NEWSBÜCHERJOURNALEONLINE-SHOP



 

Sie befinden sich hier: JOURNALE » Empirische Sonderpädagogik » Bisher erschienen » Inhalt lesen

« zurück

Empirische Sonderpädagogik

» Empirische Sonderpädagogik im Online-Shop...

Published under Creative Commons: CC-BY-NC Licence


2024-4

Professionelle Überzeugungen zur inklusiven Bildung: Validierung des Skaleninventars InkÜ bei berufstätigen Lehrkräften der Primarstufe
Sarah Strauß, Johannes König, Michael Grosche, Thomas Hennemann

Förderung des Verständnisses von Lehramtsstudierenden über Barrierepotenziale auf Schul- und Pausenhöfen durch (un-)vollständige Analysebeispiele
Rieke Frerichs, Tim Heemsoth & Frederik Bükers

 

Themenschwerpunkt 
„Diagnostische und (fach-)didaktische Kompetenzen von Lehrkräften“ 

Gastherausgeber*innen: 
Elisabeth Moser Opitz & Susanne Schnepel


Teachers’ Judgment Accuracy of Students’ Reading Comprehension in Inclusive Primary Schools
Sophia Hertel, Karolina Urton, Jürgen Wilbert, Johanna Krull, Jannis Bosch, Thomas Hennemann

Sprachentwicklungsstörungen im pädagogischen Alltag identifizieren:  Einflussfaktoren auf diagnostische Entscheidungsprozesse von Lehrkräften inAusbildung und Praxis
Anja Starke, Alexander Röhm, Katharina Rademacher, Michelle Grengel, Nur Seda Saban-Dülger, Ulrich Stitzinger

Typiken zum fachspezifischen Umgang mit Anforderungssituationen diagnosegeleiteter Förderung
Lara Marie Graf, Uta Häsel-Weide, Karina Höveler & Marcus Nührenbörger
 

 

 


 

Empirische Sonderpädagogik, 2024.16:261-280
DOI    https://doi.org/10.2440/003-0032

ISSN     1869-4845 (Print) · ISSN 1869-4934 (ebook)

Professionelle Überzeugungen zur inklusiven Bildung: Validierung des Skaleninventars InkÜ bei berufstätigen Lehrkräften der Primarstufe

Sarah Strauß1, Johannes König1, Michael Grosche2, Thomas Hennemann1

1 Universität zu Köln
2 Bergische Universität Wuppertal


Zusammenfassung
Überzeugungen zur inklusiven Bildung von Lehrpersonen stellen einen zentralen Bestandteil ihrer professionellen Kompetenz dar und sind wesentlich für die Umsetzung von Inklusion, zum Beispiel bei der Planung und Durchführung von Unterricht. Im Mittelpunkt des vorliegenden Beitrags steht die Validierung des Skaleninventars Überzeugungen zur inklusiven Bildung (InkÜ), das sieben Skalen zu unterschiedlichen Inhalts- und Anforderungsbereichen umfasst. Anhand einer Stichprobe von n = 325 berufstätigen Grundschullehrkräften wird mithilfe von Konfirmatorischen Faktorenanalysen die Konstrukt- und faktorielle Validität sowie die Reliabilität des Skaleninventars geprüft und der Frage nach der Stabilität der Überzeugungen (Retest-Reliabilität) nachgegangen. Die Ergebnisse belegen die angenommene Struktur der Überzeugungen, einen reliablen Einsatz des Instruments bei berufstätigen Lehrpersonen und die theoretisch erwarteten Zusammenhänge mit beziehungsweise die Diskrimination von weiteren Konstrukten aus dem affektiv-motivationalen Bereich professioneller Kompetenz von Lehrkräften. Die Retest-Reliabilität liegt durchschnittlich in moderater Höhe. Die im vorliegenden Beitrag wie auch in früheren Untersuchungen mit dem Skaleninventar InkÜ gewonnenen Befunde lassen den Schluss zu, dass es mit dem Instrument gelingt, Überzeugungen zu verschiedenen Inhalts- und Anforderungsbereichen inklusiven Unterrichts bei unterschiedlichen Stichproben von angehenden und berufstätigen Lehrkräften zuverlässig zu messen.

