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Wilhelm Wundt: gerühmt, bewundert - und neu erklärt

Wilhelm Wundt (1832-1920) wird als Gründer der wissenschaftlichen - v.a. experimentellen - Psychologie reichlich gerühmt. Als Neurophysiologe, Psychologe und Philosoph "hat er einen theoretischen Horizont geschaffen wie kaum ein späterer Psychologe." Die Rezeption leidet jedoch meist unter Verengungen und Missverständnissen. Jochen Fahrenberg reagiert darauf mit seiner neuen Monografie, die nicht nur einen Überblick über das Gesamtwerk freigibt, sondern auch ungenutzte Anregungspotentiale für die aktuelle Wissenschaft erkennen lässt

Fahrenberg zitiert den Wundt-Schüler Emil Kraepelin: "Dass Wundt von der Physiologie zur Philosophie überging, war für ihn kein Abweg. Er hat es oft genug ausgesprochen, dass die Philosophie dasjenige enthalte, was allen Wissenschaften gemeinsam sei. Darum könne man von jeder Wissenschaft zur Philosophie gelangen. Aber man könne nicht Philosoph sein, ohne nicht vorher eine Sonderwissenschaft gründlich erlernt zu haben.

 

Wundts Anlage war vonvornherein auf das Allgemeine gerichtet. Er strebte überall danach, Richtlinien, große Gesichtspunkte aufzufinden, die Brücken zu schlagen, die verschiedene Wissensgebiete miteinander verbinden. Aber er schritt dazu immer nur vom Boden der Tatsachen aus. Bei seiner streng naturwissenschaftlichen Schulung war es selbstverständlich, dass zunächst mit allen erdenklichen Hilfsmitteln festgestellt werden muss, was ist, und dass der zuverlässigste Führer im Kampf um die Tatsache der messende Versuch ist ..."

 

Fahrenberg: "Die Postulate von Wundts Erkenntnislehre sind originell. Sie sind nicht einfach einer der hauptsächlichen Richtungen bzw. Varianten des Idealismus, Materialismus, Positivismus, auch nicht dem Monismus oder dem Dualismus des psychisch-physischen Zusammenhangs zuzuordnen und keinesfalls dem modernen physikalistischen Reduktionismus bzw. Naturalismus. Wundt hat den Begriff des psychophysischen Parallelismus geprägt. Er folgt hier Leibniz` Denken, das die Idee des Parallelismus psychischer und physischer Abläufe mit einer kategorialen Unterscheidung verknüpft: Die psychischen Prozesse sind unter dem Gesichtspunkt des Zweckprinzips und die körperlichen Prozesse unter dem Gesichtspunkt der Naturkausalität zu untersuchen. Beide Sichtweisen ergänzen sich zur Auffassung der psychophysischen Einheit des Menschen."

 

Fahrenberg sieht mit Gerd Jüttemann im wissenschaftlichen Erbe von Wilhelm Wundt zwei untrennbare Aspekte: "die konsequent antimaterialistisch inspirierte geisteswissenschaftliche Fundierung der Psychologie und den Aufbau einer historischen Kultur- und Sozialpsychologie".  

 

 

 

 

Jochen Fahrenberg:Wilhelm Wundt. Gesamtwerk: Einführung, Zitate, Kommentare, Rezeption, Rekonstruktionsversuche.

Pabst 2018, 408 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-435-3. E-book ISBN 978-3-95853-436-0   

 

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