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Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

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2026-2

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial 
Dirk Hesse

 

Inszenierte Veränderung: Ein Theaterprojekt als atmosphärische Intervention im Maßregelvollzug
Michael John

 

Theaterworkshop Romeo und Julia
Ellen Deilke, Christa Zieker, Dirk Hesse

 

Wer bin ich, wer will ich sein?
Entwicklung von Geschlechtsidentitäten im Jugendalter. Grundsätze der Diagnostik und Unterstützung bei der Entwicklung eines Selbstbildes 

Michael Günter

 

Zum praktischen Umgang mit Transsexualität in einer forensischen Klinik
Dirk Hesse

 

Geschlechterblindheit in der klinischen Praxis: Interventionen für den Frauenmaßregelvollzug
Madeleine Kassar, Matthias Wiesmayr

 

»Verandern«
Vom Ungeist oktroyierter Normalisierung

Ulrich Kobbé

 


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:139-140
DOI: doi.org/10.2440/009-0055

Editorial 
Dirk Hesse

 


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:141-158
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0056

 

Inszenierte Veränderung: Ein Theaterprojekt als atmosphärische Intervention im Maßregelvollzug
Michael John


Zusammenfassung
Dies ist ein Werkstattbericht über ein Theaterprojekt in einer Einrichtung des Maßregelvollzugs. Therapeutisches Handeln wird hier durch künstlerische Arbeit ergänzt, die ihre Impulse aus der Anwendung der Schauspieltechnik nach Michael Tschechow in psychiatrischen Settings bezieht. Die mögliche Wirksamkeit dieser künstlerischen Tätigkeit wird aus drei Perspektiven beleuchtet: erstens, welche Prozesse und Veränderungen die Teilnahme bei den beteiligten Patienten auslösen kann; zweitens, welches Potenzial die Auseinandersetzung der Mitarbeitenden mit den Mitteln der Schauspieltechnik für ihre eigene Arbeit bieten könnte; und drittens, wie die Aufführung vor Zuschauerinnen und Zuschauern aus dem Umfeld der Einrichtung wirken kann. Alle drei Bereiche des künstlerischen Schaffens werden von der Absicht getragen, gemeinsam zur Veränderung der „Atmosphäre“ als einem kollektiven Einfluss beizutragen. Für Tschechow wird die transformative Kraft des Theaters wesentlich durch die bewusste Erzeugung von Atmosphären erreicht. Der Artikel möchte dazu anregen, die Wirkungsebenen des Theaterschaffens genauer zu evaluieren und ähnliche Initiativen miteinander zu vernetzen.


Schlüsselwörter: Forensische Psychiatrie, Theaterprojekt / Kunst in der Psychiatrie, Michael Tschechow Technik, Atmosphären, Psychophysische Übungen, Niedrigschwellige Intervention, Künstlerische Fortbildung für Behandler, Institutioneller Wandel

 


Staged Change: A Theater Project as an Atmospheric Intervention in a Psychiatric Hospital

Abstract
This is a workshop report on a theatre project in a forensic psychiatric facility. Clinical practice is here complemented by artistic work drawing on Michael Chekhov’s acting technique applied in psychiatric settings. The possible effects of this artistic practice are examined from three perspectives: first, which processes and changes participation may trigger in the patients involved; second, what potential staff engagement with Chekhovian acting methods may hold for their own work; and third, how performances presented to audiences from the facility’s surroundings may have an impact. All three areas of creative activity are driven by the intention to contribute jointly to a change in “atmosphere” as a collective influence. For Chekhov, the transformative power of theatre is essentially achieved through the deliberate generation of atmospheres. The article aims to encourage closer evaluation of the impact levels of theatrical practice and to promote networking of similar initiatives.


Keywords: psychiatry, Theatre project / arts in psychiatry, Michael Chekhov technique, Atmospheres, Psychophysical exercises,Low-threshold intervention, Clinician artistic training, Institutional change
 

Korrespondenzadresse: Dr. Michael John, AMEOS Klinikum Hildesheim GmbH, Goslarsche Landstraße 60, D-31135 Hildesheim, Michael.John@ameos.de


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:159-163
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0057

 

Theaterworkshop Romeo und Julia 
Ellen Deilke, Christa Zieker, Dirk Hesse


Zusammenfassung
Erstmalig 2023 wurde im MRVZN Moringen ein Theaterprojekt mit den Schauspielern und Theaterpädagogen der Theaterformation stille hunde geprobt und aufgeführt. Aufgrund der zahlreichen positiven Rückmeldungen von Seiten der Zuschauer und Zuschauerinnen, aber auch Patientinnen und Patienten folgten im Jahr 2024 und 2025 weitere Stücke. Inzwischen konnte dieses Projekt durch ein festes Budget verstetigt werden, nachdem die Klinik zuvor Förderungen eingeworben hatte. Im Folgenden soll kurz über die Erfahrungen des zurückliegenden Theaterprojektes 2025 berichtet werden, um anderen Kliniken Mut zu machen für ähnliche Projekte. 


