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Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

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2014-1

Klaus Hoffmann
Editorial

Heinz Kammeier
Reform der psychiatrischen Maßregel nach § 63 StGB
Zusammenfassung | Abstract


6 Kommentare zum Beitrag "Reform der psychiatrischen Maßregel
nach § 63 StGB" von Heinz Kammeier:

  • Bernd Dimmek
  • Dirk Hesse
  • Lutz-Peter Hiersemenzel
    Maßnahmenvollzug in der Schweiz: Andere Gesetze, gleiche Probleme?
  • Klaus Hoffmann
    Reform der psychiatrischen Maßregel nach § 63 StGB - Notwendige Vernetzungen Forensik - Justiz - Allgemeinpsychiatrie -Öffentlichkeit
  • Markus G. Feil
    Sackgasse Maßregel oder: Ist die Aufteilung in Maßregeln und Strafen im deutschen Strafrecht noch fachlich begründet und zeitgemäß?
  • Tilman Kluttig
    Eine Reform der Maßregel nach § 63 StGB

 


Reform der psychiatrischen Maßregel nach § 63 StGB
Heinz Kammeier

Zusammenfassung

Den psychiatrischen Maßregelvollzug belasten seit rund 20 Jahren steigende Zahlen von Unterbringungsanordnungen, an Beständen von untergebrachten Personen, an verlängerten Unterbringungsdauern sowie dadurch hervorgerufenen signifikant erhöhten Aufwendungen für Investitionen und Betriebskosten zu Lasten des Fiskus. Führungsaufsicht, Bewährungshilfe und Forensische Nach(!)sorge-Ambulanzen sind in ihrer gegenwärtigen Struktur offensichtlich nicht in der Lage, diesen Trend aufzuhalten, geschweige denn, ihn umzukehren. Die Gründe hierfür liegen u.a. in der baulichen Aufrüstung zahlreicher Maßregelvollzugskliniken, was wegen der hohen Hürde des § 67d II StGB einen gleitenden Übergang in die Bewährungsentlassung erschwert, wie auch in der diversifizierten Versorgungslandschaft der allgemeinen Psychiatrie, die neben dieser insoweit einleuchtenden Vorbildfunktion den negativen Effekt einer "Forensifizierung" schwieriger Personen mit sich bringt.
Kleinere, unzureichende und rechtssystematisch wie versorgungspolitisch falsch angesetzte Korrekturen dieser Entwicklung haben es nicht vermocht, sondern eher verhindert, den seit rund 80 Jahren in dieser Form bestehenden Vollzug der psychiatrischen Maßregel mit seiner Konzentration auf eine überwiegend geschlossene Unterbringung in einem Krankenhaus an zeitgemäßere und effektivere Standards von Sicherung und Resozialisierungsangeboten heranzuführen.
Deshalb wird hier eine Reform der psychiatrischen Maßregel vorgeschlagen, die beginnend mit einer Änderung des Normenbestandes einen Maßregelvollzug "in einer Hand" anstrebt. Dabei stellt nicht mehr das psychiatrische Krankenhaus allein die zentrale Unterbringungsinstitution dar, sondern es wird durch weitere Betreuungs- und Versorgungseinrichtungen ergänzt, die von hoch gesichert bis unter Umständen langfristig niedrigschwellig ambulant den hoheitlichen Sicherungs- und Resozialisierungsauftrag wahrnehmen. Durch einen Maßregelvollzug "in einer Hand" wird die bisherige Bewährungsaussetzung obsolet, die Führungsaufsicht und die in ihr vorgesehenen Betreuungs- und Kontrollmaßnahmen werden vom Vollzug, insbesondere von den Ambulanzen als seinen integralen Elementen übernommen. Die bislang problematisierte Unverhältnismäßigkeit einer langdauernden geschlossenen Unterbringung wird zugunsten einer unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes variabel gestaltbaren Eingriffsintensität aufgelöst.

Schlüsselwörter: Maßregelreform, Unterbringungsdaten, Forensische Ambulanz, Verhältnismäßigkeit, Vollzug, Vollstreckung


Reform of forensic hospital order treatment acc. to § 63 German Criminal Code

Abstract
For the past 20 years, forensic hospital order treatment has been suffering from increasing numbers of forensic hospital orders, of prevailing numbers of forensic patients and prolonged treatment durations which have caused a significant increase in ensuing costs for investments and operation of forensic hospitals to be borne by the Treasury. Supervision of conduct, probatory service, and forensic after(!)care services, in their current structure, are obviously not able to slow down this trend, let alone to reverse it. The reasons for this situation are to be found, among others, in the structural upgrading of numerous forensic psychiatric hospitals which impedes a smooth transition into release on probation due to high hurdles of § 67d II German Criminal Code as well as in the diversification of care provision in general psychiatry which apart from an insofar evident role model function produces the negative effect of a "forensification" of difficult patients.
Some minor unsatisfying and misplaced attempts from the point of view of legal and supply policy to correct this development have not been able to achieve, but rather hindered, a transition of the current way of providing hospital order treatment as it is being done for about 80 years now with a special focus on mainly secured wards, towards more up-to-date and efficient standards of securing and reintegration into society.
We therefore propose a reform of forensic hospital order treatment which starting by changes to existing norms aims at developing a kind of "one-stop" hospital order treatment. The psychiatric hospital will no longer represent the central institution for placement of patients, it will be complemented by further institutions which provide care and treatment. These institutions could be run on a highly secured basis down to long-term low-threshold outpatient departments thus meeting legally required security standards while at the same time striving for reintegration into society. With such a "one-stop" hospital order treatment the formerly implemented suspension of probation will become obsolete, supervision of conduct as well as any prevailing measures of care and control will become integral elements of law enforcement and may as such be taken over by outpatient departments. The hitherto debated problem of disproportionality of long-term secured placement will be solved in favour of more variable care and control measures respecting the principle of proportionality.

Key words: Reform of forensic hospital order treatment, forensic out-patient clinic, proportionality, law enforcement


Dr. jur. Heinz Kammeier
Lehrbeauftragter für Recht im
Gesundheitswesen an der
Privaten Universität Witten/Herdecke
Rilkeweg 11
48165 Münster
E-Mail:
kammeier-muenster@t-online.de

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