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Politische Psychologie

2007-2/3 (122/123)

Editorial

Britta Kalscheuer
Transdifferente Positionalitäten als Manifestationen biografischer Grenzerfahrungen
Zusammenfassung | Abstract

Lars Allolio-Näcke
Transdifferente Positionalität und Autobiografie
Zusammenfassung | Abstract

Claudius Härpfer
Antisemitismus, Orthodoxie und humanistisches Bildungsideal. Transdifferenzprozesse im Deutschlandbild Albert Salomons
Zusammenfassung | Abstract

Udo Rauchfleisch
Transsexualität - Transidentität - Transdifferenz
Zusammenfassung | Abstract

Arne Manzeschke
Das Fremde im Eigenen. Identität und Leben mit fremden Organen
Zusammenfassung | Abstract

Thorsten Benkel
Das Andere der Differenz. Zur Relativität von Gegensatzkonstruktionen am Beispiel des Diskursnetzes: Wahnsinn / Vernunft
Zusammenfassung | Abstract

Günter Ewald
Nahtoderfahrung und Transdifferenz
Zusammenfassung | Abstract

 


Transdifferente Positionalitäten als Manifestationen biographischer Grenzerfahrungen
Britta Kalscheuer

Im Rahmen des Beitrages wird das Konzept der transdifferenten Positionalität vorgestellt und in den Diskussionszusammenhang ›Identitäten im Zwischenraum‹ gestellt. Transdifferente Positionalitäten nehmen biographische Grenzgänger ein, welche die Erfahrung kultureller Mehrfachzugehörigkeit machen. Sie sind eine ambivalente Erfahrung, insofern sie einerseits erlitten werden, andererseits aber neue Möglichkeiten eröffnen. Im Unterschied zu Breinig und Lösch wird das Konzept der transdifferenten Positionalität jedoch nicht auf kulturelle Grenzgänger beschränkt, sondern lässt sich auch auf Transsexuelle, transplantierte Menschen, Menschen mit Nahtoderfahrungen sowie allgemein Erfahrungen an der Grenze von Vernunft und Unvernunft anwenden, wie literarische Beispiele belegen. Als größte Errungenschaft des Konzeptes wird dabei angesehen, dass es eine präzisere Fassung von Identitäten im Zwischenraum erlaubt.

Schlüsselwörter: transdifferente Positionalität, Identität im Zwischenraum, Mehrfachzugehörigkeit, Ambivalenz, literarische Beispiele


Transdifferent Positionings as Manifestations of Biographical Border Crossings

In this article I present the concept of transdifferent positioning and integrate it in the discussion of ›in-between-identities‹. Especially biographical border crossers with experiences of multiple cultural belongings develop a transdifferent positioning. Transdifferent experiences are ambivalent in nature, because on the one hand they make people suffer, but on the other hand they open up new possibilities of living. In contrast to the founders of the term transdifference, Breinig and Lösch, I do not limit the concept to experiences of multiple cultural belonging, but extend it to experiences of transsexuality, transplantation, near-death experiences and experiences at the edge of rationality. All these experiences are illustrated by literary examples. As a result, it can be stated that the concept of transdifference contributes to an improved understanding of ›in-between-identities‹.

Key words: transdifferent positioning, in-between-identities, multiple cultural belonging, ambivalence, literary examples


J. Britta Kalscheuer
W. Goethe-Universität
Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften
Robert-Mayer-Straße 5
60054 Frankfurt am Main
kalscheuer@soz.uni-frankfurt.de

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Transdifferente Positionalität und Autobiografie
Lars Allolio-Näcke

Die Autobiografie kann als Paradebeispiel transdifferenter Positionalität gelesen werden, denn sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie kreativ mit der Anforderung, kohärent und authentisch zu sein hat, umgeht. Sie verknüpft historische Fakten auf ein bestimmtes Ziel hin mittels erzählender Lückenfüllung, sodass die Differenzen und Zeitbrüche, sowie die je eigenen divergierenden Gruppenzugehörigkeiten und Rollen zwar erhalten aber überbrückt bzw. vermittelt werden. Die Autobiografie ist damit eine zwischen Geschichte und Literatur changierende Gattung, die zwischen der (Re)Konstruktion des eigenen Lebens und der aktuellen Bewertung im Schreiben und Sortieren changiert und damit zwischen synchroner und diachroner Perspektive oszilliert.

