilung des dvt


Ankündigungen


Rezension


Interessante Neuerscheinungen


 


Einführung des Spektrums instabiler Störungen: Rekonzeptualisierung der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Nick Specht


Zusammenfassung: Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwere psychische Störung, die mit hoher Suizidalität und häufiger stationärer Behandlung einhergeht. Trotz der Schwere der BPS konnte bisher keine Ätiologie-Theorie gefunden werden, die die Störung ganzheitlich erklären kann. In diesem Literatur-Review werden drei Hauptgründe für das Fehlen einer umfänglichen Ätiologie-Theorie herausgestellt. Zunächst ist die gezielte Ätiologie-Forschung zur BPS noch sehr jung. Weiterhin mangelt es an empirischen Daten zur Ätiologie der BPS, insbesondere an Längsschnittstudien. Zuletzt scheint die Borderline-Patientengruppe zu heterogen zu sein, um eine Ätiologie-Theorie zu finden, die alle Symptomkombinationen hinreichend berücksichtigt. Das Spektrum instabiler Störungen (SpIS) wird als Konzept vorgestellt, auf dem drei Subtypen der bisherigen BPS spektral dargestellt werden, um die Heterogenität für zukünftige Ätiologie-Forschung zu reduzieren. Möglichkeiten zur Validierung sowie Limitationen des SpIS werden diskutiert.

Schlüsselwörter: Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS), Borderline-Ätiologie, Dialektischbehaviorale Therapie, emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)


Introduction of the spectrum of unstable disorders: reconceptualization of borderline personality disorder 


Abstract: Borderline personality disorder (BPD) is a severe mental disorder associated with increased suicidality and frequent inpatient treatment. Despite BPD’s severity none of the present aetiology theories is able to explain BPD to its full extent. In this review of the literature three primary underlying reasons are discussed. First, the specific research on an aetiology theory of BPD is relatively young. Second, there is a lack of empirical data on BPD aetiology, especially regarding longitudinal studies. Third, the group of BPD patients seems too heterogeneous to find an aetiology theory that sufficiently considers all symptom combinations. Aiming to resolve the problem of heterogeneity for further research on aetiology of BPD, the Spectrum of unstable Disorders (SpUD) is introduced. This spectrum contains three subtypes of BPD. Approaches to validate the SpUD and its limitations are discussed. 

Keywords: borderline personality disorder (BPD), borderline aetiology, dialectical behaviour therapy, emotionally unstable personality disorder, posttraumatic stress disorder (PTSD)


Nick Specht
Norfer Strasse 28
D-40221 Düsse ldorf
E-Mail: specht.nick@gmail.com


 

Psychobiologische Einflussfaktoren für den Schweregrad einer Depression bei Mädchen
Reinhold Laessle


Zusammenfassung: Theoretischer Hintergrund: Depressionen bereits bei Kindern und Jugendlichen kommen häufig vor. Es besteht ein dringender Bedarf zur Aufklärung von Faktoren, die die Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung beeinflussen. Stress und Stressverarbeitung sind aufgrund der vorliegenden Literatur bedeutsam beteiligt. Fragestellung: Es wurde geprüft, wie junge Mädchen mit einer Depression bezüglich Stressbelastung und Stressverarbeitung charakterisiert sind. Weiterhin wurde geprüft, welche Rolle ein biologischer Indikator für Stress für die Aufrechterhaltung der Depression spielt. Methode: Die Studie umfasste zwei Messzeitpunkte, zwischen denen ein Zeitintervall von sechs Monaten lag. Die Stressbelastung wurde sowohl durch psychologische als auch biologische Indikatoren erfasst, die Stressverarbeitung differenziert durch einen Fragebogen. Durch multiple lineare Regressionsanalysen wurde geprüft, welche Variablen den Ausprägungsgrad der Depression nach sechs Monaten beeinflussen. Ergebnisse:
Die psychische Stressbelastung führt zu einer Verstärkung der Depression. Dies gilt auch für die mangelnde Suche nach sozialer Unterstützung und aggressive sowie resignative Stressbewältigungsstrategien. Unabhängig von diesen Faktoren spielt jedoch auch die Hyperaktivität der HNA Achse eine Rolle. Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse werden in das kognitive Modell von Beck eingeordnet, das um die Hyperaktivität der HNA-Achse erweitert wird.

Schlüsselwörter: Depression, Stress, Jugendliche, Stressverarbeitung, Cortisol 


Psycho-biological facors influencing the severity of depression in young girls


Abstract: Theoretical background: Depression already in youth is frequent and needs clarification of factors of its etiology and maintenance. Stress and stress coping seem to be of significance. Objective: The present study investigated, whether young girls with major depression are different from controls with respect to stress load and stress coping. In addition, data on HPA axis activity between comparison groups were obtained. Method: The girls were assessed twice with a time interval of six months in between. By multiple linear regression it was analyzed, which variables have a significant influence on the severity of depression. Results: Psychological stress load reinforced depression. This was also true for a lack of seeking social support and aggression or resignation to cope with stress. Hyperactivity of HPA axis also played a significant role. Discussion and conclusion: The results were integrated into the cognitive model of Beck, which was extended by hyperactivity of HPA axis.

