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Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

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2013-2

Klaus Hoffmann, Thomas Ross, Jan Querengässer, Reinhard Mielke
Editorial

Michael von der Haar
Unterschiedliche Wahrnehmungen der Begriffe "Therapiewille" und "Therapiefähigkeit" bei der Maßregel nach § 64 StGB
Zusammenfassung | Abstract

Margit Müller
Substitution im Rahmen der Maßregelvollzugsbehandlung nach § 64 StGB. Ein Erfahrungsbericht
Zusammenfassung | Abstract

Veronika Lindemann, Jan Querengässer, Klaus Hoffmann & Thomas Ross
Psychiatrische Prognosen für den Behandlungserfolg in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) - Ergebnisse einer Gutachterbefragung
Zusammenfassung | Abstract

Jan Querengässer, Thomas Ross & Klaus Hoffmann
Was führt zum "Abbruch"? Ergebnisse einer internen Analyse von Stellungnahmen, in denen die Erledigung einer Therapie nach § 64 StGB wegen Aussichtslosigkeit angeregt wird
Zusammenfassung | Abstract

Amelie Baumann, Jan Querengässer, Klaus Hoffmann & Thomas Ross
Eine empirische Untersuchung zu Spätaussiedlern in der Entziehungsanstalt (§ 64 StGB)
Zusammenfassung | Abstract

 


Unterschiedliche Wahrnehmungen der Begriffe "Therapiewille" und "Therapiefähigkeit" bei der Maßregel nach § 64 StGB
Michael von der Haar

Zusammenfassung

Die Praxis des Vollzugs der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt hat sich in den letzten Jahren verändert. Eine andere gesellschaftliche Bewertung von Rückfällen und Entweichungen aus dieser Maßregel führt auch zu einer neuen Bewertung dieser Ereignisse. Parallel dazu wird in obergerichtlichen Entscheidungen die Beurteilung von "Therapiewille und Therapiefähigkeit" als Kriterium herangezogen. Die vorliegende Arbeit zeigt diese Veränderungen der Bewertung des Maßregelvollzugs im Laufe von zwanzig Jahren auf und führt zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit dieser Metapher. Es kann gezeigt werden, dass die Therapiefähigkeit als grundlegende Ressource zu betrachten ist. Erst in einem weiteren Schritt entscheidet der Untergebrachte, ob er diese Fähigkeit einsetzen will oder nicht. Die Einschätzung von Ereignissen wie Rückfall und Entweichung aus dem Maßregelvollzug hat unter diesem Gesichtspunkt zu erfolgen.

Schlüsselwörter
Therapiewille, Therapiefähigkeit, § 64 StGB, Verweildauer, Erfolgsaussicht, Rückfälle, Aussichtslosigkeit


Varying perceptions of the terms "willingness for treatment" and "treatability" during hospital order treatment according to § 64 StGB (German Penal Code)

Abstract
In recent years, hospital order treatment in detoxification clinics has experienced changes as to practical application. An altered social perception of relapses and escapes from those hospitals also led to a new evaluation of those incidents. At the same time, Supreme Court decisions also rely on the assessment of criteria such as "willingness for treatment” and "treatability”. The present report illustrates these changes in evaluating hospital order treatment over a period of twenty years. This leads to a sophisticated discussion of this metaphor. It can be shown that treatability has to be considered as a basic resource. Only as a next step the detainee decides whether or not he/she will make use of this ability. Evaluation of such incidents as e.g. relapse and escape from hospital order treatment has to take this aspect into account.

Key words
willingness for treatment, treatability, § 64 StGB German Penal Code, period of stay, prospects of success, relapse, pointlessness


Dr. med. Michael von der Haar
Fachabteilung Bad Rehburg
Friedrich-Stolberg-Allee 1
31547 Rehburg-Loccum
E-Mail:
michael.vonderhaar@mrvzn-badrehberg.niedersachsen.de

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Substitution im Rahmen der Maßregelvollzugsbehandlung nach § 64 StGB. Ein Erfahrungsbericht
Margit Müller

Zusammenfassung

Ausgehend von Drogenabstinenz als einzigem Ziel einer erfolgreichen Abhängigkeitsbehandlung im Rahmen der Maßregelbehandlung nach § 64 StGB wird die Entwicklung zur opioidgestützten Therapie im Maßregelvollzugszentrum Niedersachen, Standort Moringen, dargestellt. Der Prozess wird anhand von Einzelfällen exemplarisch belegt. Die verschiedenen Ansätze des momentanen suchtmedizinischen Vorgehens werden beschrieben und erläutert, Schwierigkeiten und Diskussionspunkte der täglichen Arbeit werden aufgezeigt.