Schlüsselwörter: Autobiografie, Biografie, Goethe, Transdifferenz


Transdifferent Positioning and Autobiography

Autobiography can be seen as the prime example of transdifferent positioning, because in autobiography the author deals creatively with coherency and authenticity. Here the author combines historical facts with fiction in regard to a specific aim. In doing so, incoherency and temporal gaps as well as belongings to different groups and roles are negotiated. Autobiography is a genre in-between history and literature that oscillates between the (re-)construction of someone’s own life and the actual reconsideration of it in the process of sorting, evaluating and writing. All in all, autobiography can be situated between the synchronic and diachronic perspectives on life.

Key words: autobiography, biography, Goethe, transdifference


Dr. Lars Allolio-Näcke
Lehrstuhl für Altes Testament
Universität Erlangen-Nürnberg
Kochstr. 6
91054 Erlangen
lars.allolio-naecke@theologie.uni-erlangen.de

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Antisemitismus, Orthodoxie und humanistisches Bildungsideal. Transdifferenzprozesse im Deutschlandbild Albert Salomons
Claudius Härpfer

Albert Salomon (1891-1966) war Deutscher und Jude zugleich. Angesichts dieser Spannung bildete er von frühester Jugend an eine transdifferente Positionalität aus, die ab 1935 im New Yorker Exil noch an Komplexität gewann. Sein Blick auf Deutschland war geprägt vom Gegensatz zwischen der herrschenden, latent antisemitischen, preußischen Hegemonie und seinem damit nicht zu vereinbarendem neuhumanistischen Idealbild. Im Laufe seines Lebens nahm er stetig neue Positionen zwischen diesen Polen ein, was sich besonders an den Schicksalsschlägen und Brüchen verfolgen lässt, die seine Biographie durchziehen.

Schlüsselwörter: Transdifferente Positionalität, Deutschjudentum, Antisemitismus, Humanismus


Anti-Semitism, Orthodoxy and the Humanistic Ideal of Education. Processes of Transdifference in Albert Salomon’s view of Germany

Albert Salomon (1891-1966) was a German and a Jew at the same time. From the very beginning, he developed a transdifferent positioning, because of his double binding; from 1935 in the New York exile its complexity even increases. His opinion of on Germany was affected by the contrast of two contradicting views on Germany: on the one hand the dominant, latent anti-Semitic Prussian hegemony and on the other one his own new humanistic Bildungsideal. During his life he oscillated and took new positions between these poles that can be illustrated by disruptions of everyday life and blows of fate.
Key words: transdifferent positioning, German Jewry, anti-Semitism, humanism


J. W. Claudius Härpfer
Goethe-Universität
Institut für Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften
Robert-Mayer-Straße 5
60054 Frankfurt am Main
haerpfer@stud.uni-frankfurt.de

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Transsexualität - Transidentität - Transdifferenz
Udo Rauchfleisch

Es wird der Versuch unternommen, Beziehungen zwischen dem Phänomen der Transsexualität/Transidentität (der Überzeugung eines Menschen, dem Gegengeschlecht anzugehören, mit dem Wunsch der Angleichung an das Gegengeschlecht) und dem Transdifferenzkonzept herzustellen. Das Transdifferenzkonzept bietet in verschiedener Hinsicht ein theoretisches Bezugssystem zum Verständnis der Transidentität: Transidente Menschen stellen ein Beispiel für das »Doing Identity« und die »Gleichzeitigkeit von Differenzerhaltung und Differenzveränderung« dar und überschreiten die Begrenztheit, die in der ausschließlich die Differenz (es gibt Frauen oder Männer) betonenden Einstellung liegt.

Schlüsselwörter: Homosexualität, Gendertheorie, Transdifferenz, Transidentität, Transsexualität


Transsexuality - Transidentity - Transdifference

In this article I try to show connections between the phenomenon of transsexuality/transidentity (that means someone’s belief in being a member of the other gender and the simultaneous wish on bodily as well as behavioural assimilation) and the concept of transdifference. In my opinion the concept of transdifference provides a theoretical frame of reference to understand the phenomenon of transidentity: Transidentical persons are prime examples for the process of doing identity and ›simultaneity of sustainment and change of differences‹. They transgress the limitations of maintaining the two gender perspectives (there are girls and boys).

Key words: homosexuality, gender theory, transdifference, transidentity, transsexuality


Prof. Dr. Udo Rauchfleisch
Hauptstrasse 49
Ch-4102 Binningen
udo.rauchfleisch@unibas.ch

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Das Fremde im Eigenen. Identität und Leben mit fremden Organen
Arne Manzeschke

Die Transplantationschirurgie hat innerhalb weniger Jahrzehnte unser Verständnis vom Menschen, von seiner Integrität und Identität nachhaltig verändert. Grund¬begriffe unserer Kultur wie Leben, Tod, Gesundheit, Autonomie, Per¬son, Menschenwürde, Gemeinschaft, Solidarität sind lebenspraktisch und ethisch unsicher geworden. Der Beitrag untersucht, inwiefern das kulturhermeneutische Konzept der Transdifferenz einen Zugewinn in der Analyse der Phänomene, Strukturen und Konstruktionen bedeutet, um der Frage nach dem Menschen und seinem technisch-kulturellen Schaffen neue Einsichten und Ausblicke zu verschaffen.

