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Gemeinsames Singen kann die Lebensqualität Demenzkranker erhöhen

Demenz

Zahlreiche Studien belegen einen positiven Effekt von Musik bei Demenzkranken – die Auswirkungen auf die sprachlichen Fähigkeiten, Gedächtnis und Orientierung sind teilweise beachtlich. Prof. Wolfgang Mastnak und Lisa Hittinger von der Hochschule für Musik und Theater München wollten es genauer wissen: Sie untersuchten speziell gesangsbasierte Interventionen für Patienten mit Alzheimer-Demenz – und konnten erstaunliche Erfolge beobachten (nachzulesen in: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, Ausgabe 1/2018).

Die Demenz gehört zu den meist gefürchteten Alterserkrankungen – kaum kontrollierbar und unaufhaltsam fortschreitend löscht sie die Erinnerungen und damit das, was den Menschen ausmacht, unwiederbringlich aus. Über eine Million Menschen in Deutschland sind von der Krankheit betroffen, viele davon pflegebedürftig.

Auch die Musik kann die Krankheit nicht aufhalten. Dennoch wird gerade dem aktiven Singen eine Art „Wunderwirkung“ nachgesagt: „Patienten beginnen wieder zu sprechen, erinnern sich an früher, orientieren sich besser und zeigen positive Emotionen.“ Dem sind Mastnak und Hittinger in ihrer Studie auf den Grund gegangen und realisierten eine Intervention, in der einmal in der Woche Studierende in einem Pflegeheim gemeinsam mit dementen Patienten sangen. Das Liedrepertoire umfasste vor allem Stücke, die Teil der Vergangenheit und Enkulturation der Teilnehmer waren. Ohne Notenblätter oder sonstige Vorgaben wurden die Patienten von den Studierenden zum Mitsingen eingeladen und motiviert.

Die Ergebnisse am Ende der Studie zeigten deutliche Verbesserungen bei den Teilnehmern, rein quantitativ vor allem im Bereich der Orientiertheit, aber auch bei der Sprachkompetenz, der Kommunikationsbereitschaft und der emotionalen Reaktion. Qualitativ konnten die Wissenschaftler ein „körperexpressives Erwachen“ feststellen, ein hohes Text-Erinnerungsvermögen und eine aufmerksame Wachheit und Präsenz im sozialen Geschehen – alles atypisch für Demenzkranke.

Mastnak und Hittinger gewinnen dem Singen mit Demenzerkrankten nur positive Aspekte ab – und rufen dementsprechend dazu auf, mit Betroffenen Lieder zu singen: bestenfalls mit positiver biographischer Bedeutung und vertrauter Kulturstilistik. So kann die Krankheit zwar nicht aufgehalten werden, fördert aber die biographische Erinnerung, mobilisiert das Sprachgedächtnis und unterstützt die sprachliche Kommunikation – insgesamt ein deutlicher Zugewinn an Lebensqualität.

Wolfgang Mastnak, Lisa Hittinger (2018): Singen mit demenzkranken Menschen.Eine hypothesengenerierende Pilotstudie zur Verbesserung der Lebensqualität und Symptomatik In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie 1/18. Pabst Science Publishers

Christian Fischer-Terworth: Evidenzbasierte Demenztherapie – Wissenschaftlich fundierte neuropsychiatrisch-psychologische Therapien für den ambulanten und stationären Bereich. Pabst, 128 Seiten Paperback, ISBN 978-3-89967-896-3




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