Schlüsselwörter
Abstinenz, Substitution, opioidgestützte Therapie, harm reduction, Maßregelvollzugsbehandlung nach § 64 StGB, Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen Standort Moringen


Substitution treatment in forensic psychiatry according to § 64 StGB

Abstract
The development from the abstinence of narcotics being the single target of a successful addiction treatment in the framework of care order attendance (§ 64 StGB) to a substitution treatment within the Center of forensic psychiatry Lower Saxony, Moringen is presented. Exemplary cases illustrate this process. The diverse approaches of contemporary substitution treatment are described and commented on. Various difficulties and points of discussion of day-to-day operations are pointed out.

Key words
abstinence, substitution treatment, opioid replacement therapy, harm reduction, forensic withdrawal treatment, Center of forensic psychiatry Lower Saxony Moringen


Dr. Margit Müller
Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen
Standort Moringen
Mannenstraße 29
37186 Moringen
E-Mail:
margit.mueller@mrvzn-moringen.niedersachsen.de

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Psychiatrische Prognosen für den Behandlungserfolg in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) - Ergebnisse einer Gutachterbefragung
Veronika Lindemann, Jan Querengässer, Klaus Hoffmann & Thomas Ross

Zusammenfassung

Voraussetzung für die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB ist unter anderem das Vorliegen hinreichend konkreter Aussichten auf Erfolg der Behandlung. Trotz der Tatsache, dass dies von einem Sachverständigen im Rahmen einer Behandlungsprognose geprüft wird, werden bundesweit etwa 50% der Therapien mangels Aussicht auf Erfolg vorzeitig abgebrochen. Die Forschung beschäftigt sich schon seit etlichen Jahren damit, Prädiktoren für den Therapieerfolg zu identifizieren. Worauf die Gutachter ihre Prognosen tatsächlich stützen, ist bislang jedoch nicht bekannt. Im Rahmen der vorliegenden Pilotstudie wurde dies mit Hilfe eines eigens entwickelten Fragebogens exemplarisch an 16 Gutachtern untersucht. Es konnten einige Variablen identifiziert werden, für die im Hinblick auf die prognostische Richtung und das prognostische Gewicht weitgehende Einigkeit zwischen den Sachverständigen herrscht. Übereinstimmung bezüglich der Kriterien, auf die die Gutachter ihre Prognosen tatsächlich stützen, findet sich jedoch nur für vereinzelte Aspekte, z.B. die Behandlungsmotivation oder etwaige Dissozialität des Straftäters. Einigen bereits wissenschaftlich belegten Prädiktoren schreiben die Gutachter durchaus prognostischen Wert zu, halten deren Relevanz aber für relativ gering. Zur Verbesserung und Vereinheitlichung der Prognosen könnte die Erstellung von Leitlinien oder Mindestanforderungen für die Einschätzung der Behandlungsaussichten beitragen.

Schlüsselwörter
Suchtkranke Straftäter, § 64 StGB, Behandlungsprognose, Forensische Psychiatrie


Psychiatric Prognosis of Success of Inpatient Addiction Treatments (§ 64 StGB). Results of Expert Polls

Summary
In Germany, substance addicted offenders with good treatment perspectives are usually referred to a rehabilitation centre according to section 64 of the German Criminal Code. Experts are required to account for their testimonies, i.e. they are asked to justify why they think a substance addicted offender will profit from detoxification and psychological therapies. However, roughly 50% of treatments according to § 64 German Criminal Code are terminated before the rehabilitation goal has been reached. Although research on predictors of premature termination of such treatments has been conducted for years, termination figures remain relatively stable, and it is not clear which information experts actually take into account when asked to report on treatment perspectives of substance addicted offenders.
In this pilot study, 16 experts were asked to provide information on the process as to how they evaluate their clients’ treatment perspectives in a special rehabilitation centre according to section 64 of the German Criminal Code. We identified a set of variables generally found predictive by all experts, some of which correspond with the scientific literature. Scientifically substantiated factors such as treatment motivation or antisocial personality traits are recognized as important predictors of treatment success among these patients, but the factors experts actually apply when evaluating individual cases may be completely different.
Hence, agreement between experts was low when asked to name predictors they actually make use of in individual cases.
We conclude that guidelines are needed in order to formalize the evaluation of treatment perspectives according to section 64 of the German Criminal Code.