Schlüsselwörter: Anthropologie, Hirntod, Identität, Organtransplantation, Transdifferenz


Having the Alien Inside. Identity and Living with a Foreign Organ

The raise of transplantation changed our understanding of the human as well as ideas like integrity and identity lastingly over the last decades. Fundamental ideas of our culture, e.g. life, death, healthy, autonomy, person, human dignity, community, solidarity etc., became ethical precarious and precarious in everyday use. In this article I investigate the question, if the hermeneutical concept of transdifference is more useful than other concepts to analyse phenomena, structures and constructions to clarify especially the question of human being and his or her technical and cultural creating in contemporary world.

Key words: anthropology, brain death, identity, transplantation, transdifference


Dr. Arne Manzeschke
Arbeitsstelle für Theologische Ethik & Anthropologie
c/o LS Religionswissenschaft II
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
Arne.Manzeschke@uni-bayreuth.de

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Das Andere der Differenz. Zur Relativität von Gegensatzkonstruktionen am Beispiel des Diskursnetzes: Wahnsinn / Vernunft
Thorsten Benkel

Die neuzeitlichen Versuche, anhand des Leitbildes ›Vernunftsubjekt‹ den Wahnsinn aus der Welt hinweg zu rationalisieren, sind nicht nur repressiv gegenüber der verborgenen Poesie, die im devianten Anderssein auf eigentümliche Weise zum Vorschein kommt. Der strikten Bipolarität von Ratio und Wahnsinn, die sich in der psychiatrischen Ordnung und im Alltag in unterschiedlichen Ausprägungen auffinden lassen, fallen auch transdifferente Zwischenzustände zum Opfer. Die Hintergründe dieser Strategie werden mit Foucault und Derrida untersucht. Grenze und Bezugspunkt der Untersuchung ist die Unvermeidlichkeit der Bedingung, dass über die Künste des Wahnsinns jedoch nur in der Sprache der Vernunft berichtet werden kann.

Schlüsselwörter: Vernunftkritik, Psychiatrie, Aufklärung, Sozialgeschichte, Wahnsinn


The Other Side of Difference. About the Relativity of Constructions of Difference Illustrated by the Discourse on Insanity and Rationality

The modern trials to eliminate insanity in the name of the rational subject repress the latent poetry that is expressed in the deviant otherness. The bipolar difference of rationality and insanity in everyday life as well in psychiatry does away with transdifferent interstages. The underlying reasons are made clear by an analysis of Michel Foucault’s and Jacques Derrida’s writings. A striking fact is, that it cannot be spoken of insanity without referring to the (excluding) language of rationality.

Key words: criticism of rationality, psychiatry, enlightenment, history of society, insanity


Dr. Thorsten Benkel
J. W. Goethe-Universität
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse
Robert-Mayer-Straße 5
60054 Frankfurt am Main
benkel@soz.uni-frankfurt.de

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Nahtoderfahrung und Transdifferenz
Günter Ewald

Nahtoderfahrungen sind durch bestimmte Merkmale (Außerkörpererfahrung, Tunnel-Licht-Erlebnis, euphorische Glücksempfindungen usw.) gekennzeichnete Grenzerlebnisse, nicht notwendigerweise in Todesnähe, die meist sehr tief in das Leben der Betroffenen eingreifen und diese zu einer soziologisch schwer fassbaren Gruppe werden lassen. Die Methode der Transdifferenz (wie etwa von Lösch beschrieben) erscheint geeignet, zur Erforschung dieser Gruppe beizutragen. Wir beschränken uns im Wesentlichen darauf, Nahtoderfahrungen zu beschreiben und an Beispielen zu konkretisieren.

Schlüsselwörter: Nahdoderfahrungen, Transdifferenz


Near-death experience and Transdifference

Near-death experience is a border experience characterized by distinctive marks like the experience of being out of the body, the tunnel-light-experience, euphoric feelings etc., which necessarily is not restricted to a near-death experience. Rather it is an experience of human narrowness that deeply intervenes in the lives of people and so alienates them. As sociological group they are hardly to grasp, but transdifference seems to be a suitable method to contribute to its understanding. In the article I restrain myself on descriptions of near-death experiences.

Key words: near-death experiences, transdifference


Prof. Dr. Günter Ewald
Aeskulapweg 7
44801 Bochum
ewaldfamily@t-online.de

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