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Die neue Rechte: Angst und Größenwahn

Psychologie und Gesellschaftskritik: Warum wird die nationale Ehre Deutschlands gern wiederentdeckt? Der politische Psychologe Dr. Sebastian Winter diagnostiziert v.a. zwei Ursachen: die andauernde Wirtschaftskrise und die zunehmend deutlicher werdende Dominanz Deutschlands in Europa.

 

In "Psychologie und Gesellschaftskritik" erläutert der Wissenschaftler: "Beide Trends schlagen sich auf vielfältige Weise in der Psyche der einzelnen Deutschen nieder. Die soziale Entwicklung fördert Verlassenheitsgefühle, Empfindungen von Ohnmacht und Betrogen-worden-Sein, zugleich aber fördert der wachsende Einfluss Deutschlands in Europa und weltweit Gefühle nationaler Größe. Dieser Stolz ist es, der als Kompensation gegen die Gefühle der Einsamkeit gesetzt werden kann." Zu diesem Stolz zählt auch das Bewusstsein, die Schande der NS-Zeit mit einer qualifizierten, vielfach deklamierten Erinnerungskultur erfolgreich kompensiert zu haben.

 

"Als Alternative zur Auseinandersetzung mit aktuellen Interessenkonflikten im eigenen Land, dem Zwang zum individuellen Sich-Durchbeißen und der Angst vor dem Scheitern wird die Einheit des deutschen Volkes  beschworen. Die Ängste in der bürgerlichen Kälte, die viel mehr sind als konkrete Abstiegsängste, werden forciert, weil die gesellschaftliche Stabilität erodiert. Dann kann eine Suche nach heißeren Ersatzformen aufkommen: Gemeinschaft statt Gesellschaft. Und Hass auf die Anderen. Soll die Einheit des eigenen Volkes genossen werden, muss der Schuldige an der Misere zwangsläufig außen gesucht werden - oder er ist schon parasitär in das Innere eingedrungen."

 

 




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