Schlagwörter: Überzeugungen, Inklusion, inklusive Bildung, Lehrkräfte, Validierung


Professional beliefs towards inclusive education: Validation of the InkÜ scale inventory among primary school teachers

Summary
Teachers’ beliefs towards inclusive education are a central part of their professional competence and are essential for the implementation of inclusion in the planning and delivery of lessons. The focus of this paper is the validation of the scale inventory InkÜ - Beliefs towards inclusive education, in which seven scales covering different content and requirement areas are taken into account. Using a sample of n = 325 primary school teachers, the construct and factorial validity as well as the reliability of the scale inventory is tested with the help of confirmatory factor analyses, and the question of the stability of the beliefs (retest reliability) is investigated. The results confirm the assumed structure of beliefs, a reliable use of the instrument for working teachers and the expected correlations respectively discrimination with further constructs from the affective-motivational area of professional competence of teachers. The retest reliability is moderate on average. From the results obtained here, as well as from previous studies using the InkÜ scale inventory, it is concluded that the instrument succeeds in reliably measuring beliefs about different content and requirement areas of inclusive education in different samples of pre-service and in-service teachers.

Keywords: beliefs, inclusive education, primary school teachers, validation, inclusion
 


 

Empirische Sonderpädagogik, 2024.16:281-296
DOI    https://doi.org/10.2440/003-0033

ISSN     1869-4845 (Print) · ISSN 1869-4934 (ebook)

Förderung des Verständnisses von Lehramtsstudierenden über Barrierepotenziale auf Schul- und Pausenhöfen durch (un-)vollständige Analysebeispiele 

Rieke Frerichs1, Tim Heemsoth1 & Frederik Bükers2

1 Europa-Universität Flensburg
2 Leuphana Universität Lüneburg


Zusammenfassung
Schul- und Pausenhöfe gelten als Orte informeller Lernprozesse, an denen Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aufgrund materiell-räumlicher Barrieren häufig nur eingeschränkt partizipieren können. Dabei kann die Fähigkeit, Barrieren auf Schul- und Pausenhöfen zu erkennen, als zentraler Bestandteil professioneller Kompetenz von Lehrkräften verstanden werden. Unklar ist jedoch, wie ein Verständnis über entsprechende Barrieren gefördert werden kann. In Anlehnung an die Forschung zum beispielbasierten Lernen wird in diesem Beitrag die Wirksamkeit des Reflektierens von Analysebeispielen an sich, sowie der Einfluss einer schrittweisen Reduktion der Beispielinhalte (Fading) untersucht. Dafür wurden 87 Sportlehramtsstudierende in einer Prä-Interventions-Post-Studie auf drei Versuchsgruppen verteilt, in denen entweder nur vollständige Analysebeispiele bearbeitet (Vollständig), gefadete Beispiele vervollständigt (Fading) oder Barrierepotenziale selbstständig analysiert (Kontrollgruppe) wurden. Betrachtet wurden Veränderungen im nummerischen Bestimmen sowie beschreibenden Analysieren und Evaluieren von Barrierepotenzialen auf Schulhoffotos. Hinsichtlich des Bestimmens konnten die Studierenden der Gruppe Fading und hinsichtlich des Analysierens und Evaluierens die Studierenden beider Beispielgruppen (Vollständig & Fading) ihre Leistungen signifikant verbessern. Beim Analysieren und Evaluieren erzielten Studierende mit Beispielen höhere Lernzuwächse als in der Kontrollgruppe. In der Gruppe Fading liegen zudem signifikant höhere Leistungszuwächse im Bestimmen von Barrierepotenzialen im Vergleich zur Gruppe Vollständig und beim Analysieren und Evaluieren im Vergleich zur Kontrollgruppe und Gruppe Vollständig vor. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass das Verständnis über Barrierepotenziale auf Schul- und Pausenhöfen durch die Arbeit mit Analysebeispielen vielversprechend gefördert werden kann.