Key words
substance addicted offenders, section 64 of the German Criminal Code, treatment prognosis, forensic psychiatry


PD Dr. Thomas Ross
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feuersteinstraße 55
78479 Reichenau
E-Mail:
t.ross@zfp-reichenau.de

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Was führt zum "Abbruch"? Ergebnisse einer internen Analyse von Stellungnahmen, in denen die Erledigung einer Therapie nach § 64 StGB wegen Aussichtslosigkeit angeregt wird
Jan Querengässer, Thomas Ross, Klaus Hoffmann

Bemerkung: Ausschnitte dieser Arbeit wurden in einem Kurzvortrag auf der Münchner Herbsttagung der AGFP im Oktober 2012 vom Erstautor präsentiert.

Zusammenfassung

Der Anteil an Patienten einer Entziehungsanstalt, deren Therapie nach § 64 StGB wegen Aussichtslosigkeit erledigt, also vorzeitig beendet wird, liegt bundesweit seit mehreren Jahren bei rund 50%. Die bisherige Forschung befasste sich mit der Ermittlung prognostisch relevanter Patienteneigenschaften oder einer differenzierten Beschreibung einzelner Patientengruppen mit einem solchen Therapieende. Konkrete Begründungen für "Abbrüche", wie sie im allgemeinen Sprachgebrauch genannt werden, dienten hingegen bisher nicht als Untersuchungsgegenstand.
In einer internen Auswertung von 39 Stellungnahmen aus den Jahren 2006 bis 2011, in denen die Erledigung der Therapie nach § 64 StGB wegen Aussichtslosigkeit vom Behandlungsteam angeregt wird, wurden Abbruchgründe und -ursachen inhaltsanalytisch ermittelt und inferenzstatistisch bzw. clusteranalytisch ausgewertet. Ein Ziel war, deskriptiv zu beschreiben, wie Therapieabbrüche strukturell und inhaltlich begründet werden. Vermutet wurden Unterschiede in den Begründungsmustern in Abhängigkeit von Deliktstruktur und Hauptdiagnose. Dies konnte durch die Daten nur teilweise gestützt werden. Dagegen ergab die Clusteranalyse nach den Abbruchbegründungen drei ziemlich klar abgrenzbare Patientengruppen, die sich in anderen Merkmalen nicht konstruktionsbedingt ebenfalls unterschieden: der parallel ausgesprochenen Gesamtfreiheitsstrafe, der bisherigen Behandlungsdauer und der Häufigkeit einer Persönlichkeitsstörung als Nebendiagnose.
Aufgrund des geringen Stichprobenumfangs und der Herkunft aus nur einer Klinik handelt es sich hier um eine Pilotstudie. Dennoch gibt sie einen ersten, hypothesengenerierenden Einblick in die klinische Abbruchpraxis bei Unterbringungen nach § 64 StGB und bereichert die aktuelle Diskussion, wie sich die hohe Abbruchquote senken lassen könnte, um einen weiteren Blickwinkel.

Schlüsselwörter
Behandlungsprognose, Entziehungsmaßregel, Forensische Psychotherapie, Straftäterbehandlung


What precedes treatment failure? A preliminary study on the reasons for premature termination of forensic treatments according to section 64 of the German legal code

Abstract
In Germany 50% of all forensic therapies according to section 64 of the German penal code (StGB) are terminated prematurely, i.e. before major treatment goals have been achieved. Previous research has focused on the description of (personal and clinical) factors associated with a patient´s dropping out of therapy, and the identification of factors considered relevant for the prediction of therapy outcomes. In contrast, the grounds brought forward from experts as to why a therapy should be terminated prematurely have not yet been targeted.
By means of a review of 39 therapist statements, grounds were content analysed and evaluated by inference and cluster-analytic statistics. It was intended to descriptively describe how experts justified their suggestions, from both a formal and content point of view. We hypothesized that there would be different patterns depending on patients’ diagnoses and offences, which was only partially approved by the data. A cluster analysis revealed three groups of patients that differed markedly with regard to the line of argument underlying the experts’ decision. They also differed with respect to the duration of a parallel prison sentence, the duration of therapy until termination, and the diagnosis of a comorbid personality disorder.
This is a pilot study. Yet the study allows insights into the ideas underlying expert testimonies that recommend the termination of forensic therapies according to section 64 of the German penal code.

