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Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

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2011-1

Tilman Kluttig & Klaus Hoffmann
Editorial

María Isabel Fontao, Klaus Hoffmann & Thomas Ross
Gruppenpsychotherapieforschung im Maßregelvollzug. Bestandsaufnahme und Entwicklungsmöglichkeiten
Zusammenfassung | Abstract

Frauke Kilvinger, Thomas Ross, Klaus Hoffmann & María Isabel Fontao
Inhaltliche und strukturelle Aspekte von Narrativen in einer forensischen Gruppenpsychotherapie
Zusammenfassung | Abstract

Maria Isabel Fontao, Carmen Heinrich, Klaus Hoffmann & Thomas Ross
Therapeutische Interventionen, Therapeutische Allianz und Erfolgserwartung in einer forensischen Gruppentherapie
Zusammenfassung | Abstract

Madeleine Bieg, Thomas Ross, Klaus Hoffmann & Maria Isabel Fontao
Prozess-Untersuchung einer Gruppenpsychotherapie mit forensischen Suchtpatienten mit besonderer Fokussierung der Sprachebene
Zusammenfassung | Abstract

Jan Querengässer, María Isabel Fontao, Klaus Hoffmann, Reinhard Mielke & Thomas Ross
Welche Bedeutung haben Gesprächspausen in der Gruppentherapie für suchtkranke Patienten im Maßregelvollzug und deren Therapeuten?
Zusammenfassung | Abstract

Carola Modica, Franziska Lamott, Friedemann Pfäfflin, Anna Buchheim, Dan Pokorny & Thomas Ross
Exploration und Autonomie in Bindungsnarrativen von Frauen, die Gewaltdelikte begangen haben
Zusammenfassung | Abstract

Herbert Steinböck
Zum Problem der freien Willensbestimmung in der Forensischen Psychiatrie
Zusammenfassung | Abstract

 


Gruppenpsychotherapieforschung im Maßregelvollzug. Bestandsaufnahme und Entwicklungsmöglichkeiten
María Isabel Fontao, Klaus Hoffmann & Thomas Ross

Zusammenfassung
Es wird ein Überblick über wesentliche Grundzüge der forensischen Psychotherapieforschung mit Schwerpunkt auf Arbeiten zur Gruppentherapie in der Forensik vorgestellt. Manualisierte kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze im Gruppensetting konnten in den letzten zwanzig Jahren überzeugende therapeutische Effekte nachweisen und sind mittlerweile international gut etabliert. Noch nicht ausreichend untersucht worden ist allerdings, welche Gruppenprozesse mit der erfolgreichen Umsetzung der gut beschriebenen und manualtreu angewandten Verfahren und Techniken zusammenhängen und wie die Zusammenhänge im Einzelnen sind. Psychodynamische und integrative Gruppenansätze werden im deutschsprachigen Raum zwar relativ häufig für die Behandlung psychisch kranker Straftäter angewandt und gelten aus klinischer Sicht als sehr nützlich; systematische, empirisch basierte Untersuchungen darüber, wie diese Gruppenangebote im Detail aussehen und welche Prozesse darin ablaufen, stehen aber noch aus. Über die Wirkfaktoren, die zu nach klinischem Eindruck häufig positiven Therapieeffekten führen, liegen noch so gut wie keine empirischen Befunde vor.
Vor diesem Hintergrund wird auch ein Forschungsansatz zur Objektivierung psychotherapeutischer Prozesse in der Behandlung suchtkranker Rechtsbrecher vorgestellt. Die in diesem Band aufgeführten vier explorativen Einzelfallstudien zur Gruppenpsychotherapieprozessforschung im Rahmen einer Qualitätssicherungsinitiative im Maßregelvollzug werden zusammengefasst und im Hinblick auf weitere Forschungsperspektiven diskutiert.

Schlüsselwörter
Forensische Psychotherapie, Gruppentherapie, Therapeutischer Prozess, Prozessforschung


Research on Group Therapy in Forensic Psychiatry. State of the Art and Possibilities for Development

Summary
In this paper, we present an overview of, and briefly discuss, core research questions of forensic psychotherapy focussing on group therapy in the forensic field. Manualized cognitive-behavioral treatment approaches in group settings have yielded substantial positive therapeutic effects over the past twenty years. However, the scientific community has failed to describe evidence as to which group processes are substantially related with positive outcomes; and to produce reliable estimates of effect sizes. In the German speaking countries, psychodynamic and integrative group approaches are frequently applied to forensic psychiatric patients, and they are generally regarded to be useful. Yet, systematic and empirically based studies as to how therapeutic groups are set up and which therapeutic processes actually take place during groups sessions have not been published. By this token, we know little about the therapeutic agents that might have been at work when clinicians report positive therapeutic outcomes of group psychotherapy with these patients.
We then describe a research framework for the investigation of psychotherapeutic processes in the group treatment of substance-addicted forensic psychiatric patients. The four explorative single case studies on group psychotherapy process research described in this volume were conducted within an initiative for quality management in a German forensic psychiatric hospital; the studies are subsequently summarized and discussed with respect to further research perspectives that might emanate from this approach.

