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Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

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2021-1

Inhaltsverzeichnis


Markus G. Feil & Klaus Hoffmann
Editorial

Markus G. Feil
Institutionelle Affektregulation als wesentlicher Aspekt der Führung forensischer Organisationen

Catrin Denk
Herausforderung Leitung – ein Erfahrungsbericht über Leiten in einer forensischen Ambulanz

Michael Nerad
Praxis der Gruppenpsychotherapie in der stationären forensischen Psychiatrie – erste Ergebnisse einer Umfrage in Maßregelvollzugseinrichtungen

Fritjof von Franqué & Claudia Schwarze
Klärungsorientierte Psychotherapie und Forensische Psychotherapie

Elisabeth Quendler & Joachim Schreijäg
Psychodynamische Gruppentherapie mit Sexualstraftätern im Strafvollzug nach der „Interkonzeptionellen Therapiemethode“ – ein Praxisbericht

Alexandra Rechner & María Isabel Fontao
Therapiemotivation in der Suchttherapie nach § 64 StGB: Eine Querschnittsstudie im Maßregelvollzug anhand der Selbstbestimmungstheorie

 


Institutionelle Affektregulation als wesentlicher Aspekt der Führung forensischer Organisationen
Markus G. Feil

Zusammenfassung
Die Führung forensischer Organisationen ist nur selten explizites Thema in der Alltagspraxis, in Fortbildungen und in der wissenschaftlichen Literatur. Der Artikel leitet aus der systemisch-psychodynamischen Perspektive spezifische Anforderungen an forensische Organisationen und ihre Führung her, die zusammengefasst als „affektive“ bezeichnet werden. Als das gängige Format der Bewältigung dieser Anforderungen gilt Supervision. Supervision alleine reicht dafür jedoch nicht aus. Vielmehr muss die Leitung einer Organisation spezifische Regularien und Formate bereitstellen, die der Organisation und ihren Mitarbeitenden helfen, ihre Klientel optimal zu sichern und zu behandeln. Zur Illustration dient ein Fallbeispiel, in dem eine ganze Organisation trotz vorhandener Supervision hoch dysfunktional wurde, was zu einem risikorelevanten Verlust an Professionalität führte.

Schlüsselwörter: Systemisch-psychodynamisch, forensisch, Management, Leadership, Affektregulation in Organisationen, psychische Gesundheit

Institutional Affect Regulation as an Essential Aspect of Leadership in Forensic Organizations

Abstract
The leadership and management of forensic organizations are rarely explicitly discussed in everyday practice, in continuing education seminars, or in the academic literature. From the systems psychodynamic perspective the management of forensic organizations presents a real challenge on various levels, primarily due to the fact that these challenges are of a specific „affective nature“. Supervision is considered to be the common practice for addressing these affectively overloaded demands. However, supervision alone is not sufficient in constructively resolving these issues. Rather, the leadership and management of forensic organizations must provide a specific set of regulations and practices in order to fulfill its primarily twofold task: that of security of staff, clients and society alike and of providing the best treatment possible to their clients. This article therefore derives specific requirements for forensic organizations and their management. A case study serves as an illustration of an organization that, despite the presence of supervision, became highly dysfunctional as a whole, with a severe decline of professionalism. As a result, the proper care for the forensic client was at risk, furthermore implying that the risk of reoffending increased as well.

Key Words: systems psychodynamic, management, leadership, forensic, mental health, affect regulation in organizations


Dr. Markus G. Feil
Psychotherapeutische Fachambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter München
Bayerstr. 15
80335 München


 


Herausforderung Leitung – ein Erfahrungsbericht über Leiten in einer forensischen Ambulanz
Catrin Denk

Zusammenfassung
In diesem Artikel möchte ich Einblicke in die drei wesentlichen Herausforderungen – die Personalführung, die Gestaltung der Führungsrolle, die organisatorischen Rahmenbedingungen – geben, die die Rolle im mittleren Management und die spezielle Art der Arbeit in einer Ambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter mit sich bringen. Als Basis dienen psychologische Grundkonzepte zur Beziehungsgestaltung, zum Rollenverständnis, zu neurobiologischen Reaktionsmustern und gruppendynamischen Prozessen. Zum Ende werden Lösungsmöglichkeiten für den Alltag einer Führungskraft aufgezeigt und das Potential einer solchen Rolle dargestellt.