Key words
Treatment prognosis, residential treatment of addiction, forensic psychotherapy, offender Treatment


PD Dr. Thomas Ross
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feuersteinstraße 55
78479 Reichenau
E-Mail:
t.ross@zfp-reichenau.de

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Eine empirische Untersuchung zu Spätaussiedlern in der Entziehungsanstalt (§ 64 StGB)
Amelie Baumann, Jan Querengässer, Klaus Hoffmann & Thomas Ross

Zusammenfassung

Hintergrund: Es gibt nur wenige Befunde zu Migranten im Maßregelvollzug, das gilt besonders für Migranten aus ehemaligen Aussiedlungsgebieten. Angesichts der vermuteten Überrepräsentation dieser Gruppe im Maßregel- und Strafvollzug und Befunden der suchtmedizinischen Forschung widmet sich diese Untersuchung Spätaussiedlern in der Entziehungsanstalt. Ziel ist eine Aufhellung dieses noch wenig untersuchten Bereichs.
Methode: Als Datengrundlage dienten Stichtagserhebungen der forensisch-psychiatrischen Einrichtungen in einem deutschen Bundesland, welche Daten über alle Patienten von 2009-2011 enthalten. Als Referenzgruppen zu den Spätaussiedlern werden Deutsche ohne Migrationshintergrund und Patienten mit anderweitigem Migrationshintergrund herangezogen. Relevante Variablen sind Anlassdelikt, Unterbringungsdauer, Abbruchrate, psychiatrische Hauptdiagnosen und die Häufigkeit suchtmedizinischer Vorbehandlungen.
Ergebnisse: Der überwiegende Anteil der Spätaussiedler in der Entziehungsanstalt hat vor Unterbringung suchtmedizinische Hilfe in Anspruch genommen. Drogen spielen im Vergleich zu Alkohol sowohl bei Vorbehandlungen als auch bei den Einweisungsdiagnosen eine größere Rolle - dies gilt auch im Vergleich zu der einheimischen Patientenklientel. Der relative Anteil der Spätaussiedler an Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) ist signifikant größer als bei Einheimischen. Bezüglich der Unterbringungsdauer gab es keine signifikanten Unterschiede, jedoch wurden Behandlungen der Indexgruppe tendenziell häufiger abgebrochen als die von Einheimischen, aber in geringerem Ausmaß verglichen zu anderen Migranten.

Schlüsselwörter
Spätaussiedler, Maßregelvollzug, forensische Psychiatrie, transkulturelle Psychiatrie, § 64 StGB


An empirical study on late repatriates treated in detoxification clinics according to section 64 of the German Legal Code

Abstract
Background: Empirical studies on migrants in forensic psychiatric clinics are scarce, and even less is known about migrant groups or

ginating from former resettlement areas. This study takes into consideration the presumed overrepresentation of repatriates in forensic psychiatric clinics, and the German penal system at large. Results from research in detoxification clinics are analysed with respect to some important issues of drug and/or alcohol related disorders in late repatriates.
Method: The databases providing the information were recorded in eight forensic psychiatric facilities over a three year period from 2009 until 2011. In addition to late repatriates, two reference groups consisting of Germans without migration background and migrants with other than repatriate migration backgrounds were used. Variables to be analysed included the index offense, treatment duration, premature termination of treatments (and subsequent referrals to prison), psychiatric index diagnoses at the time of the index offence, and detoxification treatments patients had received prior to their entering a forensic psychiatric facility.
Results: Most of the repatriates placed in detoxification clinics received earlier drug or alcohol related treatments. In contrast to alcohol related disorders, illegal drug abuse played a dominant role with respect to psychiatric index diagnoses. Likewise, compared to alcohol related disorders, earlier treatments were more likely to have taken place in relation to drug abuse and/or drug addiction. This relationship also applied to German patients with no migration background. The relative share of late repatriates with violations against sections of the German Narcotics Law (Betäubungsmittelgesetz BtmG) is significantly higher than that of Germans without migration background. Regarding their length of stay, no difference was found between the groups. However, treatments terminated prematurely were more frequent in late repatriates compared to patients with no migration background, but less frequent compared to other migrants.

Key words
Forensic psychiatry, late repatriates, transcultural psychiatry, drug addicted offenders


PD Dr. Thomas Ross
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feuersteinstraße 55
78479 Reichenau
E-Mail:
t.ross@zfp-reichenau.de

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