Key words
Forensic Psychotherapy, Group Therapy, Therapeutic Process, Process Research


Dr. Maria Isabel Fontao
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feursteinstr. 55
78479 Reichenau
m.fontao@zfp-reichenau.de

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Inhaltliche und strukturelle Aspekte von Narrativen in einer forensischen Gruppenpsychotherapie
Frauke Kilvinger, Thomas Ross, Klaus Hoffmann & María Isabel Fontao

Zusammenfassung

In der forensischen Psychiatrie und Psychotherapie besteht noch ein Wissensdefizit über wirksame Veränderungsmechanismen im psychotherapeutischen Prozess. Die Identifikation von psychotherapeutischen Wirkmechanismen ist jedoch eine notwendige Voraussetzung für die Entwicklung effektiver Interventionsstrategien bei der Behandlung psychisch kranker Rechtsbrecher. Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie lag die Analyse inhaltlicher und struktureller Aspekte der Narrative suchtkranker forensischer Patienten im Rahmen einer Gruppenpsychotherapie. Dazu wurden 1013 Narrative aus 42 videographierten Gruppenpsychotherapiesitzungen anhand der Realkennzeichen von Steller und Köhnken (1989) mit qualitativen inhaltsanalytischen Methoden untersucht. Am häufigsten sprachen die Patienten über Persönliches, Soziale Beziehungen und Therapie. Über die Sucht und das Delikt wurde hingegen selten gesprochen. Am detailreichsten und komplexesten waren die Narrative, in denen es um die Familie oder um Arbeit, Ausbildung oder das Berufsleben ging. Weniger detailreich und einfacher strukturiert waren dagegen die Narrative, in denen vorrangig über die Therapie oder persönliche Themen gesprochen wurde. Die Studie leistet einen Beitrag zur Psychotherapieprozessforschung, indem sie die Narrative der Patienten detailliert beschreibt und einen Einblick in Inhalte und Arbeitsprozesse einer forensischen Gruppenpsychotherapie gibt.

Schlüsselwörter
Gruppentherapie, Maßregelvollzug, Forensische Psychotherapie, Suchtbehandlung


Aspects of Content and Structure of Narratives in a Forensic Group Psychotherapy

Summary
There is a lack of knowledge about change agents in the group psychotherapeutic process with forensic psychiatric patients. Yet, the identification of these factors is necessary for an effective treatment of these patients. The aim of this study was to analyze content and structure of narratives in a forensic group therapeutic setting with drug and alcohol addicted patients.  The narratives of the patients were assessed using criteria-based content analysis. 1013 narratives of 42 videotaped group sessions were analyzed on the basis of Stellers’ and Köhnkens’ (1989) content criteria for statement analysis. There were significant differences in the relative frequency of observed topics. The patients most frequently talked about their social contacts and personal issues, but they hardly ever talked about their index offence or drug-related problems. The most detailed and complex narratives were those pertaining to family relations, education, work, or professional life. In contrast, narratives focusing on therapy or personal issues showed a relatively simple narrative structure. Providing a detailed account of structural aspects and content of narratives within a forensic group psychotherapy, this study contributes to the field of psychotherapy research.

Key words
Group Therapy, Forensic Psychiatry, Forensic Psychotherapy, Substance Abuse Treatment


PD Dr. Thomas Ross
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feursteinstr. 55, 78479 Reichenau
t.ross@zfp-reichenau.de

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Therapeutische Interventionen, Therapeutische Allianz und Erfolgserwartung in einer forensischen Gruppentherapie
Maria Isabel Fontao, Carmen Heinrich, Klaus Hoffmann & Thomas Ross

Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit werden die Zusammenhänge zwischen therapeutischen Interventionen, Therapeutischer Allianz und  Erfolgserwartung an die Therapie aus Sicht der Patienten auf der Basis von 42 videografierten Sitzungen einer vier Mal wöchentlich stattfindenden psychodynamisch orientierten Gruppentherapie mit suchtkranken forensischen Patienten referiert.
Therapeutische Interventionen wurden mit der MULTI (Multitheoretical List of Therapeutic Interventions; McCarthy & Barber, 2009) erfasst. Die Therapeutische Allianz wurde von Patienten und Therapeuten anhand des HAQ (Helping Alliance Questionnaire; Luborsky, Barber, Siqueland, & Johnson, 1996; deutsche Fassung Bassler, Potratz, & Krauthauser, 1995) bewertet. Die Erfolgserwartung und die Gruppenprozesse wurden mittels Visueller Analogskalen eingeschätzt.
Am häufigsten waren in der untersuchten Therapie Interventionen, die den Allgemeinen Wirkfaktoren zuzuordnen sind; am seltensten wurden verhaltenstherapeutische Interventionen verwendet. Zwischen den Therapeutischen Interventionen verschiedener Orientierungen und der Therapeutischen Allianz aus Sicht von Patienten und Therapeuten zeigten sich keine signifikanten Zusammenhänge; dasselbe gilt für die von den Patienten eingeschätzte Erfolgserwartung. Therapeutische Interventionen, die zur Interpersonellen Therapie zählen, korrelierten negativ mit der Einschätzung der Qualität der Gruppenprozesse aus Sicht der Therapeuten. Die Ergebnisse werden diskutiert und Implikationen für künftige Gruppenprozessstudien dargestellt.

Schlüsselwörter
Gruppentherapie, Psychotherapieprozessforschung, Wirkfaktoren, forensische Psychiatrie, forensische Psychotherapie


Therapeutic Intervention, Therapeutic Alliance and Perceived Therapeutic Outcome in a Forensic Group Therapy

Summary
Based on 42 video-taped sessions of a high frequency psychodynamically oriented group therapy with substance addicted offenders, we present data on the relationship of therapeutic interventions, therapeutic alliance, and perceived therapeutic outcome from the patients´ point of view. Therapeutic interventions were measured with the Multitheoretical List of Therapeutic Interventions (MULTI; McCarthy & Barber, 2009), and Therapeutic Alliance was assessed with the Helping Alliance Questionnaire (HAQ;  Luborsky, Barber, Siqueland, & Johnson, 1996). Perceived therapeutic outcome and group processes were assessed with analogue scales.
Interventions related to general therapeutic factors abounded; behavioural interventions were rare. There was no significant relationship between therapeutic interventions of different theoretical background and therapeutic alliance, neither for patients nor therapists. The same goes for the patients´ perception of therapeutic outcome.
Therapeutic interventions pertaining to Interpersonal Therapy correlated negatively with the therapists´ evaluation of group processes. The results are discussed, and implications for further studies on group processes outlined.

Key words
group therapy, psychotherapy process research, therapeutic agents, forensic psychiatry, forensic psychotherapy


Dr. Maria Isabel Fontao
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feursteinstr. 55
78479 Reichenau
m.fontao@zfp-reichenau.de

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Prozess-Untersuchung einer Gruppenpsychotherapie mit forensischen Suchtpatienten mit besonderer Fokussierung der Sprachebene
Madeleine Bieg, Thomas Ross, Klaus Hoffmann & Maria Isabel Fontao

Zusammenfassung

Das Therapeutische Zyklusmodell (Mergenthaler 1996; 1998) bietet einen geeigneten theoretischen und methodischen Rahmen zur Untersuchung von Wirkfaktoren auf der Sprachebene.  Das Ziel der vorliegenden explorativen Prozess-Studie war es, eine Gruppenpsychotherapie mit forensischen Patienten in der Entziehungsanstalt vor diesem Hintergrund zu untersuchen und Zusammenhänge zwischen Wirkfaktoren und Prozessmaßen zu prüfen.
Hierzu wurde das Vorkommen der Variablen Emotionale Tönung, Abstraktion und Narrativer Stil sowie der daraus gebildeten Sprachmuster in den Transkripten von 16 Therapiesitzungen mittels computergestützter Textanalyse ermittelt. Ferner wurden für jede ausgewertete Therapiesitzung klinische Prozessmaße von Patienten, Therapeuten und Beobachtern eingeschätzt.
Die Emotionale Tönung und die Abstraktion waren im Patiententext niedriger, der Narrative Stil hingegen höher als im Therapeutentext. Das Auftreten des Sprachmusters Experiencing im Patiententext, das auf einen verstärkten verbalen Ausdruck von Emotionen hinweist, ging mit einer höheren Zufriedenheit der Patienten mit der Sitzung einher. Das Sprachmuster Connecting, das nach dem Zyklusmodell auf Schlüsselmomente im Therapieprozess hinweist, trat umso häufiger auf, je höher die Interaktion zwischen den Gruppenteilnehmern war. Das von den Patienten eingeschätzte Allgemeinbefinden vor der Therapiesitzung korrelierte negativ mit der Auftretenshäufigkeit des Sprachmusters Connecting.
Praktische Implikationen sowie Einschränkungen der Studie und Perspektiven für die Erforschung von Gruppenprozessen in der Therapie suchtkranker Straftäter werden diskutiert.

