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Kunsttherapie bei Depressionen erfolgreich

Birgit Naphausen, Angelika Neuert (2017). Methodische kunsttherapeutische Interventionen in der Akutbehandlung von Depressionen – eine empirische Feldstudie. In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 27(2), 198–218.  Pabst Science Publishers

Kunsttherapie: Birgit Naphausen und Angelika Neuert haben der empirischen Forschung im Bereich Kunsttherapie einen neuen Anschub gegeben. In einer Studie am Inn-Salzach-Klinikum in Freilassing haben sie acht methodisch ausgefeilte Interventionen zur kunsttherapeutischen Gruppenarbeit entwickelt und damit depressiv Erkrankte im stationären und teilstationären Bereich behandelt. Das Ergebnis ist überzeugend; die Krankheitssymptome gingen messbar zurück. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Musik-, Tanz- & Kunsttherapie“ (2/17) bei Pabst Science Publishers.

Die einzelnen kunsttherapeutischen Interventionen wurden spezifisch auf die Depressions-Problematik abgestellt:

  • Sensorisches Wahrnehmen und Gestalten werden stimuliert
  • Ressourcen und Fähigkeiten werden erinnert, gestaltet und reaktiviert
  • Der Zugang zu und der Ausdruck von Gefühlen werden stimuliert, die emotionale Schwingungsfähigkeit steigt
  • Zukunftsperspektiven werden in den Fokus gestellt
  • Motivation und Energie werden stimuliert
  • Konzentrationsfähigkeit wird geübt
  • Körpererleben kann Ressourcen aktivieren
  • Die positive Kraft eigenen Wollens und Entscheidens wird erleb und sichtbar.

 

Die WHO geht davon aus, dass weltweit ca. 322 Millionen Menschen von Depressionen betroffen sind. Das wären mehr als 4,4 Prozent der Weltbevölkerung und 18 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Für Deutschland wird die Zahl der Menschen mit Depressionen auf 4,1 Millionen geschätzt, das sind 5,2 Prozent der Bevölkerung. Dieser immens hohen Zahl von Betroffenen steht eine Vielzahl von Behandlungen gegenüber. Gerade in den letzten Jahren sind immer mehr therapeutische Ausprägungen entwickelt worden, die eine schnellere und effektivere Heilung versprechen – sei es im Bereich der Verhaltenstherapie, der Psychoanalyse oder Systemischen Therapie.

Die Kunsttherapie dagegen ist alles andere als neu: Sie versucht, mit bildnerisch-künstlerischen Medien therapeutische Veränderungen und eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zu erreichen. Da sie allerdings nicht standardisiert ist, waren die Studien zur Effektivität dieser Behandlungsmethode in der Vergangenheit wenig aussagekräftig – aufgrund methodischer Mängel und fehlender Übertragbarkeit. Dennoch gehört die Kunsttherapie heute in den meisten psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken standardmäßig zum Behandlungsangebot, vor allem wegen positiver Patientenfeedbacks und langjähriger Erfahrungen in der klinischen Behandlung psychischer Störungen.

 

Birgit Naphausen, Angelika Neuert (2017). Methodische kunsttherapeutische Interventionen in der Akutbehandlung von Depressionen – eine empirische Feldstudie. In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 27(2), 198–218.  Pabst Science Publishers

 




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