Schlüsselwörter: Forensik, Theaterspielen, psychische Krankheit, Erprobungsraum

 


Theater-workshop Romeo and Juliet 

Abstract
In 2023, a theatre project was rehearsed and performed for the first time at the MRVZN Moringen, involving actors and theatre educators from the theatre group stille hunde (engl. Translation: silent dogs). Following the overwhelmingly positive feedback from both the audience and patients, further productions took place in 2024 and 2025. This project has since been made permanent thanks to a fixed budget, after the clinic had previously secured funding. The following is a brief overview of the experiences from the 2025 theater project, intended to encourage other hospitals to undertake similar projects. 


Keywords: Forensics, acting, mental illness, experimental setting

 

Korrespondenzadresse: Ellen Deilke, MRVZN Moringen, Mannenstraße 29, 37186 Moringen, Ellen.Deilke@mrvzn-moringen.niedersachsen.de


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:164-176
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0058

 

Wer bin ich, wer will ich sein?
Entwicklung von Geschlechtsidentitäten im Jugendalter. Grundsätze der Diagnostik und Unterstützung bei der Entwicklung eines Selbstbildes 

Michael Günter


Schlüsselwörter: Geschlechtsidentität, Genderdysphorie, Transition, Körpererleben, Jugendpsychiatrie


Keywords: sexual Identity, youth psychiatry 

 

Korrespondenzadresse: Prof. Dr. med. Dr. phil. h.c. Michael Günter, I2PT – Institut für psychiatrisch-psychologische Begutachtung Tübingen, Poststr. 10, 72072 Tübingen, michael.guenter@i2pt.de, www.i2pt.de


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:177-189
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0059

 

Zum praktischen Umgang mit Transsexualität in einer forensischen Klinik
Dirk Hesse


Zusammenfassung
In den letzten zehn Jahren kann eine Entwicklung hin zu einer aufgeschlosseneren Haltung der Gesellschaft gegenüber geschlechtlichen und sexuellen Einstellungen beobachtet werden. Insbesondere anzuführen ist die LGBTQIA+ -Bewegung, die ein Akronym darstellt das lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle/transgender, queere, intersexuelle und asexuelle Menschen umfasst. Es steht für sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten jenseits der heterosexuellen Norm. Geschlechtliche Vielfalt findet vermehrt Eingang in die Medien, etwa bei der Besetzung von Rollen in Filmen, wird im öffentlichen Raum rezipiert durch Einrichtung von Toiletten für Menschen mit diversem Geschlecht und hat nicht zuletzt zu Gesetzesänderungen geführt, nämlich der Abschaffung des Transsexuellengesetzes zugunsten des Selbstbestimmungsgesetzes 2025. Noch selten, aber in Zukunft mutmaßlich häufiger, finden sich Patientinnen und Patienten im forensischen Kontext. Der vorliegende Artikel soll eine Anregung für forensische Kliniken für einen adäquaten Umgang mit dieser Patientenklientel geben.


Schlüsselwörter: Forensik, Trans-Personen, Transsexualität, Hormonbehandlung, geschlechtsangleichende Operation

 


Transsexuality in a Forensic Hospital – Practical Considerations

Abstract
Over the past ten years, there has been a noticeable shift towards a more open-minded attitude within society towards gender and sexual orientations. Of particular note is the LGBTQIA+ movement, an acronym that encompasses lesbian, gay, bisexual, transgender, queer, intersex and asexual people. It represents sexual orientations and gender identities beyond the heterosexual norm. Gender diversity is increasingly featured in the media, for example in the casting of roles in films; it is reflected in public spaces through the provision of toilets for people of diverse genders; and, not least, it has led to legislative changes, namely the repeal of the Transsexuals Act in favour of the Self-Determination Act 2025. Although still rare, patients are likely to be encountered more frequently in a forensic context in the future. This article aims to provide guidance for forensic clinics on how to deal appropriately with this patient group.