Schlüsselwörter
Forensische Psychotherapie, Maßregelvollzug, Psychotherapieprozessforschung, Therapeutisches Zyklusmodell


Process Exploration of a Group Psychotherapy of Forensic Drug Abuse Patients with Special Focus on the Speech Level

Summary
The Therapeutic Cycle Model (Mergenthaler 1996; 1998) offers a suitable theoretical and methodological framework for the study of therapeutic factors at speech level. The aim of the present exploratory process study was to examine the relationships between therapeutic factors and process measures within a group therapy in a forensic ward.
For this purpose we examined the occurence of Emotional Tone, Abstraction and Narrative Style in 16 transcripts of therapy sessions using computer-assisted text analysis. Furthermore, clinical process measures for every analyzed session were assessed by patients, therapists and observers.
Compared to therapists´ speech, Emotional Tone and Abstraction were lower than the mean in patients´ verbal accounts, whereas Narrative Style was higher. The occurrence of the language pattern Experiencing, which is a marker for intense emotional expression, correlated positively with patients’ satisfaction with the therapy session. The language pattern Connecting is a marker for key moments in psychotherapy according to the Therapeutic Cycle Model, and was positively correlated with the interaction between group members, as rated by the observers. Patients’ self-reported well-being after therapy sessions was negatively correlated with the frequency of the language pattern Connecting.
Practical implications and limitations as well as resulting perspectives for future studies of group processes with respect to the therapy of addicted forensic patients are discussed.

Key words
Forensic psychotherapy, forensic psychiatry, psychotherapy process research, Therapeutic Cycle Model


Dipl.-Psych. Madeleine Bieg
Universität Konstanz
Geisteswissenschaftliche Sektion
Erziehungswissenschaft und Empirische Bildungsforschung
78457 Konstanz
madeleine.bieg@uni-konstanz.de

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Welche Bedeutung haben Gesprächspausen in der Gruppentherapie für suchtkranke Patienten im Maßregelvollzug und deren Therapeuten?
Jan Querengässer, María Isabel Fontao,

Klaus Hoffmann, Reinhard Mielke & Thomas Ross

Zusammenfassung

Bisher sind Untersuchungen zur Bedeutung von Pausen in Therapiegesprächen nur aus dem einzeltherapeutischen Setting bekannt. Dabei berichten einige Autoren therapieförderliche, andere therapiehinderliche Zusammenhänge zwischen Sitzungen mit vielen oder langen Pausen und therapeutischen Prozess- oder Erfolgsmaßen. Die Ursache dafür wird in der Literatur in der unterschiedlichen Bedeutung gesehen, die Gesprächspausen haben können. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, welche Rolle Gesprächspausen im Kontext von Gruppenpsychotherapiesitzungen für Patienten und Therapeuten spielen, denn die bisherigen Forschungsergebnisse zu dieser Thematik sind recht heterogen.
Es wurden 37 Sitzungen einer Therapiegruppe mit substanzabhängigen Rechtsbrechern analysiert. Die Zahl, die mittlere Dauer und die Gesamtdauer der Pausen wurde in jeder Sitzung der psychodynamisch orientierten Gruppe gemessen und mit der Bewertung der Sitzung durch die Therapeuten sowie selbstberichteten therapeutischen Prozessvariablen der zwölf Patienten (Therapiemotivation, -zufriedenheit oder Erfolgserwartung an die Therapie) in Beziehung gesetzt. Vermutet wurde ein systematischer Zusammenhang zwischen Patienten- und Therapeutenbeurteilungen und der Häufigkeit bzw. der Gesamtdauer der Pausen pro Sitzung.
Die Ergebnisse zeigten deutliche positive Zusammenhänge zwischen der Zahl und vor allem der Dauer der Pausen und den Prozessvariablen, die von den Patienten berichtet wurden. Entsprechende Zusammenhänge mit den Therapeutenbewertungen der Sitzungen gab es jedoch nicht. Ferner konnte gezeigt werden, dass die Tendenz, Pausen zu beenden, bei Patienten umso größer ist, je schlechter diese ihr Allgemeinbefinden vor der Sitzung einschätzen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele und lange Pausen von der Mehrzahl der Patienten als positiv für den Therapieverlauf wahrgenommen werden. Möglicherweise könnten Sitzungen noch therapieförderlicher gestaltet werden, wenn dem Thema Pausen größere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Schlüsselwörter
Gruppenpsychotherapie, forensische Psychotherapie, Straftäterbehandlung, forensische Psychiatrie, Psychotherapieprozessforschung


