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Psychologie & Gesellschaftskritik

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2020-2 (174)

Editorial 


Simon Arnold, Andreas Jensen, Magdalena Kuhn, Rana Zokai & Jan Lohl
Affektive Anteile. Die Szene als psychoanalytischer Beitrag zu einer kritischen Migrationsforschung 


Niels Uhlendorf
Beschämungsrituale in der Migrationsgesellschaft


Janina Zölch
Migration in der Adoleszenz – strukturelle und intergenerationale Herausforderungen


Cornelia Konrad
Lebenswelt von westafrikanischen Migranten* im Görlitzer Park/Wrangelkiez.
Eine ethnographische Annäherung im Kontext von Raum, Diskurs und Macht


Julia Manek
Psychotherapie und kritische Migrationsforschung im Kontext von Flucht_Migration – interdisziplinäre Überlegungen zu Theorie, Praxis und dem Politischen in der Psychotherapie

Autorinnen und Autoren dieses Heftes


Die Abbildungen in dieser Ausgabe sind von Daggi Bambach

 


 

Affektive Anteile.
Die Szene als psychoanalytischer Beitrag zu einer kritischen Migrationsforschung

Simon Arnold, Andreas Jensen, Magdalena Kuhn, Rana Zokai & Jan Lohl

Zusammenfassung: In dem vorliegenden Aufsatz werden in Form eines selbstkritischen Erfahrungsberichts Einblicke in ein Forschungsprojekt des Sigmund-Freud-Instituts gegeben, das als Begleitforschung zu den Zentren für psychosoziale Versorgung von Geflüchteten in Hessen konzipiert (und finanziert) wurde. Anhand von Ausschnitten aus szenischen Feld- und Affektprotokollen sollen die Forschungsbeziehung, die aufkommenden Affekte sowie die Dynamik innerhalb der Forschungsgruppe als Erkenntnisinstrument einer kritischen Migrationsforschung sichtbar gemacht werden. Diese Beschreibung der im Laufe des Projekts entstanden Affekte und Szenen, gewendet als Erkenntnisinstrument und für die LeserInnenschaft (und Forschung) zugänglich gemacht, können ein (Wieder-)Erkennen eigener Anteile ermöglichen und bilden letztlich die Basis zu einem vorsichtigen Begriff »kritischer« Forschung.

Schlüsselbegriffe: Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten, Trauma, Szene, Szenisches Verstehen bzw. Erinnern, Affekt, Protokoll

 

Participating affectively. Scenic understanding as a psychoanalytic contribution to critical migration studies

Abstract: This article provides insights into a research project of the Sigmund-Freud-Institut, which was conducted (and funded) as accompanying research to the centers for psychosocial care for refugees in Hesse. Based on excerpts from scenic field and affect protocols, the research relationship, the emerging affects and the dynamics within the research group are examined. The analysis of these scenic fragments is presented as a key instrument of critical migration research. The reflection and recognition of the researcher’s own contribution ultimately form the basis for a cautious "critical" research. 

Key words: Psychosocial care for refugees, trauma, scene

 


 

Beschämungsrituale in der Migrationsgesellschaft
Niels Uhlendorf

Zusammenfassung: In diesem Beitrag werden wiederkehrende und institutionell verfestigte Praktiken der Beschämung in einer spätmodernen migrationsgesellschaftlichen Ordnung in den Blick genommen und mögliche Wirkungen auf darin adressierte Subjekte reflektiert. Dafür werden Formen der Scham sowie der Beschämung zunächst theoretisiert, anschließend werden Ergebnisse aus einer Studie zu Diskursen über und biografischen Erzählungen von ›bildungserfolgreichen‹ Deutsch-Iraner*innen vorgestellt. Die besondere Bedeutung von Beschämungsritualen wird anhand einer Falldarstellung hervorgehoben und dabei die politische Dimension von Gefühlen wie Scham problematisiert. Ergebnisse der Studie weisen darauf hin dass sich Beschämungen bzw. Beschämungsrituale einerseits als Abweichung von Normalitätskonstrukten in der imaginierten Gemeinschaft des Ankunftslandes ereignen. Andererseits vollzieht sich die Abwertung von Subjekten vor dem Hintergrund eines Menschenbildes, das auf kontinuierliche Selbstoptimierung und wettbewerbsorientierung ausgerichtet ist.

Schlüsselbegriffe: Scham, Beschämung, Migration, Subjektivierung, Macht

 

Shaming rituals in migration society

Abstract: In this paper, recurrent and institutionally established practices of shaming in a late modern migration society are examined, and possible effects on the subjects addressed therein are reflected. To this end, forms of shame and humiliation are first theorized, followed by the results of a study on discourses and biographical narratives of ›educationally successful‹ German-Iranians. The special significance of shaming rituals is highlighted by means of a case example, emphasizing the political dimension of feelings such as shame. Results of the study indicate that shaming or shaming rituals on the one hand occur as a deviation from the constructs of normality in the imagined community of the country of arrival. On the other hand, the devaluation of subjects takes place against the background of a conception of human being that is oriented towards continuous self-optimization and competitive orientation.

Keywords: Shame, Shaming, Migration, Subjection, Power

 


 

Migration in der Adoleszenz – strukturelle und intergenerationale Herausforderungen
Janina Zölch

Zusammenfassung: Bei einer Migration in der Phase der Adoleszenz müssen sich die Heranwachsenden nicht nur mit adoleszenten Themen auseinandersetzen, sondern auch ganz unmittelbar mit den Folgen und Anforderungen der Migration. Um die besonderen Bedingungen des Zusammentreffens bzw. der wechselseitigen Überlagerung der beiden Transformationsprozesse herausarbeiten zu können, werden in diesem Beitrag junge Männer aus der ehemaligen Sowjetunion fokussiert, die als Spätaussiedler während ihrer Adoleszenz mit ihrer Familie nach Deutschland migriert sind. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen dabei die damit verbundenen strukturellen und intergenerationalen Herausforderungen. Die Ergebnisse gehen auf eine biographische Studie zurück, in der narrative Interviews rekonstruktiv ausgewertet worden sind.