Keywords: Forensics, transgender people, transsexuality, hormone treatment, gender-affirming surgery

 

Korrespondenzadresse: Dr. Dirk Hesse, dirk.hesse@mrvzn-moringen.niedersachsen.de#


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:190-204
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0060

 

Geschlechterblindheit in der klinischen Praxis: Interventionen für den Frauenmaßregelvollzug
Madeleine Kassar und Matthias Wiesmayr


Zusammenfassung
Im Maßregelvollzug bestehen erhebliche geschlechtsspezifische Verzerrungen in Diagnostik, Risikobeurteilung und Behandlung. Besonders Frauen werden in Forschung und Versorgung systematisch unterrepräsentiert oder methodisch unzureichend berücksichtigt, was mitunter auch zu inadäquaten klinischen Entscheidungen führen kann.
Der Artikel synthetisiert aktuelle internationale Evidenz zu weiblicher Psychopathologie, Aggressionsdynamiken und wirksamen Interventionsstrategien im forensisch‑psychiatrischen Setting, besonders in Krisensituationen.
Weibliche Gewalt entsteht überwiegend relational. Selbstverletzendes Verhalten (NSSI) fungiert häufig als dynamischer Marker, nicht nur für Ausprägung der Grunderkrankung, sondern auch für die forensische Risikoeinschätzung im Hinblick auf akute Aggressionsbereitschaft. Hochaggressive Patientinnen in hochgesicherten Behandlungssettings zeigen häufig komplexe Traumafolgen und chronische Dysregulationsmuster sowie starke Hospitalisierungsvulnerabilität. Strukturelle Faktoren erhöhen zusätzlich das Risiko für resultierende reaktive Zwangsmaßnahmen. 
Das wirksame Behandlungsmilieu der Zukunft erfordert geschlechtssensible Diagnostik und Therapie, adaptive Sicherheitsstrukturen und kontinuierliche Teamqualifizierung. Besonders individualisierte, partizipative Interventionsstrategien stellen ein zentrales Instrument dar, um Sicherheit, Transparenz und therapeutische Wirksamkeit im Frauenmaßregelvollzug zu verbessern.


Schlüsselwörter: Forensische Psychiatrie, Frauen, Geschlechtssensibilität, partizipative Interventionen

 

Gender insensitivity in clinical practice: Interventions for women in forensic mental health care

Abstract
Significant gender‑specific bias persists in diagnostic, risk‑assessment, and clinical treatment practice within forensic mental health care. Women remain systematically underrepresented or methodologically insufficiently considered in research and clinical decision‑making. This article aims to synthesise current international evidence on female psychopathology, aggression dynamics, and effective intervention strategies in forensic psychiatry especially recognising crises. 
In women, violence occurs predominantly within relational contexts. Nonsuicidal self‑injury (NSSI) frequently functions as a dynamic marker not only for the severity of underlying psychopathology but also for expert risk assessment towards propensity for violence. Highly aggressive women in high-security wards often present with complex trauma histories, chronic dysregulation, and pronounced vulnerability to negative institutionalisation effects. Structural factors within these settings further increase the risk for reactive coercive measures. 
Tomorrow’s most efficient treatment environments therefore require gender‑informed diagnostics and gender-sensitive therapy, adaptive safety architecture, and continuous team support. Individualised, participatory intervention strategies emerge as a key instrument for enhancing safety (not security!), transparency, and therapeutic efficacy in forensic mental health care predominantly targeting women.


Keywords: forensic mental health care, women, gender-sensitivity, gender‑informed approach, participatory interventions

 

Korrespondenzadresse: Dr. Madeleine Kassar MA, kbo-Isar-Amper-Klinikum gemeinnützige GmbH, Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Bräuhausstraße 5, 84416 Taufkirchen (Vils), Madeleine.Kassar@kbo.de

 


Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, 2026.36:205-222
DOI: https://doi.org/10.2440/009-0061

 

»Verandern«
Vom Ungeist oktroyierter Normalisierung

Ulrich Kobbé


Zusammenfassung
Der Betrag referiert und diskutiert Grundsätzlich- und Fragwürdigkeiten uneingelöster Behandlungs- bzw. Veränderungsansprüche in Strafvollzug und Sicherungsverwahrung. Problematisiert werden strategische Instrumentalisierungs-, unethische Entsubjektivierungs- und therapiewidrige Dichotomie-Effekte juristischer Dogmatik und vollzuglicher Pragmatik. Die negative Dialektik der verhakten Macht-Ohnmacht-Dynamik fordert deren pointierte Skandalisierung heraus.


Schlüsselwörter: Änderung, Behandlung, Motivation, Sicherungsverwahrung, Strafvollzug


»Otherivation«
The evil spirit of imposed normalization

Abstract
The article reviews and discusses fundamental and questionable aspects of unresolved treatment and change requirements in the prison system and preventive detention. It addresses the problematic issues of strategic instrumentalization, unethical de-subjectification, and therapy-adverse dichotomy effects of juridical dogmatism and prison pragmatism. The negative dialectic of the entangled power-powerlessness dynamic provokes its pointed scandalization.


Keywords: Change, treatment, motivation, preventive detention, prison system

 

Korrespondenzadresse: Ulrich Kobbé, ulrich@kobbe.de


 

Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
34. Jahrgang · 2026 · Heft 2
Pabst, 2026
ISSN 0945-2540
 

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