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Interkulturelle Vergleichsforschung: Das Paradies und die Schuldigen sind immer anderswo

"Universell ist die Tendenz der Paradiesvorstellung ausgeprägt, immer in einer anderen Kultur sein zu wollen. Nur: Welche diese andere erwünschte Kultur ist, hängt wiederum kulturspezifisch von den Auffassungen der Einzelnen ab." Zu diesem Befund kam Prof. Dr. Petia Genkova in einem detailreichen, empirischen Kulturvergleich (Deutschland, Bulgarien, Frankreich, China).

"Die Mangelbereiche des Wohlbefindens in der jeweiligen Kultur sind dafür ausschlaggebend, welche Inhalte die Paradiesvorstellungen dominieren."

Die Menschen weisen die Verantwortung für die schlechten Umstände im Allgemeinen den anderen oder einer unterschiedlichen Sozialgruppe zu. Diese Gruppen unterscheiden sich in den Kulturen; dennoch werden ihnen generell Merkmale wie Egoismus, Faulheit und antisolidarisches, unehrliches Verhalten zugeschrieben. Diese Verhaltensmuster werden negativ konnotiert, aber auch gleichzeitig als Erfolgsmuster bezeichnet.

Universell ist auch: Selbst wünscht man sich von den anderen eher Unterstützung und mehr solidarisches, gemeinschaftliches Verhalten, damit man sich besser fühlt und die sozialen Prozesse in der Gesellschaft günstiger verlaufen. Dennoch werden negative Muster - wie Egoismus - als Erfolgsfaktoren angesehen.

Auch eine Bereitschaft zur kritischen Haltung gegenüber der eigenen Kultur ist prinzipiell universal - wenn auch inhaltlich unterschiedlich: Bulgaren bemängeln v.a. die Armut in ihrem Land, Deutsche Egoismus und Bürokratie, Franzosen die hohe Besteuerung und Chinesen die drangvolle Enge.

Petia Genkova - selbst gebürtig in Bulgarien und aufgewachsen in Deutschland - identifiziert eine große Zahl geläufiger und überraschender interkultureller Gemeinsamkeiten wie Unterschiede.




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