Keywords: depression, stress, adolescents, stress coping, cortisol


Dr. Reinhold Laessle
Frauens trasse 7
D-54290 Trier
E-Mail: laessler@posteo.de


 

Cannabis und Cannabinoide – Neuere Erkenntnisse hinsichtlich Wirkungen und Indikationen
Thomas Köhler


Zusammenfassung: Cannabis bzw. Cannabinoide haben in den letzten Jahren zunehmend stärkeres Interesse erfahren. Dies liegt zu einen daran, dass bestimmte Produkte mittlerweile ganz legal als Medikamente eingesetzt werden, zudem dass ihre Legalisierung als Genussprodukte in einigen bedeuteten Ländern bereits erfolgt ist, auch in Deutschland wahrscheinlich in absehbarer Zeit geschehen wird. Zum anderen ist mittlerweile sehr viel mehr über die Pharmakologie der Einzelsubstanzen dieses Gemisches bekannt. Auch realisiert man zunehmend, dass der Konsum weder akut noch chronisch harmlos ist; dies liegt zum einen daran, dass das Einstiegsalter für den Konsum deutlich gesunken ist, im Laufe der letzten Jahrzehnte der THC-Gehalt gestiegen ist – auf Kosten des eher produktiv wirksamen CBD (Cannabidiol) – und dass zunehmend die sehr potenten synthetischen Cannabinoide entweder isoliert konsumiert werden oder den pflanzlichen Produkten beigemischt werden.

Schlüsselwörter: Cannabis, Phytocannabionoide, synthetische Cannabinioide, THC und CBD, Cannabinoide als Medikamente, Legalisierung von Cannabisprodukten


Cannabis and Cannabinoids – Recent insights concerning effects and indications


Abstract: Cannabis respectively cannabinoids have found increased interest within the last years. One reason is that some of those products can be legally used as medications and the legalization as recreational drugs is now a reality in quite a few countries; in Germany it is expected to occur within the next years. On the other hand much more is known about the pharmacology of the single substances contained in the mixed products. Last but not least one starts to realize that both the acute and the continuing consumption of these substances are far from harmless. One reason is that the concentration of THC has increased more and more in the last decades (whereas the concentration of the protective CBD has been decreasing at the same time). Additionally the consumption of synthetic cannabinioids becomes more and more common, either as isolated products or additionally as byproducts of natural plantal cannabis.

Keywords: cannabis, phytocannabinoids, synthetic cannabinioids, cannabinoids used as medication, the legalization of cannabis


Prof. Dr. Dr. Thomas Köhler
Fachbereich Psychologie
der Universität Hamburg
Von-Melle-Park 5
D-20146 Hamburg
E-Mail:
thomas.koehler@uni-hamburg.de


 

Medikalisierung im psychiatrischen Versorgungsalltag
Timo Beeker


Zusammenfassung: In der Forschung zu Medikalisierung haben psychische Erkrankungen und ihre Behandlung von jeher besonderes Interesse erfahren. Die Psychiatrie stand dabei schon früh unter Verdacht, in erheblichem Maße anfällig für Medikalisierung zu sein. Angesichts steigender Prävalenzen psychischer Erkrankungen sowie einer kontinuierlichen Zunahme ambulanter und stationärer psychiatrischer Behandlungen stellt sich mit neuer Aktualität die Frage, inwiefern diese Entwicklungen Ausdruck von Medikalisierung sind. Der vorliegende Artikel untersucht im Sinne eines explorativen Vorgehens zwei klinische Fälle aus einem psychiatrischen Krankenhaus daraufhin, inwiefern in ihnen Medikalisierung von Bedeutung ist. Abschließend werden wichtige Gemeinsamkeiten beider Fälle herausgearbeitet. Die Untersuchung wird zeigen, dass Medikalisierungsprozesse und -effekte in der psychiatrischen Versorgung bereits in relativ alltäglichen Fällen präsent sind bzw. auch in solchen Fällen Grundfragen der Medikalisierung berührt werden. Der Grad an Medikalisierung einzelner Fälle ist jedoch variabel und hängt ab von konkreten Entscheidungen der beteiligten AkteurInnen, die in komplexen Aushandlungsprozessen getroffen werden.

Schlüsselwörter: Medikalisierung, Psychiatrisierung, psychische Erkrankungen, diagnostische

 

Inflation, Overdiagnosis Medicalisation in everyday psychiatric care


Abstract: Studies on medicalisation have always been particularly interested in mental illness and its treatment. Psychiatry was suspected early on of being highly susceptible to medicalisation. In view of the rising prevalence of mental illnesses and the continuous increase in outpatient and inpatient psychiatric treatment, the question of the extent to which this trend is reflecting medicalisation is of new topicality. In the sense of an explorative approach, this article examines two clinical cases from a psychiatric hospital to see to what extent medicalisation is significant in them. Finally, important similarities between the two cases are presented in detail. The study will show that processes and effects of medicalisation in psychiatric care are already present in everyday cases and that basic questions of medicalisation are also touched upon in such cases. The degree of medicalisation of individual cases is, however, variable and depends on concrete decisions of the actors involved, which are made in complex negotiation processes.

Keywords: medicalisation, psychiatrisation, mental illnesses, diagnostic inflation, overdiagnosis


Dr. Timo Beeker
Med izinische Hochschule Branden burg
Immanuel Klinik Rüdersdorf
Hochschulklinik für Psychiatrie
und Psychotherapie der MHB
Seebad 82/83
D-15562 Rüdersdorf bei Berlin
E-Mail: timo.beeker@mhb-fontane.de

 


 

Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin
43. Jahrgang · 2022 · Heft 2
Pabst, 2023
ISSN 1865-9985
Preis: 11,- €

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