Schlüsselbegriffe: Migration, Adoleszenz, Familie, Spätaussiedler, Fallrekonstruktionen

 

Migration in adolescence - structural and intergenerational challenges

Summary: In the case of migration in the phase of adolescence, adolescents not only have to deal with adolescent issues, but also very directly with the consequences and requirements of migration. In order to be able to work out the special conditions of the encounter or the mutual overlapping of the two transformation processes, this article focuses on young men from the former Soviet Union who migrated to Germany with their families as late repatriates during their adolescence. The focus is on the associated structural and intergenerational challenges. The results are based on a biographical study in which narrative interviews were reconstructively evaluated.

Keywords: migration, adolescence, family, late repatriates, case reconstructions

 


 

Lebenswelt von westafrikanischen Migranten* im Görlitzer Park/Wrangelkiez.
Eine ethnographische Annäherung im Kontext von Raum, Diskurs und Macht

Cornelia Konrad

Zusammenfassung: Folgt man der politisch-medialen Berichterstattung, so ist inmitten von Berlins Szenebezirk Kreuzberg ein Gefahrengebiet: der Görlitzer Park und der angrenzende Wrangelkiez. Der Diskurs sowie die polizeiliche Einordnung als ›gefährliche Zone‹ fokussieren auf die Problemlagen im Quartier (insbesondere den Drogenhandel) und blenden deren Ursachen und größere strukturelle Zusammenhänge aus. Im Sinne einer kritischen Migrationsforschung wurden aus Sicht von westafrikanischen Migranten* deren Lebenslagen, Unrechtserfahrungen sowie der Umgang mit makrostrukturell bedingten Ausschließungsbedingungen analysiert. Dieser Beitrag widmet sich insbesondere auch der Bedeutung des Parks für die eigene Lebensbewältigung. Für die ethnographische Untersuchung wurde eine Kombination aus Interviews, Gruppendiskussion, Feldnotizen und Teilnehmender Beobachtung gewählt.

Schlüsselbegriffe: Prekäre Lebenslagen, Öffentlicher Raum, Migration, Teilhabe, Diskriminierung

 

Lifeworld of West-African Migrants in the Görlitzer Park/Wrangelkiez – an Ethnograpic Exploration in the Context of Space, Discourse and Power

Abstract: According to media coverage and public discourse, there is a high risk area in the heart of Berlin’s in-quarter Kreuzberg: Görlitzer Park and the surrounding Wrangelkiez. This image combined with the classification as a ›gefährliche Zone‹ (dangerous area) by the police focuses on the problems (especially on the drug trafficing) of the area, while ignoring their roots and the structural context. Using the paradigm of critical migration research this study aims to analyze the perspectives of West-African migrants on their experiences of injustice, their living conditions and how they navigate structural discrimination and exclusion. Further, this contribution explores the role of Görlitzer Park for handling their living conditions. In this ethnographic research a combination of interviews, group discussions, field notes and participated observation was used.

Key Terms: Precarious Living Conditions, Public Space, Migration, Participation, Discrimination

 


 

Psychotherapie und kritische Migrationsforschung im Kontext von Flucht_Migration 
interdisziplinäre Überlegungen zu Theorie, Praxis und dem Politischen in der Psychotherapie

Julia Manek

Zusammenfassung: Psychotherapie im Kontext von Flucht_Migration versucht, einen Umgang mit dem psychischen Leid der Betroffenen zu finden und ist dabei mit repressiven gesellschaftspolitischen Verhältnissen konfrontiert, die dieses Leid bedingen. Der politische Rahmen stellt dabei nicht nur als Belastung, sondern auch als Spannungsfeld zwischen den Situiertheiten der Therapieteilnehmer*innen eine Herausforderung für die Therapie dar. Kritische Migrationsforschung analysiert ebendiese gesellschaftspolitischen Verhältnisse sowie die sozialen Kämpfe um deren Veränderung. Dabei wird mit dem Ansatz der Autonomie der Migration eine Perspektive auf migrantische Kämpfe entwickelt, welche die Betroffenen als politisches Subjekt konzipiert. Aus diesem Blickwinkel auf Herausforderungen der Therapie zu blicken, ermöglicht neue Perspektiven.

Schlüsselbegriffe: Flucht_Migration, Psychotherapie, kritische Migrationsforschung, Autonomie der Migration

 

Psychotherapy and critical migration research in the context of flight_migration – interdisciplinary reflections on theory, practice and on the political in psychotherapy

Summary: Psychotherapy in the context of flight_migration tries to deal with the psychic suffering of the affected migrants and is confronted with the same socio-political conditions that are a cause of this suffering. The given political framework presents a challenge for therapy – not only as a stressor, but also as an area of conflict between the particular situatedness of the therapy participants. Meanwhile, critical migration research analyses this socio-political landscape of migration politics and the struggles against them. The concept of the autonomy of migration promotes a perspective on migrant struggles, which describes migrants as part of a political subject. Applying this view to the challenges of therapy may enable new perspectives.

Keywords: flight_migration, psychotherapy, critical migration studies, autonomy of migration

 



Psychologie & Gesellschaftskritik
44. Jahrgang · 2020 · Heft 2

Pabst, 2020
ISSN 0170-0537
Preis: 13,- €

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