Schlüsselwörter: Lehrkräftebildung; Inklusion; Barrierefreiheit; professionelle Kompetenz; Spielplatz


Promoting teacher training students' understanding of potential barriers in schools and playgrounds through (in)complete analysis examples 

Summary
Schoolyards are considered locations for informal learning, yet children and adolescents with disabilities often face limited participation due to material and spatial barriers. Identifying these barriers in schoolyards can be understood as a central component of the professional competence of teachers for co-designing these spaces. However, it is unclear how to promote awareness of typical barriers found in schoolyards. Based on research on example-based learning, this paper investigates the effectiveness of reflections on analysis examples with and without gradually reduced content. For this purpose, 87 students majoring in Sports were assigned to three groups in a pre-intervention-post-study. These groups either worked with complete analysis examples (complete), completed gradually faded examples (fading), or independently analyzed barrier potentials (control group). Changes in the numerical determination and descriptive analysis and evaluation of barrier potentials on schoolyard photos were examined. Regarding determining, the students in the fading group significantly improved their performance. As for analyzing and evaluating, the students in both example groups (complete & fading) showed significant improvements. Regarding analysis and evaluation, students with examples also achieved significantly higher learning gains compared to the control group. Additionally, the students in the fading group demonstrated significantly higher performance gains in determining barrier potentials compared to the complete group, and in analyzing and evaluating barrier potentials compared to the control and complete group. Overall, the findings suggest that using analysis examples can effectively enhance understanding of barrier potentials in schoolyards.

Keywords: teacher education; inclusion; accessibility; professional competence; playground
 


 

Empirische Sonderpädagogik, 2024.16:297-314
DOI    https://doi.org/10.2440/003-0034

ISSN     1869-4845 (Print) · ISSN 1869-4934 (ebook)

Teachers’ Judgment Accuracy of Students’ Reading Comprehension in Inclusive Primary Schools

Sophia Hertel1, Karolina Urton2, Jürgen Wilbert2, Johanna Krull1, Jannis Bosch2 & Thomas Hennemann1

1 University of Cologne
2 University of Münster


Abstract
Reading comprehension is crucial in primary education. Yet a quarter of German fourth-graders, especially those with special educational needs (SEN), struggle with it. Teachers need diagnostic abilities to provide tailored support, but previous studies have identified limitations in how teachers assess low and average achievers and their tendency to consider irrelevant characteristics. This study examines the accuracy with which teachers in inclusive classrooms assess students’ reading comprehension at word, sentence and text levels and the extent to which student characteristics such as grade level, SEN and sex influence reading levels. The reading comprehension of 1,693 students with and without SEN was assessed using a standardized test and rated by 102 teachers. Using a multilevel analysis, we examined the degree to which the teachers’ assessments corresponded to the students’ standardized test performance and the extent to which this was related to the students’ characteristics. Results showed moderate correlations between teachers’ ratings and students’ reading performance at sentence and text levels, and low correlations at word level. The accuracy of judgments varied greatly among teachers and judgment accuracy at sentence and text levels increased as grade level increased. There was no effect for sex. SEN in learning was associated with lower accuracy in teachers’ assessments, as was SEN in emotion and behaviour but only on word level. Low-achieving students were assessed less accurately, although they are in particular need of tailored support in reading. As teachers must be able to identify struggling students and monitor their development, this highlights the need for further research into the characteristics of teachers with higher diagnostic skills.