Schlüsselwörter: Erfahrungsbericht, mittleres Management, forensische Ambulanz, Personalführung, Führungsrolle, organisatorische Rahmenbedingungen


Leadership as Challenge – Practical Experiences from a Forensic Outpatient Clinic

Abstract
In this article I would like to provide insights into three main challenges – personnel management, the design of the leadership role, framework conditions – which the role in middle management and the special type of work in an outpatient clinic for violent and sexual offenders entail. Psychological concepts of relationships, understanding roles, neurobiological reaction patterns and group dynamic processes are used as a theoretical framework. At the end, possible solutions for the everyday life of a manager are shown and the potential of such a role is highlighted.

Key Words: field report, challenges, middle management, outpatient clinic, personnel management, leadership role, framework requirement


Mag. rer. nat. Catrin Denk, MAS
Praxis für Psychotherapie und Paartherapie
Kapuzinerstraße 25
80337 München

Psychotherapeutische Fachambulanz für Sexual- und Gewaltstraftäter
Bayerstraße 15
80335 München


 


Praxis der Gruppenpsychotherapie in der stationären forensischen Psychiatrie – erste Ergebnisse einer Umfrage in Maßregelvollzugseinrichtungen
Michael Nerad

Zusammenfassung
Die vorliegende Befragung liefert einen ersten Überblick über die Praxis der Gruppenpsychotherapie in Einrichtungen der stationären forensischen Psychiatrie in Deutschland. Um die Situation der Gruppenpsychotherapie im deutschen Maßregelvollzug beschreibbarer zu machen und zukünftige empirische Forschung in diesem Bereich vorzubereiten, wurden die Leiter der Einrichtungen des Maßregelvollzugs mit Hilfe eines standardisierten Onlinefragebogens gebeten, Fragen in Bezug auf Struktur und Setting (Größe, Zusammensetzung, Dauer, Frequenz), formale Veränderungstheorie (theoretisches Modell, Konzept, Manual) sowie Gruppenleitermerkmale (Grundberuf, Ausbildung, gruppenspezifische Ausbildung) der aktuell in der Einrichtung angebotenen Gruppenpsychotherapien zu beantworten. Der Fragebogen wurde von 46,48% der Befragten beantwortet. Zum Untersuchungszeitpunkt erhielten 43,78% (n=1034) der nach § 63 StGB und 78,37% (n=1569) der nach § 64 StGB untergebrachten Patienten eine gruppentherapeutische Behandlung. Im Hinblick auf Frequenz und Dauer der Gruppentherapiesitzungen konnten Unterschiede sowohl zur stationären allgemeinpsychiatrischen/psychosomatischen als auch zur ambulanten kassenärztlichen Versorgung festgestellt werden. Die Ausrichtung der Therapiegruppen war mehrheitlich verhaltenstherapeutisch. Inhaltlich wurde in den Therapiegruppen stärker störungsspezifisch als deliktbezogen gearbeitet. Ein Drittel der Gruppen haben einen integrierten Fokus. Im Hinblick auf die Merkmale der Gruppenleiter konnte festgestellt werden, dass lediglich ein kleiner Teil der Behandler über eine gruppenspezifische Ausbildung verfügt.

Schlüsselwörter: Gruppentherapie, Maßregelvollzug, Qualifikationen


Group Psychotherapy in in-patient Forensic Settings – First Results from a Survey in Germany

Abstract
This article gives an overview on the situation of group psychotherapy in forensic psychiatric facilities in Germany. To describe the status quo and to prepare future empirical investigation in the field, the heads of the forensic psychiatric facilities were invited to complete an online survey with questions on structure, setting, theoretical framework and qualifications of the group-leaders of the ongoing group therapies in their hospitals. 46,48% of the requests were answered. 43,78% (N=1034) of the forensic psychiatric patients (§63) and 78,37% (N=1569) of the patients with substance abuse (§64) received group therapeutic treatment. Differences with the situation of inpatient psychiatric treatments as well as the out-patient situation in Germany were found. Most of the group therapies had an cognitive-behavioral framework. The groups focused more on symptom change than on criminal behaviour. The survey also found, that just a small part of the therapists (3,1%) fulfilled the official qualifications for offering group therapies.