Investigation of the Role of Speech Pauses in Group Therapy for Drug Abuse Patients in Forensic Psychiatry and for their Therapists

Summary
The role of breaks or pauses in psychotherapy has usually been investigated in individual settings. Some authors have argued that pauses are a worthwhile factor to investigate when looking for positive predictors of therapy outcome, but others have contradicted and found negative relationships.  Obviously, pauses following on a stream of speech may have a multitude of meanings, depending on a large number of contextual features. In this study, we investigated the role of pauses in group psychotherapy sessions for both patients and therapists.
Length, frequencies and average duration of pauses during a group psychotherapy with twelve inpatients in forensic psychiatric care were measured during 37 videotaped group psychotherapy sessions, and the sequence patterns of pauses subsequent to patients’ and therapists’ speech were computed. All patients were diagnosed with substance abuse disorders, and convicted according to § 64 of the German penal code (StGB). The treatment took place in a forensic unit of a South German psychiatric hospital.
A positive relationship was hypothesized between therapeutic outcome variables such as patients’ therapy motivation, therapy satisfaction, or general condition prior to therapy sessions, and the total number, average duration, and duration of pauses following verbal discourse. The same assumption was held for the relationship between therapists’ assessments of the therapy process and the pause-related measures.
The assumed relationship was confirmed for the number and mainly the length of pauses and most of the patients’ process variables in contrast to the therapists’ assessments of therapy process, for what no relationships could be confirmed. After a pause, patients tend to take up conversation much more frequently when they had felt low prior to therapy sessions.
We conclude that the majority of patients welcome  high frequencies and long durations of pauses. Assuming the possibility of robust replications of these results, therapists may be able to influence sessions in a way that might be helpful for treatment.

Key words
Group psychotherapy, forensic psychotherapy, offender treatment, forensic psychiatry, psychotherapy process research


Dipl.-Psych. Jan Querengässer
Zentrum für Psychiatrie Reichenau
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Feursteinstr. 55
78479 Reichenau
j.querengaesser@zfp-reichenau.de

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Exploration und Autonomie in Bindungsnarrativen von Frauen, die Gewaltdelikte begangen haben
Carola Modica, Franziska Lamott, Friedemann Pfäfflin, Anna Buchheim, Dan Pokorny & Thomas Ross

Zusammenfassung

In einem psychodynamischen Modell der Gewalt symbolisieren Gewaltdelikte ein weitreichendes Versagen, mit anderen eine funktionale Beziehung zu etablieren. Ein derartiger Zusammenbruch von Beziehungen wird oft durch intensive negative Affekte und begleitende negative Emotionen vermittelt. Das Verständnis spezifischer Aspekte von mehreren, oft widersprüchlichen, dysfunktionalen Beziehungen und deren Auswirkungen auf die psychische Welt der Täterinnen stellt für Kliniker eine Herausforderung dar. Diese Studie untersucht die zentralen Beziehungsthemen von 19 weiblichen Inhaftierten, die schwere Gewaltdelikte begangen haben, und vergleicht sie mit einer Gruppe von Frauen, die keine Straftaten begangen hatten (n = 20). Die Teilnehmerinnen wurden mit dem Adult Attachment Interview zu ihren Bindungserfahrungen befragt. Die Analyse von Beziehungsthemen sowie von Autonomie und Exploration, die als zwei wesentliche Säulen einer sicheren Bindung angesehen werden, wurde anhand des CCRT-LU Kategoriensystems durchgeführt. Dies gilt als gut etabliertes Verfahren der Psychotherapieforschung zur Analyse maladaptiver Beziehungsmuster. Die zentralen Beziehungskonfliktthemen unterschieden sich in Bezug auf die "Reaktionen der Anderen" und auf die "objektbezogenen Wünsche", wobei die Straftäterinnen weniger Reaktionen und Wünsche im Bezug auf Autonomie und Exploration äußerten. Obwohl die weiblichen Inhaftierten sich selbst als weniger autonom oder explorierend bezeichneten, schienen sie keine Wünsche nach mehr Autonomie oder Exploration zu hegen, d.h. sie präsentierten sich eher unberührt von (negativen) Bindungserfahrungen, die aber weitreichende Folgen für die soziale Beziehungsgestaltung haben. Keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen wurden in Bezug auf die übergeordneten Bindungsaspekte gefunden. Wir folgern, dass Kliniker, die mit weiblichen Gewalttäterinnen an der Veränderung dysfunktionaler Aspekte ihrer Beziehungsmuster arbeiten, die Einstellungen dieser Patientinnen zu Beziehungsthemen wie Autonomie und Exploration differenziert betrachten sollten.