Keywords: special educational needs, inclusive education, reading comprehension, accuracy of teachers’ judgement


Die Urteilsgenauigkeit von Lehrkräften bei der Beurteilung des Leseverständnisses von Schüler*innen in inklusiven Grundschulen

Zusammenfassung
Die Entwicklung eines guten Leseverständnisses ist insbesondere in der Grundschulbildung von entscheidender Bedeutung. Dennoch hat ein Viertel der deutschen Viertklässler*innen, insbesondere diejenigen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF), Schwierigkeiten damit. Lehrkräfte benötigen diagnostische Kompetenzen, um eine bedarfsgerechte Förderung anzubieten. Bisherige Studien haben gezeigt, dass Lehrkräfte bei der Beurteilung von Schüler*innenleistungen im geringen und mittleren Bereich nur begrenzt in der Lage sind diese genau zu beurteilen und dazu neigen, irrelevante Merkmale zu berücksichtigen. Daher untersucht diese Studie, wie genau Lehrkräfte in inklusiven Klassen das Leseverständnis ihrer Schüler*innen auf Wort-, Satz- und Textebene beurteilen und inwieweit bestimmte Schüler*innenmerkmale wie die Klassenstufe, der SPF und das Geschlecht das Leselevel beeinflussen. Das Leseverständnis von 1693 Schüler*innen mit und ohne SPF wurde anhand eines standardisierten Tests bewertet und von 102 Lehrkräften beurteilt. Mittels einer Mehrebenenanalyse wurde untersucht, inwieweit die Bewertungen der Lehrkräfte mit den standardisierten Testergebnissen der Schüler*innen übereinstimmten und inwieweit dies mit den  Schüler*innenmerkmalen zusammenhing. Die Ergebnisse zeigten moderate Korrelationen zwischen den Bewertungen der Lehrer*innen und den Leseleistungen der Schüler*innen auf Satz- und Textebene und geringe Korrelationen auf Wortebene. Die Urteilsgenauigkeit variierte stark zwischen den Lehrkräften und stieg auf Satz- und Textebene mit der Klassenstufe, während kein Einfluss des Geschlechts festgestellt wurde. Ein SPF Lernen war mit einer geringeren Urteilsgenauigkeit der Lehrkräfte verbunden, was, jedoch nur auf Wortebene, auch für den SPF im Bereich Emotionale und soziale Entwicklung festgestellt wurde. Schüler*innen mit geringen Leseverständnisleistungen wurden ungenauer beurteilt, obwohl sie besonders auf eine passgenaue Leseförderung angewiesen sind. Da Lehrkräfte in der Lage sein müssen, Schüler*innen mit Schwierigkeiten zu identifizieren und ihre Entwicklung zu beobachten, zeigt dies den Bedarf an weiterer Forschung zu den Merkmalen von Lehrkräften mit besseren diagnostischen Fähigkeiten.

Schlüsselwörter:  Sonderpädagogischer Förderbedarf, inklusive Bildung, Leseverständnis, Urteilsgenauigkeit, Lehrkräfte
 


 

Empirische Sonderpädagogik, 2024.16:315-333
DOI    https://doi.org/10.2440/003-0035

ISSN     1869-4845 (Print) · ISSN 1869-4934 (ebook)

Sprachentwicklungsstörungen im pädagogischen Alltag identifizieren: Einflussfaktoren auf diagnostische Entscheidungsprozesse von Lehrkräften in Ausbildung und Praxis 

Anja Starke1, Alexander Röhm2, Katharina Rademacher1, Michelle Grengel2, Nur Seda Saban-Dülger1 & Ulrich Stitzinger3