Key Words: group psychotherapy, forensics, qualifications


Dipl.-Psych. Michael Nerad
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Zentrum für Psychiatrie
78479 Reichenau


 


Klärungsorientierte Psychotherapie und Forensische Psychotherapie
Fritjof von Franqué & Claudia Schwarze

Zusammenfassung
Im nachfolgenden Artikel erörtern wir die Anwendungsmöglichkeiten der Klärungsorientierten Psychotherapie (KOP) im forensischen Kontext. Wir stellen zunächst ein Klassifikationsmodell therapeutischer Interventionen vor, in das sich die spezifischen Strategien der KOP einordnen lassen. Wir benennen dann für jede Ebene des Modells Interventionen, die im Rahmen der KOP entwickelt oder ergänzt wurden, ohne diese jedoch im Einzelnen zu konkretisieren. Stattdessen wird auf die entsprechende Literatur verwiesen. Im dritten Teil der Arbeit charakterisieren wir in Kürze die inhaltlichen Besonderheiten einer forensischen Psychotherapie, wobei wir uns auf Gewalt- und Sexualdelinquenz beschränken. Anhand der jeweiligen Kategorien von dynamischen Risikofaktoren stellen wir dann konkret dar, welche Strategien der KOP während einer forensischen Psychotherapie genutzt werden können. Abschließend diskutieren wir, welche Aspekte einer forensischen Psychotherapie durch die KOP gut abgedeckt werden, welche allerdings auch offen bleiben und ggf. durch Interventionen anderer Ansätze ergänzt werden müssen.

Schlüsselwörter: Intervention, dynamische Risikofaktoren, Gewaltdelinquenz, Sexualdelinquenz


Clarification oriented psychotherapy and forensic psychotherapy

Abstract
In the following article we discuss the possible applications of clarification-oriented psychotherapy (KOP) in a forensic context. First, we present a classification model of therapeutic interventions in which the specific strategies of KOP can be classified. For each level of the model, we then name interventions that have been developed or supplemented within the framework of the KOP, but without specifying them in detail. Instead, we refer to the relevant literature. In the third part of the paper, we briefly characterize the special features of forensic psychotherapy, limiting ourselves to violent and sexual delinquency. Using the respective categories of dynamic risk factors, we then specifically show which strategies of the KOP can be used during forensic psychotherapy. Finally, we discuss which aspects of forensic psychotherapy are well covered by KOP, but also which aspects remain open and may need to be supplemented by interventions from other approaches. Key Words: Clarification oriented psychotherapy, forensic psychotherapy.

Key Words: Intervention, dynamic risk-factors, violent offences, sexual offences


Dipl.-Psych. Fritjof von Franqué
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Institut für Sexualforschung, Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie
Martinistraße 52
20246 Hamburg


 


Psychodynamische Gruppentherapie mit Sexualstraftätern im Strafvollzug nach der „Interkonzeptionellen Therapiemethode“ – ein Praxisbericht
Elisabeth Quendler & Joachim Schreijäg

Zusammenfassung
Vorgestellt wird hier die „Interkonzeptionelle Therapiemethode“, kurz IKTM, eine in einem Zeitraum von etwa einem Jahrzehnt in der Praxis entwickelte und laufend verbesserte Methode der Behandlung von Sexualstraftätern im Strafvollzug im Sinne des Opferschutzes. Diese baut auf Erkenntnissen der psychodynamischen Therapie auf und verbindet sie mit verhaltens- und gestalttherapeutischen Elementen. IKTM hat zum Ziel, maladaptive Verhaltensmuster, die zu den Sexualstraftaten geführt haben, aufzudecken. In der Folge werden Ressourcen aktiviert und Fähigkeiten entwickelt, mit deren Hilfe emotional wie kognitiv Rückfallgefahren erkannt werden, um zukünftige sexuelle Übergriffe frühzeitig und wirksam verhindern zu können.

