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Progredienzangst: die Angst vor der Rückkehr einer Krebserkrankung

Wer einmal in seinem Leben an Krebs erkrankt ist, muss mit der Befürchtung leben, die Erkrankung könnte wieder auftreten. Diese sogenannte Progredienzangst tritt bei den meisten ehemaligen Krebspatienten auf – bei manchen allerdings nimmt sie derart große Ausmaße an, dass eine psychotherapeutische Behandlung der Angst notwendig wird. PD Dr. Andreas Dinkel (Klinikum rechts der Isar, TU München) fasst zusammen, welche Therapieansätze in diesem Falle anzeigt sein können (nachzulesen in der aktuellen Ausgabe 2/18 der Zeitschrift Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin).

Krebspatienten machen während der Akutphase einer Erkrankung schwere Zeiten durch. Auch nachdem die Krankheit überstanden ist, fällt es ihnen oft schwer, das Erlebte hinter sich zu lassen. Die Bedrohung, erneut zu erkranken, ist allgegenwärtig. Knapp die Hälfte aller Krebspatienten leiden nach der primären Therapie an starker oder zumindest moderater Progredienzangst.

Im Gegensatz den meisten anderen Ängsten, die psychotherapeutisch behandelt werden müssen, handelt es sich bei der Progredienzangst um eine reale Angst – das Risiko einer erneuten Erkrankung ist definitiv vorhanden. Die Inhalte einer Psychotherapie müssen diese Unterschiede berücksichtigen, etwa dass auch existenzielle Bedrohungen oder narzisstische Kränkungen eine Rolle spielen. Welche Ansätze haben sich bei Patienten mit diesen besonderen Eigenschaften bewährt?

Gruppentherapien sind beim beschriebenen Krankheitsbild durchaus angezeigt. Besonders die kognitiv-behaviorale Gruppentherapie zeigt große Erfolge: Mehr als die Hälfte der damit behandelten Patienten erfüllt nach der Therapie nicht mehr die Kriterien für eine klinische Progredienzangst. Auch die expositionsorientierte Gruppentherapie zeigt Wirkung: Knapp 40 Prozent der Krebspatienten zeigen noch ein Jahr nach Therapieende eine reliable Verbesserung ihrer Angstzustände.

Soll die Progredienzangst im Einzelsetting behandelt werden, bietet sich hierfür u.a. die Metakognitive Therapie an: Diese führt laut einer kontrollierten Studie zu einer Reduktion der Angst bis sechs Monate nach der Behandlung. Ebenfalls erfolgreich zeigen sich eine „gemischte kognitiv-verhaltenstherapeutische Einzel- und Internettherapie“ sowie die „Psychoedukation mit psychodynamisch-orientierter telefonbasierter Therapie“.

Es zeigt sich: Viele, teilweise sehr unterschiedliche Wege führen zum Ziel. Die Überlegenheit eines Therapieansatzes gegenüber anderen ist im Moment noch nicht erkennbar. Andreas Dinkel rät bei der Entscheidung zu schauen, welcher Ansatz zum jeweiligen Patienten passt. Wichtig ist vor allem, die persönlichen Auswirkungen der Angst zu erkennen und sich bei Bedarf therapeutische Hilfe zu holen – die Chancen, sich von der Progredienzangst befreien zu können, sind gut.

Nachzulesen in der aktuellen Ausgabe 2/18 der Zeitschrift "Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin" S.198-210

Andreas Dinkel: Psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung von Progredienzangst bei Patienten mit einer Krebserkrankung.

zum Journal: www.psychologie-aktuell.com/index.php .




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