1 Universität Bremen
2 Technische Universität Dortmund
3 Leibniz Universität Hannover


Zusammenfassung
Diagnostisches Handeln im Kontext von Sprachentwicklungsstörungen (SES) wird oft sprachtherapeutischen Berufsfeldern zugeordnet. Kinder mit SES erfordern von allen Fachkräften, die am Bildungsprozess beteiligt sind, Sensibilität für das Erkennen von Förderbedarfen und entsprechende diagnostische Kompetenzen. Die vorliegende Studie geht daher der Frage nach, welche Faktoren diagnostische Entscheidungsprozesse im Zusammenhang mit SES beeinflussen. Dazu nahmen N = 454 Lehrkräfte im Primar- und Sekundarbereich unterschiedlicher Ausbildungs- und Praxisphasen an einer Online-Erhebung teil. Mittels eines vollfaktoriellen 3 × 2 × 2 × 2-Online-Experiment wurde untersucht, inwiefern Hinweise auf die Deutlichkeit einer SES-Symptomatik (keine vs. wenig deutliche vs. deutliche Symptomatik), die Mehrsprachigkeit (ja vs. nein), das Verhalten (unangepasst vs. angepasst) und das Geschlecht (männlich vs. weiblich) eines Schulkindes in einem fiktiven Beobachtungsprotokoll diagnostische Entscheidungen und zugeschriebene Ursachen durch die Lehrkräfte beeinflussen. Einstellungen und Selbstwirksamkeit zur Diagnostik sowie Wissen über SES wurden kontrolliert. Hinsichtlich Einstellungen, Selbstwirksamkeit und Wissen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Ausbildungs- und Praxisphasen sowie den Schulstufen. Die weiteren Ergebnisse legen nahe, dass Lehrkräfte sowohl sprachlich-kommunikative als auch sozial-emotionale Förderbedarfe weitestgehend zuverlässig identifizieren. Erstere konfundieren allerdings mit dem gleichzeitigen Vorliegen von Hinweisen auf eine Mehrsprachigkeit. Insgesamt zeigt sich, dass Lehrkräfte zunächst offen in einen diagnostischen Prozess einsteigen und bei einer gewissen Deutlichkeit der Symptomatik entsprechende Entwicklungsbereiche adäquat fokussieren. Es zeigt sich jedoch auch, dass es einer stärkeren Sensibilisierung während der Lehramtsaus- und Weiterbildung für die Verwobenheit der einzelnen Entwicklungsbereiche bedarf. 

Schlagwörter: Diagnostische Entscheidungen, Sprachentwicklungsstörungen (SES), sozial-emotionale Kompetenzen, Mehrsprachigkeit, Lehrkräfte


Identifying developmental language disorders in educational practice: Factors influencing diagnostic decision-making processes among teachers in training and practice

Summary
Diagnostic assessment in the context of developmental language disorders (DLD) is often associated with the field of speech-language pathology. However, professionals across various pedagogical disciplines may encounter children with DLD, requiring teachers to possess a high level of sensitivity and the skills necessary to identify DLD and address its impact on the educational process. This study investigates the factors influencing diagnostic assessment of DLD. To this end, N = 454 primary and secondary school teachers, spanning various training and practice phases, participated in an online survey. Using a 3 × 2 × 2 × 2-full factorial online-experiment, a fictional observation protocol was employed as a stimulus to examine how cues related to the severity of DLD (no DLD vs. mild severity vs. high severity), multilingualism (yes vs. no), behavior (unadapted vs. adapted), and pupil’s sex (male vs. female) influenced teachers’ diagnostic decisions and attributions about the child’s characteristics. Teachers’ attitudes and self-efficacy regarding diagnostics, as well as their knowledge about DLD, were controlled. The results show no significant differences in attitudes, self-efficacy, or knowledge of DLD between teachers from different training stages, practice phases, or school types. Further findings indicate that teachers reliably identify both language and communicative needs, as well as social-emotional needs. However, language-related judgements tend to be confounded by cues of child’s multilingualism. Overall, the findings suggest that teachers approach the diagnostic process with an open mind and focus appropriately on relevant developmental cues when the symptoms are clear. Nevertheless, there is a need to enhance teacher training and continuing education to better address the interconnectedness of the individual developmental domains.