Schlüsselwörter
Adult Attachment, Bindungstheorie, forensische Psychotherapie, Straftäterinnen


Exploration and Autonomy in Attachment Narratives of Women who Have Committed Violent Crimes

Summary
In a psychodynamic model of offending, violent offences are conceptualized as the ultimate failure of establishing or maintaining a functional working relationship with others. By the same token, relationship breakdown is often mediated by intense negative affect and accompanying negative emotion (especially anger and fear). However, understanding specific aspects of multiple, often inconsistent dysfunctional relationships and the effects they may have had on the psychological world of the perpetrator can be challenging for mental health professionals. This study examines the core relationship themes in n=19 female prison inmates who committed serious violent offenses and in a comparison group of women with no criminal records (n=20). Participants were interviewed about their attachment experiences using the Adult Attachment Interview. The analysis of core relationship themes concerning autonomy and exploration, which are conceived of as two major pillars of secure attachment, was conducted by means of the CCRT-LU category system, a well-established method used in psychotherapy research to identify maladaptive relationship patterns.
As for core relationship themes, differences between the two groups were found with regard to the responses from the others and the wishes concerning the others, with offenders expressing fewer responses and wishes related to autonomy and exploration. No differences were found regarding the wishes of being autonomous and engaged with exploration. Although offenders described themselves as less autonomous or exploring, they apparently did not wish for more autonomy or exploration, i.e. they behaved as if they were rather unaffected by early (negative) attachment experiences. Overall the analysis revealed that there were no substantial differences between the two groups regarding attachment. We conclude that clinicians working with female prisoners who committed serious violent offenses should consider the attitude of these patients towards themes of autonomy and exploration carefully, especially when focusing on their recurrent relationship patterns.

Key words
adult attachment, attachment theory, forensic psychotherapy, female offenders


Dr. Carola Modica
Institut für Psychologie und Pädagogik
Universität Ulm
Albert-Einstein-Allee 47
89069 Ulm
carola.modica@uni-ulm.de

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Zum Problem der freien Willensbestimmung in der Forensischen Psychiatrie
Herbert Steinböck

Zusammenfassung

Forensische Psychiatrie gilt vielen als Paradefall eines Zwangskontextes, der mit den Anforderungen psychotherapeutischer Behandlung an Freiwilligkeit unvereinbar sei. Dieser Vermutung wird in dem Artikel in dreierlei Bezügen widersprochen: in Bezug erstens auf die Tat und deren Determiniertheit als Ausgangspunkt, zweitens auf das Verhältnis zwischen innerer Motivation und äußerer Anordnung in der Therapiesituation sowie drittens auf die Frage, inwieweit dieses Verhältnis eine subjektorientierte Lösung in einem forensisch modifizierten Salutogenese-Konzept finden kann.

Schlüsselwörter
forensische Psychiatrie, freier Wille, Psychotherapie, Motivation, Salutogenese


On the Problem of Free Will in Forensic Psychiatry

Summary
Forensic psychiatry is often said to be a prime example of a compulsory context, incompatible with demands of voluntary psychotherapy. Our article disagrees with this opinion in three areas: first with regard to the offence and its determination as the starting point, second to the relationship between interior motivation and exterior arrangement of therapy, and third to the question, in what subject oriented way a solution of this relationship can be found by means of a forensically modified concept of salutogenesis.

Key words
Forensic Psychiatry, Free Will, Psychotherapy, Motivation, Salutogenesis


Dr. Herbert Steinböck
Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie
Isar-Amper-Klinikum gGmbh
Klinikum München-Ost
Postfach 1111
85529 Haar
herbert.steinboeck@iak-kmo.de

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