Schlagwörter: Gruppentherapie, Sexualstraftäter, interkonzeptionell, Strafvollzug, Opferschutz


Psychodynamic group therapy with sexual offenders in the penal system according to the „Interconceptual Therapy Method“ – a practical report

Abstract
This article describes the “Interconceptual Therapy Method” (IKTM), which has been developed in a decade of practical experience in the treatment of sexual offenders in the penal system of Germany. The method is based on psychodynamic therapy blended/enriched with elements of cognitive-behavioral and gestalt therapy. IKTM aims at uncovering maladaptive behavior, which led to sexual offenses, and identifying as well as activating resources of the perpetrator to prevent future sexual assaults.

Key Words: group therapy, sexual offender, interconceptual, penal system, prevention


Maga.rer.nat. Elisabeth Quendler
Praxis für Psycho- und Sexualtherapie
Schulstraße 23
89168 Weißenhorn


 


Therapiemotivation in der Suchttherapie nach § 64 StGB: Eine Querschnittsstudie im Maßregelvollzug anhand der Selbstbestimmungstheorie
Alexandra Rechner & María Isabel Fontao

Zusammenfassung
Die Motivation von Klient*innen zu Beginn einer Psychotherapie wirkt sich nachgewiesenermaßen positiv auf deren Erfolg aus. In der forensischen Psychiatrie ist sie aufgrund der Dringlichkeit eines positiven Therapieausgangs für die Öffentlichkeit von besonderer Relevanz. Im Zwangskontext stellen der Aufbau und die Aufrechterhaltung der Therapiemotivation eine Herausforderung für das Behandlungsteam dar. Die vorliegende Studie untersuchte die Therapiemotivation bei 55 Patienten einer Entzugsklinik des Maßregelvollzugs und ihre Zusammenhänge mit Selbstwert, Narzissmus als Persönlichkeitsmerkmal und Dauer der Behandlung. Die Ergebnisse weisen auf einen Zusammenhang zwischen fremdbestimmter Therapiemotivation und Narzissmus sowie auf einen Zusammenhang zwischen selbstbestimmter Therapiemotivation und Behandlungsdauer hin. Zwischen motivationaler Selbstbestimmtheit und Selbstwert konnte keine signifikante Korrelation festgestellt werden. Weitere Forschung zur Selbstbestimmungstheorie bei Straftäter*innen ist nötig, um zugrundeliegende Prozesse der Therapiemotivation bei forensischen Patient*innen beleuchten zu können.

Schlüsselwörter: Forensische Suchttherapie, Therapiemotivation, Selbstbestimmungstheorie, Selbstwert, Narzissmus


Therapy motivation in forensic addiction therapy: a cross-sectional study using self-determination theory

Abstract
Patients’ motivation for psychotherapy has proven to have beneficial effects on ist outcome. With forensic clients, therapy motivation is of particular importance due to the public pressure for positive therapy outcome. The treatment personnel faces the challenge of building and maintaining patients’ motivation in a coercive context. The present study examined the therapy motivation of 55 patients in a German forensic addiction clinic and its correlations with self-esteem, narcissism as a personality trait, and treatment duration. The results suggest a relationship between non-self-determined therapy motivation and narcissism, as well as a relationship between self-determined therapy motivation and treatment duration. No significant correlation between motivational autonomy and self-esteem was found. Further research on the self-determination theory is needed to gain a deeper understanding of the underlying principles of forensic therapy motivation.

Key Words: forensic addiction therapy, therapy motivation, self-determination theory, self-esteem, narcissism


Dr. María Isabel Fontao
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz


 


Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
28. Jahrgang · 2021 · Heft 1

Pabst, 2021
ISSN 0945-2540
Preis: 15,- €

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