Keywords: diagnostic decisions, developmental language disorders (DLD), social-emotional skills, multilingualism, teachers
 


Empirische Sonderpädagogik, 2024.16:334-350
DOI    https://doi.org/10.2440/003-0036

ISSN     1869-4845 (Print) · ISSN 1869-4934 (ebook)

Typiken zum fachspezifischen Umgang mit Anforderungssituationen diagnosegeleiteter Förderung 

Lara Marie Graf1, Uta Häsel-Weide1, Karina Höveler2 & Marcus Nührenbörger2

1 Universität Paderborn
2 Universität Münster


Zusammenfassung
Die komplexen Anforderungen an differenzierte Diagnostik, Zielsetzung und Planung sowie an individuell ausgerichtete Förderung im inklusiven Unterricht erfordern von Lehrkräften eine umfassende Expertise, sowohl fachübergreifend als auch fachspezifisch. Lehrkräfte, die Unterrichtsfächer fachfremd unterrichten, benötigen daher spezifische fachliche und fachdidaktische Kompetenzen, die insbesondere durch Fortbildungsmaßnahmen entwickelt werden können. Dieser Beitrag untersucht eine vom Deutschen Zentrum für Lehrkräftebildung (DZLM) initiierte Professionalisierungsmaßnahme, an der 46 Lehrkräfte teilnahmen, die fachfremd im Mathematikunterricht der Grundschule unterrichten. Die Maßnahme konzentrierte sich fachbezogen auf die Erfassung von Schwierigkeiten im Mathematiklernen und die Förderung der Lernenden. In einer qualitativen Studie zur Professionalisierung der diagnosegeleiteten Förderkompetenz wurden die Selbstberichte zu geplanten und durchgeführten Diagnose- und Fördermaßnahmen der Lehrkräfte mithilfe der dokumentarischen Methode analysiert. Im Rahmen dieser Analyse wurden für den fachspezifischen Umgang mit der Herausforderung einer diagnosegeleiteten Förderung zum fachdidaktischen Gegenstand der Operationsvorstellungen drei sinngenetische Typiken identifiziert, in denen jeweils drei Typen enthalten sind. Die Typiken basieren auf theoretischen Überlegungen und empirischen Forschungsergebnissen, wobei ihre spezifischen Merkmale detailliert herausgearbeitet werden.

Schlagwörter: Professionalisierung, inklusiver Mathematikunterricht, fachfremder Unterricht, Operationsvorstellungen, dokumentarische Methode

 

Typologies of subject-specific handling of challenging situations in diagnostic-guided sup-port

Summary
The complex requirements for differentiated diagnostics, goal setting, and planning as well as individualised support in inclusive classrooms require teachers to have a comprehensive range of expertise, both interdisciplinary and subject-related. Consequently, teachers who teach out-of-field must possess subject-specific and didactical competencies, which can be developed through professional development (PD) programmes. This article examines a PD programme initiated by the German Centre for Teacher Education (DZLM) in which 46 teachers who teach out-of-field mathematics at primary school participated. The PD concentrated on the identification of difficulties in learning mathematics and subject-related support for learners. In a qualitative study on the professionalisation of diagnosis-guided support competence, the teachers’ self-reports on planned and implemented diagnostic and support activities were analysed using the documentary method. In this analysis, three sense-genetic typologies, each comprising three types, were identified for the subject-specific handling of the challenge of diagnosis-led support for the subject-specific object of operational concepts. These types are based on theoretical considerations and empirical research results, of which the specific characteristics are worked out in detail.

Keywords: professional knowledge, inclusive mathematics teaching, out-of-field teaching, concept of operation, documentary method
 


 

Empirische Sonderpädagogik
16. Jahrgang · 2024  · Heft 4

Pabst, 2024
ISSN 1869-4845
 

» Empirische Sonderpädagogik im Online-Shop...





alttext    

 

Aktuell

Blogs

Journale