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Impfen gegen Heroinabhängigkeit: Ein neues Medikament wird erprobt

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Amerikanische Wissenschaftler haben eine Impfung gegen Heroinabhängigkeit entwickelt. In Ausgabe 1/18 der Zeitschrift rausch stellt Jörg Gölz, Suchtmediziner aus Berlin, vor, was es damit auf sich hat, auf welchem Stand der Entwicklung es sich befindet und dass es sich dabei nicht um ein „Allheilmittel“ handeln kann.

Heroinabhängige sind eine Hochrisikogruppe, was die Ausbreitung der des HI-Virus angeht. Um diese Gefahr medizinisch zu umgehen, werden sie aktuell vor allem durch eine Substitution mit Opiaten behandelt. Hinzu kommt im besten Fall eine psychosoziale Begleitung der Substituierten. Diese Art der Behandlung wurde zu Anfang ihres Einsatzes zunächst verteufelt – einzig die Abstinenz wurde als Lösung für Betroffene angesehen –, hat sich aber nach und nach durchgesetzt und wird als erfolgreiche schadensmindernde Behandlungsalternative inzwischen weltweit eingesetzt.

In den letzten Jahren hat sich die Drogensituation in den USA dennoch zu einer gesellschaftlichen Katastrophe entwickelt. Das Schmerzmittel Oxycodon (zur Gruppe der Opioide gehörig) machte eine „steile Karriere“, wurde wegen seiner angeblich geringen Nebenwirkungen millionenfach verschrieben und gehörte innerhalb weniger Jahre zu den umsatzstärksten Medikamenten. Bald wurde allerdings deutlich, dass das Suchtpotenzial des Medikaments  unterschätzt wurde: 2016 konsumierten bis zu 11 Millionen Amerikaner die Droge aus nichtmedizinischen Gründen. Aufgrund ihres hohen Preises stiegen viele wiederum auf das viel billigere Heroin um. Das Ergebnis: Inzwischen sterben jährlich ca. 64.000 Menschen in den USA an einer Opiatüberdosis.

Um eine Epidemie der Drogentoten zu verhindern, entwickelten amerikanische Wissenschaftler eine „Impfung“ gegen Heroin. Wie es funktioniert, erklärt Jörg Gölz folgendermaßen: „Diacetylmorphin wird an ein immunologisch wirksames Trägereiweiß gebunden und produziert geimpft eine Immunantwort, durch die Heroin und seine Abbauprodukte sofort nach Eintritt in die Blutbahn zerstört werden. So bleiben die Opiatrezeptoren im Gehirn frei von Erregung.“ Die Wirkung der Impfung soll acht Monate anhalten.

In Tierversuchen zeigte sich die Impfung bereits als erfolgreich, noch in diesem Jahr beginnen die ersten Versuche bei heroinabhängigen Menschen. Auch Impfstoffe gegen Kokain und Amphetamine sollen folgen.

Jörg Gölz macht deutlich, dass, auch wenn die Heroin-Impfung schon bald flächendeckend eingesetzt werden kann, ein vorheriger Substanz-Entzug sowie zusätzliche somatische, psychiatrische und psychosoziale Betreuung der Süchtigen dringend notwendig bleiben. Denn auch „Geimpfte“ sind nicht vor den typischen Suchtfolgeschäden sicher: Rückfallgefahr und Ausweichen auf andere Drogen, somatische und psychiatrische Schäden sowie soziale Desintegration.

 

Jörg Gölz (2018). Impfung gegen Heroin.

Eine neue therapeutische Kooperationsform zwischen Ärzten und psychosozialen Begleitern

In: rausch. Wiener Zeitschrift für Suchttherapie.

Ausgabe 1/18, S. 28–31. Pabst Science Publishers




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